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Deutsches Reich.

Darmstadt. Der Heizer bei den Oberhessischen Eisenbahnen Dern wurde zum Lokomotioführer, der Hilfsheizer Schäfer zum Heizer ernannt, der Wirkl. Ge heimrath Ministenial Präsident v. Biegeleben und dessen Nachkommen in den Freiherrnstand erhoben.

Berlin, 23. Jan. Im Reichstag ist eingegangen die Postdampfernodelle. Das Haus tritt in die Be rathung der Vorlage über die Ein bestszeit ein. Staats- sekretär v. Bötticher billigt die Resolution, vorausge setzt, daß die Regierungen freie Hand behalten in Bezug auf den Einfluß der Einheitszeit auf das gewerbliche Leben. An die Einheitszeit werde man sich bald ge wöhnen, wie die in Württemberg, Baden und Elsaß Lothringen gemachten Erfahrungen bewiesen. Sollten wirklich wirtbschaftliche Uebelstände entstehen, so würde gesetzlich Abhilfe geschaffen werden. Nach längerer De batte wird die Resolutton abgelehnt Bei der ersten Berathung der Wuchergesetznovelle erklärt v. Grese (kons.), die Vorlage erfülle einen langgehegten Wunsch der Konservattven. Er hält den Unterschted zwischen Kreditwucher und Sachwucher für ungerechtfertigt und wünscht, daß dem Bewucherten freigestellt werde, Buße für den erlittenen Schaden zu verlangen. Er beantragt, die Vorlage an eine einundzwanziggltedrige Kommission zu verweisen Horwitz(freis.) hebt hervor, die Regie rung spreche selbst in der Begründung aus, daß man nicht hoffen könne, den Wucher an der Wurzel zu treffen Es sei äußerst schwierig, die Nothlage bei der Aus beutung Bewucherter gerichtlich festzustellen, meistens sei das moralische Niveau der Wucherer und der Bewucher ten vollkommen gleich. Die Vorlage schädige das Kredit geschäft auf das schwerste, da die Kreditgewäbrung als Wucher aufgefaßt werden könnte. Er beantragt die Ver weisung an die Kommisston, welche die Vorlage über die Abzahlungsgeschäfte beräth Staatseekretär Ha⸗ nauer hebt hervor, daß die Vorlage in der Proxis als nothwendig erkannt worden sei; man müsse offenbaren Mißständen entgegentreten v Buol(Centr.) billigt die Tendenz der Vorlage vollkommen und erklärt, er be grüße dieselbe ebenso freudig wie der Abe Reichensperger das erste Wuchergesetz begrüßt habe. 24. Jan Das Wuchergesetz wird welter beratbhen. Frohme(Soz. steht mit seiner Partei prinzipiell auf dem Standpunkt, daß der Wucher als Verbrechen zu bestrafen sei, aber anders denke die Partei über den praktischen Werth solcher Gesetze, welcher gering sei Hitze(Centr) be streitet, daß aus der Abnahme der Zahl der bestraften Wucherfälle auf die Abnahme des Wuchers selbst ge schlossen werden könne, er glaubt vielmehr, daß die Zahl der Verurtheilten so gering ist, weil die Wucherer andere Vertragsformen gesucht haben. Diese sollen durch die Wuchergesetznovelle getroffen werden. Schrader(freis) meint, durch gewisse Bestimmungen würden die ehrlichen Geschäfte geschädigt, obne daß die unehrlichen dadurch getroffen würden. Man möge lieber für die Vermehr ung der Gelegenbest sorgen, auf ehrlichem Wege Kredit zu schaffen und Vereinigungen zu befördern, deren Zweck anständsge Kreditgewährung sei. Schneider Hamm (nat.-Iib.) ist ebenfalls der Meinung, daß die Gelegen helt des billigen Kredits vermehrt werden müsse, anderer seits aber set es wünschenswerth, die hervorgetretenen Mängel und Lücken des Wuchergesetzes zu verbessern und auszufüllen Büsing befürchtet, daß die Bestimmung über die jährliche Rechnungslegung den legitimen Ge schäften eine große Belästigung auferlege Das Gesetz wird einer besonderen Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen.

22. Jan. Eine heute stattgehabte Me⸗ tallarbeiter-Versammlung mit dem Thema Anarchismus wurde bei der Rede des Metall arbeiters Rodrien, welcher erklärte,ehe er verhungere, werde er das Eigenthum Fremder angreifen, von dem überwachenden Polizei beamten aufgelöst. Es erfolgten mehrere Ver haftungen.

23. Jan. Im Reichsamt des Innern wurden heute die Berathungen über den deutsch russischen Handelsvertrag wieder aufgenommen. Vorschläge von Rußland liegen augenblicklich nicht vor. Ohne entsprechende Gegenkonees sionen dürfte die Gewährung ermäßigter Ge treidezölle nicht zu erwarten sein. Die Wieder belehnung russischer Werthe durch die Reichs bank stehe nicht in Frage.

