Ausgabe 
21.8.1852
 
Einzelbild herunterladen

264

polniſchen oder vielmehr ruſſiſchen Leibeigenſchaft(denn

aus einem der nachſtehenden Zuge geht hervor, daß die⸗

ſelbe ruſſiſchen Urſprungs iſt) und der Kataſtrophen lie⸗ fern, die es nicht etwa nur zu den Zeiten Katharina's im Gefolge hatte, ſondern hie und da jetzt noch zu Tage för⸗ dert. Der polniſche Adel erſtrebt nämlich ernſtlich die

Leibeigenſchaft ſeiner Unterthanen, aber die ruſſiſche Ober⸗

gewalt verbietet ſie..

Das Städtchen Proberez liegt in der polniſchen Pro⸗ vinz Podolien am Fuße eines Felſengebirges, welches von zahlreichen Quellen beſpült wird. Es beſteht aus einem Haufen elender Hütten mit einer katholiſchen Kapelle und zwei griechiſchen Kirchen in der Mitte, welche letztere ſich durch ihre vergoldeten Thürme auszeichnen. Auf der einen

Seite des Marktplatzes ſteht das einzige Wirthshaus des

Ortes, und auf der gegenüberliegenden reihen ſich einige Läden an, aus deren Fenſter und Thüren ſchmutzig geklei dete Juden ſchauen. In einiger Entfernung erhebt ſich auf einem mit Weinreben und Obſtbäumen bedeckten Hügel das Schloß, ein Gebäude, welches dieſes Namen vielleicht nicht ſo ganz verdient; doch wer hätte es wagen wollen, die Wohnung des Gutsherrn anders zu nennen?

An dem Morgen, mit welchem unſere Erzählung be ginnt, war von dieſem Schloſſe aus der eben nicht unge wöhnliche Befehl an den Oberaufſeher des Gutes ergan gen, dem Herrn ein Paar kräftige Jungen zum Dienſt in den Ställen, und ein junges Mädchen, welches in der Garderobe verwendet werden ſollte, zu liefern. Demzu⸗ folge wurde eine Anzahl der ſtattlichſten jungen Bauern von Olgogrod in der zum Schloſſe führenden breiten Allee verſammelt. Einige waren von ihren bekümmerten und weinenden Eltern begleitet. Aller Herzen aber flüſterte eine ſchwache HoffnungVielleicht iſt es doch nicht gerade dein Kind, das ſie auswählen.

Sie wurden ſofort in den Schloßhof gebracht, und Graf Roszynsky trat mit mehreren Gliedern ſeiner Familie heraus, um ſeine heranwachſenden Unterthanen zu beſichti gen. Er war ein kleiner Mann von unbedeutendem Aeußern, etwa 50 Jahre alt, mit tiefliegenden Augen und überhän⸗ genden Brauen. Seine Gemahlin ſtand faſt in demſelben Alter, war ungemein ſtark und hatte dabei ein gemei⸗ nes Geſicht und eine laute unangenehme Stimme. Sie machte ſich lächerlich, indem ſie ariſtokratiſche Manieren und Haltung nachzuahmen ſuchte, denn trotz der Niedrig keit ihrer Herkunft wollten ſie und ihr Gemahl ſich in jene Sphäre hinaufdrängen. Der Vater des hochgebore nen Grafen Roszynsky war nämlich nicht mehr und nicht weniger als Kammerdiener geweſen, hatte ſich aber, da er ſich bei ſeinem Gebieter ſehr in Gunſt zu ſetzen wußte, eine ſo große Summe zuſammengeſcharrt, daß er ſeinem Sohne und Erben das große Gut Olgogrod mit dem all einigen Eigenthumsrecht über 1600 menſchliche Weſen

5.. e kaufen konnte. Ueber dieſe führte nun d Letztere en A eg 15 genaue Kontrole, und wehe ihnen, wenndurch de e den furchtbaren Druck zur Verzweiflung gebracht, eine Han Gellar lung der Rache zu begehen wagten. Dann konnte er fl 110 in einen ungeſunden Kerker werfen, wo ſie Jahre lan, gr dem Tageslicht entzogen, an einer Hand angekettet lagen 115 vu bis ſogar ihr Daſein im Gedächtniß der Menſchen erloſchlſſ un lo nh 11 den Kerkermeiſter ausgenommen, der ihnen täglich eineſff e N Krug Waſſer und ein Stück trocken Brod brachte. a0 ana Einige von den alten Bauern behaupteten, in einen ff 5 di dieſem unterirdiſchen Kerker ſei auch Sava eingemauerl 1. 1 der Vater jenes jungen Bauernmädchens, das dort an deln en a. Die

