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stration die Fenster eingeworfen wurden, hat sich durch die Maßregelung des ungarfreund⸗ lichen Pfarrers Vituk und Nichtbestrafung zur Anzeige gebrachter rumänischer Hetzer bei den Ungarn verhaßt gemacht. Die Demonstrationen werden hier um so mehr beklagt, als noch nicht feststeht, ob Pituk lediglich wegen seiner ungarischen Gesinnung gemaßregelt worden ist. Vor dem Palais des Bischofs fanden morgens abermals Ansammlungen statt. Die Menge wich nur zögernd vor dem Militär zurück. Es wurden zwei Feuerwerkskörper geschleudert, wodurch Husarenpferde scheuten und mehrere Personen niedergeritten wurden. Zwei Kinder wurden dabei schwer verletzt. Es erfolgten mehrere Verhaftungen. Abends 10 Uhr war die Ruhe wieder hergestellt.

Schweiz. Zürich, 8. Aug. Die Debatten im Sozialisten⸗Congreß während des heutigen Vormittags führten noch nicht zum Beginn der eigentlichen Verhandlungen. Das Präsidium hat ein französischer Delegirter für heute über nommen. Zunächst gelangte ein Protest der gestern vom Congreß Ausgeschlossenen zur Verlesung, in welchem dieselben erklären, daß sie vergewaltigt worden seien. Der Congreß habe nicht das Recht, sich internationaler Ar beiter⸗Congreß zu nennen. Ein Antrag des holländischen Delegirten und des belgischen, betr. die nochmalige Erwägung des gestrigen Beschlusses bezüglich der Fernhaltung der An archisten vom Congreß, wurde abgelehnt. 9. Aug. Ohne lange Debatte wurde heute der von den Schweizern vorgeschlagene Antrag be treffend die Durchführung des Achtstundentages mit einem Zusatz der Engländer, die dazu er forderlichen Maßnahmen auf einer von den Regierungen einzuberufenden Conferenz zu be rathen, mit 12 gegen 6 Stimmen angenommen. 10. Aug. In der Fortsetzung der Debatte über die Stellungnahme der Sozialdemokraten bei einem Kriegsfalle waren die meisten Redner für den deutschen Antrag, die Franzosen da gegen für den holländischen. Als nach Schluß der Debatte der Russe Plechanow das Schluß referat hielt, wurde die Sitzung wieder hoch dramatisch. Referent hielt eine vernichtende Ab rechnung mit den Franzosen. Er sprach von dem monströsen Zweibund, der die Franzosen auf den Knieen rutschen lasse vor dem Czaren, dessen Regiment er wahrheitsgetreu und kräftig schilderte. Dann zeigte Plechanow die Un motivirtheit der Befürchtung einer deutschen Invasion in Frankreich und sagte: Wenn nur die französischen Sozialisten so ihre Pflicht thäten, wie die deutschen, wäre eine solche ganz unmöglich. Diese Worte erregten einen Sturm der Entrüstung bei den Franzosen. Da der Tumult mit jeder Minute zunahm, mußte Plechanow sein Referat abbrechen. Schließlich wurde der deutsche Antrag, das Kriegsbudget überall abzulehnen und für die Entwaffnung einzutreten, mit 14 Stimmen gegen 5 Enthal tungen angenommen.

Großbritannien. London, 10. Aug. Im Rhondda⸗Distrikt in Südwales, wo die Maschinisten bereits zur Erlangung einer

20prozentigen Lohnerhöhung striken, haben nun auch die Bergleute definitiv beschlossen, für dieselbe Erhöhung einen Ausstand zu beginnen. Damit befindet sich mindestens ein Drittel der Gruben von Wales im Stillstand und in den übrigen Theilen ist die Strikebewegung im Wachsen. 1

Spanien. Madrid, 9. Aug. Der deutsch spanische Handelsvertrag wurde heute unter zeichnet.

- 10. Aug. Zeitungsmeldungen über eine Unpäßlichkeit des Königs werden dementirt: die Gesundheit des Königs sei durchaus be friedigend.

Es geht das Gerücht, daß eine Minister krise bevorstehe. Der Kriegsminister beabsichtige nämlich zu demissioniren. Serbien. Belgrad, 10. Aug. Die Skupsch⸗ tina nahm das Gesetz betr. Aufnahme einer

Anleihe von 22¼ Millionen und das 9 0 Provisorium mit Belgien in zweiter Lesung an.

Rußland. Petersburg, 10. Aug. Ein kaiserlicher Erlaß verfügt, daß von morgen ab in Finland der Einfuhrzoll auf alle deutschen Waaren, einschließlich Tabak, um 50 Prozent erhöht wird.

Griechenland. Athen, 8. Aug. Der König und Prinz Georg schiffen sich morgen nach Brindisi ein, um sich nach Aix⸗les⸗Bains zu begeben.

