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Prozessionen der Schuljugend und Banderien der Landbevölkerung unter begeisterten Zu⸗ rufen begleitet, und reiste unter stürmischen Kundgebungen der auf dem Bahnhofe ver⸗ sammelten Volksmenge nach Borrossebes, wo morgen die Manöver beginnen. Der Kaiser wurde auf allen Stationen enthusiastisch be⸗ grüßt. Die Erzherzöge sind gleichfalls nach Borrossebes abgereist. Die Truppen kehren heute Morgen in die Garnisonen zurück.

Frankreich. Paris. DerTemps der den langsamen Gang der französisch-siamesischen Verhandlungen bespricht, hofft, Siam werde bald aufhören, den französischen Forderungen dilatorische Antworten entgegenzusetzen, da Frankreich sonst an das Operationstalent des Admirals Humann appelliren müßte.

Großbritannien. London, 9. Sept. Das Oberhaus verwarf die Homerule-Bill mit 428 gegen 42 Stimmen.

8. Septbr. Bei den Unruhen, welche gestern in Featherstone in der Nähe von Brad ford durch strikende Bergleute hervorgerufen wurden, schossen die Soldaten auf die Tumul⸗ tuanten. Es wurden dabei 8 Personen ver wundet und einer von diesen ist gestorben. Die Zahl der Tumultuanten, welche großen Scha⸗ den anrichteten, wird auf 8000 geschätzt. Heute fanden erneute Ansammlungen der Ruhe störer statt und es werden weitere Krawalle befürchtet. Nach einer Meldung desStand. begeben sich in Folge der Ausschreitungen der Strikenden 1000 Polizeiagenten von London nach dem Norden Englands.

Spanien. Madrid, 9. Sept. Gerücht⸗ weise verlautet, gestern seien in Santander ernste Ruhestörungen vorgekommen.

Amerika. New⸗York, 8. Sept. Aus Rio de Janeiro wird das Gerücht übermittelt, daß die aufständischen Schiffe abgegangen seien, um sich des Hafens von Santos zu bemächtigen und sich der Revolution in Rio Grande do Sul anzuschließen.

China. Shangai. Nach einem Telegramm desStandard von hier, soll der Vizekönig Chang eine Petition der Regierung eingereicht haben, in welcher er die Ausrottung aller Aus länder von China, besonders der Engländer befürwortet. Ein solcher Schritt meint er, sei nothwendig, um eine eventuelle Theilung des Reiches unter den europäischen Mächten zu verhindern.

Egypten. Alexandrien. Es bestätigt sich, daß der Khedive im nächsten Jahre nach Europa und insbesondere nach London zu kommen be absichtigt.

Aus Stadt und Land.

r. Friedberg. Wir wollen hier nochmals darauf aufmerksam machen, daß am kommenden Mittwoch der Oberhessische Obstbauverein einen Obstmarkt im Saalbau abhält.

r. Bad⸗Nauheim. In der vorigen Woche sind 197 Kurfremde, im Ganzen jetzt 9877 Personen hier angekommen.

Lich, 7. Sept. Die Ausgrabungen auf der Alten- burg bei dem Kloster Arnsburg schreiten rasch voran. Schon nach 4 Arbeitstagen ist die prachtvoll erhaltene

Südseite mit ihrem Thore und den einspringenden Thor

und Mauerthürmen, sowie die Westseite mit dem von Thürmen flankirten Thore sammt einem Mauerthurm freigelegt. Der Grundriß, welchen man von der Alten burg hatte, stimmt wenig oder gar nicht mit dem Resultate

der Ausgrabungen überein und es verspricht das Kastell

in mancherlei Hinsicht interessanter zu werden als die Saal burg bei Homburg und selbst als das Kastell Hunneburg bei Butzbach.

Allerlei. Belgrad, 8. Septr. Heute Nacht um 2 Uhr wurde hier ein etwa sieben Sekunden anhaltendes, mit

heftigem Getöse verbundenes Erdbeben wahrgenommen.

Lille, 6. Septr. Bei Nantes stießen auf einer kürzlich eröffneten eingeleisigen Strecke zwei Personen züge aufeinander. Ein Reisender blieb todt, sieben wurden schwer, viele andere leicht verwundet.

New- York. Nach Meldungen aus Columbia hatte der Gouverneur von Süd⸗Carolina einen Spezial Agenden nach den Inseln von Süd Carolina gesandt, um die Wirkungen des Cycolns zu untersuchen. Dieser Agent berichtet nun, daß über 20,000 Personen, größten theils Neger, durch Hunger, Durst und Krankheiten dem Tode nahe gebracht worden seien. Der Gouverneur

Nothleidenden auf. 5 875

Chicago, 7. Sept. 2 Personenzüge stießen heute bei Colchour in der Nähe von Chicago zusammen. Die Waggons thürmten sich übereinander. 10 Reisende wurden getödtet und 25 verletzt.

