wendig, wenn unsere Landwirthschaft nicht weiter zurückgehen soll.
Friedrichs ruh, 8. Juli. Fürst Bismarck der von seiner Unpäßlichkeit vollständig wieder hergestellt ist, empfing heute einen Huldigungs⸗ besuch von vierhundert Lippe⸗Detmoldern, deren Sprecher, Gutsbesitzer Busse-Wittinghausen eine begeisterte Anrede hielt. Der Fürst antwortete
in langer Rede, wobei er verschiedentliche po-
litische Verhältuisse in gewohnter Weise be⸗
rührte. Der Fürstin wurde ein prächtiges Photographie-Album Detmoldischer Ansichten überreicht. Eine Deputation der Besucher
wurde von Bismarck zur Tafel gezogen.
Ausland. Frankreich. Paris, 7. Juli. Die Un⸗ ruhen in den Vororten jenseits der Place Chateau d' Eau dauern fort. Ein Omnibus
wurde umgestürzt, Kioske angezündet. Dra— goner verjagten die Ruhestörer. Großbritannien. London. Der„Times“ wird aus Simla gemeldet: Die indische Re— gierung hat beschlossen, Chila an der Grenze von Afghanistan dauernd zu besetzen; die Gar⸗ nison von Gilgit wird daher um ein Regiment Eingeborener vermehrt, sowie um ein englisches
Pionierregiment, das vorher die Militärstraße
durch Khagan fertigstellen wird. Diese Gar— nisonsverstärkung soll die Controle über die Stämme im Industhal, sowie den britischen Einfluß in Tshitral sichern, woselbst eine dauernde politische Agentur errichtet wird.
— 8. Juli. Heute Mittag stattete der König und die Königin von Dänemark in Be⸗ gleitung zahlreicher Mitglieder des englischen Könighauses und ausländischer Gäste, darunter auch der Zarewitsch, der City einen offiziellen Besuch ab. Der Lordmayor überreichte eine Adresse, welche die guten Beziehungen der beiden Königshäuser wie der Länder betont. Der König antwortete in demselben Sinne.
Spanien. Madrid, 7. Juli. Der spanisch— dänische Handelsvertrag ist gestern unterzeichnet worden.
Italien.
Rom, 7. Juli. Die Berathung
des Bankgesetzes in der Kammer wurde ohne
bemerkenswerthen Zwischenfall beendet.
Serbien. Belgrad, 7. Juli. Die Skupsch⸗
tina nahm einstimmig den serbisch-deutschen
Handelsvertrag sammt der Muster- und Marken-
schutzkonvention an. Die Anklage gegen das
frühere liberale Kabinet beginnt, nachdem die
letzten Schwierigkeiten durch die gestern voll— zogene Ersatzwahl zweier Radikaler in den
Staatsrath beseitigt scheinen, morgen in der
Skupschtina; nach Verlesung des Aktes werden die liberalen Minister aufgefordert werden, binnen 5 Tagen vor der Skupschtina zu er— scheinen, andernfalls ohne ihr Anhören ver— handelt wird.
— 8. Juli. heute den Konsumsteuer-Entwurf bis auf Ar— tikel 16, welcher an den Ausschuß zurückver— wiesen wurde.
Aus Stadt und Land. Friedberg. Die Evangelischen der Stadt und Um gegend werden hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß
noch etwa 20—25 Exemplare der in einer sehr großen Zahl
von Nummern an den Festtagen verkauften„Festschrift“ zur 50jährigen Jubelfeier des Hessischen Hauptvereins der Gustav Adolf-Stiftung zu haben sind und bei Kirchendiener Schreiner auf Verlangen abgegeben werden. Angesichts des dargebotenen reichen und intexessanten Stoffes, des herrlichen Bilderschmucks und des Umfangs der„Festschrift“ von 120 S., ist, zumal der Ertrag dem Gustav-Adolf-Verein zu 1 M. ein sehr bescheidene
