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departement wird am Montag der Gesammt— ausstand erwartet.
Spanien. Tarragona, 15. Sept. In Mont⸗ blanch, einem Städtchen von etwa 5000 Einwoh— nern in der Provinz Tarragona, fand ein Zu⸗ sammenstoß statt zwischen Sozialisten und Gen⸗ darmerie. Es wurden Schüsse abgegeben und es gab zwei Todte und 4 Verwundete. a
Serbien. Cetinje. Peter Karageorgevie richtete anläßlich der Niederlegung eines Kranzes auf das Grab Karageorgs durch den König von Serbien an letzteren ein Telegramm, in dem es heißt, daß dieser edle, zum erstenmal von einem Obrenovic vollzogene Akt vom serbischen Volke einmüthig mit warmer Dank⸗ barkeit werde begrüßt werden. Obwohl er fern von seinem Vaterlande Serbien sei, begrüße er doch mit voller Anerkennung den würdigen Akt des Monarchen gegenüber den Ahnen und dem Andenken des großen Helden.
Amerika. Buenos Aires, 15. Septbr. Nach einer weiteren Meldung des„Reuterschen Bureaus“ hörte die Beschießung von Rio de Janeiro am Mittwoch Abend auf, nachdem sie den ganzen Tag gedauert hatte. Die Schiffe der Rebellen waren durch die in der Bai ge— legenen Inseln gegen das Feuer der Forts ge— schützt. Nur wenige Personen wurden getödet, jedoch sind einige öffentliche Gebäude beschädigt worden. Die Armee und die Garnison der Forts bleiben Peixoto treu. Dem„Herald“ wird gemeldet, daß die Aufständischen in Rio Grande do Sul die Streitkräfte des Generals Castilho bei Bags geschlagen und viele Waffen erobert hätten. Das Gefängniß in Rivera sei mit gefangenen Förderalisten überfüllt. Die Kämpfe in Tucuman sind in Folge einer In— tervention des Bundes beendet.
— 16. Sept. Die Lage in Rio de Janeiro ist sehr ernst. Wie verlautet hat der Vice— präsident Peixoto die Küste und die Hauptstadt aufgegeben und sich mit dem ihm treugebliebenen Theile der Armee nach Santa Anna zurück— gezogen, um dort einen Angriff der von den aufständischen Schiffen entsendeten Landungs— mannschaften abzuwarten.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Mit dem 1. Oktober wird die Ein— richtung der Bahnsteigsperrung versuchsweise auf weitere Strecken ausgedehnt. Sie umfaßt sämmtliche Stationen der von Berlin nach dem Westen, nach Köln, Frankfurt, Braunschweig gehenden Linien. Die Durchlochung der Fahrkarten nach Prüfung derselben, sowie die Abnahme der Karten auf diesen Stationen erfolgt durch die an den Ein- und Ausgängen aufgestellten Schaffner; bei den Zügen findet eine Durchsicht der Fahrkarten je nach Bedarf durch die Zugbegleitungs- oder Stations— beamten statt. Der Zutrtitt zu den abgesperrten Bahn— steigen ist deshalb zunächst nur noch den mit einem giltigen Fahrausweis versehenen, sowie den Personen gestattet, die hierzu nach den Bestimmungen der Be triebsordnung für die Haupteisenbahnen Deutschlands berechtigt sind. Um jedoch auch nichtreisenden Personen, die Reisende zu den Zügen begleiten oder von den Zügen abholen wollen, den Zutritt zu den Bahnsteigen zu ermöglichen, werden an den Fahrkarten⸗Verkaufs⸗ schaltern Bahnsteigkarten zum Preise von 10 Pfennig für das Stück abgegeben, die zum einmaligen Betreten des Bahnsteiges berechtigen. Der Austritt aus dem Bahnhofe ist nur gegen Abgabe des durchlochten Fahrt ausweises oder der durchlochten Bahnsteigkarte gestattet. Es ist deshalb von besonderer Wichtigkeit, den Aus— weis aufzubewahren, da beim Fehlen eines solchen gegen den Betreffenden gemäß den durch§ 21 der Verkehrsordnung für die Eisenbahnen Deutschlands ge gebenen Bestimmungen verfahren werden muß. Wir bemerken hierbei noch, daß mit der neuen Einrichtung hauptsächlich bezweckt wird, das Begehen der Wagen trittbretter durch die Schaffner während der Fahrt behufs Vornahme der Controle der Fahrtausweise ent behrlich zu machen und so den bedauerlichen Unfällen vorzubeugen, die dem Zugpersonal durch Abstürzen von den Trittbrettern zustoßen.
r. Bad⸗ Nauheim. In der vorigen Woche sind 178 Kurfremde, im Ganzen jetzt 10,055 Personen hier angekommen.
