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Beilage.
Von Kaiser Friedrich. Gelegentlich der letzten Hochzeit zu Sigmaringen ist eine Episode aus dem letzten französischen Kriege erzählt worden, die ein interessantes Erlebniß des verstorbenen Kaisers Friedrich und des Fürsten Leopold von Hohenzollern zum Gegenstande hat. In dem zum Lazaret ver— wandelten Schlosse zu Versailles war eine junge Dame als Vorsteherin thätig, die als sechs Jahre altes Mädchen Spielgefährtin der Prinzen u. Prinzessinnen der fürstlichen Familie zu Sigmaringen gewesen ist. Während der Belagerung von Paris besuchte der damalige Erbprinz Leopold von Hohenzollern öfter das Schloß, um sich nach dem Befinden der Ver— wundeten zu erkundigen. Hierbei traf er die Vorsteherin, Fräulein Hedwig, die in ihrer Unterhaltung manche Jugenderinnerung bei dem Prinzen erweckte. Eines Tages hatte der Erb— prinz wieder das Lazaret und in diesem den zum Wäschemagazin eingerichteten Raum be— treten, als die Vorsteherin auf ihn zutrat und in scherzhafter Weise zu ihm sagte:„Königliche Hoheit, das kann ich aber unmöglich gestatten, daß Sie so oft unser Magazin betreten und durch Ihre Unterhaltung meine Damen von der Arbeit abhalten. Wenn Königliche Hoheit hier bleiben wollen, dann müssen Sie auch mit arbeiten.“—„Aber was soll ich denn machen?“ versetzte der Prinz,„von diesen Arbeiten ver— stehe ich gar nichts! Wenn Sie durchaus ver— langen, daß ich helfen soll, so will ich eine Binde säumen, denn Charpie zu pflücken ist doch zu langweilig.“ Die Vorsteherin riß da— rauf ein Stück Leinwand zurecht und reichte dies dem Prinzen mit einer eingefädelten Nadel. Als der Erbprinz die Binde fertig hatte und gegangen war, hüllte die Vorsteherin diese in ein Papier, um sie als Andenken aufzubewahren. Tags darauf kam der Kronprinz,„unser Fritz,“ begrüßte die Vorsteherin und sagte:„Gestern ist der Erbprinz von Hohenzollern hier gewesen! Der Prinz hat sich über Sie beschwert! Sie haben den armen Prinzen gezwungen, zu nähen, und ihm nicht einmal einen Fingerhut gegeben. Er hat sich derart die Finger zerstochen, daß
er nicht einmal eine Zeitung halten kann.
Zeigen Sie doch einmal, was er genäht hat; ich bin wirklich neugierig, seine Arbeit zu sehen!“ „Sehr gern“, entgegnete die Vorsteherin.„Aber solche kostbaren Arbeiten zeigt man nicht un— entgeltlich. Dort steht meine schwarze Büchse, und in die müssen Königliche Hoheit erst etwas für meine Verwundeten hineinwerfen.“„Und wieviel muß ich zahlen?“ fragte der Kronprinz. „Wenigstens fünf Silbergroschen!“ Unter Lachen erwiederte der Kronprinz:„Glauben Sie, daß ich als Familienvater ein solcher Verschwender bin, und, um die Knutelei des Erbprinzen zu sehen, fünf Groschen ausgeben werde?“ Als der Kronprinz die Binde sah, bemerkte er: „Ich hätte gar nicht geglaubt, daß der Erb⸗ prinz so geschickt im Nähen sei; er hat seine Arbeit sehr gut gemacht; ich werde die Binde mitnehmen.“ Als die Vorsteherin hiergegen äußerte, daß sie die Binde als werthvolles Andenken aufzubewahren gehofft, versprach der „Kronprinz, die Arbeit am nächsten Tage wieder— zubringen. Am darauf folgenden Abend erschien sein Hoflakat im Schlosse und überbrachte der Vorsteherin auf Befehl des Kronprinzen ein kleines Packet, in dem sich die Binde befand. Als sie diese aber auseinander rollte, entfiel ihr eine Anzahl Goldstücke und ein Menu der tkaiserlichen Tafel. Auf die Rückseite desselben hatte der Kronprinz folgende Zeilen geschrieben: „Mein Fräulein! Soeben habe ich an der taiserlichen Tafel die Arbeit des Erbprinzen gezeigt und für Ihre Verwundeten gesammelt. Nehmen Sie die kleine Summe von mir an. Friedrich Wilhelm.“ Die damalige Vorsteherin
Oberhe
storben, die Binde jedoch nebst dem Schreiben des Kronprinzen werden als liebe Andenken von den Erben aufbewahrt.
