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un Hled⸗ Buß⸗ berg. bag. k. MI k. A
66135731
Intelligenz-Blatt
fuͤr die
Provinz Oberheſſen
5 im Allgemeinen, die Kreiſe Friedberg, Vilbel und Nidda
im Beſonderen.
Mittwoch den
20. Oktober 1852.
Regierungsblatt⸗Auszüge.
8 No. 50. enthält: 1) Geſetz vom 1. Oktober, welches nach Ueber⸗ einkunft mit den Ständen, die Prorogation des Finanzgeſetzes vom 7. Oc⸗ zober 1845 auf das vierte Quartal des Jahres 1852 verfügt.— 2) Be-
kanntmachung Gr. Miniſteriums des Hauſes und des Aeußern vom
24. Sept., wornach der Supplementar-⸗Artikel XX. zu der Rheinſchiff⸗ fahrts⸗Convention vom 31. März 1831„die durch den 59. Artikel der
— Convention vom 31. März 1831 feſtgeſetzte Ausnahme vom Lootſen⸗ zwange wird auf Segelſchiffe jeder Ladungsfähigkeit ausgedehnt, welche
unter ſechshundert Centner Ladung enthalten“— welcher bisher ſchon proviſoriſch galt, vom 8. October an definitiv in Wirkſamkeit tritt.— 3) Urtheils⸗Auszug. In Unterſuchungsſachen gegen den penſ. Phyſicats⸗ arzt Dr. Borck und den Buchdrucker Karl Schild aus Gießen wegen Preßvergehens ſind die beiden Angeklagten wegen der Herausgabe und Verbreitung des ſog. Volkskalenders pro 1851 und der ſich dadurch schuldig gemachten Zuwiderhandlung gegen die Beſtimmung in Art. 2 und 6 der Verordnung vom 4. Okt. 1850 beziehungsweiſe des Art. 74 des Strafgeſetzbuches, und zwar 1) Dr. Borck in eine auf der Feſtung
zu verbüßende Correctionshausſtrafe von vier Monaten, 2) Buchdrucker
Karl Schild in eine Gefängnißſtrafe von zwei und einem halben Monat verurtheilt, beide Strafen auch nunmehr vollziehbar geworden resp, voll- zogen worden. Zugleich wurde verfügt, daß die vorgefundenen Exem⸗ plare des genannten Volkskalenders, ſoweit ſie nicht in den Privatbeſitz Dritter gelangten, zu vernichten ſeien.— 4) Ordensverleihungen: am 12. Mai dem Phyſicatswundarzt Schäfer zu Aſſenheim das ſilberne Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Großmüthigen; am 10, Auguſt dem Bürgermeiſter Johann Georg Klehm zu Heegheim das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inſchrift:„Für Verdienſte“; aut. 24. Auguſt dem Oberhofveterinärarzt Britſch das Ritterkreuz des Verdienſtordens Philipps des Großmüthigen; am 25. Auguſt: 1) dem Oberappellations- und Caſſationsgerichtsbofs⸗Director Geheimen Rath Ludwig das Comman⸗ deurkreuz J. Klaſſe des Verdienſtordens Philipps des Großmüthigen: 2) das Ritterkreuz J. Klaſſe des Ludewigsordens: a, dem Director des Adminiſtrativ⸗Juſtiz- und Lehnhofes Goldmann, b. dem Oberſteuerdirector Gorz, c. dem Hofgerichtsdirector Klipſtein und d. dem Hofgerichtsdirector v. Helmolt zu Gießen; e. dem Oberappellations⸗ und Caſſationsgerichts⸗ rath Hahn; 3) das Ritterkreuz des Verdienſtordens Philipps des Groß⸗ müthigen: a. dem Oberappellationsgerichtsrath Müller, b. dem Mini⸗ ſterialrath Franck, o. dem Miniſterialratyh Wernher, d. dem Miniſterial⸗ rath Creve, e. dem Kreisgerichtspräſidenten Lebert zu Mainz, f. dem Staatsprocurator Millet zu Alzey, g. dem Regierungsrath Dr. Came⸗ ſasca zu Bensheim; 4) dem Landiägermeiſter a. Di Frhrn. v. Gall zu Darmſtadt das Großkreuz des Verdienſtordens Philipps des Großmü⸗ thigen. Den Oberſten Schulz, Commandcur der Gendarmerie, und Schmidt im Kriegsminiſterium das Commandeurkreuz 2. Claſſe des Ver⸗ dienſtordens Philipps des Großmüthigen; dem Hauptmann Müller von der Artillerie das Ritterkreuz dieſes Ordens m. Schw., dem Major a la suite Zulehner das Ritterkreuz 1. Claſſe des Ludewigordens.— Das
