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die bei unvorsichtigem Oeffnen durch eine dem Kistchen angebrachte Vorrichtung explodirt sein würde. Das Begleitschreiben des Caprivi⸗ Attentäters lautet übersetzt ungefähr:Herr General! Ich habe die Ehre, Ihnen Radieschen⸗ samen von staunenswerther Wirkung zu über⸗ senden, der, im Dezember gesäet, schon im Februar Früchte trägt, ohne zu erfrieren. Ich habe die Ehre, Herr General, zu sein, rue du zoutlong, G. Dechateau. Man legte der ganzen Geschichte keine große Bedeutung bei. Nunmehr erfährt man aber, auch an den Kaiser sei ganz die gleiche Sendung mit Höllenmaschine wie an den Reichskanzler, ebenfalls aus Orleans, mit dem gleichen Begleitschreiben am Sonntag eingetroffen und beim geheimen Civilkabinet abgegeben worden. Auch hier erregte ein glücklicher Zufall rechtzeitigen Argwohn und vereitelte die Wirkung der Höllenmaschine.

Ausland.

Norwegen. Christiania. Der Vorstand der organisirten Linken stellte einen Programm entwurf für die bevorstehenden Storthingwahlen auf, in dem ein eigenes norwegisches Konsular wesen und die Unterordnung der diplomatischen Geschäfte Norwegens unter ein norwegisches Ministerium des Aeußeren gefordert wird; ferner allgemeines staatsbürgerliches und kom⸗ munales Wahlrecht in Verbindung mit dem Proportionswahlsystem.

Frankreich. Paris. Eine Mittheilung derAgence Havas besagt: Mit Rücksicht auf die Unruhen, die in gewissen Theilen Madagascars herrschen, hat die französische Regierung beschlossen, die erforderlichen Maß regeln zu ergreifen, um unbedingt die Einfuhr von Waffen und Munition auf der Insel zu verhindern. Der Kommandant der französischen Flottenstation hat die nothwendigen Instruk tionen erhalten.

Großbritannien. Dublin, 27. Nov. Heute Nachmittag fand eine leichte Explosion

statt. Die Polizei hat sofort einen Schrift⸗ setzer verhaftet, der Explosivstoffe mit sich führte.

Spanien. Madrid, 26. Nov. In Folge der gestrigen Berathung zwischen den Ministern herrscht in hiesigen politischen Kreisen das Ge rücht, daß in dem Ministerium durch das Schwanken des Kriegsministers, die Opera- tionen in Melilla zu beginnen, ein Zwiespalt hervorgerufen sei. Marschall Martinez Campos ist nunmehr zum Oberbefehlshaber der Truppen in Melilla ernannt worden. Derselbe wurde heute Mittag von der Königin empfangen und wird heute Abend nach Afrika abreisen. Der Minister des Auswärtigen, Moret, hat in einer Unterredung erklärt, die Abreise von Martinez Campos nach Marokko ändere in keiner Weise die Beziehungen Spaniens zu dem Sultan von Marokko. Das Kabinet vertrete die Ansicht der Aufrechterhaltung des politischen und ter ritorialen status quo in Marokko, verzichte aber nicht darauf, mit dem Sultan über die Gewährung einer Genugthuung weiter zu ver handeln.

Italien. Rom, 28. Nov. DerAgencia Stefani zufolge empfing der König heute Zanardelli und acceptirte mittels Dekrets von heute die Demission des ganzen Kabinets Giolitti. Der König beauftragte Zanardelli mit der Bildung des neuen Kabinets; Zanar delli nahm den Auftrag an.

Bulgarien. Sofia, 26. Nov. Der Zug mit der Leiche des Grafen Hartenau traf heute Vormittag 10 Uhr an der bulgarischen Grenze ein, und wurde daselbst von den Deputationen des Hofes, des Ministerrathes und der Sobranje empfangen. Bei der Vorbeifahrt an Slivnitza wurden Artilleriesalben abgegeben. Die An kunft dahier erfolgte um 2 Uhr. An dem Trauer zuge, welcher sich vom Bahnhof nach der Kathe drale Swetikral bewegte, nahmen außer dem Militär und der Geistlichkeit theil: Fürst Ferdinand, die auswärtigen Prinzen, die Ver

inf wandten des Grafen Hartenau, die Minister,

die Abgeordneten, das diplomatische Corps, die außerordentlichen Abgesandten, die höheren Beamten, Offiziere und Deputationen. Die Prinzessin Marie Luise erwartete den Zug in der Kathedrale, wo die Einsegnung der Leiche und Beisetzung in der Georgenkapelle erfolgte.