Amerika. Rio de Janeiro, 9. August. Nach einer Reutermeldung aus Buenos-Aires sind die Anhänger der Partei Mitre's mit Tagesanbruch in La Plata eingerückt. Die Radikalen blieben außerhalb der Stadt. Der Kriegsminister entwaffnete die Rebellen und die Provinzialtruppen.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Nach den bereits eingetroffenen Anmeldungen steht für nächsten Sonntag ein zahlreicher Besuch auswärtiger freiwilliger und Pflichtfeuerwehren zu erwarten. Das Commando unserer Feuerwehr hat deß⸗ halb beschlossen, die Uebung auf dem geräumigsten Platz unserer Stadt, der Freiheit, abzuhalten, so daß Jedermann Gelegenheit gegeben ist, zusehen zu können. Damit beim Sturmangriff an Gebäuden nichts beschädigt werden kann, wird mit denjenigen Geräthen, bei welchen solches zu befürchten wäre, an einem eigens hiezu am Ausgange der Judengasse erbauten Holzgerüst aufge⸗ stiegen. Unserer Feuerwehr erwachsen hierdurch größere Unkosten, doch hofft man dieselben durch eine günstige Einnahme bei dem am Nachmittag und Abend im Garten desPfälzer Hofes, stattfindenden Concert der Feuerwehr-Kapelle decken zu können. Der in dem Annoncentheil ausgesprochenen Bitte um Aushängen der Fahnen werden gewiß alle Häuserbesitzer unserer Stadt bereitwilligst nachkommen.

w. Friedberg. Für Jäger wichtig, indeß noch keineswegs überall bekannt, ist die Thatsache, daß die Jagdherren oder deren verantwortliche Beamte ver pflichtet sind, die als Treiber dienenden Personen in der Alters- und Invaliditäts-Versicherung zu versichern und daß die Unterlassung dieser Verpflichtung nach§ 143 des Gesetzes Geldstrafe bis zu dreihundert Mark zur Folge haben kann.

Darmstadt, 8. Aug. Ein von hier aus wegen Straßenraubs verfolgter Metzger wurde in München verhaftet; er hat, denN. N. zufolge, die That ein⸗ gestanden.

Allerlei.

Frankfurt. Das weibliche Gigerl ist da! so schreibt dasFr. J. Mit eigenen Augen haben wir es gestern Nachmittag 4 Uhr auf der Straße gesehen. Das Herrenhütchen coquet auf dem nicht übel geformten Kopf, gestärktes Herrenhemd, natürlich farbig, Herren⸗ gürtel neuester Mode, natürlich gleichfalls farbig. Steh kragen, selbstgeschlungene Herrencravatte, bis zu den Knieen reichendes schwarzes Herrenjaquet, selbstverständ lich ohne jegliche Spur von Taille, dafür aber mit fingerbreiten Nähten, ferner eine faustgroße weise Rose im Knopfloch des linken Rockaufschlages, Schnabelschuhe und die Krone des Ganzen in der weißbehandschuhten Rechten einen zierlichen Spazierprügel, so stieg das weibliche Gigerl mit langen Schritten und im vollen Bewußtsein seines imposanten unwiderstehlichen Ein⸗ drucks, die Zeil entlang und bog am Café Bauer in die Schiller-Straße ein. Mehr erschreckt als erstaunt blickten die Passanten dem Prachtexemplar nach. Am Weg aber standen zwei männliche Collegen, die vor Neid erblaßten.

Burghausen in Oberbayern, 8. August. Heute früh 6 Uhr ist der Pulverstampf auf dem Marienberg explodirt. Ein Arbeiter ist todt, einer schwer verletzt. Seit Jahresfrist ist dies die dritte Explosion. Im November wurde der frühere Besitzer getödtet.

Karlsruhe. Der Badischen Correspondenz zufolge wird sich vom 1. Oktober an die Gültigkeit der Rück⸗ fahrtkarten auf den badischen Staatsbahnen auf zehn Tage erstrecken.

Breslau, 9. Aug. In Lublinitz sind die schwarzen Blattern ausgebrochen. Dieselben wurden wahrscheinlich aus Rußland eingeschleppt. Es wurde bereits ein Todes fall konstatirt.

Breslau, 8. Aug. Auf dem Kamm des Riesen⸗ gebirges wurde abermals ein Raubanfall auf einen Touristen gemacht, der durch hinzukommende Personen vereitelt wurde.

Stettin, 9. Aug. Bei einer Gefechtsübung der Mannschaften des Ulanenregiments in Lyck auf dem dortigen Garnison-Exerzierplatz stieß ein Ulan seinem Gegner, dem Ulan Thamson in voller Carriere seine Klapplanze in den Oberkörper, so daß der Getroffene sofort vom Pferd sank und gleich darauf verschied.

