Ausgabe 
19.5.1852
 
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Fried⸗ berg.

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Intelligenz-VBlatt

n fuͤr die

Provinz Oberheſſen

im Allgemeinen, den Negierungsbezirk Friedberg

im Beſonderen.

Mittwoch den 19. Mai

1852.

Regierungsblatt⸗Auszüge.

ſe. Nr. 16. enthält: 1) Geſetz, die Beſtrafung der Verbrechen

und Vergehen gegen das Münzregal der zum deutſchen Zollverein zerbundenen Staaten betr. 2) Bauordnung für die Stadt Al⸗ Gerng y. 3) Erledigt ſind: Die Stelle eines Phyſicatsarztes für beim den Phypſicatsbezirk Hirſchhorn, mit dem etatmäßigen Gehalt; die 1.

th. Schulſtelle zu Gaualgelsheim, R.⸗B. Mainz, mit jährlichen 435 fl.

4 euſchließlich des Wohnungsanſchlags und der Vergütung von 35 fl. für die Heizung des Schulſaals.

1

Erinnerungen eines Londoner Polizeibeamten. e Die Verfolgung. f Cortſetzung.)

Wir hatten ſchon eine ziemliche Strecke des Quais durchmeſſen, als einer der Plymouther Beamten einen 000 jungen Matroſen, welcher mit verſchränkten Armen und k. n der Pfeife im Munde in philoſophiſcher Betrachtung des Petters und Meeres daſtund, mit der Frage anredete: s iſt wohl keine Möglichkeit vorhanden, daß das Aus⸗ wandererſchiff, das vor Kurzem unter Segel ging, noch an einem andern Hafen der Küſte einläuft?

910 Der Mann nahm die Pfeife aus dem Munde, be⸗ trachtete den Frager eine Weile mit einer durchaus nicht ſchmeichelhaften veraͤchtlichen Neugier und plärrte dann einem nur wenige Schritte entfernten wettergebräunten alten Seemann zu:Horch, Tom Davis! da iſt ſo'ne Landmücke die will den Namen und Höhe des Hafens jen

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905 ſeits Lands End wiſſen, wo die Barke etwa noch anlegt, : die vor einer Weile mit dem Nordoſter von hier abfuhr, 6 der ihr beinahe die Knopflöcher zerreiſt: ich bin mit der 5 5 nicht vertraut, ſonſt würd' ich's dem Herrn ſelber 47 ſgagen! 4 0 Das Gelächter etlicher Umſtehenden, welches dieſem 4 Witze folgte, machte den Beamten ſehr ungehalten, und 6 er würde ſeinem Unmuth wohl Worte gegeben haben, 6 hätte nicht ſein Gefährte ihn am Arm ergriffen und wei⸗ 16 ter geführt. 16Nu ja,, ſagte der Veteran, den der junge Matroſe -als Tom Davis angeredet hatte, während wir an ihm vor⸗ - übergingen,Iim dort hat zwar ein loſes Maul und 1 haar auf den Zähnen, aber weiß Gott, auf die Wetter⸗ 6. zeichen verſteht er ſich ſpottſchlecht. Da ſchwatzt er von

Nordoſtern und ſieht nicht, daß der Wind herumzuſpringen beginnt, wie ein Apfelweib, das ein Dutzend Kunden um

1 Meine Meinung iſt und Tom Davis ver⸗

ſteht ſich hoffentlich darauf, daß bevor zwei Stunden vergehen, viel weniger ein Nordoſter als ein Südweſter weht und zwar ein tüchtiger; und dann kommt dieCo lumby, wenn ſie nicht ſchon tüchtig in hoher See iſt und das iſt ſie bei dieſem Wetter noch nicht wieder in den Haf zurück, bevor's ein paar Zeitglocken mehr geſchla gen hat!

Haltet Ihr es für wahrſcheinlich, mein Freund, fragte ich begierig, daß dieColumbia gezwungen wird, wieder umzukehren und in Plymouth einzulaufen?

Ich verſtehe Nichts von wahrſcheinlich, ver⸗ ſetzte der Matroſe;'s iſt nicht ſo gewiß wie der Tod oder ein Zahltag, aber es ſteht in den Karten bei alledem!

Wird dieß, nach Eurem Ermeſſen, wohl früh in der Nacht geſchehen, wenn ſie überhaupt einlaufen muß? fragte ich weiter.

Ei, da fragt Ihr mich zu viel! verſetzte der Alte ſich abwendend.Alles was ich ſagen kann, iſt das: wenn Ihr in einer Stunde oder ſo findet, daß der Wind nach Südweſt umgeſchlagen hat und noch ſo ſtark bläst, als wollt' er Euch alle Knöpfe vom Rocke blaſen, ſo wird die Columby, wenn ſie leidlich Glück hat, nicht mehr weit von uns weg ſein!

Die halbſcherzhafte Prophezeiung des alten Seemanns ward auch von Anderen beſtätigt, die wir um ihre Anſicht befragten, und wir beſprachen uns über Maßregeln, um zu verhüten, daß unſer Verfolgter wieder lande und uns abermals entkomme. Als wir uns über die zweckmäßig ſten vereinigt, trennten wir uns und ich begab mich nach der Taverne, wo ich abgeſtiegen war, um mein Mittagbrod einzunehmen. Ich war jedoch noch nicht weit gekommen, als mein Blick auf zwei Perſonen fiel, deren Anweſenheit hier mich ebenſo ſehr überraſchte als unangenehm berührte. Die eine war die junge Frau des Verbrechers an Bord derColumbia; ich hatte ſie nur einmal in London ge⸗ ſehen, und wußte, wie ich ſchon zuvor erwähnt, daß ſie von äußerſt achtbarer Familie war. Ihr Geſicht zeigte keine allzugroße Freude; ſie war vermuthlich ihrem Gatten nach Plymouth gefolgt oder hatte ihn begleitet, und fürch⸗ tete nun, die launiſchen Elemente mochten all die aufge botene Kühnheit und Scharfſinn nutzlos und vergeblich machen. Sie war eine hübſche Frau von gar ſanftem Ausſehen und dennoch deutete ein gewiſſer Zug um ihren Mund auf eine ſeltene Entſchiedenheit und Feſtigkeit des Charakters. Ihr Begleiter war ein älterer Herr mit grauen