Ausgabe 
25.12.1852
 
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in der Mitte zwiſchen einer barmherzigen Schweſter und einer Quäkerin; vielleicht errieth Herr Dacre ihr Inneres zu gut, und trotz der fleißigen Armenbeſuche dieſer Dame, trotz der Theilnahme, die ſie den Armenſchulen widmete, und trotz ihrer regelmäßigen lauten Kirchenandachten, blieb er ungerührt und zum Colibat entſchloſſen. Möglich, daß er die Prieſterehe mißbilligte; doch, glaube ich, war er zu einer Zeit verwundbar von dieſer Seite.

Wie entzückt war ich, ihn noch einmal wiederzuſehen, und mich von ihm ſeinekleine weiſe Freundin nennen zu hören, mit dem ſanften Lächeln und der liebevollen Art wie früher; ſechs Jahre hatten ihn verändert, er ſah etwas vergrämt aus, und wohl konnte er es, denn er war ein treuer Arbeiter im Weinberge des Herrn: ſeine Miſſion nicht auf die Armen beſchränkt; auch die Reichen und Vornehmen fühlten ſeinen Einfluß. Lord und Lady Treherne begrüßten ihn als einen alten und hochgeſchätzten Freund; und ich konnte in Gabrielens Weſen nicht die geringſte Aufregung wahrnehmen, ſo daß mein früherer Verdacht faſt gänzlich ſchwand. Sie brachte unſere ſchöne kleine Ella mit, umPapa's und Mama's Freund zu bewillkommnen, und Ella, mit ihrem lieblichen, einnehmenden Weſen, gab Herrn Dacre bald zu verſtehen, daß ſie ihn wirklich recht ſehr liebe: ſie war ein frommes Kind, und die Hauptfreude ihres unſchuldigen Lebens war, ſich von mir jene Geſchichten erzählen zu laſſen, die mich in den Tagen meiner Kindheit zu entzuͤcken pflegten, wie verſchieden von den ihrigen! Sie ſang ihre ſchönen Lie der, auf einem niedrigen Fußſchemel zu Lord Treherne's Füßen ſitzend, und der ſtattliche Edelmann pflegte mit Thränen in den Augen, voll tiefer Rührung auszurufen: Liebe Schweſter Ruth, liebe Schweſter Ruth, mein Herz ahnet nichts Gutes; gewiß werden die Engel dieſes Kind zu ſich nehmen und uns einſam laſſen.

Herr Dacre kam nicht häufig nach Treherne, aber er beſaß eine ſchnelle Beobachtungsgabe, und ſah, daß wir uns in dieſem Kinde einen Abgott aufgerichtet hatten; er warnte uns, aber Gabriele ſchauderte ja, ſchauderte vor Schrecken bei der nackten Wahrheit, auf die er hin wies, daß Gott eineifriger Gott ſei, und keinerlei Götzendienſt ungeſtraft hingehen laſſe....

Arme junge Mutter, wie kann ich die Scenen er⸗ zählen, die ich erleben mußte!

Ella ſtarb im Alter von zehn Jahren. Die Mutter ſaß ſprachlos und ſtill vier Tage und vier Nächte lang an ihrem Sarge; wir durften nicht wagen, ſie loszureißen, denn es lag in ihren Blicken ein Ausdruck der Aufregung, wenn wir das verſuchten, deſſen Bewerkſtelligung ſelbſt die Aerzte in Verlegenheit ſetzte. Sie hatte ſeit des Kin des Tode keine Nahrung zu ſich genommen; ſie war noch voller Hoffnung bis zum letzten Augenblicke: es ſei un

auch war

möglich, meinte ſie, daß ihr Kind ſterben könne; ihr Geiſt konnte die ungeheure Größe des Kummers nicht faſſen, welcher ihr aufbewahrt bleiben ſollte. So ſaß ſie da wie ein Stein kalt, ſchweigend und bleich, wie das Bild, welches ſie bewachte. Wer durfte es wagen, die Mutter zu wecken?

Herr Dacre unternahm die ſchreckliche Arbeit, aber es war faſt zuviel für ſein zartes theilnehmendes Herz; geſtärkt durch Kraft von oben kam er zu uns denn ich verließ meine Schweſter niemals und wir drei waren allein bei der Todten.

(Schluß folgt.)

Miscellen.

