Ausgabe 
23.6.1852
 
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und Bublach 5. Juni.

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fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen,

den Uegierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

N 8.

Mittwoch den 23. Juni

1852.

Wer Audern eine Grube gräbt, fällt ſelbſt hinein.

Von W. O. von Horn.

Als ich nachfolgende Geſchichte hörte, dachte ich an das Sprüchwort, das über der Geſchichte ſteht und an das andere, das ſagt: Das falſche Geld kommt immer wieder an Den zurück, der's ausgegeben hat.

Der Schultheis von*** war ein ſchlitzöhriger Herr Bauer, ſo ein Manſchettenbauer, wie man ſagt. Er war

ein reicher Mann, hatte aber nicht immer die Stricke ver⸗

mieden, in welche Die fallen, die da reich werden wollen. Es drückte ihn, daß er ein Bauer war und daß er kein Herr ſein ſollte. Grade, als ob es eine Schande wäre, ein Bauer zu ſein! Nun, nicht alle Eſel haben vier Beine und Hochmuthsnarren gibt's genug in der Welt. Lacht ſie aus, das iſt das Geſcheidteſte!

Der Schultheis hatte zwei Männer in der Gemeinde, die ihm auf die Finger guckten, wenn er fünf grad' und vier ungrad machte, oder ein Schäflein für ſich ſchor, oder das beſte Holzloos aus dem Walde für ſich heimfahren ließ und hernach erſt recht mitlooste. Die deckten ihm allemal den rechten Topf auf, daß auch andere Leute ihm bis auf den Boden ſahen und klopften ihm, wenn auch mit Worten, tüchtig auf die Finger. Das konnte nun un⸗ ſer guter Herr Schultheis gar nicht vertragen, noch we⸗ niger vergeſſen und er dachte: Wart', ich krieg' dich auch einmal dazwiſchen, dann ſollſt du mir's entgelten! Iſt's heut nicht, ſo iſt's morgen!

Nun macht ſich's, daß eine Compagnie Soldaten in das Dorf kommt. Da denkt der Schultheis: Jetzt blüht mein Waizen!

Die beiden guten Freunde aber, an die er ſo lieb⸗ reich dachte, waren der Müller und ſein Schwager, der Bäcker Veit.

Als der Lieutenant zum Schultheis kommt, ſagt er: Herr Schultheis, beſorgen Sie mir nur ja ein gutes Quartier: ich ſchlafe gerne gut, eſſe und trinke nicht gerne ſchlecht und liebe auch eine feine Stube. Wenn's nämlich ſein kann!

Von Herzen gerne, ſagte der Schultheis mit freund⸗ licher Miene; aber Sie müſſen mir auch einen Gefal⸗ len thun.

Gewiß rief der Officier; ſagen ſie nur, welchen?

Da haben wir zwei Kerle in unſerm Orte, ſprach der Schultheis, reiche Bauern, tüchtige, dicke Bauern, aber die ſind ſchäbig und knickerig. Kein Soldat will im

Quartier bleiben und warum? Weil ſie nicht ſatt zu eſſen kriegen, und das Wenige ſo ſchlecht, daß ſie's nicht eſſen mögen. Denen möchte ich einmal ſo rechte Beißzangen, ſo rechte Sortenflegel ins Haus legen, die ſie tüchtig zwie beln. Haben Sie ſo zweie? a

Das mein' ich, ſagte der Officier. Zwei Kerle, die, wenn ſie höflich ſind, Einem die Zähne einſchlagen.

Das wären ſo meine Leute! ſagte, die Hände rei bend, der Schultheis. Wollen Sie ſo gut ſein und mir die Leute zuſchicken, ich will ihnen die- Quartierzettel ſelber geben und noch das Nöthige hinzufügen, damit ſie wiſſen, wie viel Uhr es iſt?

Das verſprach der Officier, und ging ſeines Wegs. Bald darauf traten zwei Kerle herein, die ausſahen, wie all nichts Guts. Der eine hatte braunrothes Haar und machte ein Geſicht, als wollte er Einen gleich aufeſſen. Er war groß und ſtark.

Aha, dachte der Schultheis, den kriegt der Müller! Das iſt ſo ein rechter Pfalzvergifter. Hort mal, ſagte er, Ihr kommt in Nro. 11. Es iſt eine Mühle, gleich vor dem Dorfe. Ihr könnt nicht irren. Ich bedauere, daß ich Euch in dieß verrufene Haus ſchicken muß; aber es geht nicht anders. Weil ich es aber gut mit Euch meine, ſo will ich Euch zuvor ſagen, wie es dort ausſieht. Der Müller iſt ein reicher Mann, aber er gibt dem Soldaten nicht, was ihm gebührt, man muß ihm Alles herauspraſ ſen. Ich denke, nun wißt Ihr genug. Höflichkeit wäre da eine Sünde.

Will ihn ſchon zahm und geſcheidt machen! ſagte der rothe Soldat und ging mit ſeinem Quartierzettel der Mühle zu.

Ihr, ſagte der Schultheis zu dem Andern, der drein ſchaute, wie ein rechter Strauchmörder: Ihr kommt zu einem Krakeeler. Es iſt der Bäcker Veit in Nro 128. Der hat noch mit allen Soldaten Streit angefangen. Wenn Ihr ihn nicht tüchtig abwalkt, ſo könnt Ihr Hunger lei⸗ den. Macht, was Ihr wollt, hier iſt das Papier mit Nro. 128. Seid Ihr auch ſtark?

Den will ich kuranzen, ſagte der Soldat. Ihr ſollt Eure Plaiſir dran haben, und was die groben Fäuſte be⸗ trifft, ſo ſuch' ich meines Gleichen umſonſt.

So kommt's mir auf einen guten Schoppen nicht an, wenn's vorbei iſt, ſagte der Schultheis und der Sol dat machte ſich fort.5

Jetzt rieb der argliſtige Schultheis fröhlich die Hände und ſagte: Da nun hab' ich's den Judaſſen einmal ein⸗