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Deutsches Reich.

Darmstadt, 18. Juli. Die Ankunft S. K. H. des Großherzogs auf Station Langen aus England erfolgte gestern Abend, woselbst sich zum Empfang die Prinzessin Alix, Ober⸗ stallmeister v. Riedesel und Flügeladjutant v. Röder eingefunden hatten, während im Schloß Wolfsgarten der Obersthofmarschall v. Wester⸗ weller den Großherzog willkommen hieß.

Berlin, 17. Juli. In dritter Lesung wurde am Samstag die Militärvorlage definitiv angenommen und zwar mit einer Mehrheit von 16 Stimmen. Um Uhr fiel die Ent scheidung; Artikel 1 wurde durch Aufstehen, sämmtliche folgenden Artikel ohne weitere Ab stimmung angenommen, und sodann die Vor lage mit 201 gegen 185 Stimmen in nament licher Abstimmung genehmigt. Der Reichs kanzler verlas sodann eine kaiserliche Botschaft, welche den Schluß der Reichstags-Session aus sprach.

Berlin, 18. Juli. DerR.⸗Anz. ver⸗ öffentlicht eine kaiserliche Cabinetsordre, worin der Kaiser dem Reichskanzler Graf v. Caprivi seine volle Anerkennung und seinen unauslösch lichen Dank für den erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen über die Armeereform ausspricht. Das fachmännische Verständniß, der staats männische Blick und die hingebende Thätigkeit des Reichskanzlers hätten die Reform ihrem befriedigenden Ende entgegengeführt. Auch zu den Nachklängen der Militärvorlage gehört es, daß Prof. von Kauffmann, der seine Feder zur finanziellen und volkswirthschaftlichen Ver theidigung der Militärvorlage geliehen hat, den Titel eines Geheimen Regierungsrathes erhalten hat. Der Rücktritt des Reichsschatz sekretärs von Maltzahn steht unmittelbar bevor. Sein Entlassungsgesuch dürfte bereits eingereicht sein.

17. Juli. DerRuss. Börsenztg. zu⸗ folge ist die Antwort Deutschlands auf die russischen Vorschläge in Betreff der Zusammen berufung einer gemischten Commission nach Berlin zwecks der endgiltigen Ausarbeitung der Bedingungen für einen deutsch-russischen Handelsvertrag vorgestern beim Ministerium des Aeußern eingegangen.

Dem Vernehmen nach findet am 6. Aug. in Frankfurt a. M. eine Konferenz der Finanz minister der deutschen Bundesstaaten mit Or. Miquel statt.

Kiel, 16. Juli. Der Kaiser ist heute früh hier eingetroffen und hat sich mit der Kaiserin von der Jensenbrücke an Bord der kaiserlichen YachtHohenzollern begeben.

St. Blasien, 17. Juli. Der Großher⸗ zog und die Großherzogin von Baden sind heute nach der Mainau abgereist.

Ausland.

Oesterreich⸗-Ungarn. Budapest. Nach derBudapester Korrespondenz steht der Er laß eines Ausfuhrverbotes für Heu und Stroh im Halm und gehäckselt, unmittelbar bevor, nachdem der ungarische Ministerrath sich heute dafür entschieden hat.

Innsbruck, 17. Juli. Der Landtag ersuchte die Regierung telegraphisch um die sofortige Erlassung eines Futterausfuhrverbots.

Holland. Haag, 18. Juli. Die Prin⸗ zessin Heinrich von Preußen traf heute aus Windsor hier ein. Sie wurde vom deutschen Gesandten Rantzau und den Gesandtschaftsmit gliedern empfangen und begab sich alsbald nach Scheveningen. g

Schweden. Stockholm, 18. Juli. Hohenzollern mit dem Kaiser Wilhelm und der Kaiserin an Bord ist heute Vormittag auf der Rhede von Wisby eingetroffen. Eine zahl reiche Menschenmenge war auf dem Quai an

Die

wesend, Häuser und Schiffe waren reich be flaggt. Das Kaiserpaar begab sich mit Ge- folge um 5 Uhr ans Land und unternahm eine Fahrt durch die Stadt nach den Ruinen. Das Essen wurde an Bord eingenommen.

Abends sein 5

fand ein Fest zu Ehren des Kaiserpaares den beleuchteten Ruinen statt, wobei Scenen aus dem kirchlichen Leben des Mittelalters und den Hansazeiten, verbunden mit Gesängen, zur Darstellung gelangten.

DemStandard wird aus Shanghai gemeldet, daß die chinesische Regierung es ab lehne, Genugthuung für die Ermordung der beiden schwedischen Missionäre zu gewähren. In Massenversammlungen der Ausländer in Shanghai und Hankow wurden Resolutionen gefaßt, in welchen in den stärksten Ausdrücken ein Einschreiten der auswärtigen Mächte und eine Bestrafung des Vize-Königs sowie des Gouverneurs verlangt wird.

