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Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Steueraufseher Winter zu Groß⸗ Umstadt wurde auf Nachsuchen entlassen.
Berlin. Die zwischen dem Kaiser und Bismarck gewechselten Depeschen haben folgenden Wortlaut:
Güns, 19. Sept. An Fürst Bismarck, Kissingen. Ich habe zu meinem Bedauern jetzt erst erfahren, daß Euer Durchlaucht eine nicht unerhebliche S durchgemacht haben. Da mir zugleich, Gott sei Dank, Nachrichten über Ihre stetig fortschreitende Besserung zugegangen, spreche ich meine wärmste Freude hierüber aus. In dem Wunsch, Ihre Genesung zu einer recht vollständigen zu gestalten, bitte ich Euer Durchlaucht, bei der klimatisch wenig günstigen Lage von Varzin und . für die Winterzeiten in einem meiner in
itteldeutschland gelegenen Schlösser Quartier aufzu⸗ schlagen. Ich werde nach Rücksprache mit meinem Hofmarschall das geeignetste Schloß Euer Durchlaucht namhaft machen. Wilhelm.
Die Antwort Bismarcks lautet:
Kissingen, 19. Sept. An Seine Majestät den Deutschen Kaiser, Güns. Euer Majestät danke ich in tiefster Ehrfurcht für den huldreichen Ausdruck der Theilnahme an meiner Erkrankung und der neuerlich eingetretenen Besserung, und nicht minder für die Absicht gnädiger Fürsorge für die Förderung meiner Genesung durch Gewährung eines klimatisch günstigen Wohnsitzes. Meine ehrfurchtsvolle Dankbarkeit für die huldreiche Intention wird durch die Ueberzeugung nicht abgeschwächt, daß ich meine Herstellung, wenn sie mir nach Gottes Willen überhaupt in Aussicht steht, am wahrscheinlichsten in der altgewohnten Häuslichkeit und deren Zubehör an Einrichtung und Umgebung zu finden glaube. Da mein Leiden nervöser Natur, so glaube ich mit meinem Arzte, daß ein ruhiges Winterleben in den gewohnten Umgebungen und Beschäftigungen am förderlichsten für meine Genesung sein würde, daß dieselbe durch den Uebergang in neue, mir bisher fremde Umgebungen und Verkehrskreise, wie es eine Nucge der Verwirklichung der huldreichen Absicht Euer Majestät sein würde, in meinem hohen Alter im Interesse der Beseitigung der vorhandenen Störungen meines Nervensystems zu ver— meiden sein würde. Professor Schweninger behält sich vor, diese seine und meine Ueberzeugung schriftlich zu begründen. Bismarck.
Mannheim. Die„Süddeutsche Tabak— zeitung“ theilt die Grundzüge des der Ministe— rialkonferenz vorliegenden Tabaksteuerentwurfs mit: Die Banderolensteuer wurde fallen ge— lassen. Der Fakturawerth, richtiger die Um— satzsteuer wird gefordert, für Cigarren 40 pCt., für Schneidfabrikate 100 pCt. vom Werthe. Die Inlandsteuer wird beseitigt, die Ueber— wachung der Inlandslager aufgehoben, der Zoll auf 45 M. für den Doppelcentner herab— gesetzt. Dafür Rückvergütung der Steuer und des Zolls für Tabakvorräthe und Fabrikate um die spätere Differenz gegen die heutigen Sätze.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 25. Sept. Fürst⸗Primas Vaszary ist auf direkte Beruf— ung des Kaisers in Wien eingetroffen, um über die letzte Encyelica des Papstes Vortrag zu halten.
— Die Ernennung Kriegshamers zum Kriegs— mimister ist erfolgt.
— 26. Sept. Kaiser Wilhelm reiste um 4 Uhr Nachmittags nach Berlin. Auf dem Nordbahnhofe erfolgte die ungemein herzliche Verabschiedung beider Kaiser. Kaiser Wilhelm wird, wie die„Pol. Corr.“ erfährt, auf der Elenthierjagd in Schweden sich nur einen Tag aufhalten und am 30. d. M. von Karlskrona aus sich zur See direkt nach Pillau in Ost— preußen und von dort nach Rominten begeben, woselb er der Sonntag den 1. Okt. stattfinden— den Einweihung der neuerbauten Kirche in Rominten beiwohnen wird.
