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Wilhelmshaven, 16. Febr. Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich sind heute hier eingetroffen und begaben sich nach der Matrosenkaserne, wo die Vereidigung der Rekruten stattfand.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Brüx, 14. Febr. Auch zwei Schächte der Brüxer Bergbau⸗Ge⸗ sellschaft streiken; die Gesammtzahl der Aus ständischen einschließlich der in den Staatsschächten beträgt nunmehr 2800. Die Ruhe ist bisher nicht gestört. Zur Verhinderung von Excessen wurde in das Brüxer Streikgebiet eine Schwa dron Cavallerie entsendet.

Belgien. Brüssel, 15. Febr. Gestern fanden von neuem Manifestationen der So zialisten statt. Es kam dabei mehrfach zu Zu sammenstößen mit der Polizei.

16. Febr. Aus Baesrode werden blutige Zusammenstöße zwischen der Bevölkerung und der Gendarmerie gemeldet.

Frankreich. Paris, 15. Februar. Der Ausstand im Departement Pas de Calais nimmt größere Dimensionen an. Die Berg arbeiter haben gestern Abend beschlossen den Ausstand fortzusetzen.

16. Febr. In der Kammer interpel⸗ lirte Leydet die Regierung über deren allge meine Politik. Nach längerer Rede Ribots nahm die Kammer mit 315 gegen 186 Stim men die von Ribot gebilligte Tagesordnung Leygnes an, wonach die Kammer der Regie⸗ rung das Vertauen ausdrückt, daß sie die demokratischen Gesetze aufrechterhalten und eine rein republikanische Politik verfolgen werde.

General Dodds unterhandelt mit den Brüdern des flüchtigen Königs von Dahomey. Er will einem derselben die Krone Behanzin's übertragen. Frankreich würde sich dann da rauf beschränken in der Hauptstadt von Da homey einen Residenten und eine kleine Garnison zu haben.

Aus Washington wird telegraphirt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten Alles aufbietet, um eine Verlängerung des französi schen Vertrags mit Columbien zu hintertreiben. Sie bietet die Ausführung des Panamakanals auf eigene Kosten an.

Spanien. Madrid, 16. Febr. In Olres del Magistro sind bedenkliche Unruhen ausge brochen.

Rußland. Petersburg. Nach dem Petersb. Journ. unterstützt Rußland den Protest der Pforte gegen Englands Vorgehen, überläßt aber die Initiative der Türkei.

Warschau. Nach polnischen Blättern herrscht in dem Gouvernement Cherson in diesem Jahr die Hungersnoth ärger als im Vorjahr.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Am 1. April d. Is. wird bei den Preußischen Stagtselsenbahnen auch im äußeren Dienst die Mitteleuropälsche Zeit zur Einführung gelangen. Es sind also von da ab alle Züge gegen die jetzige Zeit um 23 Minuten später zu rechnen. Abgesehen von der Um rechnun: der Zeiten enthält der Fahrplan wesentliche Aenderungen gegen den jetzigen nicht.

a. Bad Nauheim Die vorigen Sonntag abgehaltene erste Abendunterhaltung des hiesigen Turn vereins in seiner neuerbauten Turnhalle, war wie nicht anders zu erwarten, außerordentlich stark besucht. Die beiden Theaterstücke,Gänschen von Buchenau undIn eigner Schlinge wurden sehr gut aufgeführt, ganz be sonders großen Beifall rief aber derPosten am Pulver

am

tburm hervor. Auch der Couplet Marsch, sowie ein

Solovortrag für Schlagzither und Kylopbon und die weiteren Gesangs⸗ und Musikvorträge fielen alle gut aus und gebührt den Arrangeuren sowohl, als den Mit, wirkenden uneingeschränktes Lob.

W. Rendel. Verflossenen Sonntag den 12. d. M. hielt Obstbau-Techniker John aus Friedberg einen sehr instruktiven, lehrreichen Vortrag über Obstbaumzucht in dem Leonhardt'schen Saale dahter. Der Vortragende verbreitete sich in seinem Thema über das Versetzen resp. Verpflanzen der Obstbäume, über den Ort des Pflanzens der einzelnen Obstsorten, über Düngung der Bäume, übe Auswahl der Sorten und ganz besonders über den Kronenschnitt. Die zahlreich Erschienenen spendeten dem Redner nach Schluß des Vortrags den reichsten Beifall. Möge er uns bald wieder mit einem Vortrag erfreuen; denn solch klare Vorträge müssen un⸗ bedingt zum Segen des Obstbaues ausschlagen.