Amerika. Washington. Nach einer Mel⸗ dung derTimes aus Philadelphia hätte die Regierung der Vereinigten Staaten beschlossen, da sie die Aufständischen in Brasilien unter Admiral Mello in keiner Weise als kriegführende Macht anerkenne, bezüglich der Bildung einer Flotte für Peixoto in den Vereinigten Staaten nicht zu interveniren.

Buenos Aires. Die Regierung beabsichtigt die Rüstungen zu verstärken und zwei neue Panzerschiffe bauen zu lassen.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Das Concert der Darmstädter Opern⸗ sänger und-Sängerinnen wird, den bis jetzt erfolgten Platzbestellungen nach zu urtheilen, ein außergewöhnlich stark besuchtes werden. Dadurch, daß das Auftreten der Vortragenden auf der Bühne erfolgt, also das Podium in Wegfall kommt, ist zwar ein weiterer Platz gewonnen worden, man wird aber doch gut thun, sich bei Zeiten für Sitzplätze zu sorgen. Karten sind be⸗ kanntlich in den beiden Buchhandlungen zu haben. Ein gemüthliches Zusammensein nach dem Concert ist vor⸗ gesehen, wobei noch weitere musikalische Genüsse in liebenswürdiger und entgegenkommender Weise in Aus⸗ sicht gestellt sind. Auf die Betheiligung wird es an⸗ kommen, ob dies Zusammensein im großen Saale oder in den unteren Räumen des Hotel Trapp stattfinden wird. Betreffende Anmeldungen nimmt die Expedition des Anzeigers schon jetzt gern entgegen, um einen An⸗ haltspunkt betreffs des Arrangements zu gewinnen.

w. Nieder-Florstadt, 28. Nov. Ein junges Mädchen von hier, das erkrankt war, verwechselte heute die Medizinflasche mit einer Flasche, die reine Carbol⸗ säure enthielt, trank von letzterem und war eine halbe Stunde später eine Leiche. Der sofort gerufene Arzt konnte leider nicht mehr helfen.

Bingen, 26. Nov. Ein 19jähriges Mädchen von hier, das schon einige Tage vermißt wurde, ist heute als Leiche in der Nähe des Mäusethurms geländet worden. ö

Allerlei.

Ziegenhain, 25. Nov. Dem hiesigen Zuchthause, worin nur schwere Verbrecher untergebracht werden, sind vorgestern Nacht 2 Sträflinge, gemeingefährliche und verwegene Verbrecher, ausgebrochen und entsprungen.

Berlin. DerR.⸗Anz. meldet, daß vom 17. Nov. an in Westpreußen, im Odergebiet und Elbegebiet 17 neue Cholerafälle erfolgt sind, von denen fünf tödtlich verliefen.

Hamburg. Die erste Freiland-Expedition geht von Hamburg im Februar ab. Professor Hertzka aus Wien ist hier anwesend, behufs Vorbereitung der Aus⸗ stattung der Expedition. 200 Theilnehmer sind ange⸗ meldet, von denen 20 unter Führung des Or. Wilhelm vorausgeschickt werden.

Flensburg, 28. Nov. Heute Nachmittag sind im hiesigen Hafen Zweidrittel der ganzen Mole und zugleich eine 4 Meter tiefe Straßenstrecke versunken. Die Senkung dauert fort.

Kopenhagen, 27. Nov. Influenza und Scharlach⸗ fieber nehmen hier in erschreckender Weise zu. In der letzten Woche kamen 86 Jufluenza- und 133 Scharlach⸗ fieberfälle vor, von denen 5 tödtlich verliefen.

