Ausgabe 
22.9.1852
 
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300 der Tag, wo ſie ihr achtzehntes Jahr vollendet hatte, ſie h

ihn unter Hecken oder auf einſamen Feldern zubringen, denn ich bin in der Nähe keines meiner Brüder.

Eurer Brüder? fragte ich forſchend.

Meiner Glaubensbrüder, meine ich, erwiderte er; ich bin ein Jude. i

Jenun, ſagte ich, um dem einſamen Wanderer meine Theilnahme zu bezeugenEure Brüder ſollen recht liebreich gegen einander ſein!

Herr, erwiderte der Israelit,das Band des ge meinſamen Glaubens iſt die Parole unter uns; der Reiche muß ſeinem armen Bruder Nahrung mittheilen, der Starke dem Schwachen den Arm leihen, der Glückliche den Un⸗ glücklichen troͤſten. Als ich in Wohlſtand, Kraft und Glück war, habe ich, ich hoffe es, großmüthig gegen meine Brü der gehandelt.

Sie waren einſt reich? forſchte ich theilnehmend.

Ich war es, ſagte er,aber ich bin herabgekom men.

Sie haben wohl Ungewöhnliches erfahren? ich würde es Ihnen ſehr danken, wollten Sie mir ein Stück Lebensgeſchichte erzählen! a

Die Zuge des armen Mannes verdüſterten ſich plötz lich, und ſein ganzes Weſen verrieth das Auftauchen ſchmerzlicher Erinnerungen und tiefer Aufregungen in ihm, die ihm die Sprache raubten. Endlich nach einer ziemlich langen Pauſe, hub er an:Herr, ich will es Ihnen mit⸗ theilen es thut mir immer wohl, wenn ich es kann. Es liegt Nichts daran, wie weit ich noch dieſen Abend wandere. Laſſen Sie uns zuſammengehen, und ich will Ihnen Alles erzählen. a

Mein Name, ſo begann er,iſt Eliezer Ben Ru ben(Ruben's Sohn). In dem Lande, aus dem ich komme, werden wir mit dem Namen des Vaters benannt, der un ſerem eigenen Namen ſtatt des Zunamens beigefügt wird. Seit beinahe undenklicher Zeit wohnten meine Vorfahren in einem kleinen Hauſe, wenige Schritte innerhalb der Thore des Judenviertels in Smyrna. Hier erbte mein Vater von dem ſeinigen die Handlung mit feinen Gewür⸗ zen und Apothekerwaaren, die einen bedeutenden Ruf auch außerhalb des Ghetto's hatte, und ich lebte bei ihm. 2 In meinen Jünglingsjahren wollte ich ein ſchönes Mäd chen heirathen, das in unſerer Nähe wohnte; aber mein Vater widerſetzte ſich, mit vernünftigen Gründen, meinem Wunſche. Jahrelang bemühte ich mich, ſeinen Entſchluß zu ändern, jedoch vergebens. Er ſtarb und ſterbend noch erklärte er ſich feierlich gegen die Verbindung, die mein Herz erſehnte. So lange er lebte, hatte ich ihm gehorcht; aber kaum war er in's Grab geſenkt, kaum waren die dreißig Trauer-Tage verfloſſen, als ich zum Hauſe meines Nachbars ging und um die Hand ſeiner Tochter anhielt. Sie ſollen hören, wie dieſer Ungehorſam des Sohnes ſiebzigfach gerächt ward. Meine Frau brachte, nachdem wir ſchon mehrere Jahre verheirathet waren, ein Kind zur Welt, aber die Geburt deſſelben koſtete der Mutter das Leben; unter heißen Thränen begrub ich ſie, die meinem Herzen ſo theuer geweſen. Das Kind, meine Tochter, war, wie Sie denken können, jetzt der Gegenſtand meiner zärtlichſten Liebe: Ich wartete ſie, als ſie klein war; wachte über ſie mit nie ermüdender Sorgfalt als ſie her anwuchs, wachte über ſie, Gott iſt mein Zeuge, mit wel

cher Innigkeit! Jeder Sommer, der über ihr Haupt

hinging, lehrte mich ſie mehr, ſie zärtlicher lieben. Kein Wunſch wurde ihr verſagt, ja ich kam ihren Wünſchen zuvor. Ich und meine ganze Umgebung, wir Alle machten es zur Aufgabe unſeres Lebens, ihr Freude zu bereiten. Aber in dieſer Welt iſt keine Freude von Dauer ich habe es erfahren. Eines Tages es war gerade

war in der Blüthe der Schönheit und überſtrahlte alle

Mädchen Smyrna's eines Tages kam ich zufällig une

erwartet in ihr Zimmer. Wie erſtaunte ich, als ich bei'm

Eintreten bemerkte, das ſie ein Porträt in der Hand hattel f

Ein Porträt! von wem konnte es ſein? Daß der gleichen bei den Muſelmännern nicht erlaubt ſei, wußte ich. Aufgeregt eilte ich hinzu, um das Bild zu unterſuchen. Sie bemühte ſich, es zu verbergen, aber ich

wand es ihr aus den Händen und ſah das Bild eines

jungen Chriſten, eines Kaufmanns, der nicht weit von e! le uns außerhalb des Ghetto's wohnte. Es war, ſage ich, 1 das Bild eines Chriſten, eines Franzoſen, eines Fremd

lings für unſer Land, für unſere Brüder, für unſern Glau ben. Außer mir vor Zorn, fragte ich, was das bedeute.