Mohaes, 25. Septbr. Am Sonntag Vor— mittag setzten die fürstlichen Gäste die Jagd bei Bokfok fort. Um 10 Uhr wohnte Kaiser Wilhelm einem Gottesdienst im Isabellenfeld bei und kehrte zu Schiff nach Bokfok zurück. Nachmittags fand zu Ehren des Kaisers in Mohaes ein Volkfest statt, bei dem Bauern— burschen und Mädchen in Nationaltracht na— tionale Tänze aufführten. Später begab sich
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der Kaiser noch Voeroesmart, wo er Nachts jagte.
Belgien. Brüssel, 24. September. Im heutigen Meeting der Förderation der Hene— gauer Gruben-Arbeiter wurde der allgemeine Streik trotz widersprechender Meinung mehrerer Führer mit großer Stimmenmehrzahl ange⸗ nommen. Also hier ist der Strike wahrschein⸗ lich. Im Lütticher Revier ist dagegen Alles ruhig. Eine Versammlung der Bergarbeiter in Carmauvx, beschloß den allgemeinen Streik.
Dänemark. Kopenhagen, 26. Sept. Der Graf von Paris und der Herzog von Orleans sind heute in Fredensborg eingetroffen und am Bahnhofe vom Könige und dem Kronprinzen empfangen worden.
Schweden. Christiania, 26. Sept. Unter dem Vorsitze des Königs beschloß der Staatsrath, keine Maßregeln in Betreff des Storthingbe— schlusses wegen Kündigung des gemeinsamen Consulatswesens anzuordnen.
Frankreich. Paris, 25. Sept. Gestern Nachmittag entstand in einer Versammlung im Faubourg du Temple, welche über das Fest im genannten Stadtviertel zu Ehren der russischen Flotte berathen wollte, eine Schlägerei, als einige Theilnehmer an der Versammlung„Hoch der Dreibund“ riefen. Zwölf Personen wur— den verwundet, darunter drei 19 schwer, und zehn Personen verhaftet.
— 25. Septbr. Einzelne Blätter melden, ein neuer Panzerkreuzer sei nach Siam abge— gangen, um den Verhandlungen der französischen Delegirten den nöthigen Nachdruck zu ver— leihen.
Lille, 25. Sept. Nach Valenciennes und Douai wurden Truppen gesandt, um das Ein— dringen der Strikenden in die Gruben von Augin zu verhindern. Die Delegirten des Bergarbeiter-Syndikats des Borinage haben mit 7 gegen 3 Stimmen den allgemeinen Aus— stand beschlossen, der morgen beginnen soll.
Spanien. Barcelona, 25. Sept. Während der gestrigen Truppenschau wurden zwei mit Dynamit gefüllte Bomben gegen den Marschall Martinez Compos geworfen, der an der rechten Schulter und am Schenkel verwundet wurde. Außerdem wurden sein Flügeladjutant, zwei Polizisten und der General Molins verwundet. Ein vorübergehender Gendarm und ein Spazier— gänger wurden getödtet. Das Kriegsgericht urtheilt den Attentäter, welcher ein Arbeiter ist, ab.
Italien. Rom. Es zirkuliren Gerüchte über Differenzen innerhalb des Kabinets, und zwar zwischen dem Schatz- und Finanzminister über Finanzprojekte, welche Giolitti in einer Rede zu Dronero ankündigen will.
Serbien. Belgrad, 26. Sept. Eine könig⸗ liche Proklamation verkündet die heutige Ab— reise des Königs in's Ausland und setzt für die Dauer der Abwesenheit desselben den Mi— nisterrath als Regentschafts-Behörde ein. Der Aufenthalt des Königs in Abbazia, wo er mit Milan zusammentrifft, soll 8— 10 Tage dauern.
Rußland. Petersburg, 26. Sept. Die Delegirten zur Zollkonferenz sind heute nach Berlin abgereist.
Amerika. Washington. Im Senat ist die Partei, welche für die Aufhebung der Shermanakte ist, seit 14 Tagen durch kein neues Mitglied verstärkt worden. Die Gegner der Aufhebung bilden eine feste Gruppe von 19 Senatoren. Voorhees und andere Führer geben zu, daß die Aufhebung des betreffenden Gesetzes erst nach langem, ermüdendem Kampfe lim Senat möglich ist. Der Senator Steward beantragte, den Präsidenten Cleveland am Montag im Senat in Anklagezustand zu ver—
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fassung, weil er durch die Versuche, den K zur Aufhebung der Shermanakte zu nöthig die Unabhängigkeit der Legislative vernichte. San Francisco, 24. Sept. Anläßlich ein Streites zwischen zum Seemanns⸗Verein ge. hörigen Seeleuten und solchen, die nicht dem
mitbombe vor dem Hause zur Explosion, das von nicht zum Verein gehörigen Seeleuten be— wohnt war. Sechs der letzteren wurden zer⸗ rissen, außerdem wurden zwei getödtet und mehrere andere schwer verwundet.
