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Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.
Johann Wilhelm Peppler von Nieder-Wöllstadt wurde als Nachtwächter für diese Gemeinde ernannt und verpflichtet.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Ober-Rechnungsrevisor Betz wurde zum landständischen Archivar, der Kreisassistenz⸗ arzt Ur. Schäffer in Darmstadt zum Kreisassistenzarzte in Mainz, der Assistenzarzt lor. Schäffer zu Heppen⸗ — zum Kreisassistenzarzte in Darmstadt, der prakt.
rzt Ur. Wengler zum Kreisassistenzarzte in Gießen ernannt, das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren dem K. Speer und K. Veyl in Wimpfen und dem J. Roesch und N. Gundlach in Bingen er⸗ theilt, der Kanzleigehilfe Hetzel zum Kanzlisten bei der Zweiten Kammer ernannt.
— Militärpersonalnachrichten. Die Unteroff. Haller v. Hallerstein vom 2. Gr. Drag.⸗Regt. Nr. 24, v. Voigts⸗Rhetz vom Gr. Feld-Art.⸗Regt. Nr. 25 wur⸗ den zu Port.⸗Fähnrs. befördert; Bekker, Major des Train⸗Depots des 4. Armeekorps, der Abschied be⸗ willigt; die Sek.⸗Lts. v. Biegeleben der Res. des 1. Gr. Drag.⸗Regts. Nr. 23, v. Schwertzell der Res. des 2. Gr. Drag.⸗Regts. Nr. 24, Windecker der Kav. 1. Aufg. des Landw.⸗Bez. Gießen, Michel der Kav.* Aufg. des Landw.⸗Bez. Mainz, zu Pr.⸗Lts. befördert; Klump, Sek.⸗Lt. der Inf. 2. Aufg. des Landw.⸗Bez. Darmstadt, Usinger, Sek.⸗Lt. der Feld⸗Art. 1. Aufg. des Landw.⸗Bez. Mainz der Abschied bewilligt.
Berlin. Nachrichten aus Athen zufolge ist das Befinden der Kronprinzessin Sophie nicht günstig. Die Nachricht von dem tragischen Ende Marie Webers soll in große Erreg— ung gebracht haben. Die Kaiserin Friedrich wird im nächsten Monat in Athen erwartet.
— 22. März. Reichstag. Ahlwardt hatte bestern behauptet, durch die Regierung sei das deutsche Volk um 100 Million M. betrogen worden. Anwesend sind deshalb heute der Reichskanzler Graf Caprivi, Finanz⸗ minister Miquel, die Staatssekretäre v. Marschall und v. Maltzahn. Zunächst werden Rechnungssachen er⸗ ledigt. Hierauf wird die Etatsberathung fortgesetzt. Beim Invalidenfonds ergreift auf Anxegung Richters Ahlwardt das Wort und erklärt, er könne nur wenige Aktenstücke in der betr. Sache vorlegen, welche ohne eine Verbindung mit den übrigen fehlenden unverständ— lich seien. Der Rest sei sofort nicht zu beschaffen. Auf Antrag von Graf Ballestrem(Centr.) tritt der Seniorenkonvent unter dem Vorsitz des Präsidenten v. Levetzow sofort zusammen. Zur Prüfung der Akten⸗ stücke und der Vernehmung Ahlwardts wird die Sitz— ung auf eine Stunde ausgesetzt. Die Sitzung wird um 3 Uhr 15 Min. wieder aufgenommen. Graf Balle— strem(Centr.) und die Vertrauensmänner, unter dem Vorsitze v. Levetzow's, haben die von Ahlwardt beige— brachten Dokumente geprüft und davon eingehende Kenntniß genommen. In dem Urtheil stimmen Alle überein, daß Ahlwardt der Aufforderung, einzelne Akten— stücke zu bezeichnen, welche geeignet seien, seine gestrigen Angaben zu bestatigen, nicht nachzukommen im Stande war. Ahlwardt erklärte, die vorgelegten Aktenstucke seien allein nicht geeignet, die gestern gemachten An⸗ gaben zu bestätigen, erst mit den andern, noch herbei— zuschaffenden Aktenstücken werde dies möglich sein. Die Kommission hat beschlossen, zu erklären, daß Ahlwardts Aktenstücke durchaus nichts enthalten, was die Behaup— tungen desselben unterstütze oder was frühere oder gegenwärtige Mitglieder des