Aber, horch! ſie kommen....... der Tag iſt angebrochen für mich der Tag des Gerichts.
*
Dieſes unzuſammenhängende Gekritzel beſtätigte nur meinen früheren Argwohn, aber es war nun doch vergeb⸗ lich, dieſem traurigen Gegenſtande weiter nachzuhängen. Der Würfel war gefallen, und ich fürchtete, es würde in dieſem Leben nicht mehr offenbar werden, ob er eine Schuldige oder eine Unſchuldige betroffen, wie dieß ſchon in manchem ähnlichen Falle geſchehen war. Hierin täuſchte ich mich aber, denn wenige Monate ſpäter kam uns wie⸗ der ein Fall der wiſſentlichen und abſichtlichen Ausgabe falſcher Banknoten zu Ohren, rief das ſchon undeutlicher werdende Andenken an Jane Eccles frühere Verurtheilung wieder in mir wach, und klaͤrte alle Einzelnheiten auf, welche mir in jenem Rechtsfall dunkel und unverſtändlich geweſen waren. 5 f- N
Der Angeſchuldigte und Ueberwieſene in dieſem neuen Fall war ein hochgewachſener huͤbſcher Mann von dunkler Geſichtsfarbe, etwa dreißig Jahre alt, Namens Juſtin Arnold. Seine Mutter, deren wahrem Namen ich den Namen Barton ſubſtituiren will, übertrug uns die Vertheidigung ihres Sohnes, und von ihr ſowohl als aus anderen Quellen erfuhr ich nachſtehende Einzeluheiten:
Juſtin Arnold war der Sohn einer Frau von Stande aus einer frühern Ehe. Mrs. Barton, noch immer eine ſehr ſchmucke Frau, hatte in zweiter Ehe einen ſehr reichen Mann geheirathet, und von Zeit zu Zeit Juſtin die Mit— tel zu ſeiner verſchwenderiſchen Lebensweiſe an die Hand gegeben. Dieſer hauste aber ſo über alle Maaßen ſchlimm und zügellos, daß die Mutter ihm nicht genug Geld mehr beiſchaffen konnte, und die Hülfsquellen wurden ihm end⸗ lich, nach manchen Warnungen, ganz entzogen. Unfähig, ſich zu beſſern, verband ſich Juſtin Arnold endlich, um nur die Mittel zu ſeiner müſſigen und ſchlemmeriſchen Lebensweiſe zu erſchwingen, mit einer geſchickt organiſirten Bande Betrüger und Fälſcher, die ihr verbrecheriſches Ge— ſchäft ſo gewandt betrieben, daß ſie, bis zu ſeiner Ver⸗ haftung, ſich immer außer den Klauen der Juſtiz zu halten gewußt, und nur ihre untergeordneten Werkzeuge und die von ihnen Bethörten in die verhängnißvollen Netze des Geſetzes geliefert hatten. Die Vertheidigung war unter den obwaltenden Umſtänden natürlich eine ſehr ſchwierige, ja beinahe unmögliche, ward aber gleichwohl von Nr. Flint unternommen und von ihm mit ſeiner gewohnten Geſchicklichkeit und Thatkraft durchgeführt.
Ich nahm ſehr geringen Antheil an der Sache und hörte auch nicht viel davon, bis ſie durch die Ueberführung des Verbrechets und ſeine Verurtheilung zum Tode ihr Ende erreicht hatte. Die Entſcheidung des Geheimen Raths auf den Bericht des Recorder's ward diesmal den Behörden von Newgate an einem Samſtag mitgetheilt, ſo daß der zur Hinrichtung beſtimmte Schub Gefangener erſt am Montag Morgen gehangen werden konnte. Abermals erhielt ich ziemlich ſpät am Abend ein Schreiben von dem Kaplan des Gefängniſſes, worin mir gemeldet ward, daß Juſtin Arnold mich— nicht Mr. Flint— zu ſprechen wünſche, um mir einige wichtige Mittheilungen über eine Perſon zu machen, an welcher ich einſt großes Intereſſe genommen habe. Eine unbeſtimmte Ahnung dämmerte in mir auf, Juſtin Arnold könnte vielleicht der„Bruder“ von Jane Eccles ſein, und beſtimmte mich, ſeiner Bitte zu will— fahren; ich ſuchte alſo ſogleich einen der Sheriffs auf, und verſchaffte mir die Vollmacht, den Gefangenen am bee des folgenden Tages(Sonntags) beſuchen zu dürfen.
Ich fand, daß der Gefangene ſehr in Sorge geweſen
3
*
war, ich könnte ſeine Bitte abſchlagen. Beſuch ſchien der einzige Gegenſtand, welcher dem ſpötti⸗ ſchen, verzweifelten jungen Manne im Kopf zu ſtecken oder noch Sorge zu machen ſchien; ſelbſt das vorzeitige und ſchmachvolle Ende, welches ihm ſchon morgen auf dem Schaffot drohte, ſchien ihn durchaus unbekümmert zu laſſen. Nachdem ich dieß von ihm vernommen, war ich weniger überraſcht von dem Anblick, welcher mich in der Zelle des Gefangenen erwartete, wo ich ihn nämlich in einem hef—
tigen zornigen Wortwechſel mit dem blaſſen erſchrockenen!
