führen selen. Pfähler(nat. ⸗lib) tritt den Behaup⸗ tungen der Sozialdemokraten über die Ursachen des Streiks entgegen. Auer(Soz.) erklärt, nach den Statistiken über die Arbeitslosen, welche die Soztal⸗ demokraten aufgenommen haben, herrscht in einzelnen Städten große Arbeitslosizkeit und damit ein Nothstand. Die allgemeine Depression trete aus den Berichten den Handelskammern und der Fabrikinspektoren bei verschlede⸗ nen Gewerbebetrieben hervor Die sozialdemokratische Partei habe mit dem Streik im Saarrebier nichts zu thun, auch nichts mit dem Rechtsschutzverein, wenn sich auch unter den Mitgliedern des Vereins und im Vor stande desselben manche Sozialdemokraten befänden Minister v. Berlepsch erklärt sich gegenüber dem Vor redner für voll berechtigt, die Tbatsache anzuführen, daß mehrere Vorstandsmitglieder des Rechtsschutzvereins wegen Unterschlagung verhaftet worden seten Staatssekrelär v. Bötticher bemerkt, er habe den Nothstond nicht ge leugnet, sondern denselben nur für nich, so stark gehalten, daß Staatshilfe nothwendig sei.— 14. Januar. Dem Reichstage ist heute das Weißbuch über Samoa zuge gangen. Sodann wurde die Notbstandsinterpellatton weiter berathen Hitze(Centr) empfleblt die Vornahme öffentlicher Arbeiten, besonders von Eisenbahnbauten in
Schönwald wurde gestern Abend verhaftet. In Schalke wurden gestern Abend die Be⸗ amten, Steiger und Betriebsführer von mehre— ren hundert Bergleuten überfallen. Schnell herbeigerufene Beamten, berittene Schutzleute und Gensdarmen schlugen die Wüthenden zurück. Mehrere Personen wurden verwundet.
— 13. Jan. Da das Verbot, auf der Hobertsburg eine Versammlung für Dortmund
und dessen Umgegend abzuhalten, wegen des
kurzen Zeitraumes wenig bekannt geworden war, kamen heute Nachmittag etwa 3000 Berg— leute mit der Eisenbahn und zu Fuß nach der Hobertsburg gezogen. Infolge der Afforderung der Polizei, auseinanderzugehen kehrte die Menge unter Hurrahrufen nach der Stadt zurück und zog auf den Steinplatz, auf welchem sie sich ebenso wie auf den umliegenden Straßen fest— zusetzen suchte.
Zetten der Arbeitslosigkeit, und betont die Pflscht der ein und veranlaßte die Menge auseinanderzu—
Gemeinden für Arbeltsgelegenheit zu sorgen, allerdings sel die Einfübrung des Achtstundentages nicht geeignet, die Arbeitslosigkett zu beseusgen. Der Achtstundentag würde die Herabsetzung der Löhne und eine Herabminder— ung der Exportfäbigkelt herreiführen Die Berußsge
nossenschaften müßten die Aufgabe haben, die Produktes zu regeln. Das Recht auf Arbeit für den einzelnen Arbeiter erkenne das Centrum nicht an, wohl aber das Recht auf ein Exlstenzminimum. v. Kardorff(Reichs partet) hält die Entvölkerung des platten Landes für die Hauptursache des Notbstandes, statt der Londwirth
schaft zu helfen habe man ihr immer neue Lasten auf