M. Friedberg.
des hessischen
Hauptvereins der Adolf Stiftung sind an Collekten in den Go n 271 M. 51 Pf., bei der Nachfeier im Stein r'schen Garten 111 M. und an Erlös für verkaufte Schriften 75 M. eingegangen Indem dieses zur öffentlichen Ke 0
wird,
ge den
erlaubt sich der Kirchenvorstand Mitgliedern des Musikve Frohsinns und der hie apelle herrlichung des Festes Zeit un
wie den Herren
welche in den
Die Skupschtina genehmigte
rung des unter
das Gelingen des Festes besorgt gewesen sind, den herz- lichsten Dank auszusprechen. d. Friedberg. Die Jubiläumsgabe der Feier des Gustav⸗Adolf⸗Vereins in der Höhe von annähernd 5000 Mark ist den Gemeinden Lorsch, Groß ⸗Stein⸗ heim, Bretzenheim, Gernsheim, Bieber: Bürgel und Kostheim zugewendet worden. Die am 5. Juli in der Burgkirche durch Geh. Kirchenrath lr. Diegel überreichten 100 M. 1 eine Jubiläumsgabe des Friedberger Frauenvere 0 5. t. Friedberg. Der Ausschuß des landwirthschaft⸗ lichen Vereins der Provinz Oberhessen hat beschlossen, daß sämmtliche noch aus vorigem Jahre unverwendete und ferner die für das laufende Jahre verwilligten Mittel für
Hebung der Viehzucht im laufenden Jahre, zum Ankauf von Zuchtvieh im Ausland und zu Preisvertheilungen, nicht zur Verwendung kommen, sondern
aufgespart werden sollen, um unter Zugang der für 1894/95 bereit zu stellenden Mittel für Unterstützung und Ergänzung der Viehbestände verwendet zu werden. r. Bad⸗ Nauheim. In der vorigen Woche sind 766 Kurfremde, im Ganzen jetzt 5253 Personen hier angekommen.
Altenstadt, 5. Juli. Am Sonntag Morgen in der Frühe gelang es den hier stationirten Gendarmen bei einer Nachtpatrouille einen Wilddieb beim Abstreifen eines Feldhasen zu erwischen und dingfest zu machen. Er wurde ins hiesige Amtsgerichtsgefängniß eingeliefert.
Worms, 6. Juli. Gestern Nachmittag wurde von der Schutzmannschaft dahier ein 18 Jahre alter Fabrik— arbeiter aus Groß-Bockenheim, zur Zeit in Horchheim wohnhaft, wegen Sittlichkeitsverbrechens, verübt an einem schulpflichtigen Mädchen, verhaftet und in das Haftlokal verbracht.
Allerlei.
e. Frankfurt. Wie sehr die Errichtung einer Centralstelle für Obstverwerthung dem allgemeinen Be— dürfniß entsprochen hat, geht aus den zahlreichen An⸗ meldungen hervor, welche dem Comité schon in der ersten Woche nach Errichtung des Büreaus zugegangen sind. Es wurden in dem genannten Zeitraum ange⸗ boten: 267,650 Kg. Aepfel, 10,250 Kg. Birnen, 50,000 Kg. Kirschen, 18,550 Kg. Aprikosen, 6570 Kg. Jannis⸗ beeren, 2100 Kg. Pflaumen, 5500 Kg. Mirabellen, 12,000 Kg. Reineclauden, 875 Kg. Stachelbeeren, 450 Kg. Trauben, 17.500 Kg. Zwetschen, 500 Kg. Maul⸗ beeren, 290 Liter Obstbeerweine. Die Nachfragen waren erheblich größer, sie betrugen nämlich: 647,500 Kg. Aepfel, 157,000 Kg. Birnen, 150,000 Kirschen, 4800 Kg. 3 16,700 Kg. Johannisbeeren, 32,000 Kg. Pflaumen: 15,000 Kg. Mirabellen, 9000 Kg. Reine⸗ sclauden, 70,000 Kg. Zwetschen, 250,300 Kg. Heidel⸗ beeren, 5000 Kg. Himbeeren, 1000 Kg. Erdbeeren, 51,000 Kg. Nüsse, 2500 Kg. Pfirsiche, 20,000 Kg. Preißelbeeren, 1000 Kg. Hagebutten, 750 Kg. Tomaten. Nicht berücksichtigt in dieser Aufstellung sind die zahl— reichen Anmeldungen bezw. Nachfragen, bei denen ein bestimmtes Quantum nicht angegeben, bei denen nur von„größeren“ Posten oder von„jedem Posten“ die Rede war. Zur ordnungsmäßigen Erledigung der eingehenden Offerten ist es aber nothwendig, daß die angebotenen oder gewünschten Posten wenigstens an— nähernd nach dem Gewichte bezeichnet werden und werden daher alle Interessenten gebeten, bei künftigen Anmel⸗ II
dungen unbestimmte Angaben vermeiden zu wollen. Das Comité wird es sich angelegen sein lassen, die Interessenten so rasch als möglich von den eingegangenen Angeboten bezw. Nachfragen zu benachrichtigen. Kreuznach, 7. Juli. Die Waldbrände mehren sich wieder. So brannten gestern bei Sobernheim 4 Morgen, heute Morgen bei Staudernheim 15 Morgen Waldungen nieder.