Danzig, 9. August. Gestern Abend ging zwischen Langfuhr und Oliva nach einem starken Gewitter ein heftiger Wolkenbruch nieder, untermischt mit starkem Hagelschlag. Das Getreide wurde in Folge dessen zer⸗ schlagen und die Eisenbahngeleise unterwaschen.

Budapest, 10. Aug. Die Ortschaft Erzsebetfaldg kaum eine Meile von Budapest entfernt, wurde vor

einer 8 ausgeplündert. Ein Kaufman: wurde lebensgefährlich verletzt.

Rom, 10. Aug. Auf der Strecke Treviso⸗Bellun; entgleiste heute ein Eisenbahnzug. Die Maschine stürzt in den Piavefluß; der Lokomotivführer wurde getödtet der Heizer tödtlich verletzt.

. 9. Aug. In Warschau ist ein biz jetzt vereinzelt gebliebener choleraverdächtiger Fall vor gekommen. Vom 11. bis 24. Juli sind im Gouverne⸗ ment und in der Stadt Nishny⸗Nowgorod einschließlic der dortigen Messe an der Cholera und choleraver⸗ dächtigen Krankheiten 258 Personen erkrankt, von dener 102 gestorben sind. Aus Charkow werden 4 cholera, artige Erkrankungen gemeldet.

Pekin g.

Pulverfabrik zu Sam Puen Lee in der Nähe von Kantor sind 5000 Menschen getödtet und über 1000 Häuser zerstört worden.

Ein Zeichen der Zeit

ist die Gründung einer Ehescheidungszeitung in London. Sie hat solchen Beifall gefunden, daß sie nach wenigen Nummern auf 16 Seiten erweiten werden soll. Das Blatt dient der kritischen, wissen⸗ schaftlichen u.humoristischen() Behandlung der Ehescheidungsfrage. Die dritte Nummer be⸗ lehrt die Leser, wie man in England strafloz Bigamie treiben kann; z. B. kann ein Wittwer, der in Australien die Schwester seiner ver storbenen Frau heirathet, in England eim andere Frau nehmen, weil hier jene Ehe sih ungesetzlich gilt.(ö)

Sprechende Zahlen.

Ein Arbeitgeber in einem kleinen Orte zahlt seinen Leuten ihren Lohn aus; er hatte alles Geld auf unmerkliche Weise gezeichnet, um ez wieder zu erkennen. Er zahlte 2800 M.; es war Samstag Abend. Am Montag Morgen ging er zu den Schenkwirthen und bat um Einwechselung aller von ihm bezeichneten Geld, stücke. Als er diese daheim zählte, waren es 1600 M. So viel war für Schnaps, Bier und etwaiges Abendbrod in den Schenken ver⸗ than worden. Für Frau und Kinder, für Essen und Trinken während einer ganzen Woche, für Kleidung, Petroleum und Kohlen waren nur 1200 M. geblieben! Die Zahlen sprechen.

Göthe über Erziehung.

Je höher die Jahrhunderte an Bildung steigen, sagt Göthe einmal,desto mehr wind die Bibel zum Theil als Fundament, zum Thel als Werkzeug der Erziehung, freilich nicht don naseweisen, sondern von wahrhaft weisen Men, schen benutzt werden, und ein anderes mal sagt er:Mag der menschliche Geist sich er weitern, wie er will; über die Hoheit und sitt liche Kultur des Christenthums, wie es in den Evangelien schimmert und leuchtet, wird er nicht hinauskommen.

Die Wohnungsfrage

nimmt unausgesetzt das Interesse weiter Kreise in Anspruch. Vornehmlich beschäftigen sich mit derselben christliche und humane Volks- freunde, um dem armen Mann, dem Ar⸗ beiter vor Allem, in selbstloser Weise billige Wohnungen zu verschaffen. So hat vox: kurzem P. Götz aus Köln bei der

Jahres-Versammlung der südwestdeutschen Konferenz für innere Mission einen Vortrag gehalten, in welchem er diese Frage eingehend erörtert. Er empfiehlt vor Allem die Bildung von Baugenossenschaften auf Grund des Ge setzes vom 1. Mai 1889 in Verbindung mit Arbeiterorganisationen, wie dieselben z. B. in den evangelischen Arbeitervereinen vorhanden sind. Hierbei ist die fiananzielle Unterstützung dieser Arbeiter-Baugenossenschaften von Seiten der Privaten, der Kommunen und des Staats mit allen Mitteln zu erstreben. Da aber ge

rade die staatlichen Mittel z. B. aus der Alters und Invaliditätsversicherung bisher nur hier oder dort bewilligt, an anderer Stelle ver weigert worden sind, so hat dieser Vortrag des

Durch eine Explosion in der staatlichen

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