Die Zwölften.

Die Zeit vom Weihnachtsfest bis zum Drei⸗ königstag umfaßt zwölf Tage, oder nach alt⸗ germanischer Zeitrechnung zwölf Nächte, die twelve nights der Engländer. Bei unseren heid⸗ nischen Ahnen waren diese Tage, die Zeit der winterlichen Sonnenwende, dem Lichtgotte Freyr geweiht und wurden festlich begangen, ähnlich wie in Rom die Saturnalien gegen Ende Dezember unter fröhlicher Ausgelassenheit ge feiert wurden. Das Christenthum verkümmerte den Bekehrten ihre Festfreude nicht, nur gab es derselben einen ungleich höheren Inhalt; es verlegte das Geburtsfest des Gottessohnes, des neuen Weltlichtes, in diese Zeit und machte sie dadurch zu einer ebenso heiligen wie freu denreichen. Im heidnischen Norden hießen die zwölf Nächte die Julzeit, und noch heute wird im Norden das Weihnachtsfest Jul-Fest ge nannt. Der Name jul bedeutet Rad, das Sinnbild der Sonne, die ihren Lauf gleichsam aufs neue beginnt. Am Jul-Abend brannte im Herdfeuer der Halle der Julklotz, das Fest gericht war der Jul-Eber, auf den man Ge lübde für das kommende Jahr ablegte. Der Estrich wurde mit Binsen bestreut, weshalb diese Pflanze den Namen Jul-Halm erhielt. Mit dem Zwölften begann das Jahr. Die zwölf Tage wurden als vorbildlich für die zwölf Monate genommen; wie das Wetter in den Tagen war, so erwartete man es ent sprechend in den einzelnen Monaten, weshalb sie auch Loostage genannt wurden. Es war eine heilige Zeit; man dachte sich die Götter zur Menschenwelt herabsteigend und segnend Umzüge haltend. Alle Arbeit sollte ruhen; man darf nicht dreschen, nicht backen, nicht

waschen.Wer den Zaum(mit Wäsche) be kleidet, muß den Kirchhof bekleiden. Auf dem Rocken darf kein Flachs bleiben;wird in den Zwölften gesponnen, so kommt die Motte ins Garn. Auf den Feldern und Bergen lohten Festfeuer, vor die Häuser pflanzte man Tannenbäume, die man mit Bändern und Lichtern zierte, wie heute der Weihnachtsbaum mit seinem strahlenden Glanz die Christfreude beleuchtet, die auf den Gesichtern derer wieder strahlt, die sich des Lichtes freuen, das in der Finsterniß des Heidenthums aufgegangen. Wie hat nun aber das Kindlein die Zeit geheiligt, wie hat der Volksglaube sie mit Wundern ge füllt! Wenn die Weihnachtsglocken zur Christ mette laden, wenn der Himmel sich öffnet, und die erbarmende Liebe ihren Segen und Frieden über die Menschen ausgießt, dann muß auch die Erde daran theilnehmen. Die Jericho-Rose erblüht. Die Christblume(die Nieswurz) er schließt ihre schneeweiße Blüthe und empfängt die Kraft, die Pest zu heilen und böse Geister zu bannen. Mancherlei Bräuche der alten Zeit klingen in die christliche hinüber, wo sie andere Deutung erhalten haben und gewissermaßen verklärt erscheinen. An Freyr's Stelle als Schützer der Pferde ist St. Stephan getreten; von seinem Pferde gilt der Spruch, der in einem der sog. Merseburger Zaubersprüche einem Gotte beigelegt wird; am Stephanstage werden in Schwaben darum die Pferde ausge ritten; anderwärts zur Ader gelassen. Der

Minnetrunk der Julzeit zu Ehren des Liebes-

gottes ist auf den Liebesjünger übergegangen. Die Versuche der heidnischen Zeit, in den Zwölften die Schicksale des anbrechenden Jahres zu erforschen, haben sich jetzt um den Sylvester⸗ abend, die Mitte der zwölf Nächte, gesammelt; da wird noch jetzt auch von schristlichen Thoren allerlei Aberglaube getrieben, mit dem der Papst Sylvester nichts gemein hatte. In einigen Gegenden Frankreichs laufen am Sylvesterabend oder auch am Neujahrstage die Kinder mit

fordert daher in einem Aufruf zur Unterstützung der einem

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uillouneu

Der Ruf

istelzu an die Thüren sie eine Bescherung erwarten.

sammengezogen aus: Au gui Pan neuf, 15 9. der Mistel das neue Jahr(se. geweiht). Es

ist schwer, den Grund hierfür zu finden, wenn

es auch bekannt ist, daß die Mistel bei den

germanischen Völkern in hoher Verehrung stand. Der Dreikönigentag schließt die Zwölften.

der Tag um einen Hahnenschrei, d. h. die Zeit von einem Schrei zum andern,

Mit diesem Tage ist nach einem Bauernsprüchlein

gewachsen.