Reichstags, der Reichs regierung oder der deutschen Landesregierungen zum mindesten belaste. Wenn Jemand, insbesondere ein Reichstagsmitglied, solche Beschuldigungen vorbringe, könne er dies nur thun, wenn die Beweismittel sofort auf den Tisch des Hauses niedergelegt würden. Ahl— wardt(mit Zischen empfangen) versucht eine Recht— fertigung seines Verhaltens und erachtet die Möglichkeit einer ferneren Beweisführung für abgeschnitten. Rich— ter(rreis.) bestätigt die Ausführungen Ballestrems über das Kommissions⸗Ergebniß. v. Manteuffel(kons.) und Lieber(Centr.) verurtheilen das Verfahren Ahl— wardts. Letzterer erklärt, er würde in der Charakterisi— rung dieses Verfahrens einen Ordnungsruf riskiren, wenn ihm Ahlwardt„soviel werth wäre.“ Ahlwardt greift mehrfach in die Debatte zu seiner Vertheidigung ein. An der Debatte betheiligen sich Rickert(freis.), Brömel(freis.), Stöcker(kons.), Zimmermann(Centr.), Liebermann(Antis.) Nach längeren heftigen Ausein— andersetzungen schließt die Debatte; der Rest des Etats wird ohne Diskussion erledigt.
— In der Anklagesache gegen Max Har— den, wegen Majestätsbeleidigung, wurde Termin vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts auf den 7. April anberaumt. Es handelt sich bekanntlich um einen Artikel Monarchen-Er— ziehung. 2
Spandau, 23. März. Ahßbwardt hat gestern Abend hierselbst in einer Versammlung des antisemitischen Vereins gesprochen, welche sehr zahlreich, meistens von Beamten' der königlichen Behörden und Arbeitern aus def stätten besucht war. Er betonte, Lr halte alle im Reichstage vorgebrachten Apkklagen auf— recht und werde den aktenmäßigen Beweis
Militärwerk-
liefern. Nach Schluß der Rede Ahlwardts wurde ihm vom Hauptmann a. D. Herter ein Lorbeerkranz aufs Haupt gesetzt.
Bochum. Das Gesammtresultat bei der Ersatz⸗Wahl im Reichstags-Wahlkreis Olpe⸗ Meschede ergibt für Fusangel 12,016, für Böse 3335 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt, ein würdiger College Ahlwardts.
Friedeberg. Die Konservativen des Wahl⸗ kreises Friedeberg⸗Arnswalde sagten sich gestern in einer Versammlung von Ahlwardt los und drückten ihr Bedauern aus, ihn zum Abgeord— neten gewählt zu haben.
St. Johann. In dem Rechtsschutzverein der Bergarbeiter ist eine bedeutsame Wandlung eingetreten. Warken wurde abgesetzt und Schillo⸗ Altenkessel, einer der Fähigsten, zum Vorsitzen— den gewählt. Eine große Erklärung in der Zeitung„Schlägel und Eisen“ macht der bis⸗ herigen Leitung den Vorwurf der Unselbst— ständigkeit, des unsinnigen Handelns der radi— kalen Elemente und der schlechten Redaktion des Organs. Letzteres soll eine fachmännische Kraft erhalten und einmal wöchentlich erschei— nen. Um die als nothwendig hingestellte Or— ganisation wieder zu heben, soll eine richtige sachliche Agitation eingeleitet werden. So hoffe man, auch das Vertrauen der öffentlichen Mei— nung wiederzugewinnen.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Pest, 21. März. Der neueste parlamentarische Zwischenfall ist zu Ende. Im Klub der Liberalen erklärte der Ministespräsident Dr. Wekerle über den gestrigen Vorfall im Abgeordnetenhause unter allgemeiner Zustimmung, es könne nicht be— zweifelt werden, daß Tisza während seiner langjährigen amtlichen Thätigkeit sich unver— welkliche Verdienste erworben habe. In Folge dieser Genugthuung konnte von der Abhaltung einer geheimen Sitzung des Abgeordnetenhauses Abstand genommen werden.
