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a Adam Marquard zu Winkel, Reg.-Bez. Heppenheim,
Hengſt, von Farbe Rothſchimmel, als zur Zucht tauglich erkannt worden ſind.
Zugleich wird verordnet, daß außer den tauglich er⸗ kannten Hengſten, keine weiteren von Privatperſonen zum Bedecken von Stuten bei Meidung einer den Contrave— nienten treffenden Strafe von 3 fl. bis 5 fl. verwendet wer— den dürfen.
Die Gr. Bürgermeiſter, Gendarmen und ſonſtige Po— lizeiofftzianten, haben auf den Vollzug dieſer Bekanntmachung du achten und jede Zuwiderhandlung zur Anzeige zu bringen.
Friedberg den 17. Januar 1852.
Großh. Heſſ. Regierungs-Commiſſion des Regterungsbezirks Friedberg Dhnhseie r.
Zwei harte Steine mahlen ſelten reine. 5 Eine Geſchichte von W. O. v. Horn.
Das Sprüchwort, welches ich hier oben hingeſchrie— ben, hat zur Grundlage die Erfahrung jedes Müllers; aber der tiefere Sinn deſſelben iſt auch nicht ohne eine reiche Bewährung durch die Erfahrung. Harte Stiene und harte Köpfe haben viele Aehnlichkeit. Denn ſo zwei harte Köpfe, eigenſinnige, hitzblitzige Köpfe mahlen auch nicht reine, thun nicht gut zuſammen. Nur darin ſind ſie verſchieden, daß harte Steine hart bleiben, harte Köpfe
aber in der bitteren Schule des Lebens wohl weich werden. Dafur ſpricht auch die nachfolgende Geſchichte, deren Wahr⸗ heit ich verbürgen kann. Möge hin und wieder ein har— ter Kopf, der die Spinnſtube in die Hand kriegt, ſich dabei am Ohrläppchen faſſen und denken: der Schuß trifft
dich, Alterchen! Vor den Thoren der großen und reichen Seeſtadt
Hamburg liegt die Stadt Altona(iſt entſtanden aus dem inzenberg Plattdeutſchen: All to nah— All zu nahe). Dort wohnte ünzenberg. ein Kaufmann mit Namen Walther, ein rechtſchaffener, deerdoſen. thätiger Mann, der ſich ein ſchönes Vermögen im Handel addach. erworben hatte; aber er war ſo ein harter Stein, ein illingen. jähzorniger, eigenſinniger Menſch, der alle Tage recht haben ungen. wollte, vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. Da gab's schehen denn oft ein hartes Aneinanderſtoßen mit ſeinen Handels⸗ bebel. freunden— aber ſeine ſtrenge Rechtſchaffenheit ließ ſie
das Alles überſehen. Im Hauſe duckte ſich Alles, und 8 etwaiger ſagte der Vater: Zwei mal zwei iſt fünf, oder: Das den werden Waſſer läuft den Berg hinauf, ſo ſchwieg ſeine ſanfte elbach. Frau fein ſtille. Er kam dann ſelber am Ende drauf, onntntoth. daß doch zwei mal zwei vier iſt und das Waſſer den Berg ocenderg. hinab läuft; allein dann ſchwieg er ſtille und geſtand ſein amdach. Anrecht um alle Welt nicht ein. Waͤre ſeine Frau nicht * 4 ein recht weicher Stein geweſen, ſo wäre das Mehl auch ä ſchlecht geworden, und das aus dem alten Teſtamente Eonmiſſon bekannte„Haderwaſſer“ hätte tüchtig im Hauſe gebrauſt. ichen Sie hatte aber die Kunſt gelernt, das Maul zu halten und
ſtille zu thun, was ſie für recht hielt. Bei meiner Seele, wenn das die Frauen und Mädchen bei Zeiten lernten, es ſtünde beſſer um ſie und um ihr häusliches Glück, wenn ihnen etwa der liebe Gott einen harten 9 Stein von einem Manne beſchert hat oder noch beſchert. 2 Damit ſoll aber der harte Stein kein Lob geſagt kriegen; gebracht, das ſei ferne! Vielmehr rufe ich denen das Sprüch⸗ lein zu: f Brich den harten Kopf bei Zeiten, Willſt Frieden du mit andern Leuten; Und lernſt du das bei guter Zeit— Iſt im Hauſe und Herzen Zufriedenheit! Um wieder auf meinen Kaufmann zu kommen, ſo hatte er eine recht hübſche Zahl Kinder, und juſt zwei
feld, Hengſt,
feld, Heng, d beide Hin⸗
Herpenheim,
mehr, als ein Haus voll, nämlich ſieben. In ſeinem Hauſe herrſchte er, wie ein Selbſtherrſcher aller Reußen. Da hieß es: Hanneschen, duck' dich! Seine engelsmilde Frau räumte möglichſt Alles aus dem Wege, was ſeinen Jaͤhzorn reizen konnte, was ihn in böſe Laune hätte bringen können. Immer ging das nun nicht. Dann aber brauſte Blitz, Sturm und Donner daher, daß es Allen angſt und bange wurde. Unter den Kindern war der älteſte Sohn, Leonhard, ein Erbe des väterlichen, harten Kopfes. Bei großer Gutmüthigkeit, die er von der Mutter geerbt, war er ein Hitzkopf wie ſein Vater, und ſein Ei⸗ genſinn gab auch Hoffnung, mit der Zeit väterlich zu werden. Da konnte es denn gar nicht fehlen, daß es manche harte Nuß zu krachen gab.