Berstadt. Seit einiger Zeit werden wie der G.-A. meldet, in unserer Gegend Vermessungen auf der Se kundärbahnline Hungen— Berstadt— Friedberg vorge nommen, welche schon früher abgesteckt worden ist. Es handelt sich darum, die zukünftigen Bahnhöfe zweck mäßiger für die anliegenden Ortschaften zu placiren Man hat als ganz sicher in Aussicht gestellt, daß so wohl die Linie Hungen—Berstadt— Friedberg, wie auch diejenige von Nidda—Echzell— Friedberg nächstes Früh
jahr 1894 in Angriff genommen werden sollen. Da
beide Linien durch wellenförmiges Hügelland führen,
das nur geringe Terrainschwierigkeiten bietet, hoffen die Bewohner der Wetterau, daß sie nun auch bald mit der Außenwelt in Verbindung kommen werden.
Erzhausen, 14. Septbr. Der Straßenräuber Lehnhardt ist mit dem hier Verhafteten nicht identisch.
Mainz, 14. Sept. straße in Frankfurt miethete sich am vergangenen Sams⸗ tag eine Artistin ein und ersuchte die Vermietherin, die Frau eines Kellners, ihr deren 5 Jahre altes Töchter⸗ chen zu einem Spaziergange mitzugeben. Dem Ersuchen wurde entsprochen. Kinde nicht mehr wieder. Gestern Nachmittag wurde dieselbe nun hier in einem Gasthofe aufgefunden und in Haft genommen. Sie hatte das Kind bei sich. Das Letztere wurde von seinen Eltern sofort abgeholt, während die Person, welche angibt, aus Bromberg zu sein, der Frankfurter Polizei eingeliefert wurde.
Allerlei.
Straßburg, 15. Sept. Dem Hauptmann Loth⸗ mar vom 31. Feld-⸗Art.⸗Regt. wurden bei dem Kaiser⸗ manöver beide Augen ausgeschossen. Lothmar war vor die Feuerlinie geritten, als ihn ein Schuß aus einer nebenstehenden Batterie traf.
Barmen, 15. Septr. In Remscheid wurden durch Genuß von Wurst 60 Personen vergiftet; 40 davon sind schwer erkrankt.
Madrid, 15. Septr. In Folge heftiger Stürme gab es in Neucastilien große Ueberschwemmungen. Die Südeisenbahn ist unterbrochen. Zwischen Aranjuez und Alcazar sind mehrere Eisenbahnzüge stecken ge blieben. Es gab viele Todte und Verletzte. Bereits wurden 40 Leichen aufgefunden.
Petersburg. Nach amtlichen Quellen sind in den ersten acht Monaten dieses Jahres im europäischen Rußland 22,832 Personen an der Cholera erkrankt und 8315 gestorben. In 67 Gouvernements und Distrik⸗ ten, sowie in den belden Hauptstädten ist die Cholera aufgetreten.
Die Aerzte in früherer Zeit.
Obgleich Hippokrates, der große Ahnherr der Doctores medieinae, dem Arzt seinen Platz dicht neben den Göttern anweist, so war es doch vielleicht weniger die Liebe zum Göttlichen, als zu dem profanen Gelde, welche die Männer des Alterthums bestimmte, sich dem ärztlichen Berufe zu widmen, denn die Honorare der alten Zeit waren in der That von einer jetzt kaum glaublichen Größe. Der römische Kaiser An⸗ tonius warf kostbare Goldketten um den Nacken seines Hofmedicus Galenus, und tausend Talente Gold waren das Honorar, welches(mehr als was die renommirtesten Aerzte der Gegenwart vielleicht in ihrem ganzen Leben und ihrer ganzen Praxis zusammen verdienen) Erasistratus von einem seiner reichen Patienten empfing. Papst Honorius V. besoldete seinen Leibarzt mit hundert Dukaten pro Tag, und zehntausend Louisdor war, abgesehen von den gelegentlichen Ge— schenken, das Jahresgehalt, welches die Furcht, die Liebe und die Dankbarkeit Louis XI. seinem mediein du corps ausgesetzt hatte. Etwas idealer über ärztliche Honorare dachte jener Araber, von welchem uns Dr. Hogg, ein Eng— länder, erzählte, welcher mit Lamartine den Orient bereiste. Besagter Araber war krank und ließ sich von Dr. Hogg kurieren Nach— dem die Kur gelungen, ging der Araber zu dem englischen Doktor, nicht um seine Rech— nung zu bezahlen, sondern sich von demselben eine beträchtliche Geldzahlung machen zu lassen. Als der unbarmherzige Doktor dieses Gesuch abschlug, sagte der Araber: er habe gehofft, daß er sich bereitwilliger finden lassen würde, seine Dankbarkeit gegen Gott zu bezeugen, welcher ihn mit der seltenen Kunst begabt habe, solch tödtliche Krankheit zu heilen, wie die ge— wesen, von welcher er ihn befreite. In Deutsch— land hat die edle Heilkunst— wie alle andern Künste— ihren Jüngern immer mehr Ehre als Geld eingebracht. Ein Doktor brauchte vor keinem Gerichte, welches ihn zitirte, zu stehen; er hatte vielmehr das Privileg, sein Todesurtheil sitzend anzuhören. Ihre Frauen konnten sich kleiden wie die Edeldamen, sehr zum Verdruß wahrscheinlich ihrer ehelichen Gesponse, welche man dadurch schadlos zu halten suchte, daß man ihnen erlaubte— ein Schwert zu tragen. Der einzige Vortheil, welchen der Arzt neben all' diesen zweifelhaften Ehren seines Berufes hatte, war, daß er von gewissen Taxen frei war und keine Zölle zu
In einem Hause der Börne⸗
Die Artistin kam aber mit dem
bezahlen brauchte. Sein größtes Privileg aber war, daß man ihn nicht auf die Tortur span⸗ nen und nicht in den Schuldthurm setzen durfte. Die Schweden hatten keine große Ehrfurcht vor dem Doktor. In ihrem letzten Seekrieg mit Rußland fehlte es ihnen so sehr an Medizinern für ihre Flotte, daß sie sich deretwegen nach England wandten und von dort ihren Bedarf bezogen. Die Schweden jedoch hatten sich zu der Zeit noch nicht über die Idee von Barbieren erhoben, und der erste Befehl, den jeder eng⸗ lische Doktor erhielt, als er auf seinem Schiffe angekommen. war:„die Mannschaft zu rasteren“. Unwillig widersetzten sie sich diesem Befehl, worauf die Schweden kurzen Prozeß machten,
sie an den Mast banden und einem jeden „zwölf hintenauf“ appliziren ließen.