Kaplan fand.
Daß ich Juſtin Arnold niemals zuvor geſehen, ward mir gleich auf den erſten Blick zur Ueberzeugung; er aber kannte mich und grüßte mich ſogleich bei Namen. Seine dunklen, aufgeregten Züge waren erhitzt und zornig, und nachdem er mir kurz für die Gefälligkeit gedankt, womit ich ſeine Wünſche erfüllt hatte, ſetzte er in raſchem hef— tigem Tone hinzu:„dieſer gute Mann hier hat mich ſehr geärgert. Er wirft mir und zwar mit Recht vor, ich habe durch mein Leben Gottes Geboten Hohn geſprochen, und nun verlangt er von mir, ich ſolle am Vorabende meines Todes das unerforſchliche Weſen noch verhöhnen durch Worte ohne Sinn, Wahrheit und Aufrichtigkeit!“
„Nein, nein, nein!“ rief der Geiſtliche;„ich ermahnte Euch zu wahrer Reue, zu Liebe und Frieden, zu...“
„Wahre Reue, Liebe und Frieden?, fiel ihm der Gefangene mit bitterer Verachtung höhniſch in's Wort, e e Herz voll Grimm, Bitterkeit und Verzweif— lung iſt? nöthig haltet!— Zeit, um die ſchon ſo lange aus meiner Seele verbannten guten Genien: Glaube, Frieden und Hoffnung zurückzuſehnen. Bah! Ihr höhnt mich nur mit Worten ohne Sinn! Ihr ſagt, ich ſei untauglich zum Um⸗ gang mit Menſchen, aber tauglich für die Gegenwart Gottes, vor deſſen Angeſicht Ihr mich ſo vermeſſen ſtellen wollt!— Meinethalben denn! meine Thaten mögen über mein Haupt kommen! Es iſt wenigſtens nicht meine Schuld, daß ich zum Gerichte gezerrt werde, bevor der ewige Richter ſelbſt mich dazu vorgeladen hat!
„Er mag unwürdig ſeyn zu leben,“ murmelte der erſchrockene Kaplan,„aber zum Tode iſt er noch weit weniger vorbereitet und geeignet!“
„Das iſt leider nur allzu wahr, verſetzte Juſtin Arnold mit ungeminderter Heftigkeit.„Das ſind wenig— ſtens Worte der Wahrheit und des geſunden Menſchen⸗ verſtandes von Euch, wenn Ihr ſo wollt. Aber geht hin und prediget denen, die die Geſetze Englands gemacht haben und vollſtrecken! Unterdeſſen möchte ich mit dieſem Herrn hier unter vier Augen reden!“ 5
(Schluß folgt.)
Monatsbericht der Blinden-Anſtalt zu Friedberg.
Herzlichen Dank allen, die unſern„Nothruf“ des letzten Monatsberichtes vernommen!— Daß derſelbe von vielen gehört wurde, geht aus der Einnahme hervor, die wir im September hatten und die ſich auf 358 fl. 26 ¼ kr. belief; die Ausgabe war 322 fl. 24 kr.; dem⸗ nach bleibt ein Kaſſenüberſchuß von 26 fl. 2½ ke. Die laufenden Be⸗ dürfniſſe für den Monat Oktober betragen 242 fl. 35 kr.; es fehlen alſo noch 216 fl. 32% kr. Außerdem wollen aber noch manche Bau— handwerker und etliche Kaufleute, die wirklich mit der größten Geduld bis hierher gewartet haben, und denen wir recht herzlich danken, bezahlt ſein, und da hoffen wir denn, daß die Liebe nicht müde wird zu geben. Einzeln finden die edlen Wohlthäter ihre Gaben im nächſten Rechen- ſchaftsbericht, der zu Neujahr 53 ausgegeben wird, aufgeführt.— Aktien konnten wir im September nicht verkaufen. Noch bemerken wir, daß, ſo es Gott gefällt, die Jahresfeier unſerer Anſtalt Mittwoch den 27. d. M. Nachmittags 2 Uhr ſtattfinden ſoll, wozu wir alle Freunde und Wohl⸗ thäter hiermit freundlichſt einladen.
Friedberg den 1. Oktober 1852.
b J. P. Schäfer, Vorſteher.
Mein erwarteter
Gebt mir Zeit zu dieſer Reue, die Ihr für ſo
Güterde
605 Montag unſttags 9* ie die zul zweſte.
ſergſce in det G rſtücke in, 5 in 3 Morgen,
lich meistbietend a
Friedberg den 7. ſriedberg 5. r
Wieſen⸗ 617) Donners mittags 11 Uhr, J der Frau Pen r nachbeſchrieben Gemarkung 1771 No. 11 3. d
um bieſitgen Rat perſteigert.
zniedverg den 7
Der 6
Arbeits⸗
ſöls) Montag g l Uhr, ſollen uuffgen Pfarrhof n an die We
An: 1) Steinhauerar 2) Maurerarbeit 3) Zimmerarbeit J) Schreinerarbe 5) Schloſſerarde 0) Weißbinderd Itoßkarben der Der
F
boldbe
weisen ſi.
e 0 Land den glei; und zu n