Zitternd warf ſich das Mädchen mir zu Füßen, brach in! Thränen aus, bemühte ſich, meinen Zorn zu beſänftigen fl

und geſtand mir ſchreckliches Geſtändniß für das Ohr eines israelitiſchen Vaters geſtand mir, daß ſie der Chriſten liebe, daß ſie ſchon drei Jahre dieſe Liebe im

Geheimen genährt, und daß der junge Chriſt ſie mit glei len

cher Zärtlichkeit liebe. Da, als ich Alles gehört, ſprach ich den Fluch über

dieſen Menſchen aus, einen ſchweren Fluch; ja, ich hätte fi auch mein eigenes Kind verflucht, hätte nicht der rührende

Aublick ihrer Schönheit, ihrer Thränen meine Stimme zu⸗ rückgehalten, und die plötzliche Erinnerung an ihre Mut- ter, die ihr eigenes Leben hingab, um mir meine Tochter zu geben, den reißenden Strom meiner Wuth gehemmt, Ich verſuchte alle Mittel, Ueberredung, Befehl, Rath, An⸗ ſprache an ihr Herz, Androhung eines nie vergebenden

Zorns, um ſie zu bewegen, dieſe unglückſelige Zuneigung

aufzugeben. Vergebens vergebens; ſie blieb unbeweg lich, ſie wollte nicht laſſen von dieſer Liebe. Endlich, nach

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dem ich Alles umſonſt verſucht hatte, um dieſe Leideuschaft erdacht

bei ihr zu bekämpfen, entſchloß ich mich zu einer Maßre gel, die nach meiner Meinung die Verbindung aufheben mußte. Ich verkaufte mein Geſchäft, ſchnell und daher ſehr unvortheilhaft, verließ dann, ohne irgend Jemand von meinen Abſichten zu unterrichten, plötzlich Smyrna und nahm meine Tochter mit.

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5. 5 90 zu Kil Unſer erſtes Nachtlager nahm ich in einem Städt⸗ een

chen, eine Tagereiſe von Smyrna, und belegte zwei Zim mer in einem einſamen Hauſe, um dort zu übernachten, Früh am nächſten Morgen ſtand ich auf, um meine Reiſe fortzuſetzen; ich ging zum Zimmer meiner Tochter, um ihr zu ſagen, daß ſie ſich zu Weiterreiſe fertig machen ſolle. O mein Gott! ſie war entflohen, in der Nacht ent flohen Niemand im Hauſe wußte, wann oder wohin. Schnell, ſo ſchnell die flüchtigſten Roſſe rennen konn ten, eilte ich zurück nach Smyrna und erfuhr, was ich ſchon gefürchtet, daß der junge Chriſt den Morgen vorher die Stadt verlaſſen habe. Mein Verdacht war beſtatigtz mein Kind, mein Leben, mein Glück, war mit dem Frem⸗ den geflohen. Der Sturm war ausgebrochen über mei nem Haupte. Smyrna war mir nun verhaßt. Ich lud meine Beutel mit Zechinen und einen kleinen Ballen mit Produkten Natolien's auf ein Maulthier, und verließ für immer die Stadt, wo ich geboren, wo meine Vorfahren begraben waren und wo auch ich zu ſterben gehofft hatte.

Ich ging über die Straße der Dardanellen und nahm meinen Aufenhalt in Konſtantinopel; aber das Andenken an meine Tochter drückte meine Seele, nagte an meinem Herzen; ich hatte keine Ruhe. Bei den Geſandtſchaften in Pera machte ich unaufhörlich Nachforſchungen, endlich mit einigem Erfolg; bei der franzöſiſchen Geſandtſchaft er fuhr ich Etwas, das mich leiten konnte. Man ſagte mir,

ir 1831 zu Gunſte ſärtner von da über Inichtlch ausgeſtellie reibung iſt angebli Juittung des Gläubi rſehen worden war, Es werden auf d kelche Anſprüche aus aw. der fraglichen! Iben, aufgefordert, den 10. 2

hier zu begründen, eie Urkunde für ver bung des Pfandeintt banau am 10. 6 Kurfürftlich

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1 Arbeits⸗ 920 An denen n u dabſtreparat up i Daubezit Kochabpeg, Einstein ben und dagelun an den Wuichnehme 1) In Mace tender l. J., bei Frau Gi zirken der Ba

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