erlegt. Er empfiehlt eine Verschärfung des Vereinsrechts und des Preßgesetzes. Hürsch(freis.) hebt hervor, früher habe man immer die Gesinnungstüchtigkeit der bergmännischen Bevölkerung gepriesen, das Bild habe sich so sehr verändert, weil man die Bergleute von der Schule der modernen Arbeiterorganisatton ferngebalten hat. Der bergmännische Rechtsschutzverein könne nicht aufgelöst werden, so lange er nicht über den Rahmen des Gesetzes hinausgehe. Moeller(nat. lib) bemerkt, im westfällschen Koblengebiet sei die Ansicht verbreitet ge— wesen, der Ausstand im Saarrevier set nicht von vorn— herein mit der nothwendigen Energie bekämpft worden, die oberen Instanzen hätten hemmend eingegriffen. Es sel erfreulich, daß der Minister erklärt babe, er wolle den Beamten im Saargebtet freie Hand lassen. Letzteres sel auch nöthig für das Rubrrevter. Minsster v. Ber
lepsch theilt mit, die Saarkoblen selen durchschnittlich um 2 Mark theurer als die Ruhrkoblen, das set auch bei den Lohnen maßgebend Drees bach(Soc) verltest Berichte der Fabrikinspektoren zum Bewelse für das Vorbandenseln eines Notbstandes. In Mannbeim seten 1040 Arbeiter, größtenteils Familtenväter, brodlos In Kiel seten kürzlich wegen Arbeitsmangel Zimmerleute entlassen worden und wurden auf den Staatswerften nicht angenommen, weil sie über vierzig Jahre alt waren. Die Bergarbeiter werde man durch die geplante Strenge des Strafgerichts nur reizen. Staatssekretär von Bötticher konstatirt wiederholt, daß er einen Noth
stand, welcher das Einschreiten des Reiches norbwendig mache, nicht anerkenne Die vom Vorredner verlesenen Berichte der Fabeikinspektoren bezögen sich auf 1891
Seitdem habe sich der Export gesteigert. Für die Armen pflge und Schaffung von Arbeitsgelegenbeit seten die Kommunen die Nächstberufenen Das übermäßige Zu strömen der Arbeiter vom platten Lande nach den Städten schädige daselbst die Arbetterverbältnisse. Die Soztal
demokraten sollten statt akademischer Erörterungen den Arbeitern rathen, die Arbeitsgelegenheit da aufzusuchen, wo sie zu finden ist. Hiermit ist die Interpellation er ledigt— In der Mlilttärkommisston des Reichstags sprachen gestern Richter und Bebel gegen die Militär vorlage, v. Stumm dafür Reichskenzler Graf Caprlol erklärte, die politischen Verhältnisse seten tharsächlich nicht ungünstiger als 1890, trotzdem set die Reglerung in jeder Beziehung von der Nothwendigkeit der Vorlage überzeugt; der Reichskanzler widerlegte sodann die Mög lichkeit einer Volks wehr. Das Verdy'sche Projekt sei schon dadurch vollständig begraben, daß die dreijährige Dienstzeit aufgegeben, worden sei. Das Wort:„Der Weg nach Konstantinopel führe durch das Branden burger Thor“ sel u ein Citat aus einer panslavistischen Zeitung, das er sich nicht angeeignet habe.
Essen, 13. Jan. Die Zahl der Streiken⸗ den bei der heutigen Morgenschicht hat im ganzen Kohlenrevier um etwa 4000 abgenom— men. Heute Morgen fand auf Zeche Prosper ein Zusammenstoß zwischen streikenden und anfahrenden Bergleuten statt, wobei 13 Ver— haftungen vorgenommen wurden.
— 14. Jan. Im Essener Revier ist wieder eine Abnahme der Streikenden, im ganzen Kohlenrevier eine Verminderung der Ausstän— dischen um etwa 2500 zu verzeichnen.
Bochum, 13. Jan. Im hiesigen Reviere sind zur Frühschicht sämmtliche Belegschaften
gehen. Einzelne Personen wurden verhaftet
Zur Aufrechterhaltung der Ruhe ist eine starke
Polizeimacht aufgeboten.