Stammheim. Voriges Jahr starb hier ein Zimmer; mann, seine Familie in größter Armuth zurücklassend. Da die hinterlassene Wittwe überdtes krank und von drei Kindern zwei noch schulpflichtig sind, konnte diese nur durch die Hilfe mitleidiger Menschen ihr Dasein fristen. Dieser Tage nun wandte sich plötzlich ihr hartes Schicksal, indem ein vermögender Verwandter von ihr, der in selnem Leben stets eine geschlossene Hand hatte, ohne Leibeserben starb, wodurch ihr eine Erbschaft von über 20,000 Mark zufiel.

Erbach. In einer Odenwälder Landgemeinde bat letzter Tage ein alter Schneider den Arzt, ihm doch ja nicht zu viel Medizin zu verschreiben, da er, bevor er sich zur Ruhe legen dürfe, noch zwei Paar Hosen fertig zu machen habe. So gut es ging, arbeitete der Greis an seinem letzten Werke. Als er den letzten Nadelstich gethan, kam der Tod und drückte ihm die müden Augen zu.

Allerlei.

Frankfurt. Der am vergangenen Samstag in Bockenheim aufgefundene eiserne Körper, welcher seinem Aus sehen nach für ein Sprenggeschoß gehalten werden konnte, ist einer amtlichen Untersuchung unterzogen wor den. Es ist dabet festgestellt worden, daß es sich nicht um ein Sprenggeschoß, sondern um ein altes eisernes Gewicht handelt, welches irgend welchen gewerblichen oder häuslichen Zwecken gedient haben mag.

Mannheim, 14. Febr. Der Neckar überschwemmt bei Seckenheim abermals fußhoch die Felder; der Rhein hat seine Ufer überschritten, beide Flüsse steigen an haltend stark.

Karlsruhe, 14. Febr. Beil Obergrombach wurde der Dienstknecht Neff von dem Tagelöhner Sänger auf scheußliche Weise ermordet und beraubt. Der Mörder fand nur 25 Pfennig.

München, 15. Febr. In Reinhausen bei Regensburg das Wasser Ställe und Häuser fort. Mehrere Personen ertranken.

Bayreuth. Ein hler verbreitetes Gerücht, vor Jahren set eine hlesige Dame als todt beerdigt worden, obwohl sie nur scheintodt gewesen set, findet durch dieOberfr, Ztg. eine Bestätigung. Das Blatt schreibt, daß man beim Oeffnen einer Gruft den fraglichen im Jahre 1878 beigesetzten Sarg geöffnet und den Deckel an der Seite liegend gefunden habe. Quer über Sarg und Deckel babe das Skelett gelegen. Dle Staatsanwaltschaft habe sich sofort der Angelegenheit bemächtigt und eine Unter suchung angeordnet. Die als scheintodt beerdigte Dame war eine Frau v Ammon.

Hamburg. Durch die Cholera Epidemie des vorigen Jahtes sind in unserer Stadt nicht weniger als rund 4800 Kinder verwatst, von denen 500 Ganzwaisen sind.

Graudenz, 14. Febr. Ein toller Hund hat sechs Menschen, sowie mehrere Pferde und Hunde gebissen.

Pest, 15. Febr. In Deutschpereg, Baranyer Comttat, explodirte in einer Wirtschaft ein dort aufgestelltes Petro leumfaß. 17 Personen sind vollständig verbrannt, 16 schwer verwundet. Das Gebäude liegt in Schutt und Asche. Die Explosion wurde von Kindern durch eine brennende Kerze verursacht.

Peking, 16. Febr. Ein Wirbelsturm vernichtete einen großen Theil der japanlschen Fischerflotte. Im

chinesischen Meere sind über 100 Fahrzeuge untergegangen. Einige 500 Fischer sind umgekommen. Ebenso vernichteten schwere Stürme im ganzen südlichen Madagascar die Ernten und zerstörten zahlreiche Dörfer; 3 große Schlffe und zahlreiche Varken sind in dem schweren Sturme untergegangen.