24. Jan. In der Militärkommission erklärte der Reichskanzler, der Vorschlag er höhter Rekruteneinstellung innerhalb der gegen

wärtigen Präsenzstärke gefährde das Vaterland,

Polizei zerstreute die Menge auf der Straße mit blanker Waffe.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Die Sonn⸗ tagszeitung kündigt die Einbringung einer Vor⸗ lage betreffs Erhöhung des Friedensstandes des Heeres an..

Pest. Der aus Paris ausgewiesene Korre⸗ spondent desBudapester Hirlap, Szekely, ist in Pest eingetroffen. Derselbe erschien nach seinem Eintreffen auf der Redaktion desHirlap welchem er Folgendes schreibt: Am 3. Januar begegnete er dem Publizisten Gromier, einem nahen Verwandten des Präsidenten der Kammer, Floquet; derselbe theilte ihm mit, das größte Ereigniß des Tages sei das Geständniß Rouvier's vor dem Untersuchungsrichter, daß er 200000 Fres. Panamagelder, aber nicht für sich, sondern für Baron Mohrenheim, den russischen Gesandten,

erhalten habe. Er sagte ferner, daß das Geld

von der Panama⸗Gesellschaft direkt an Rouvier, Freyeinet und eine dritte Person gegangen sei und daß der Berliner Botschafter Herbette per sönlich dasselbe an Mohrenheim überreichte. Am

folgenden Tage bestätigte ein veröffentlichtes

Interview mit Arton die Nachricht, daß Mohren⸗ heim 500 000 Fres erhalten habe, ohne daß die Regierung dies dementirt hätte.

Holland Amsterdam, 23. Jan. In Borne versuchten die Arbeitslosen, eine Bäckerei zu plündern, und bewarfen die Gendarmen mit Steinen. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen, die Ordnung ist wieder her gestellt.

Frankreich. Paris, 20. Jan. Develle suchte gestern den deutschen Botschafter auf, um ihm sein Bedauern über die verleumde⸗ rischen Angriffe der französischen Presse gegen andere Vertreter der Dreibundmächte auszu sprechen. Die Vorstellung des österreichischen Botschafters über die Bezichtigung der Pariser Presse, die Diplomatie des Dreibundes habe die Verdächtigung gegen Mohrenheim inspirirt, machten einen erheblichen Eindruck, zumal das Gerücht hartnäckig eirculirte, der Botschafter Mohrenheim sollte durch einen gewöhnlichen Geschäftsträger ersetzt werden.

24. Jan. Der Untersuchungs-Richter Franqueville stellte heute die Akten in der Panama⸗Affaire dem Prokurator der Republik zu. Infolge Beeinflussung entzieht der Justiz⸗ minister Bourgeois dem Untersuchungsrichter Franqueville die Frage der Niederschlagung der Untersuchung nicht, sondern überläßt sie dem Gericht.

Großbritannien. London, 24. Jan. Das in Malta stationirte Infanterie-Regiment wurde angewiesen, sich nach Egypten zu begeben.

Spanien. Madrid, 23. Jan. Armijo gab dem englischen Botschafter die Versicherung, Spanien werde nur dann ein Geschwader nach Tanger entsenden, wenn französische und ita tienische Panzerschiffe dort erschienen.

Rumänien. Bukarest. Die rumänische Regierung hat bei der österreichischen Regie⸗ rung Schritte behufs Wiederaufnahme der Zoll- und Handelsvertragsverhandlungen unter nommen.

Serbien.

Belgrad, 22. Jan. Die Stadt

war gestern infolge der Nachricht von der

Aussöhnung des Exkönig-Paares illuminirt, auf den Straßen waren Freudenfeuer ange zündet, das Volk jubelte und tanzte trotz des Schnees in den Straßen den nationalen Colo tanz. Als der König sich in das Theater

sei also unannehmbar. Die Vorlage der Heeres- begab, wurde er von einem Fackelzug begrüßt. verstärkung beruhe nicht auf Geringschätzung Im Theater intonirte die Kapelle die Serbische des Dreibundes, noch auf einem Zweifel an Hymne, das Publikum stand auf und akkla der Fortdauer desselben, sondern auf der Er⸗ mirte dem jugendlichen König. Im Kreise

kenntniß, daß auch mit dem Dreibunde Deutsch land im Kriege überlegenen Streitkräften gegen überstehen würde. Bremen, 24. Jan. gehabte Versammlung der Arbeitslosen endete mit einem Tumult und wurde aufgelbst.

der Radikalen herrscht freudige Zuversicht, Milan verständigte die Regentschaft, er be trachte die Ehe mit Natalie als aufrecht be

Eine heute hier statt- stehend.

Die bischöfliche Synode erklärte, daß

Die die Scheidung des Königspaares annullirt sei

betrachten ist.