Frankreich. Paris, 17. Juli. Der Temps empfing eine Depesche seines Corre spondenten, die besagt, seit einiger Zeit ver stärkten die Siamesen ihre Truppen am linken Ufer des Mekong und bauten Forts; sie ver suchten, die Blokade der französischen Streit kräfte auf der Insel Khone wieder zu beginnen. Um die Blokade zu verhindern, ließ der Com mandant von Khone zwei siamesische Forts erstürmen, wobei zahlreiche Siamesen getödtet und verwundet und 33 gefangen wurden. Die Operation dauert fort, mit dem Zweck die Stadt Khong, die Operationsbasis der Siamesen, zu besetzen.

18. Juli.Soir meldet, der Minister des Auswärtigen habe nach dem heutigen Ministerrath ein Ultimatum telegraphisch dem französischen Generalkonsul in Bangkok über mittelt und der siamesischen Regierung 24 Stunden Frist zur Antwort gewährt. Nach einerTemps-Meldung aus Saigun sei der Kapitän des französischen SchiffesForfait von den Siamesen gefangen und mit Erschießen bedroht worden, er sei jedoch entkommen.

Großbritannien. London. Nach einer Meldung derTimes aus Bangkok verlassen viele Engländer mit ihren Familien und ihrem Vermögen Siam.

Spanien. Madrid, 18. Juli. In der gestrigen Sitzung der Cortes erklärte der Mi nister des Auswärtigen auf eine Anfrage von Navarro Revertez, entgegen der Mittheilung der Zeitungen wären die Handelsvertragsver handlungen mit Deutschland nicht abgebrochen.

Serbien. Belgrad, 18. Juli. In der Skupschtina wurde heute die Debatte über die Ministeranklage fortgesetzt. Garaschanin ver langte, daß, falls die Skupschtina wirklich Licht und Schatten gleichmäßig vertheilen wolle, auch gegen die Regentschaft eine Anklage er hoben werde, wofür die Verfassung eine ge nügende Handhabe biete. Nach ihm spricht als radikaler Hauptredner der Stadtpfarrer Belgrads Prota Marko. Seine oft von großem Beifall der radikalen Partei unterbrochene, die Liberalen brandmarkende Rede deutet darauf hin, daß das Schicksal der Mitglieder des früheren Kabinets besiegelt ist.

Amerika. Rio de Janeiro, 15. Juli. Nach einem Telegramm der Times von hier, ist der DampferJupiter, unter dem Kom mando Van den Kolk's, Abends vor Santa Catarino von dem brasilianischen Kriegsschiffe Republica weggenommen und Van den Kolk mit der gesammten Mannschaft an Bord zu Gefangenen gemacht worden. Der Dampfer Italia wurde gleichfalls weggenommen.

Aus Stadt und Land.

2 Friedberg. DieEvang. Vereinigung dahier erfreut sich fortgesetzt eines guten Gedeihens und wächst immer mehr in den Herzen unserer Evangelischen fest. Zeuge dessen ist der gute, zum Theil starke Besuch, dessen sich seit vorigen Winter seine Monatsversamm lungen erfreuten und erfreuen, insbesondere auch seitens unserer evang. Frauen und Jungfrauen. Wesentlich tragen zu diesem günstigen Ergebnisse die zahlreichen schönen und anregenden Vorträge aus den verschiedensten Lebensgebieten der evang. Kirche bei, so in der letzten Zeit diejenigen von Professor Dr. Flöring, über das Ideal katholischer und evangelischer Frömmigkeit und der von Lie. Dre. Dieckmann überdas Evangelium

1353 darum erwünscht

Den Lesern wird hmen, daß wir am 29. Juli die Freude

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in haben werden, einen Vortrag von Geh. Kirchenrath

