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erkennung seiner Dienste in den Ruhestand versetzt; der erste Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Steinem zum Direktor, und Staatsanwalt Ewald zum ersten Staatsanwalt bei diesem Gericht er⸗ nannt; das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren dem Feuerwehrmann Ph. Schretber zu Ober⸗Ingelheim ertheilt, der Kanzleigebilfe Wettlauffer zu Darmstadt zum Ministerlalkanzlisten ernannt.
Berlin, 24. Febr. Der Relchstag nahm ohne De batte in dritter Lesung den Gesetzentwurf betreffend die Kautionen der Bundes beamten an und setzte darauf die Berathung des Etats des Reichsamts des Innern beim Kapitel Reichs versicherungsamt fort. Auf eine An frage Bebel's erklärt Staatssektetär v. Bötticher, daß dle versprochene Novelle zum Unfallbversicherungsge setz fertiggestellt set, er bitte jedoch, nichts zu überstürzen, da die mit der Soztalpolittk gemachten Erfahrungen immer noch Anlaß zu Korrekturen gäben. Er könne aber jetzt schon mittheilen, daß die Aus dehnung des Ge setzes auf das Handwerk und das Kleingewerbe beab sichtigt sel. Bel dem Titel über die Ausschmückung des Reichstagsgebäudes mit Bildwerken sagt Staats- sekretär von Bötticher die Erfüllung eines von Stauffenberg geäußerten Wunsches zu, daß bet der Vergebung der Arbeiten Künstler aus ganz Deutschland berücksichtigt würden. Beim Titel Herstellung des Nord- ostserkanals äußert Lingens(Centr.) seine Befriedig⸗ ung über die gute materielle Fürsorge für die Kanal⸗ arbeiter, hat jedoch noch einige Wünsche über eine noch bessere Fürsorge für den Gottesdienst Casselmann (nat. lib.) bemängelt, daß auch ausländisches Material zu dem Kanalbau verwendet wird. Staatssekretär von Bötticher erklärt, nur die Preisdifferenz habe die Regierung veranlaßt, einen Theil des Granits aus Schweden zu beziehen. Er müsse die Grenze des für den Kanalbau bewilligten Fonds innehalten und sei da her bestrebt, möglichst zu sparen. Der Etat des Reichs— amts des Innern wird bewilligt.— 25. Febr. Der Reichstag nahm in dritter Lesung den Antrag Rintelen betreffend die Verjährung, an. In der ersten Berathung der Postdampfergesetznovelle erklärt Staatssekretär Dr. Stephan, die Mittelmeer- und Samoalinte entsprächen nicht den Erwartungen. Die Mittelmeerlinie soll fort fallen, dafür sollen die Dampfer auf der Reise nach Australien bezw. Ostasien Neapel anlaufen. Statt der Samoalinte will der Norddeutsche Lloyd eine Linie von Singapore über die Sunda-Inseln nach Neu Guinea einrichten, ohne eine Erhöhung der bisher für die Samoa linte gezahlten Subventtlon; da der Lloyd auf fünfzehn Jahre Anspruch auf Subventlon für die Samoalinie habe, so könnte er bei Ablehnung der Vorlage auf seinem Schein bestehen. Die von der freisinnigen Presse ge— forderte Einziehung der Samoasubventton sei daher un— möglich. Nach längerer Debatte wird die Vorlage der Budgetkommission überwiesen.— Die Wilttärkommisston des Reichstags beendete die Berathung der finanzpolittschen Anträge Richter's. Die sowohl auf die einmaligen Ausgaben wie auf die Mehreinnahmen bezüglichen An— träge Richter's wurden angenommen, ebenso der allge meine Zusatzantrag des Abg. Richter, nach welchem bet seinen Berechnungen die aus der Zunahme der Bevölke rung, den wechselnden Preis verhältuissen und den neu hervortretenden Bedürfnissen etwa wachsende Mehraus gaben nicht in Rechnung gezogen worden sind.— Die Kommission des Reichstogs zur Vorberathung der lex Heinze nahm heute das Gesetz mit 18 gegen 8 Stimmen an. Es kann nach dem Gesetz bei der Verurtheilung, wenn die That von besonderer Roheit, Bosheit und Ehrlosigkelt zeugt, auf Verschärfung erkannt werden, die in harter Lagerstätte besteht, sowie in Nahrung von Wasser und Brod.— Nach der„Kreuzztg.“ hat die sozial, demokratische Reichstagsfraktion einen vollständigen Ent wurf einer Seemannsordnung eingebracht.
— Die„Nordd. Allg Ztg.“ meldet aus Bern: Die deutsche Regierung ließ dem Schweizer Bundesrathe erklären, sie werde den Sozialdemokraten Köster, falls er ausgeliefert würde, nicht wegen Majetätsbeleidigung ver— folgen.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Nach der „Neuen Freien Presse“ wurde die Einführung der zweijährigen Dienstzeit in der österreichischen und ungarischen Armee wegen der Schwierig— keiten, welchen die deutsche Heeresvorlage be— gegnet, vorläufig aufgeschoben. Man wartet hier die Durchführung der neuen Organisation in Deutschland ab, dafür bereitet die öster— reichische Regierung zur Kräftigung der Wehr— macht eine Reform der österreichischen Land— wehr vor.