Leonhard hatte das Alter erreicht, wo er wohl ſchon prüfen konnte und unterſcheiden, daß der Vater oft zuviel that und Unrecht hatte, wo er behauptete, Recht zu haben. Statt aber, wie es dem Sohne ziemte, ſtille zu ſchweigen, ſprach er dem Vater entgegen und dies artete zuletzt in offenbaren Trotz und Widerbellen aus. Natürlich wurde der Vater nur wilder und zorniger und die Geſchichte endete damit, daß er Leonhard prügelte. Hierdurch wurde dieſer nur unartiger und ſtarrköpfiger. Ach, wie litt da die arme Mutter! Alles bot ſie auf, den Sohn zu einem pflichtmäßigen Thun zu bringen; aber es war einmal zu weit zwiſchen Vater und Sohn gekommen, als daß es hätte anders werden können, vielmehr ſtieg die Zwiſtigkeit und Unverträglichkeit zwiſchen Beiden von Tag zu Tage. Nun kam es auch, daß ſich Leonhard einer Geſellſchaft anſchloß, die dem Vater mißfiel. Nun war's denn auf's Höchſte ge⸗ kommen. Eines Tages, an dem Walther gehört, daß ſein Sohn wieder bei den wüſten und rohen Geſellen geweſen, brach ſein Zorn ſo furchtbar los, daß er Leonhard zum Hauſe hinaus warf und ihm unter ſchrecklichen Drohungen verbot, jemals ſeine Schwelle wieder zu betreten.
Leonhard eilte fort, weil die Augen der Nachbarn auf ihm mißbilligend weilten; die Mutter ſank ohnmächtig nieder, die Kinder jammerten und der Vater tobte und polterte im Hauſe herum, wie ein Toller und Wahnſinniger.
Leonhard wußte eigentlich nicht, wohin er lief; aber es war der Weg nach Hamburg, wo man ihn nicht kannte. Er ſuchte vorerſt ein Plätzchen, wo er nur im Stande geweſen wäre, ruhiger über ſeine Lage nachzudenken, und fand es endlich am Hafen, wo Schiffsbauholz aufgethürmt lag. Dort ſetzte er ſich ſo, daß ihn, wie er meinte, Niemand ſehen könne. Da brach denn das, was ſeine Seele jetzt ſo ſtürmiſch bewegte, in lauten Worten hervor, die Ungerechtigkeit ſeines Vaters gegen ihn. Daß er ſelber gefehlt, das erkannte er nicht. Es iſt ja leichter, den Splitter in des Andern Auge, als den Balken im eigenen Auge zu ſehen! Er ſah wohl ſeine Lage ein, allein der unbändige Trotz ſeiner Seele ließ es nicht zu, gleich dem verlorenen Sohne zurückzukehren zu dem Vater und zu ſagen: Vater, ich habe geſündigt im Himmel und vor dir. Bis ſolch' eine Geſinnung Raum in ſeiner Seele fand, mußte erſt noch der harte Stein mürbe werden. Jetzt war er noch zu hart! Allerdings war ſeine Lage nicht die lieblichſte. Er hatte ja nichts weiter von Kleidungsſtücken und Wäſche, als was er auf dem Leibe trug; kein Geld, als das Wenige, das er zufällig in ſeinem Säckel hatte. Und nun ſollte er in die Welt gehen und ſich durchſchlagen? Als er ſo da ſaß und laut in ſeinem Eifer über das Alles mit ſich ſelber redete, trat hinter dem Schiffsbauholz ein alter Mann hervor. Es war ein Schiffszimmermann, der an dem Holze geſtanden hatte, um ſich eins zu ſeinem Gebrauche davon auszu⸗ ſuchen. Der alte, brave Mann kannte zwar Leonhard