Ein Profeſſor der Chemie hatte im Collegium eine elektriſche Batterie gefüllt, und ſagte zu ſeinen Zuhörern: Sehen Sie, meine Herren, die Füllung dieſer Flaſche iſt ſo ſtark, daß ſie im Stande iſt, einen Menſchen zu tödten und einen Ochſen zu betäuben. Unverſehens kam der Profeſſor der Batterie zu nahe, ſie entlud ſich und warf ihn zu Boden. Die Studenten ſprangen hinzu, um ihm beizuſtehen, allein es war unnöthig, denn mit den Worten: Gott ſei Dank, ich war nur betäubt, rappelte ſich der Profeſſor wieder auf. ö

Ein junges Mädchen brachte einen Brief ohne Auf ſchrift zur Poſt.An wen ſoll er denn? fragte der Poſtbeamte.Ach! ſagte das Mädchen, und zupfte ver⸗ legen am Schürzenbande.Wohl an den Liebſten, mein ſchönes Kind?Ja, ſtammelte ſie kaum hörbar. Aber wie heißt er und wo wohnt er? Raſch ver⸗ ſetzte das Mädchen:Sie brauchen auch nicht Alles zu wiſſen! und lief fort, indem ſie dem erſtaunten Poſtbeam⸗ ten den Brief in der Hand ließ.

Ein Reiſender erkundigte ſich bei einem Kaufmanne nach den Verhältniſſen eines andern, auf welchen er einen Wechſel hatte. werden an ihm einen charmanten alten Herrn kennen ler⸗ nen, der aber leider blind iſt.Blind! rief der Fremde aus,ich bin verloren, mein Wechſel lautet nach Sich.

Als es noch verpönt war, in anſtändiger Geſellſchaft mit langen Beinkleidern zu erſcheinen, beſuchte ein Student einen Profeſſor in den damals erſt in Aufnahme kommen⸗ den ſogenannten Pumphoſen, und es entſpann ſich folgen des Geſpräch:

Sie haben da ſehr auffallende Beinkleider; die ſind wohl jetzt Mode?

Ja wohl, Herr Profeſſor!

Aber zu anſtändigen Leuten geht man mi ſelben doch wohl nicht?

Nein, Herr Profeſſor!

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Pachtliebhaber aus Friedberg, Ockſtadt und

Der Mann iſt gut, ſagte Jener,Sie

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

A τνοτττττιοιινονν

Garten ⸗Verſteigerung. (2028) Mittwoch den 29. Dezember d. J., Vormittags 10 Uhr, wird in hieſigem Rath⸗ hauſe zu Folge eingelegten Nachgebots ein der Frau M. M. Ortenbach, geb. Philippi zu Wetz⸗ lar, gehörender Garten,

Gemarkung Stadt Friedberg: Pag. 239 No. 58. 92,4 Klafter 47 Ruthen

Garten in der 15. Gewann, in der Köh⸗

lergaſſe an Franz Ruppel,

nochmals freiwillig unter dem Anfügen verſtei⸗

gert, daß bei annehmbarem Gebot die Geneh⸗ migung ſogleich ertheilt werden ſoll. Friedberg den 20. Dezember 1852. In Auftrag: Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Bekanntmachung,

(1918) Dienſtag den 28. Dezember l. J., Vormittags 9 Uhr, ſollen in hieſigem Rath⸗ hausſaale circa 70 Morgen in Friedberger und Fauerbacher Gemarkung gelegene Aecker des Hofgerichtsadvokaten Trapp III., ſoweit dieſe leihfällig ſind, oder ſeither von ihm ſelbſt be⸗ wirthſchaftet worden, theils ſtammweiſe, theils einzeln, auf zwölf Jahre unter den im Termin bekannt gemacht werdenden Bedingungen in Zeitbeſtand verliehen werden und ladet man die

Fauerbach hierzu ein. Friedberg den 3. Dezember 1852. In Auftrag:

Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter

Ben der Stearinlichter⸗Lieferung. (2013) Der Bedarf an Stearinlichter für

die hieſige Synagoge pro 1853, in circa 100

Pfund beſtehend, ſoll auf dem Soumiſſionswege an den Wenigſtfordernden vergeben werden, wo⸗ von man die betreffenden Intereſſenten mit dem Anfügen in Kenntniß ſetzt, daß die deßfallſigen Soumiſſionen verſiegelt und mit der erforder⸗ lichen Aufſchrift verſehen, längſtens bis zum 4. Januar 1853, Vormittags 10 Uhr, in der Wohnung des Unterzeichneken, woſelbſt

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