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Friedberg, 14. Febr. Sehenswerthe Ausstel lung. Eine besonders für unsere Damen sehr interessante und lehrreiche Ausstellung wird demnächst bier im Saal. bau, von der Vletorschen Kunstanstalt zu Wiesbaden ins Werk gesetzt werden. stehende, sich guter Empfehlung erfreuende Institut be⸗ faßt sich mit der Pflege der künstlerischen Zwecken dienen⸗ den weiblichen Handarbeiten; neben den prunkvollen, kostbare Kunstwerke darstellenden Erzeugnisse, die infolge besonderer Aufträge und als Ausstattungsstücke vornehmer Wohnungen hergestellt werden, legt diese nützliche Lebr⸗ anstalt ganz besonders Gewicht auch auf die Anfertig ung jener einfacheren Sachen, die überall, auch in den bescheidensten Haushaltungen anzutreffen sind und als Ausschmückung der Zimmer hoch geschätzt werden. Namentlich läßt man sich die Pflege der Leinenstickere angelegen sein, deren freundlichen Schmuck besonders für die festliche Tafel Niemand entbehren mag. Die Wies. badener Kunstschule verfolgt also die sebr lobenswerthe Absicht, auf die Ausbreitung eines guten Geschmacks und auf vermehrtes Interesse für diese Art welblicher Ge⸗ schicklichkeit hinzuwirken; das wird ihr um so mehr ge lingen, als die meisten der vorhandenen Muster von jeder geschickten Frauenhand, wenigstens bet richtiger Anleitung, in schönster Weise aus zuführen sind. Wir verweisen auf die in unserm Blatte erscheinenden Anzeigen und verfehlen

nicht, die interessante Ausstellung unsern geschätzten Lese · g

rinnen und auch Lesern angelegentlichst zu empfehlen.

Leiterin der Ausstellung, Fräul. Emma Keller, staatlich

geprüfte Lehrerin, wird in allen Fächern der kunstgewerb⸗ lichen Frauen⸗Handarbetten Unterricht ertheilen. Anderer Verpflichtungen halber kann Fräul. Keller nur kurze Zeit bleiben, was wir besonders erwähnen wollen 54

Literarisches. 1

Eine neueGeneralkarte von Württemberg, Baden,

Hessen und Elsaß Lothringen ist soeben im Verlag von g

Flemming in Glogau erschienen. Im aßstabe von

: 600,000 gehalten, gibt sie ein so detaillirtes Bild der Eisenbahnen, Landstraßen und Ortscheften, daß sie

fast überladen erscheint. Die Darstellung

äußerst vortheilhaft gewählt, und wie charakteristisch ausgestaltet ist, so hebt sich die reiche Bodengliederung mit greifbarer Deutlichkeit von dem farbenreichen Kartenbilde ab. Alles in allem wie ge. schaffen zum praktischen Gebrauch, wird diese neue Generalkarte von Württemberg, Baden, Hessen und Elsaß Lothringen namentlich Beamten, Touristen und Ausflüglern ꝛc. hochwillkommen sein. wird Jedermann die Anschaffung ermöglicht.

Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. Invocavft.

Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Meyer. Gottesdienst in der Burgkirche.

Vormittags Uhr: Herr Pfarrer Meyer. Nachmittags 112 Uhr: Herr Candidat Schuster. Abends 512 Uhr: Herr Pfarrer Smend.

1 Mittwoch, 22. Februar, Burgkirche, Abends 8 Uhr:

Passions-Andacht.

Katholische Gemeinde.

Samstag von 4 Uhr an Beicht

Sonntag, zur Feier des goldenen Bischofsjubi⸗ läums unseres heil. Vaters Leo XIII. von 7 Uhr an Betstunden.

Um 7 Uhr ist Eröffnung des Gebetes und Austheilung der heil. Communson.

Um 10 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Von 45 Uhr letzte Gebetsstunde. Am Schlusse derselben Proꝛesston in der Kirche und Te Deum. f

Zur gefl. Beachtung.

Schriftliche Anfragen wegen Auskunftser⸗ theilungen über Inserate ꝛc. können wir nur dann beantworten, wenn denselben eine Frei⸗ marke für die Rückantwort beigelegt ist. Uebe Inserate, bezüglich deren Offerten einzureichen sind, ist die Expedition zu keinerlei Auskunfts⸗ ertheilungen befugt. Offertenbriefe sind, soweit keine bestimmten gegentheiligen Abmachungen getroffen wurden, in der Expedition abzuholen.

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