Amsterdam, 26. Nov. Heute Vormittag entgleiste auf der Staatsbahnlinie zwischen Amsterdam und Utrecht, etwa 3 Minuten von dem hiesigen Bahnhof entfernt, ein aus 40 Wagen bestehender Güterzug. Die Ent gleisung wurde dadurch verursacht, daß die Brücke bei Keulschevaart nicht geschlossen war. Die Lokomotive stürzte in das Wasser. 3 Waggons wurden zerstört; der Lokomotivführer und der Heizer wurden verwundet.

Wien. Einem hier cirkulirenden Gerüchte zufolge soll Graf Rudolf Festeties mit seiner Gemahlin, die auf ihrer DampfyachtTolna auf einer Reise um die Welt begriffen sind, zwischen San Franzisko und Hono lulu von der meuternden Mannschaft ausgesetzt worden sein. Die Yacht blieb in den Händen der Meuterer.

Wien. Aus dem Orte eines österreichischen Kron landes wird eine sensationelle Affaire gemeldet. Es soll sich um Auffindung eines seit 10 Jahren einge mauert gewesenen jungen Menschen handeln, den die eigenen Eltern, um sich seiner zu entledigen, diesem qualvollen Elende aussetzten. Der Unglückliche wurde noch lebend aufgefunden.

Paris. In Courbidre bei Clermont stürzte während einer stillen Messe die neuconstruirte Wolbung der Kapelle im Peterskollegium ein. Alle Andächtigen wurden mehr oder minder verletzt. Einer Nonne wurde der Schädel zertrümmert; sie verschied nach wenigen Augenblicken, fünf andere Personen erhielten tödtliche Wunden.

Madrid, In einer der letzten Nächte wurde die Kirche del Buen Suceso, wo jetzt die Virgen de Atacho untergebracht ist, ausgeraubt.

22. Nov.

Bajadoz, 26. Ein Theil des hiesigen Hospizes

cov.

werden. Mechanische Schiebleitern werden auf ander

vermodert.

für alte Leute ist in Brand gerathen; dabei sind etwa 6 Personen leichter oder schwerer verletzt worden.

Montreal, 27. Nov. Heute Mittag ereignete sich hier und in der Umgegend ein überaus heftiges Erd⸗ beben, wie es in Canada noch nicht vorgekommen ist. Die Einwohner ergriffen die Flucht ins Freie. Menschen wurden nicht getödtet, doch ist der Gebäudeschaden sehr beträchtlich.

Teheran. DerTimes wird von hier gemeldet, daß in Folge des Erdbebens in Kuchan gegen 12,000 Menschen umgekommen sind. 2000 Leichnahme befinden sich noch unter den Trümmern. 50,000 Stück Vieh sind zu Grunde gegangen. Die Erderschütterungen dauern noch fort.

Winterdienst im Feuerlöschwesen.

Die Tage werden kürzer, das Thermometer stellt sich tiefer und die Menschen treffen ihre Vorbereitungen, um die Unbilden des Winters leichter zu ertragen. Auch für die Feuerwehren gilt es jetzt Vorbereitungen zu treffen, um in der Winterzeit mit ebensolcher Schlagfertigkeit arbeiten zu können, wie im Sommer. Vor allem ist dazu nöthig, daß das gesammte Rüstzeug einer eingehen⸗ den Prüfung unterzogen und etwaige Mängel sofort abgestellt werden. Die Spritze ist gründlich zu reinigen, die Radachsen zu schmieren, die Cylinder blank zu putzen, nicht aber einzufetten. An den Druckstangen-Achsen ist alles verhärtete Fett zu entfernen. Die Ventile und Kanäle sind sauber und trocken auszuwischen. Letzteres ist namentlich sehr wichtig. Die geringste Feuchtigken in der Spritze kann die Ursache sein, daß die Ventile festfrieren und die Spritze im Nothfalle versagt. Mit Schwamm und wollenen Lappen muß das innere Werl sorgfältig ausgetrocknet werben. Die Schläuche müssen vor Eintritt des Wi 3 nochmals auf ihre Brauchbar⸗

inters keit geprobt und mangelhafte reparirt oder durch neue ergänzt werden. Die Gewinde der Schläuche mit Oel oder Fett zu schmieren ist unsinnig; es genügt, wenn die Gewinde sorgfältig von Schmutz und Sand gereingt werden. Die Schläuche müssen fest verschraubt auf den Schlauchhaspel aufgerollt und während des Winters

mehrmals umgerollt und in andere Brüche gelegt werden.