Oedenburg. Mit großer Bestimmtheit tritt in hiesigen Kreisen das Gerücht auf, daß an— läßlich der großen Herbstmanöver im Oeden— burger Komitate der Kaiser Franz Josef mit dem deutfchen Kaiser und dem russischen Thron— folger eine Zusammenkunft haben werde.
Schweiz. Bern. Die Anarchisten zeigen an, daß während der Reise des deutschen Kaiser— paares nach Rom ein Attentat geplant sei.
Belgien. Brüssel. Die Gerichtsbehörden stellten eine Untersuchung an, um die Identi— tät Schouppes und Rickens festzustellen. Das Ergebniß war, daß Schouppe die Papiere Rickens besaß und sich für letzteren ausgab.
Spur.
Portugal. Lissabon, 21. März. Der diesseitige Gesandte in Berlin de Carvalhoe Vasconcellas ist nach Berlin gereist; die Reise wird mit der Angelegenheit der Auswärtigen Schuld in Verbindung gebracht.
Spanien. Madrid. Die Blätter sprechen von Schwierigkeiten, die in den Verhandlungen zwischen Deutschland und Spanien über die Handelsverträge entstanden wären. Deutsch⸗ land soll bezüglich des Alkohols unannehmbare Forderungen an Spanien gestellt haben und zu große Vortheile auf den Antilleg und Philippinen verlangen. Der Minister des Aus— wärtigen hatte gestern eine längere Unterredung mit dem deutschen Botschafter.
— 22. März. Der Minister des Aeußern
Vega di Armijo hat demissionirt; er wird Kammerpräsident und Marschall Concha Senats⸗
präsident. Sagasta bestätigte die Demission des Marineministers.
Bulgarien. Sofia, 22. März. In dem Prozeß gegen Ilia Georgiew wurde der An— geklagte heute auf Grund des Verdiktes der Jury zum Tode verurtheilt.
des Fürsten und die Umwandlung der Todes- strafe in 15jähriges Gefängniß.
Stadt und Land.
Friedberg. Die in Windeckers e abgehaltene Hauptversammlung des Eislau„Vereins war zahlreich besucht. Der Vorsitzende erstattete aus- führlichen Bericht über die Thätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Vereinsjahr. Aus der hierauf ver⸗ lesenen Rechnung ergab sich, daß der Verein auch finanziell gut gewirthschaftet hat und ein Einnahme⸗
Ueber den letzten Punkt der Tagesordnung: Erbauung einer Bretterbude in Gemeinschaft mit dem Radfahrer⸗ Verein, entspann sich eine längere Diskussion, doch war man einstimmig der Ansicht, daß die Herstellung eines gemeinschaftlichen Raumes ein Bedürfniß für beide
Mitgliedern gewählt, welcher Vorschläge ausarbeiten und dem Vorstand zur Prüfung bezw. Genehmigung vor⸗ legen soll. Auch an dem Miethvertrag mit der Stadt soll eine kleine Aenderung vorgenommen werden und wurde der Vorsitzende e die nöthigen Verhand⸗ lungen zu führen.