Karlsruhe, 12. Jan. Der Kaiser ist,
da die anbefohlene Tru ppenübung in Ettlingen wegen des inzwischen eingetretenen Glatteises abgesagt worden war, bereits heute Vormittag von Straßburg mit Sonderzug hier ange— kommen. Der Großherzog und die Prinzen des großherzoglichen Hauses empfingen den Kaiser am Bahnhofe und begrüßten denselben aufs herzlichste. Der Kaiser fuhr daurauf in Begleitung des Großherzogs durch die reich— geschmückten Straßen nach dem Schloß, wo— selbst die Begrüßung des Kaisers durch die fürstlichen Damen erfolgte. Abends reiste der Kaiser nach Berlin zurück. Saarbrücken, 13. Jan. Trotzdem die gestrige Versammlung in Bildstock zum Aus— harren aufmunterte, sind heute wieder 2547 Mann mehr angefahren.— 14. Jan. Heute sind 21840 Mann angefahren. Auf der In— spektion Insdorf-Heinitz-Neunkirchen arbeitet Alles. Die gestrigen Versammlungen in Bild— stock und in der Ritterstraße waren schwach besucht; der Streik neigt seinem Ende zu.
Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien. Die so⸗ zialistischen Vertrauensmänner der neun öster— reichischen Provinzen beschlossen hier, angesichts der politischen Rechtslosigkeit der Arbeiter in Oesterreich, die Beibehaltung der Maifeier.
— Die Rede des Reichskanzlers Caprivi in der Militärkommission macht hier einen ausnehmend befriedigenden und starken Eindruck in allen offiziellen und deutschen Kreisen, um so mehr, als gegenwärtig durch die zweideu— tige Prager Rede des Landtagsabgeordneten Mattausch und die heftigen Erwiederungen der „Narodni listi“ die jungczechischen Angriffe auf den Dreibund und das intime Verhältniß zu Deutschland erneuert wurden.
Belgien. Brüssel, 1. Jan. In Herstal wurde ein Bergarbeiter verhaftet, welcher ver— dächtig ist, das gestrige Dynamit-Attentat ver⸗ übt zu haben.
Frankreich. Paris, 13. Jan Caprivis Erklärungen in der Militärkommission machten hier den tiefsten Eindruck. Die Morgenblätter protestiren größtentheils gegen die Anspielungen 100 die Möglichkeit einer Diktatur in Frank— reich.
— 13. Jan. Carnots Stellung erscheint erschüttert. Selbst die republikanischen Blätter greifen ihn an und fordern seine Vernehmung durch den Untersuchungsrichter wegen der er— hobenen Anklagen. Charles de Lesseps sagte, dem Dementi der„Temps“ entgegen, kategorisch aus, daß Cornelius Herz Summen zur Unter— stützung der Kandidatur Freyeinets zum Präsi— denten der Republik empfing. Drumont greift Freyeinet und Floquet heftig an, Burdeau be— haupet, Freyeinet habe im Kriegsministerium
angefahren. 2
Dortmund, 13. Jan. Der Streikführer
und in der Armee die größte Unornung herbei— geführt.
Die Polizei schritt wiederholt
— 14. Jan. In den Couloirs der Kammer wird offen behauptet, der frühere italtenische
bekannten 500000 Franes Panamagelder er⸗ halten. Die Abordnung der Untersuchungs⸗ Kommission, welche die Bücher bei den Bankiers prüfte, konstatirte, daß kein Name eines Par⸗ lamentariers darin verzeichnet sei. Die Umge⸗ bung Carnot's erklärt, bevor dieser zurücktrete, werde die Auflösung der Kammer versucht. In der gestrigen Verhandlung des Panama⸗ Prozesses sagte Charles de Lesseps aus, Arthur Meyer vom„Gaulois“ habe persönlich 10000 Francs Panamagelder erhalten, Reinach empfing 30 Millionen zur Bestechungs-Campagne. Der Prozeß hat mit der Vernehmung abgeschlossen. Die Reden des Staatsanwalts und der Ver— theidiger dürften in den nächsten Tagen beendet sein.