Rußland. Petersburg. Der Emir von Bokhara, Mir-Seid-Abdul-Akhad ⸗Bogardur⸗ Khan, dessen Sohn, Prinz Mir⸗Seid⸗Alim⸗ Dschau⸗Ture, und die sie begleitenden bokharischen Würdenträger wurden am 16. Jan. von dem Zaren im Anitschkow⸗Palaste empfangen. Dieser Andienz wohnten auch die Zarin und der Groß⸗ fürst⸗Thronfolger Nikolaus bei. Der Emir brachte für die Zarenfamilie reiche Geschenke mit, darunter siebzehn prächtige und reich ge⸗ schirrte Pferde, Waffen, Edelsteine, orientalische Stoffe und Schmuckgegenstände.

Bulgarien. Sofia. Fürst Ferdinand von Bulgarien verbleibt 14 Tage in München. Als seine zukünftige Braut wird eine bayerische Prinzessin oder eine Verwandte der Herzogin Clementine bezeichnet.

Egypten. Kairo, 23. Jan. Das Bureau Reuter meldet: Trotz der allgemeinen Erleichter ung, welche auf die Bekanntmachung des Ab⸗ kommens zwischen dem Khedive und Cromer gefolgt ist, herrscht jetzt Besorgniß über die Entwickelung der Lage. Das Benehmen des Khedive, welcher die öffentlichen Kundgebungen der Bevölkerung unterstützt, sein prahlerisches Auftreten in der Moschee und in der Oper steigern die Aufregung der niederen Klassen und das ängstliche Gefühl der Europäer. Die englischen Beamten betrachten ihre Stellung als erschüttert und den Fortschritt der Reformen als gefährdet. Mehrere englische Offiziere hal⸗ ten eine Verstärkung der englischen Okkupa⸗ tionstruppen für wahrscheinlich.

Amerika. Washington, 22. Jan. Das Repräsentantenhaus berieth gestern den Gesetz entwurf über die Einwanderung. Ein Amen⸗ dement, wonach den Herkünften aus Europa eine Quarantäne auferlegt werden soll, wurde verworfen.

Aus Stadt und Land.

r. Bad⸗Nauhelm. Am 20. Januar waren 25 Jahre verflossen, daß in Folge der im Jabre 1866 voll- zogenen polltischen Umgestaltung unseres Vaterlandes das hiesige Ortsgericht errichtet wurde. Die ersten Orts- gerichtsmänner, welche auf Vorschlag des damaligen Land⸗ richters Ulrich ernannt wurden, waren Bürgermeister Rieß, Stadtrath Geberinger, Heinrich Eußer und Stadtkämmerer Grünewald. Von denselben sind noch am Leben und be⸗ kleiden dieses Amt mit Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue Stadtrath Geberinger und Stadtkämmerer Grünewald. Möge es diesen beiden verdtenstvollen Jubllaren noch lange vergönnt sein, in gleicher körperlicher und geistiger Rüstig⸗ keit wie seither ihres verantwortlichen Amtes zu walten.

e. Burg Gräfenrode, 24. Jan. Gestern spielte ein anderthalbjähriges Kind mit einem geladenen Flobert⸗ gewehr, das in seinen Bereich kam, wobei auf noch un⸗ aufgeklärte Weise der Schuß losging, der das Kind durchs Herz traf.

Bingenheim. Die viel besprochene und die viel umkämpfte Bürgermeisterwahl ist am 2). Januar durch eine zweite Wahl zum Abschluß gebracht worden. Als Sieger ging aus der Urne der schon bei der ersten Wahl gewählte Candidat Müller mit einer Majorität von 11 Stimmen hervor. g

Darmstadt, 21. Jan. Der zum Tode verurtheilte Schreck erhängte sich im Provinztalarresthause.

Mainz, 2t. Jan. Gestern Abend 6½½ Uhr ent⸗ gleiste der von Finthen kommende Zug der Außenbahn an der Weichestelle oberhalb des Mainzer Friedhofs. Die Maschine sprang an der betreffenden Stelle aus dem Geleise und kam zur Hälfte in den Graben, zur anderen Hälfte über das Geleise zu stehen. Die Untersuchung der Weichestelle ergab, daß dieselbe durch ruchlose Hände demoltrt worden war.

Allerlei.

Mannheim, 23. Jan. Heftiger Schneefall selt vergangener Nacht verursacht große Verkehrsstörungen. Sämmtliche Elsenbahnzüge verkehren mit mehrstündigen Verspätungen. Die Heidelberg Speyerer Nebenbahn hat den Betrieb theilweise eingestellt.

Karlsruhe, 20 Jan. Auf der Strecke Pforzheim: Mühlacker riß die Lokomotive vom Zug los. Heizer und Lokomotivführer wurden infolge des Ruckes herunterge⸗ schleudert und schwer verletzt. Die Maschline stürmte weiter und wurde schlleßlich auf der Station Mühlacker in ein todtes rasch verbarrikadirtes Geleise geleitet und so aufgehalten.

Karlsrube, 22. Jan.

Der Komponist Vinzenz

Lachner ist heute gestorben.

Stuttgart, 24. Jan. Auf der Fahrt von Schram⸗ berg nach Schiltach ist gestern bei Zug 521 der Per⸗ sonenwagen infolge der Schneemassen entgleist. Reisenden wurden im Packwagen weiterbefördert.

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