Würdig schließt Epiphanie, das Fest der Er⸗

scheinung, die heilige Zeit der Zwölften; das ewige Licht offenbart sich nun auch den Heiden,

sein Strahl durchleuchtet die Welt, und der

Frieden, den einst die Engel auf Bethlehems Fluren den frommen Hirten verkündigten, er

wird allen Völkern der Erde zu theil, soweit die Lehre vom Gotteskinde, das in der dunklen

Nacht erschien, die Herzen erfüllt.

Der Schah von Persien.

Von augenscheinlich gut unterrichteter Seite bringen dieTimes Schah von Persien und seiner Regierung, der Folgendes entlehnt sei:Der Schah ist ein gemäßigter Despot. Er hat absolute Herr⸗ schaft über das Leben und Eigenthum eines jeden seiner Unterthanen. Seine Söhne haben keine unabhängige Gewalt. Die Minister wer den nach königlichem Belieben erhöht oder er niedrigt. Der Herrscher ist die alleinige Voll⸗ zugsgewalt und alle Beamten sind seine Ver treter. Es gibt keine Civilgerichte, welche seim Vorrechte einschränken oder abändern können. Der Schah ist Jagdliebhaber und Weltmann Er liebt Musik und hält sich einen französischen und einen deutschen Kapellmeister. Er zeichnet vortrefflich und ist angeblich auch Dichter. Ein Privatsekretär übersetzt für ihn die französischen Zeitungen; er ist in der europäischen Politik wohl bewandert. Obwohl seine Regierung durch einige barbarische Handlungen befleckt worden, ist er nicht grausam. In Teheran kleidet er sich höchst einfach. Bei seinen Unter⸗ thanen ist er unzweifelhaft beliebt; kein früherer Schah seiner Dynastie hätte seine Besitzungen ungestraft so lange verlassen können. Seine am wenigsten anziehende Eigenschaft ist Geiz, der ihn veranlaßt, große Geldsummen und Schätze anzusammeln. Außer Massen von Juwelen besitzt er ein in Gewölben und ander wärts hinterlegtes Privatvermögen, das, wie man wissen will, aus mindestens 3 Mill. Ottrl. besteht. Dieser Schatz wird beständig bereichert durch die Geschenke, die er bei den gering- fügigsten Anlässen von Ministern, Edelleuten, Beamten oder reichen Kaufleuten erhält. Das Familienleben des Schah ist in das in musel⸗ manischen Ländern übliche Geheimniß gehüllt. Die wirkliche Anzahl der Frauen und Neben⸗ frauen ist nicht genau bekannt, aber sie be trägt angeblich 60. Von diesen Frauen hat der Schah eine Familie von etwa 40 Kindern, von denen 19 noch am Leben sind, nämlich 7 Söhne und 12 Töchter. Mehrere der letzteren sind mit hervorragenden Unterthanen verheirathet.

Handel und Berkehr.

Friedberg, 9. Septbr. Buttermarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.05 1.10, Eier 1 Stück 7 Pf. 2 Stück große Pf.

Gießen, 5. Sept. Auf dem heutigen Wochen⸗ markt kostete: Butter pr. Pf. Mk. 0,85 1,05, Eier per Stück 6 Pf., 2 St. 1213 Pf., Käse pr. St. 49 Pf., Tauben pr. Paar Mk. 0,50 0,70, Hühner pr. Stück Mk. 0,85 1,10, Hahnen pr. Stück Mk. 0,500, 90, Enten Mk. 1.401.60, Ochsenfleisch pr. Pfd. 6268 Pf., Kuh- und Rindfleisch per Pfund 50 bis 53 Pf.,

Pfund 4852 Pf., Hammelfleisch per Pfund 40

Schweinefleisch pr. Pfund 6070 Pf., Kalbfleisch 3 is rk,

68 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo 6,00 9,50 Mark, Weißkraut pr. St. 815 Pfg., Zwiebel pr. Ctr. M. 6,50- 7,00.

Stadtkirchenbau⸗Berein Friedberg. In den Monaten Juni bis Ende August 1893 gin ein und wurden mit herzlichem Danke bescheinigt: Hofagent Engel dahier 2

en M. als Ertrag einer Wahl⸗

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