Buenos⸗Aires, 25. Sept. Dem„Herold“ wird aus Montevideo gemeldet, daß der Führer
von Rio de Janeiro erneuert habe und ein Geschwader ausrüste, welches nach den nörd— lichen Häfen abgehen soll.
— 26. Sept. Einer Depesche der„N. W.“ zufolge erneuerte das aufständische Geschwader das Bombardement von Rio de Janeiro. Die Forts beschossen gestern die Kriegsschiffe, die das Feuer darauf einstellten. Pellegrini hat Tucuman wieder genommen. Die revolutionäre Junta wird gefangen gehalten. Die übrigen Provinzen sind ruhig.
Egypten. Alexandrien. Der„Times“ wird von hier gemeldet, daß der Khedive in
land Drohbriefe erhalten habe.
Friedberg. Das Festcomits zur Feier des 350, jährigen Bestehens der hiesigen Großh. Realschule und des Progymnasiums ersucht uns, das in der letzten
Festes insofern zu berichtigen, als es nicht heißen muß: „Ueberreichung der von hiesigen Damen gestifteten Fahne“, sondern„Ueberreichung der von Damen Friedbergs und der Umgegend gestifteten Fahne.“
r. Friedberg. Am 1. Okt. sind es 57 5 75 daß Schornsteinfeger Joh. Frick dahier dekretmäßige Verwendung als Kaminfegermeister fand. Aus dieser Veranlassung wird dem„Senior der hessischen Schorn⸗
der hessischen Schornsteinfeger-Innung eine angemessene Feier bereitet. Die 50jährige Jubelfeier konnte s. 3. nicht begangen werden.
Friedberg, 25. Sept. Heute morgen wurden dle Eheleute Metzger H. Schäfer in bewußtlosem Sen in ihren Betten aufgefunden; beide waren dem rstickungs⸗ tode nahe in Folge des aus dem Ofen entwichenen Kohlengases. Beide wurden ins Hospital verbracht.
g. Assenheim. Im gräflichen Hause hier herrscht große Freude über die Geburt eines Erbgrafen; Mutter und Kind befinden sich wohl. 1
Büdingen. Unsere Stadt beabsichtigt, eine electris Straßenbeleuchtung anzulegen und soll als Trieb der Maschinen der Seemenbach nutzbar gemacht werden.
Gießen, 25. Sept. Heute wurde unter Vorstz des Landgerichtsraths Kullmann II. die Schwurgerichts⸗ sizungen für das dritte Quartal eröffnet. Zur Ver⸗ handlung kam die Strafsache gegen den Taglö Jacob Sadoni von Laubach bei Usingen, wegen brechens gegen die Sittlichkeit. Die Verhandlung gegen den schon öfter vorbestraften Angeklagten fand unter schluß der Oeffentlichkeit statt und endete, nachdem die Geschworenen das„Schuldig“ unter Ausschluß der mildernden Umstände ausgesprochen, mit der Verur⸗ theilung des Angeklagten in eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten, unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren.
Gießen. Der unter Ordnungs⸗Nummer 3 des
Geyer von
die Sittlichkeit, sondern des Verbrechens gegen R St. G. B. angeklagt. 85
Nackenheim, 23. Sept. Von bübischer Hand wurde 4 Abend gegen 11 Uhr der der hiesigen Eisen⸗ bahnstation gehörende Stoßkarren in das Thalgeleise ge⸗ schoben, sodaß der von Worms kommende Güterzug wider denselben stieß, ohne jedoch glücklicher Weise Schaden zu nehmen. Unterhalb Nackenheim wurde der Zug zum Stehen gebracht und die Trümmer, welche die Maschi vor sich hergeschoben hatte, entfernt. Ueber den ruch⸗ losen Thäter dieses Bubenstreichs fehlen leider jegli Anhaltspunkte.
Allerlei.
Kassel. Eine fürchterliche Blutthat wird aus Niedermöllrich gemeldet. Die Frau eines dortigen
setzen wegen Verletzung des Geistes der Ver—
Landwirthes ermordete den zehnjährigen Sohn eines
Nummer des Anzeigers veröffentlichte Programm des
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