Nur Spritzenhaus Schläuche im Schlauchschacht hängen. Es wird die Her⸗ abnahme beim Brandfall das Ausrücken der Feuerwehr um einige Zeit verzögern und verstößt im Allgemeinen gegen alle Regel, allein so lange noch nicht überall luftige, trockene Spritzenhäuser vorhanden sind, können die Schläuche nicht aufgerollt bleiben. An den Laternen sind die Scheiben zu reinigen, Kerzen einzusetzen und Reservekerze beizulegen. Die Schachtel schwedischer Zünd hölzer muß bereit liegen. Hat man eine Ueberdecke, fe bedeckt man die Spritze sorgfältig damit. Die Feuer eimer müssen mit der Oeffnung nach unten aufgehängt werden. Die Leitern sollen an einem Orte aufbe wahrt werden, an dem sie vor Regen und Schnee ge⸗ schützt sind. Neue Leitern werden mit einem in Leind! getränkten Lappen tüchtig abgerieben, vorher muß alle etwa anhaftender Schmutz gründlich entfernt sein. Die Eisentheile werden von Rost befreit und geölt. E⸗ empfiehlt sich, die Leitern öfter umzulegen, um ein Ver ziehen derselben zu verhindern, etwa locker geworden Eisentheile müssen angezogen werden, auch sind die Leitern vor der Winter-Aufbewahrnng auf ihre Festig⸗ keit zu prüfen. Diese Prüfung geschieht auf die einfache Art dadurch, daß die Leiter oben und unten auf Boch wagrecht gelegt und mit ca. 80 Kilogramm( Man in der Mitte belastet wird(Reitsitz). Hält die Leite

wo Schlauchhaspel nicht vorhanden und das

in diese Probe aus, dann kann sie angelehnt bestiege

Weise geprüft, da dieselben aber meist nur von ge schulteren Freiw. Feuerwehren geführt werden, dene die Prüfungsart gewiß bekannt ist, so braucht sie hie! weiter nicht erörtert zu werden. Persönliche Au; rüstungen. Alle Gurten, Leinen, Schlauchschlingen Gurtseile sind vor Beginn des Winters nachzusehen und auf ihre Tragfähigkeit zu prüfen. Leinen müssen en Gewicht von 600 Kilogramm tragen, ebenso Gurtsel! und Steigergürtel. Man macht diese Probe, inden man sie über einen Balken schlingt und 4 Mann anhang Petroleumfackeln müssen stets gefüllt bereit stehen. Da Geräthehaus muß blitzblank sein. Alles Gerümpc⸗ das an manchen Orten im Spritzenhaus so gern über wintert, muß heraus. Die Geraäthe müssen in musteg hafter Ordnung zur Ausfahrt fertig stehen. Für zwe

maßige und zu jeder Zeit funktionirende Beleuchtur muß Sorge getragen sein. Schnee und Eis sind sofor⸗ vor dem Geräthehaus zu entfernen, damit die Thür! sogleich geöffnet werden können. Es ist ferner Vorsorg zu treffen, daß, wenn Schläuche ꝛc. bei einem Bram gebraucht werden, diese in einem geheizten Raume(Schl saal, Gemeinde-Zimmer) getrocknet werden kommet Oefteres Luften des Geräthehauses an sonnigen Winter tagen wird verhindern, daß das Rüstzeug verstockt uus Wasserbeschaffung. Der Wasserba schaffung im Winter ist große Aufmerksamkeit zuzuwender Zugänge zu Bächen, Teichen, Flüssen sind stets eisfu! zu halten. In die Eisdecke sind Schopflöcher zu schlagen Wo sich Hydranten befinden, sind die Deckel mit Viel salz zu bestreuen. Da die Wasserbeschaffung fast jedem Orte eine andere ist, so muß eben die Feuerwer je nach den örtlichen Verhältnissen darauf bedacht em daß ihr dieses nothwendigste Hülfsmittel im Nothfar nicht versagt. Uebungen. Die Uebungen im Freie werden im Winter nicht so häufig vorgenommen werde konnen, trozdem soll die Feuerwehr nicht in einen Wintes

modrig und feucht ist, lasse man die

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