Dr. Diegel überdie starken und schwachen Seiten der evang. Kirche zu hören, während Vereinsgeistlicher Naumann von Frankfurt im August über einen Gegen⸗ stand aus dem Gebiete der sozialen Frage vortragen will. Angabe des Titels des Vortrages und Annonce folgen. N 3 . Friedberg. Nachdem auf persönliche Anreg⸗ ung des verstorbenen Urne Ludwig IV. die Wiederherstellung des ruinenhaften Adolfthurmes in der Burg dahier von Großh. Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Bauwesen, beschlossen worden war, wurden im letzten Frühjahre zunächst die Arbeiten zum Aufbau des Steinhelms in Angriff genommen. Bei dem vorausgegangenen Abbruche des alten Holzdaches wurde auch die alte Wetterfahne abgenommen. In dem Knopfe derselben fand sich eine kupferne Kapsel vor, welche eine Urkunde vom 5. Juli 1804 enthielt. Der Text derselben lautet: Vorderseite: Nachrichten uber die Erbauung dieses Thurns sind nur dise be- kant. Im Jahr 1347 wurde ein Graf Adolph von Nassau, der mit denen Rittern der Burg in Vehte lebte obnweit Friedberg gefangen, und muste zu seiner Auslösung diesen Thurm ereauen, Bei Abbrechung dieses Dachs fanden sich in diesem Knopf keine Nach- richten, nur war derselbe durchlöchert vor Buchsen Schüssen, welche wieder zugelöthet wurden damit der Knopf noch einmahl seine Dienste verrichte. Das Dach ist 17 Schu niedriger geworden als das alte war, die Helmstange und Sparrn sind noch von dem alten Holz gemacht, die Bretter worauf an dem unteren Dach die Schiefer genagelt waren, fanden sich noch von gerissenem Buchenholz, welches das hohe Alter der Arbeit beurkundet. Die Fahne und die Federn der Eisernen Helmstange sind neu. Die in diesem Thurm enthaltene Gefängnisse wurden gebrett, mit lenster versehen, und mit ösen zur Erwärmung fühig gewacht. Die Ungeheuere Statsumwälzungen seit dem vorgen und diesem halben Jahr Zent, sind fur das Menschengeschlecht zu wichtig, als dass dieses Docu ment älter werden könte. Der ehemalige Lieutenant, nunmehre Kaisser der franzosen Napoleon Bunapaxte wurde von der Vorsehung auf einen Standpunkt ge- setzt, von dem er mit der fakel des Lichts in det Hand ganz Europa erleuchtet haben würde. Aber ver- schwunden sind jene süse Bilder einer gluklicheren Zukunft! im letzten Monath des vorgen Jhars nahmen durch Patente Darmstadt Besitz von der Burg und dem Kaicher Gericht. Churhessen nahm durch Soldaten Besitz von den Dörfer. Den 21ten Jenner 1804 des Abends um 7 Uhr, kamen die Darmstädter verkleidet in die Burg und nahmen Militärischen Be- sitz. Der Muth und die Standhaftigkeit unsres Burg- grafen Waltbott von Bossenheim, regierender Graf von Hegbach, befreite uns bald wieder und vermuthlich wird diese Alte Regierungsform nur im Strohm der Allgemeinen Vernichtung Deutschlandes untergehen. Alterer Baumeister war H. Ludwig Carl Schenk von Schweinsberg Churhessischer Kammerherr. 2ter Bau- meister H. J. Fd. Josp. C. Xav. freiherr von Franken stein, Churerzeanzlerischer Geheimderatb. ge schrieben den ö5ten Juli 1804 von Cammerassessor und Bauinspector J. P. Hoffmann. Rückseite: Das Burg friedbergische Baumaas hielt der Schu 12 Zoll oder 128 pariser Linien, 144 pariser Linien ist gleich Pariser Schu; 3 Paris. Schu 11298¾000 Linien ist! Meter und der 10 milionste Theil vom 4ten Theil des Erdmeritians ist das Urmaas der Meter. Da der Kupferschmied das Maas falsch genommen so muste um nicht zu lange mit der Arbeit aufgehalten zu wer den die Arbeit am Stiefel mit Keile versehen. Der Steinhelm ist nunmehr soweit vollendet, daß am Sams⸗ tag den 15. d. M. die neue Wetterfahne befestigt wer⸗ den konnte. In den großen Knopf derselben wurde auf höhere Anordnung die früher vorgefundene kupferne Kapsel mit der alten Urkunde vom 5. Juli 1804 und einer neuen Urkunde vom 15. Juli 1893 niedergelegt. Die Kosten der Errichtung des Steinhelms incl. Wetterfahne belaufen sich auf 6000 M. Die Höhe des Adolfthurmes bis zur Spitze der Wetterfahne beträgt rund 60 m; derselbe ist sonach einige Meter höher als der Thurm der hiesigen Stadtkirche. Eine Besteigung des Thurmes wird nunmehr durch die neue Treppen⸗ anlage in dem oberen Theile, an Stelle der Holzleitern, wesentlich erleichtert. Die Reconstruction der 4 Flanken⸗ thürmchen am mittleren Wehrgange wird voraus sicht⸗ lich im nächsten Jahre erfolgen, nachdem die dabei auf zuwendenden Mittel in der Höhe von 11,500 Mark Seitens der Landstände bereitgestellt sein werden.

rr. Friedberg. Auch die 4. diesjährige Tour des Taunusclub Wetterau kann sich den seitherigen Aus- flügen in jeder Beziehung würdig anschließen. Leider wurden einige angemeldete Mitglieder im letzten Augen- blicke verhindert, auch schreckte die Länge der Tour Manchen ab, so daß die Theilnahme sich auf 5 Mit⸗ glieder der Section Friedberg beschränkte. Um 5,5 Uhr wurde abmaschirt und über Bad⸗Nauheim, Steinfurth durch den schönen Münzenberger Wald nach Münzen⸗ berg gegangen, welcher Ort um 7,50 Uhr erreicht war. Nach einer kurzen Rast ging es durch Trais⸗Münzen⸗ berg nach dem Kloster Arnsburg. Hier nahm man etwas über eine Stunde Aufenthalt und besichtigte ein⸗ end das schöne Kloster mit seinen theilweise palast⸗ artigen Gebäuden. Das größte Interesse verursachten die stattlichen Ueberreste der romanischen dreischiffigen Kirche, die zu Anfang unseres Jahrhunderts gewaltsam zerstört wurde. Der Weitermarsch erfolgte um 11 Uhr durch einen prachtvollen Buchenwald nach dem freund⸗

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