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Mitbürger!
FJast alle deutschen Städte, ja die meisten Dörfer haben in ehrender Erinnerung an den ruhmreichen Feldzug der Jahre 1870 und 1871
und zum bleibenden Andenken an die großen
Errungenschaften dieses Feldzugs Kriegerdenk— mäler errichtet. Ein solches Erinnerungszeichen fehlt in unserer Stadt, obwohl gerade Fried— berg von jeher voranschritt, wenn es galt echte Vaterlandsliebe und dankbaren Patriotismus zu bethätigen. Anläßlich der im März l. Is. abgehaltenen Gedächtnißfeier für unseren dahin— gegangenen Landesherrn Seine Königl. Hoheit Ludwig IV. von Hessen hat der hiesige Krieger— verein die Errichtung eines Kriegerdenkmals beschlossen. Als Zeichen der Dankbarkeit soll es den pflichtgetreuen, braven Kriegern des Feldzugs und dem Andenken unseres unver⸗ geßlichen Großherzogs Seiner Königl. Hoheit Ludwig IV. geweiht sein, dem umsichtigen tapferen Heerführer der hessischen Division bei ihren Kämpfen und Siegen. Ein Denkmal, das der Würde des edlen Zwecks entsprechend einen Schmuck und eine Zierde unserer Vater⸗ stadt bilden wird, erheischt die Aufwendung von Mitteln, welche sämmtlich aufzubringen den Mitgliedern des Kriegervereins nicht möglich ist, deshalb sind die Unterzeichneten der Ein⸗ ladung des Kriegervereins gerne folgend, vor— läufig zu einem Comite zusammengetreten und richten wir die ergebenste Bitte an unsere ge— sammte Bürgerschaft dem patriotischen Zwecke durch Zeichnung von Beiträgen in die dem⸗ nächst in Umlauf kommenden Listen ihre wohl— wollende Unterstützung zu gewähren. Ver— trauend auf die nationale Gesinnung unserer Einwohnerschaft glauben wir erhoffen zu dürfen, daß uns reichliche Mittel zu Theil werden, da⸗ mit auch unsere Vaterstadt nicht länger des Denkmals entbehrt, das jede deutsche Stadt der Pietät und der Erinnerung an die größten Tage vaterländischer Geschichte schuldet.
Dr. Braden, Geh. Regierungsrath. Bald— auf, Oberlehrer. Bindernagel, C., Buchhändler. Dr. Diegel, Geh. Kirchenrath. Damm, Carl, Stadtrath. Engel, E., Stadtrath. Georgi, W., Hof-⸗Apotheker. Hecht, Fr., Stadtrath. Jöckel, Rechtsanwalt. Karg, Real-Lehrer. Georg Hieronimus, J. Beigeordneter. Kreuter, Wilh., Hofmetzger. Kümmich Carl, Kaufmann. Langs⸗ dorf, Fabrikant. Meyer, L., Dekan. Roßmann, Rentamtmann. Seyd, L., Rechtsanwalt. Schüler, Seminar⸗ lehrer. Schmidt, Schulrath. Schneider, Taub⸗ stummenlehrer. Steinhäußer, Bürgermeister. Süffert, Amtmann. Stroh, Steuer Assessor. Wedel, Robert, Architekt. Weigel, Rendant. Windecker, Rechtsanwalt. Winter, Oberstlieute⸗ nant. Winkler, A., Zahntechniker. Zörb, Stadtbaumeister; sowie die Mitglieder des Kriegervereins: Donges, Präsident. Dreher, Vicepräsident. Seriba, Carl, Schriftführer. Wagner, Rechner. Bangel, Vorstandsmitglied. Nees, Vorstandsmitglied.
Handel und Berkehr. Friedberg, 16. Septbr. Buttermarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.05—1.20, Eier 1 Stück 7 Pf., 2 Stück große— Pf.
Dr. May, Kreisveterinärarzt.
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