Das Ländchen Moresnet. Bisher liegt noch keine Bestätigung für die Zeitungsmeldung vor, daß zwischen Preußen und Belgien ein Abkommen über die Theilung des Landes Moresnet, des kleinsten Staats— wesens in Europa, stattgefunden habe. Es lohnt sich aber jedenfalls, demselben, welches ein Ueberbleibsel der Grenzfeststellungen nach dem Wiener Traktat von 1815 ist, einen Ueber— blick zu widmen. Bei den Verhandlungen zwischen Preußen und den Niederlanden konnte man sich über ein Stück Land von ungefähr 1200 Morgen nicht verständigen, wegen eines darauf befindlichen werthvollen Galmei-Berg— werkes. Dieses Gebiet wurde deshalb 1816 mit seinen etwa 2000, gegenwärtig ungefähr 3000 Einwohnern, für neutral erklärt. Die Bewohner desselben sind daher weder Preußen noch Belgier(seit 1830). Ein preußischer und ein belgischer Kommissär leiten die Verwaltung des Gebietes gemeinsam. Es gelten daselbst noch unverändert jene Gesetze und Verwaltungs— Maximen, welche zur Zeit der französischen Herrschaft in Kraft waren, d. h. der Code Napoléon in seiner unveränderten Gestalt und die Verwaltungs-Ordnung vom 28. pluvoise des Jahres VII(17. Februar 1800). Der Bürgermeister wird von den Kommissären er— nannt, ihm stehen zehn Gemeinde-Angehörige als Gemeinderath zur Seite. Da es an jeder sonstigen Behörde fehlt, so steht es den Ange— hörigen des Neutralstaates frei, sich in streitigen Zivil-Angelegenheiten nach Belieben an die preußischen Gerichte oder an die belgischen zu wenden. Bei Strafsachen wendet sich Bürgermeister ebenfalls bald an preußische,
darauf Rücksicht genommen wird, Zeugen zu laden sind; von preußischen Gerichten werden namentlich Eupen und Aachen in Anspruch genommen. Die Polizei wird von
nur auf besondere Berufung ausgeübt. Steuern werden noch ganz wie 1800 nach französischem Modus erhoben, nämlich Grund-, Personal⸗, Mobiliar⸗, Patentsteuer. Belgien an ihren bezüglichen Grenzen. Kom— munalsteuern gibt es nicht, da alle betreffenden
deckt werden. gleichen Theilen an die beiden Verwaltungs— länder abgeliefert. Militärdienst gibt es in Moresnet nicht; doch ist die wichtige Bestimmung getroffen, daß dort weder ein Preuße noch ein Belgier heimathsberechtigt werden kann; die— selben bleiben also in ihrem Geburtslande militärpflichtig. Auf diese Weise wird es Ausreißern unmöglich gemacht, in Moresnet eine Zufluchtsstätte zu finden.