Großbritannien. Manchester, 13. Jan. Die Noth der Arbeitslosen hat infolge der Kälte drohende Formen angenommen. Es werden Unruhen befürchtet. Eine Zusammen⸗ kunft der Arbeitgeber mit den Arbeiterdelegirten ist ergebnißlos verlaufen. Neue Zusammen— künfte finden statt.
Birmingham, 14. Jan. Die hier ver⸗ sammelten Bergarbeiter sandten eine Deputation
gung des Achtstundentagsgesetzes in der Thron— rede. Die Regierung beschloß das weitgehendste Entgegenkommen gegen die Arbeiterpartei, sowie die Einrichtung einer Arbeitsbörse.
Spanien. Madrid, 12. Januar. Der Ministerrath beschäftigte sich in seiner gestrigen Sitzung mit der marokkanischen Frage und be— schloß, den status quo energisch aufrecht zu halten.
— Der Finanzminister dementirt die Absicht, die Titel der äußeren Schuld zu besteuern.
— 14. Jan. Abends liefen Gerüchte um, wonach ein Korporal der Garnison von Al— hucemac durch Marokkaner gefangen weggeführt worden sei. Infolge dessen seien 6 spanische Kreuzer nach Cadix beordert worden.
— 12. Jan. Die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich ist gestern an Bord der„Miramar“ in Cadix eingetroffen. Sie unternahm bald nach der Landung einen mehrstündigen Spazier⸗ gang durch die Stadt, um deren Sehenswürdig— keiten zu besichtigen.
Amerika. Buenos-Aires. 13. Januar. Avellaneda führte die Beilegung des Aufstan— des herbei. Die Provinz Corrientes setzte ihren Gouverneur ab und gestand die Hauptforder— ungen der Aufständischen zu, welche gemeinsam die Delegirten der Centralregierung und die Neuwahlen überwachen.
Aus Stadt und Land.
Frledberg. Vergangenen Donnerstag hatte ein hie⸗ sigei Jäger das Glück im Köpperner Wild bet elner Jigd auf Hochwild einen schweren Keiler mit einem Meister⸗ schuß zu erlegen. Der Kopf desselben wird soeben bel dem bekannten van Leven in Frankfurt präpartrt.
Frledberg. Nicht Frau Theobald sondern der Besitzer des Hotel Teapp, Fritz Theobald, hat die in unsrer vorigen Nummer erwähnten 1000 M. für den Hülfsverein gespendet.
d. Friedberg Wlr michen auch an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß von sitzt ab die Eisbahn abends 7 Uhr geschlossen ist und Zawiderhandelnde laut Poli- zetverordnung mit Geldstrafe bis zu 30 Mark belegt werden können.
n Schwalheim, 13. Jan. Bei der heute stattge⸗ babten Wabl eines Beigeordneten wurde Ziegeleibesitzer A. Hoff mann als solcher gewählt.
m. Ossenherm, 14. Jan. Zu einer erbebenden Feier gestaltete sich heute die Ueberreichung des Pensions⸗ dekrets an unseen seitherigen Lehrer Nagel im Sitzungs—
Kleisrath Braden und Schulrath Schmidt im Beisein des Schul und Kirchenvorstandes von Ossenheim. Zu— gleich wurde Nagel mit dem Verdtenstkreuz des Philipps- ordens decortrt. Lehrer Nagel wirkte an der htesigen Volksschule sett dem 12 Jan. 1863, also volle 30 Jahre, und hat während dieser Zeit die Liebe und das Ver— trauen seiner Gemeinde sich in vollem Muße durch sein uneigennütziaes und zuvorkommendes Wyisen erworben
Allerlei. Siegburg, 14. Jan Das hiesige große Hospital
brannte heute ab. Die Löschung war schwierig, da die
Botschafter Menabrea habe durch Freyeinet die
an das Ministerium und forderten die Ankündi⸗
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