üben, grauen Himmel haben und harren und Geduld . 4 ſich 29 in Hoffnung. Die ſchoͤne Hoff⸗ nung des Chriſtkindes, die Adventszeit mit dem verhei⸗ ßenden Lichterglanz und Engelgeſang knüpft ſich daran. Anne ſieht durch Schnee und Nebel dieſen Lichterglanz, und wenn die ruhigen Decembertage kommen, Schnee auf den Gefilden blitzt, und auch die hohen dunkelen Tannen ihre weiße Bürde tragen, da ſteht ſie oft leiſe auf des Nachts und ſchaut hinauf nach dem leuchtenden Sternen⸗ himmel, ſie meint wirklich, die Engel dort weben und
ſchweben zu ſehen, und ihr Herz jauchzt in Freude dem
Chriſtkindchen entgegen. Iſt das Chriſtfeſt vorüber und fällt der Schnee ſo hoch, daß Jakob kaum einen Weg zum Kuhſtall bahnen kann, und wollen die Abende immer noch nicht kürzer werden, dann muß die Großmutter Ge⸗ ſchichten erzählen. Von Aſchenbrödel, von dem ſilbernen und goldnen und himmliſchen Kleide, das im hohlen Baum geſteckt, und andere ſchoͤne Sachen. Oder der Vater lehrt ſie Volks- und Jägerlieder, und Jakob erzählt von ſeinen alten Kriegsfahrten. f
So ging der Winter ſchnell dahin, und Anne ver⸗ wunderte ſich faſt, wenn der März die Schnee- und Eis⸗ decken löſte und das Waſſer über die Wieſen hinab in das Thal ſtürzte. Aber ſie war ſehr froh. Der Haidehügel, an dem der Mutter Grab, ward immer zuerſt vom Schnee befreit, und im warmen Sonnenſchein keimte der Frühling und ſchaffte eine Welt im Kleinen. Anne bewunderte immer wieder mit gleicher Freude den Anfang des Früh— lings, die wunderbare Schoͤnheit der Mooſe. Hier auf ſilbernem Grund kleine glänzende Becher, oder aus wei— cher grüner Decke lanzenartige Blütchen, dort kleine Tan— nen, getreu den großen nachgebildet, mit den ſich aus— breitenden Zweigen, und hier von dunkelem friſchem Grün zierliche Palmenbäume. Anne dachte an die Großmutter, welche ſagte: Der Herr ſchafft im Großen wie im Klei⸗ nen immer dieſelben Wunder ſeiner Weisheit und Macht, und wie er hier in dieſer Welt ſchon immer in Vorbildern uns von Stufe zu Stufe in ſeinen Wundern weiter führt, ſo iſt dieſe ganze Welt doch nur ein unvollkommenes Ab— bild der höheren ewigen Welt, unſerer eigentlichen Heimath, wo wir den Herrn ſchauen werden in ſeiner Herrlichkeit und genießen werden im Schauen, was wir hier glauben.
Doch den Mooſen folgen Blumen und Fruhlings— glanz und Sommerduft. Anne erſtieg die luftigen Höhen und ſchaute hinab in das Land, ſie hörte das harmoniſche Geläute der weidenden Heerden; ſie ſang mit den Vögeln, pflegte Roſen und brennende Liebe und Erbſen und Boh- nen und Kohl im Garten, und ging der Großmutter und dem alten Jakob ruͤſtig zur Hand.
Ich möchte nimmer im flachen Lande leben! hatte Anne oft die Großmutter verſichert: und den Vetter Wilhelm mit dem großen rothen Geſicht und den kleinen Augen den freie ich nicht.
Thöricht Ding! lachte die Großmutter: biſt noch nicht confirmirt und ſprichſt vom Freien. Nur Geduld, gut Ding will Weile haben.