— 25. Febr. Der Jungcezeche Gregr er— klärte gestern in dem Parlament, das von der Krone genehmigte Programm, welches die dua— listische Staatsform als für Oesterreich dauernd bezeichnete, entspreche der chinesischen Verfass— ung. Oesterreich wäre längst föderalistisch regirt, wenn seine Politiker nicht zu schwarz— gelb wären.
Schweiz.
Bern, 24. Febr. Der Bundes-
rath hat an den französischen Botschafter Arago eine Verbalnote gerichtet, worin er sein Be⸗ dauern darüber ausspricht, daß der Präsident der französischen Republick, Carnot, für den er alle Hochachtung hege, in der bekannten Weise bei der Baseler Fastnacht verhöhnt worden sei.
Belgien. Brüssel, 24. Febr. Der In⸗ spektor der Pariser politischen Polizei, Rossignol, ist in einer geheimen Mission hier eingetroffen.
— 25. Febr. Die Agitation zu Gunsten des Referendums hat eine unerwartete Aus⸗ dehnung angenommen und wird mit Energie betrieben. Im Alhambra-Saale versammelten sich 5000 Personen, zahlreiche andere Personen konnten nicht mehr eingelassen werden, weshalb sofort fünf andere Massen-Meetings abgehalten wurden. Nach den Meetings fand eine Mani⸗ festation von Tausenden statt, die sich nach der neutralen Zone des Königspalastes begaben, trotzdem die Polizei die Manifestanten aus⸗ einander zu treiben versuchte.
Frankreich. Paris, 24. Februar. Die gestrige Rede Tirards über die Börsensteuer machte in Finanzkreisen schlechten Eindruck. Die Börse ist dem jetzigen Cabinet direkt feind— lich gesinnt.
— 24. Febr. Jules Ferry wurde mit 148 von 249 abgegebenen Stimmen zum Prä— sidenten des Senats gewählt. Ferry machte dem Präsidenten Carnot einen lange dauernden Besuch. Am Montag wird Ferry bei der Besitzergreirung des Senats-Präsidiums eine große politische Einführungsrede halten.
Italien. Rom, 24. Febr. In der gest⸗ rigen Kammersitzung konstatirte Giolftti, daß die zur Papstfeier eingetroffenen Pilgerzüge einen eklatanten Beweis für die Freiheit der katholischen Kirche und des Papstes und für die Toleranz Italiens bildeten. Die Pilger hätten keinerlei Excesse begangen, da die Regie— rung ihren Willen zu erkennen gegeben habe, daß die Gesetze aufrecht erhalten würden.
— 24. Febr. Die Polizei verhaftete 20 Anarchisten, welche verdächtig sind, an den letz— ten Dynamitattentaten theilgenommen zu haben. Man hat bei einem derselben eine Patrone ge— funden, ähnlich der, welche in der Cavourstraße platzte.
Spanien. Madrid, 25. Febr. 3500 Ar⸗ beiter, welche die Arbeit niederlegten, demon— strirten zu Gunsten der Republik. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her. Während einer republikanischen Wahlversammlung im Theater von Saragossa wurde eine Bombe mit brennen— der Lunte unter die Anwesenden geworfen. Ein Arbeiter trat die Lunte aus, wodurch die Explosion verhindert wurde. Der Bomben— werfer wurde verhaftet.
Amerik. Washington. In dem neuen Auslieferungsvertrag Amerikas mit Rußland figuriren Attentate auf den Czaren oder die Familie des Czaren als gemeines, nicht als politisches Verbrechen.
Aus Stadt und Land.
X. Friedberg, 26. Febr. Gestern Abend, kurz nach 9 Uhr, brach in den Hintergebäuden der Schudt'schen Schmtedewerkstätte in der Kirchgasse Feuer aus. Der sofort am Platze erschlenenen Feuerwehr gelang es nach kurzer Zett den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Die Abräumungsarbeiten nahmen indeß noch längere Zeit in Anspruch, da in dem brennenden Gebäude noch größere Vorräthe von Stroh und Heu lagerten. Da die Hefahr einer Wlederentzündung des ausgeworfenen an gebrannten Strohes nicht aus geschlossen war, blieb während det Nacht eine Feuerwehrwache auf der Brandstelle
Offenbach, 23. Febr. Heute Nacht kurz nach 11 Uhr entstand in der Stearinlichter Fabrik von Vollmar& Co., Molskestraße 32, Feuer, welches das Hauptgebäude der Fabrik vollständig zerstörte
Allerlei.
Berlin, 24. Febr. Rektor Ahlwardt wurde heute Nachmittag aus der Haft entlassen. Aus Anlaß der Ent— lassung vereinigten sich gestern Nachmittag über 2000 Per— sonen in den Germania Sälen zu einer großen Empfangs feier und brachten Ahlwardt Ovationen dar.