Spitze ihrer Gefährten neben einem alten Weibe in 5 Schloßhofe ſteht. Sava befand ſich immer in der nächſte 0 gl Umgebung des Grafen, der ihn nebſt ſeinem kleinen mut zuedberg den terloſen Kinde aus fernem Lande mitgebracht hatte. Dat Ramſt Kind übergab Sava der Pflege eines alten Mannes ung* ſeines Weibes, welche die Obhut über die Bienen in einenſ gummetota⸗ nahe beim Schloſſe gelegenen Walde führten, und wo el) Dr doe bisweilen hinging, um das Kind zu beſuchen. Aber einſfſ hemmen ea verſtrichen ſechs lange Monde und er kam nicht! Vergebenſſ antes, pid f 90 weinte Anielka, vergebens ſchrie ſie:Wo iſt mein 1 Bauurnſeln., Vater? Kein Vater zeigte ſich. Endlich verbreiten dam 9 7 ſich das Gerücht, Sava ſei mit einer großen Summe 1 300 Ronge Geldes an einen entfernten Ort geſendet und unterwegs i in Oſſenhe von Räubern getödtet worden. Im neunten Lebensjahre Gemarkung; verwiſcht ſich auch der bitterſte Schmerz bald wieder, und Ihn Münhein, in nach ſechs Monaten hörte Anielka auf ſich zu grämen] dafkallns Be Die zwei alten Leuten waren ſehr freundlich gegen ſie d N, Mittags und liebten ie wie ihr eigenes Kind. Nie kam ihnen in* Sinn, daß Anielka zum Dienſte im Schloſſe ausgewählt werden könne; denn wer ſollte ſo barbariſch ſein, einen alten 70jährigen Weibe und ihrem betagten Gatten das Kind wegzunehmen? a

(Fortſetzung folgt.)

Markt⸗ Bericht. Friedberg, am 18. Auguſt 1852.

Aufgefahren] Verkauft 171 455. Gattung wurden wurden Mittelpxeiſe r ö (Mitr.)](Mtr.) Wai HF 16 12 10 6 Korn 0 4 Gerſte. 6 1. Hafer. Kartoffeln. 6 2 2 Erbſen 7 2 2 Mohnſamen. 255 2 Die

Der Großh. Hefſ. Bürgermeiſter Welnd e r.

Bekanntmachungen von Be⸗ hoͤrden.

rr

Bekanntmachung.

(1330 Montag den 23. Auguſt d. J., des Vormittags um 11 Uhr, wird in hieſigem Rath⸗ hauſe ein dem Auguſtiner Schulfond dahier ge⸗ hörender Bauplatz, circa 7/ Klafter haltend und hinter dem Subconxectorats⸗Gebäude, nächſt der Wohnung des hieſigen Bürgers Sieg⸗ mund Simon gelegen, öffentlich meiſtbietend verſteigert. Friedberg den 12. Auguſt 1852. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter Bender.

Guts Verpachtung.

(1336) Donnerſtag den 26. Auguſt d. J., Vormittags 9 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe das der zweiten Pfarrei dahier gehörende Gut, circa 73 Morgen, in den Gemarkungen Fried⸗ berg, Fauerbach II., Ockſtadt und Dorheim ge⸗ legen, parzellenweiſe öffentlich meiſtbietend auf 12 Jahre verpachtet.

Friedberg den 12. Auguſt 1852. Der Großh. Heſſ. Bürgermeiſter

n e. Baureparaturarbeiten in der Reiter⸗

caſerne zu Butzbach. (1331) Samſtag den 21. dieſes Monats, des Vormittags um 10 Uhr, ſollen die nach⸗ genannten, in der hieſigen Caſerne auszuführen den Arbeiten auf dem Wege der Soumiſſion

Arbeiten Luſttragenden hierdurch aufgeforden

in das am Eingange erwähnten Büreaus auf⸗ gehängte Soumiſſtonskäftchen einzulegen.

an den Wenigſtverlangenden in Accord gegeben

werden, nämlich: Maurerarbeit, veranſchlagt zu 210 fl. 10 kr, Steinhauerbeit 7 7 5 15% Zimmerarbeit, 111% 26, Schreinerarbeit, 17 11 65 48 Schloſſerarbeit, 1 1 39 7 1 Glaſerarbeit, 1 6. 16 7 Weißbinderarbeit, 1 43 30% Es werden daher die zur Uebernahme dieſer

1324) Das

C. Re

det sc sen

8

ihre Soumiſſionen, wozu die Formulare auf und nicht wel dem hieſigen Militärverwaltungsbüreau in Em Diſelte pfang zu nehmen ſind, verſiegelt und mit der[holz, ſowie 0 Auſſchrift..... Arbeit de. I breſen

treffend/ bis zu dem oben bemerkten Termin g Unter