Aus dem Leben der Tauben. Von Landwirthen ist bekanntlich schon mit günstigem Erfolg der Versuch gemacht worden,
2: Die
die günstigsten Futterplätze befanden. Hühner gewöhnten sich leicht an den wandel⸗ baren Stall und gediehen vorzüglich. Daß aber auch unsere Tauben, deren besondere Liebe zur Heimat bekannt ist, sich an solche Schläge, die bald hier, bald dort stehen, gewöhnen können, war neu, und ein bekannt gewordener Fall erscheint bemerkenswerth genug, um ihn öffent⸗ lich zu erwähnen. 6 g di [Tage, wie die„M. Z.“ berichtet, eine Seil⸗
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er nicht zu verkennen, 6
einschneidenden Neuerung ein Theil der Ge— bald an belgische Gerichte, wobei hauptsächlich woher die
e e e eee jet eb dreiviertel Jahre wirksam gewesen, feststellen,
die Hühner in transportablen Ställen an den! Stellen des Feldes zu halten, wo sich gerade
In Steglitz schlug dieser] Bie
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des Lazarets, Fräulein Hedwig, ist längst ge- tänzergesellschaft ihre Zelte auf, d. h. die Ge⸗
sellschaft machte auf einem neben dem Orte gelegenen Platze mit ihren drei Wagen, in denen sie ihre gesammte Habe mit sich führte, in denen sie kochte, wohnte und schlief, Halt, errichtete ihre primitive Arena und gab all— abendlich ihre Vorstellungen. Auf einem dieser Wagen befand sich nun ein ziemlich großer Bretterkasten, der ein vollständig eingerichteter, dicht bevölkerter Taubenschlag war. Ohne den Tauben irgendwie Zeit zu lassen, von ihrem Schlage aus, die Gegend näher kennen zu lernen, öffnete der Besitzer schon am ersten Morgen ohne weiteres den Schlag, die Tauben flogen munter und fröhlich heraus, erhoben sich hoch in die Luft, kreisten dort in dichter Schaar umher und kehrten nach kurzer Zeit zum Wagen zurück, um das auf die Erde hingeschüttete Frühstück in Empfang zu nehmen. Tagsüber flogen die Tauben ein und aus, als ob sie niemals wo anders gewohnt hätten, und auf Befragen erfuhr man, daß das muntere Volk, wo immer auch die Künstlerschaar verweilte— selbst mitten in den Dörfern— stets treu zu seinem Schlage zurückkehrte und nie Abgang zu beklagen war. Es wäre immerhin von Interesse, zu erfahren, ob ähnliche Fälle auch anderwärts vorgekommen sind.
Ueber die Bewährung der Sonntagsruhe schreibt in seinem neuen Jahresbericht für 1892,93 der„kaufmännische Verein“ in Bochum sehr zutreffend:„Es blieb natürlich nicht aus, daß sich nach Inkrafttreten des Sonntags— ruhegesetzes mancher Widerspruch der thatsächlich oder vermeintlich hierdurch geschädigten Ge— schäftsinhaber geltend machte, und es ist gewiß daß bei einer derartig
ammtheit vorübergehend eine gewisse Benach— theiligung erleidet, die aber gegenüber der auf dem Spiele stehenden Erhaltung des körperlichen und geistigen Wohles eines ganzen Standes nicht ins Gewicht fallen dürfte. Wir können überdies heute, nachdem das Gesetz mehr als
daß fast aller Orten die ursprünglich sehr
heftigen Bekämpfungen der neuen Einrichtung
7 tor aufgehört haben und daß sogar viele Gegner Thür⸗, Fenster⸗ und aufgehör 27 3 90 4 g Die Zölle erheben Preußen ind ae e jetzt Freunde derselben ge— daß der früher gerade an Sonntagen übermäßige Ausgaben aus dem Gemeinde-Vermögen ge⸗
Die Steuereingänge werden zu
sind. Bedeutende Firmen erklären, Andrang der Käufer sich jetzt auf die ganze Woche vertheile und daß insbesondere die vor⸗ dem stets ins Treffen geführte Landkundschaft sich durchweg sehr bald mit dieser Einrichtung befreundet habe.“
Henriette Davidis Kochbuch
für die gewöhnliche und feinere Küche.
28. Auflage
Mit über 1900 zuverlässigen und selbstgeprüften Rezepten, darunter 260 Rezepte und Anweisungen zur Kuchenbäckerei. Mit besonderer Berücksichtigung der Anfängerinnen und angehenden Hausfrauen. Mit einem Porträt der Verfasserin. Preis in elegantem Einbande 4 Mark 50 Pf. Verlag von Velhagen& Klasing in eld u. Leipzig, vorräthig bei Carl Bindernagel
lin Friedberg.