Friedberg. Seitens der Preußischen Abe Verwaltungen soll im gegenseitigen Interesse des Pu⸗ blikums und der Eisenbahnen, sowie zur Hebung des
Vom Anarchisten Mathieu hat man noch keine
Verkehrs die Auslegung von Anzeigebüchern in be⸗
stimmten Schnellzügen stattfinden und an Unternehmer vergeben werden. Auch die Ausnutzung der Wand⸗
flachen in den Wartesälen und Vorfluxen der Stations⸗ gebäude zum Aushang von Privatbekanntmachungen und Geschäftsanzeigen soll für die einzelnen Stationen an Unternehmer verpachtet werden.
r. Nieder⸗Mörlen. Auf ee hie⸗ sigen Sparkasse- und Gemeinderechners obs III. wurde von der hiesigen Sparkasse das in Nieder⸗ Mörlener Gemarkung gelegene Freihrl. von Wetzell'sche Gut von 215 Normalmorgen zu dem Preise von Mk. 136,000 angekauft. Die Grundstücke verbleiben nun der Gemeinde für ewige Zeiten erhalten und man sieht hieraus, wie wohlthätig auch in dieser Beziehung die Spar- und Vorschußvereine wirken können.
Allerlei.
Karlsruhe, 22. März. Der Raubmörder Weyell aus Appenheim, welcher im vorigen Jahre den Holz— händler Schneider aus Freiolsheim ermordete und be⸗ raubte, wurde heute früh 6% Uhr im Hofe des Amts⸗ gerichts durch den Scharfrichter Müller aus Ladenburg hingerichtet. Der Mörder starb ohne Zeichen der Reue.
Barmen, 22. März. Auf der Strecke Wetter Witten stürzten heute Morgen 2000 Kubikmeter Felsen auf die Geleise, als gerade ein Güterzug passirte. Die Lokomotive und 12 Wagen wurden total zertrümmert und ein Beamter schwer verletzt.
Kopenhagen. Vom 5. bis 21. März sind hier⸗ selbst 258 Erkrankungen und 4 Todesfälle an Influenza sowie 15 Erkrankungen und 7 Todesfälle an Flecktyphus vorgekommen.
New⸗Nork, 22. März.
In einer Getreidemühle
Entzündung von Mehlstaub eine Explosion statt, durch welche 40 Häuser zerstört wurden und 2 Elevatoren mit 200,000 Bushels Getreide sowie 12 Eisenbahnwaggons verbrannten. In der ganzen Umgegend wurden die Fensterscheiben zertrümmert und eine große Anzahl von Personen schwer verletzt. Getödtet ist nur der Müller selbst.
Osterglocken.
Die Glocken läuten nächste Woche Ostern ein; kein fühlendes Herz kann sich ihrem Klange ver— schließen. Eine Ahnung von Fruhlingswehen und Frühlingswonne zieht durch jede Brust; denn wie— der hat das Leben den Tod überwunden, und des Winters starrer Frost muß dem glorreichen Ueberwinder weichen. Siegreich dringt der goldne Strahl durch das dunkle Gewölk, und ein neuer Hauch von Wärme, Licht und Glück zieht dahin über die Fluren draußen, durch die Menschenherzen drinnen. Alles Gotteswerk in der Natur ist ein Gleichniß und eine Offen⸗ barung, ein Spiegel geistiger Kräfte und geistiger Geschicke, und von je hat dies arme Menschen— geschlecht auf Erden die Naturerscheinung in solchem höheren Sinne gedeutet. Wie die N tur im Lenz zu neuem Leben erwacht, so sprießt im Herzen neuer Trost und neuer Lebensmuth. Das Band der Trauer, das alle Kräfte lähmt,
kann uns nicht dauernd fesseln, der Schmerz der Vergänglichkeit, der aller Freude wehrt, uns nicht ganz dahin nehmen; denn die Herr— schaft führt nicht der Tod, sondern das Leben.
Der Gerichtshof In aller Vergänglichkeit behauptet sich das
empfiehlt jedoch den Verurtheilten der Gnade
Ueberschuß von über hundert Mark erzielt worden ist.
Vereine sei und wurde deshalb ein Ausschuß von 3
in der Ortschaft Lichtfield in Illinois fand infolge der
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