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ſilberne Kreuz des Verdienſtordens Philipps des Großmüthigen mit Schwertern: 1) Gardecorporal Sachs von dor Garde⸗-Unterofficier⸗ Compagnie, 2) Wachtmeiſter Koch vom Garde⸗Regiment⸗Chevauxlegers, 3) Brigadier Benner von der Gendarmerie, 4) Oberwachtmeiſter Ganß vom Gr. Artilleriecorps, 5) Unteradjutant Sommerhof vom 1., 69 Ober⸗ feldwebel Hochſtätter vom 2., 7) Fahnenträger Pracht vom 3. 8) Hber⸗ feldwebel Kaufholz vom 4. Inf.⸗Reg.— 5) Vertheilung der Preisme— daillen in dem philologiſchen Seminar zu Gießen am Schluſſe des
Sommerſemeſters 1852: dem stud. theol. ev. et philol. Otto Zöckler aus Laubach der erſte, dem stud. philol. Wilhelm Schmidt aus Darm⸗ ſtadt der zweite, dem stud. philol. Jacob Schlenger aus Mommenheim der dritte Preis.— 6) Dienſtnachrichten: am 11. Sept. wurde der von dem kath. Pfarrer und dem Ortsvorſtande zu Bürſtadt, auf die erſte Mädchen⸗Schullehrerſtelle daſelbſt präſentirte Schullehrer Groß zu Lindenfels für dieſe Stelle beſtätigt; dem Pfarrvicar Salzer zu Baben⸗ hauſen die evang. Pfarrſtelle zu Harxheim; am 17. dem Schulvicar Julius zu Aſtheim die 1. kath. Schulſtelle daſelbſt übertragen.— 7) Ver⸗ ſetzung in den Ruheſtand. Am 6. Sept. der Phyſicatswundarzt Köppel zu Wörrſtadt auf ſein Nachſuchen.— 8) Concurrenz für: die kathol. Pfarrſtelle zu Abenheim, Kr. Worms, mit jährlich 894 fl.; die evang. Pfarrſtelle zu Obergleen, Kr. Alsfeld, mit 543 fl. 32 kr.; die erſte evang. Schulſtelle zu Eppelsheim, Kr. Worms, mit 302 fl. 21 kr.; die evang. Schulſtelle zu Bodenrod, Kr. Friedberg, mit 227 fl. nebſt 30 fl. für Heizung des Schullocals.— 8) Geſtorben ſind; am 12. Sept. der evang. Pfarrer Simon zu Eberſtadt, Kr. Gießen; 19. der Calculator bei dem Kataſterbüreau, Bierbaum zu Darmſtadt; 25. der penſ. Regie⸗ rungsrath Stammler zu Gießen.
Die Hellſeherin. Novellette. (Fortſetzung.)
Die ehrſame Frau hatte ihr Lebenlang ein ſcharfes Auge auf Thun und Treiben ihres Eheherrn gehabt, und ſchon der bloße Gedanke, daß Julienne Nichts von André's Schritten und Handlungsweiſe wiſſe, erregte ihre Entrü— ſtung und ihr Mitleid!
„Ich weiß es nicht, und habe mir niemals die Mühe genommen, es erfahren zu wollen,“ geſtand Julienne frei und unumwunden.
„Jenun, ich muß ſagen, das iſt recht gutmüthig von Ihnen!“ verſetzte die Beſucherin beinahe im Tone verächt⸗ lichen Mitleids.„Sie ſollten aber bedenken, meine Gute, wie nothwendig es iſt, daß Mann und Frau gleichſam nur Eine Perſon ſind. Mich kränkt es zu erfahren, daß Andre
Sie nicht klar in alle ſeine Handlungen hineinſehen läßt,
— zumal in diejenigen, denen er eine ſo gewiſſenhafte Aufmerkſamkeit zuzuwenden ſcheint. Sie ſollten ihn nicht mehr ausgehen laſſen, meine Liebe, denn Sie wiſſen nicht, was geſchehen mag. Wo Rauch iſt, iſt auch Feuer. Wer weiß, was zwiſchen mir und meinem Margot geſchehen wäre, hätt' ich nicht immer die Augen offen gehabt. Ein Bischen Behutſamkeit hat uns unendlich viel Widerwärtig— keiten und Ungemach erſpart!“ Madame Margot bemerkte, daß Julienne beleidigt war und etwas erwidern wollte, deßhalb bot ſie jetzt mit der freundlichſten Verbeugung ihre Taſſe zum Auffüllen hin und gab dem Geſpräch eine andere Wendung, obwohl feſt entſchloſſen, die Wirkung
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