Brieg, 24. Febr. Das Hochwasser zerstörte die Eis böcke der hiesigen Oderbrücke. Bei Groschowitz und Jeltsch kamen Dammbrüche vor.
Meseritz. Die Dtienstmazd Stengert aus Leimnitz
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wurde dieser Tage in einem Gehölz zwischen Leimnitz und Paradies an einem Baume ethäsgt vorgefunden. Die Obduktion der Leiche hat nun ergeben, daß ein Selbstmord der St. ausgeschlossen ist; vielmehr lassen die zahlreichen Flecken an Hals und Brust auf einen Mord schließen. Auch war die Schlinge in einer Weise um den Hals gelegt, daß der Tod dadurch nicht hat eintreten können. Als muthmaßlicher Mörder ist der Bräutigam der St. verhaftet worden. Wahrscheinlich hat er seine Braut begleitet, erdrosselt und, um den Schein des des Mordes von sich zu lenken, mit einem Strick um den Hals an einem Baume aufgehängt.
Budapest, 24. Febr. In der Wohnung eines Privaten wurde ein aus Wien bezozenes Clavier auf⸗ gestellt. Als sich ein 12jähriges Mädchen an das Clavier setzte, explodirte plötzlich eine Dynamitbombe, welche im Clavier versteckt gelegen hatte und bei Berührung der Tasten das Clavier in Stücke zerriß. trug schwere Verletzungen davon.
Amsterdam, 24. Febr. Während eines Manövers der Artillerie auf dem Polygon, explodirte eine Granate, welche einem Lieutenant die Kinnladen abriß und weitere 3 Kanoniere schwer verwundete.
Kopenhagen, 23. Febr. Früh 6 Uhr brach Groß⸗ feuer aus in dem Häuserkomplex am Königsneumarkt, wo viele Werkstätten und Waarenlager sich befinden; es wurde Mittags mit 4 Dampfspritzen und mit Unter- stützung des Militärs und der Marine bewältigt.
Christianta, 23. Febr. Christtanla ist an der Küste entlang, soweit man sehen kann, schweres Meereis; Christkansand itt noch offen, die dazwischen liegenden Städte sind jedoch für Schiffe nicht zugänglich.
Paris, 24. Febr. Der Cassatlonshof verwarf die Recurse der verurtheilten Panama Admintistratoren. Die Untersuchungs Commission in der Panama-Angelegenheit schloß ihre Arbeiten und nimmt den Generalbericht nach den Verhandlungen des Schwurgerichts entgegen. Zwei Polizelagenten sind nach Amsterdam abgereist, um Arton aufzusuchen.
Paris, 25. Febr. Charles de Lesseps kündigt kom⸗ promittirende Enthüllungen in der Gerichtsverhandlung an, besonders gegen Clemenceau und Floquet.
Rom. Vor dem Schwurgericht von Tarent ist jetzt der Monstreprozeß gegen 20) Mitglieder des Verbrecher— bundes„La mala Vita“ zu Eade geführt worden. Der Chef Ramirez, und dessen Unterchefs erhielten nur 6 Jahre Zuchthaus und dreijährige darauffolgende polizet— liche Ueberwachung zudiktirt, die übrigen Banditen nur 12 Jahre.
San Sebastian, 24. Febr. An der spanischen Nordküste wüthet ein heftiger Sturm. Mehrere große Dampfer sind in Gefahr. Die Flüsse in Kastilien sind ausgetreten, die Städte im Duro Thale sind bedroht.
Konstantinopel, 23. Febr. In der an der asia⸗ tischen Küste gegenüber Stambul belegenen Vorstadt Kadikoet wurden durch eine Feuersbrunst 500 Häuser des türkischen und griechischen Viertels eingeäschert. Das deutsche und englische Viertel blieb verschont. Menschen sind nicht umgekommen.
San Franzis co, 21. Febr. Heute schoß ein 73 jähriger Wann Namens Rateltffe den bekannten Millionär Mackay in den Rücken. Rateliffe schoß sich sodann in die Brust. Der Zustand des Attentäters ist gefährlich. Mackays Wunde ist nicht tödtlich. Der Beweggrund zu dem Attentat ist unbekannt.
Israelitischer Gottesdienst in Friedberg. Mittwoch den 1. März 1893: Fasten⸗Esther.
Mittwoch Morgen 6 Uhr 15 Min.
Mittwoch Nachmittag 4 Uhr(Minchagebet). Donnerstag den 2. März 1893: Purimfest.
Mittwoch Abend 6 Uhr 20 Min.
(Abend ebet und Vortrag des Buches Esther.) Donnerstag Morgen 6 Uhr 15 Min
Donnerstag Nachmittag 3 Uhr(Minchagebet). Donnerstag Abend 6 Uhr 3) Min.(Abendgebet.) Freitag Morgen 6 Ubr 30 Min.
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