Vetter Wilhelm aber war nach der letzten Ernte oben geweſen, um ſich den Brockenengel anzuſehen. Er kam nicht in ſeines Vaters langem Bauernrock mit den großen runden Knöpfen, nein in ſpiekerfarbener Hoſe und gleichem Rock und dunkelblauer Sammtweſte mit ſchwarzen Sternen. Er hieß Herr Oekonom und war in Halber— ſtadt auf der Schule geweſen. Hatte aber nicht viel ge— lernt; denn wem das Wort Gottes und die höhere Weis— heit fehlt, dem iſt der Kopf wie mit Brettern vernagelt und er ſchaut gerade ſo weit, als was ſein eigen kurzſich— tig Auge faſſen kann. In Wilhelms Welt waren nur
Kornfelder und Düngerhaufen, und Kühe und Schweine, und was dazu gehört, von Wichtigkeit. Er war ſtolz auf ſeinen Reichthum und weil er in ſeiner Kurzſichtig⸗ keit nichts weiter ſah, meinte er das Leben reiche nicht über ſeine Kornſäcke und Düngerhaufen hinaus. Anne, die ihn mit ihren dummen Fragen über die Welt und Leute dort unten oft zum ſchütternden Lachen gezwungen, konnte ihn mit ihren klugen Frageu auch gehörig in Ver⸗ legenheit ſetzen. Eines Abends half er ihr die Kühe in das Hofgatter treiben, und als er nun aus der kurzen Pfeife dampfend, am Thorweg ſtand, rief ſie ihm zu: Vetter Wilhelm, ich habe Dir was zu ſagen. Er ging zu ihr auf den Hügel, obgleich er ſich ſchon fürchtete, wenn ſie ihn mit den lichtbraunen Augen ſo klug und forſchend anſah. a
Höre mal, Vetter, ſagte ſie, Du weißt nichts weiter zu loben als Deinen ſchwarzen Waizenboden, wie viel Du hineinſäeſt und was er wieder giebt, wie Deine Schweine ſo fett werden, wie der magere Speck ſo gut B90 und es 928 05 da unten iſt. Jetzt ſieh Dich
er um, ob es der liebe ier ni ö bewseh hl Gott hier nicht auch ſchön
5 ilhelm ſpreizte die Beine, zog die Stirn in die Höhe, kiff den Mund zuſammen 925 85 ein ſo wich⸗ tig Geſicht wie möglich. Höre mal, für alle die Schön⸗ heit gebe ich keinen Dreier, ſagte er dann; denn die läßt einen doch hungern und kummern, und ich will Dir ſagen, ich liebe die ſchmale Küche nicht.
Anne ſah ihn böſe an. Sag Deinen klugen Leuten, daß die dumme Anne nie zu Euch kommen wird, fügte ſie hinzu, wandte ſich ſchnell fort und ſang mit heller Stimme ein luſtig Jägerlied.
Vetter Wilhelm reiſte ab. Der Herbſt kam mit ſeinen Stürmen und Mutter Anne nahm die Bilderbibel vor. Das Chriſtfeſt ward in Freude gefeiert, und der Januar webte jetzt dicke Eisblumen an die Fenſter. Anne hätte ſich bald auf den Frühling freuen können, aber ſie freute ſich diesmal nicht. Der Vater hatte geſagt, die Anne wird im April ſechszehn Jahr, ſie muß Oſtern con⸗ firmirt werden und ſoll ſechs Wochen vorher zum Rector nach Sachſa in die Koſt, und wenn ſie confirmirt iſt, ſoll ſie ein Jahr unten bleiben und ein bischen Welt und Manier lernen. Anne trauerte über dieſe Beſtimmung und nur weil die Großmutter ihr vorgeſtellt hatte, man müſſe ſich bei Zeiten in Dinge ſchicken lernen, die nicht nach unſeres Herzens Wunſch gingen, und doch getroſt im Herrn ſein, der am beſten wiſſe, wozu es gut ſei:— ſuchte ſie ihren Kummer zu bekämpfen.
(Fortſetzung folgt.)
Miszellen.
An einem Gerichtshofe in Köln ereignete ſich jüngſt folgender Vorfall, welcher an ernſter Stätte die Ernſteſten zum Lachen hinriß. Ein Bauer, welcher aus der Zeugen— ſtube vor die Schranken gerufen wurde, ſein Zeugniß ab— zulegen, ſteckte ſeine glimmende Pfeife unter den Kittel, trat in den Gerichtsſaal vor den Präſidenten, und begann mit Elſterngeſchwätzigkeit ſein Geplapper über die ſchwebende Sache. Gute Worte des Präſidenten, daß er nicht plau— dern duͤrfe, erſt ſchwören, dann nur auf Fragen antworten müſſe, halfen gar Nichts, bis dieſem geſtrengen Herrn die Geduld riß, und er den armen Bauer ſo anfuhr, daß die— ſem der Muth ſank, ſogleich verſtummte, und dann die Ei— desformel folgſam nachſprach. Während derſelben bemerkte, der Präſident aber, daß des Bauern Kleider, durch die Pfeife angezündet, brannten.„Bauer, Du brennſt!“, ſchrie
—
N