ö Coblenz. Auf einem von Antwerpen rheinauf⸗ wärts kommenden Schiffe sind die schwarzen Blattern e e e Das Schiff wurde in der Nähe von Coblenz im Rhein verankert und wird strenge beobachtet. Karlsruhe. Zuverlässigen Nachrichten zufolge werden die Kaisermanöver des 13. und 14. Armeekorps wegen der Futternoth und der daraus resultirenden landwirthschaftlichen Misere nicht stattfinden.
Augsburg, 7. Juli. In der Kunstmühle im
kessel ein. Der Kessel explodirte, wobei ein Mann todt, drei schwer verwundet wurden. Trier, 7. Juli. In Mehring an der Mosel wurden durch eine Feuersbrunst 7 Wohnhäuser und viele Scheunen und Ställe eingeäschert. Rendsburg, 8. Juli. Das große steht seit gestern in Flammen. Zum drohten Umgegend ist soeben das bataillon dorthin abgegangen. New-York, 8. Juli. Die letzten Meldungen über einen Cyelon in der Stadt Pomeroy am Donnerstag schätzen den Menschenverlust auf 53; außerdem sind 75 Personen lebensgefährlich und 150 schwer verletzt. Es wurden 250 Häuser zerstört.
Stadtmoor Schutze der be ganze 9. Pionier
1
Landwirthschaftlicher Nothstand.
Großh. Minsterium erließ am 29. Juni
nachstehende Bekanntmachung: Nachdem Seitens der Stände des Groß herzogthums der Regierung Mittel zur Linde
der landw. Bevölkerung ein—
etretenen Nothstandes zur Verfügung gestellt
worden sind, werden bezüglich der Verwendung feu derselben nachstehende Bestimmungen getroffen:
J. Unter der obersten Leitung und Aufsicht des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz hat eine Landes⸗Commission zur Linde⸗
rung des landw. Nothstandes—„Nothstands⸗
Commission“— die nachbezeichneten Geschäfte zu besorgen.
II. Derselben steht zu:
1. die Beschlußfassung über die Gattung und Menge der auf staatliche Kosten zu be⸗ schaffenden Streu-, Futter- und Dünge⸗ mittel und Sämereien;
2. die Entscheidung über deren Abgabe, ins—⸗ besondere über deren Vertheilung, an die einzelnen Landestheile und Orte;
3. die Beschlußfassung über die etwa zu ge— währende Stundung des Preises, sowie die gutächtliche Aeußerung über etwaigen gänzlichen oder theilweisen Erlaß desselben.
11. Die Landes-Commission besteht aus
einem von dem genannten Ministerium zu er⸗ nennenden Regierungs-Commissiär als Vor⸗ sitzenden und einem in gleicher Weise zu be— stellenden Stellvertreter desselben, aus drei von dem Landesausschuß der landw. Vereine be— zeichneten Mitgliedern desselben und aus den beiden Direktoren der Centralgenossenschaft der hessischen landw. Consumvereine. Die Landes— Commission entscheidet nach Stimmenmehrheit, im Falle der Stimmengleichheit, entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. bezw. dessen Stellvertreter steht das Recht des Einspruchs gegen Beschlüsse, die er beanstandet, zu; er hat in diesem Falle sofort die Entschließ⸗ ung des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz herbeizuführen.
IV. Den Mitgliedern der Nothstandscom⸗ mission sind die baaren Auslagen bei aus— wärtigen Geschäften zu ersetzen.
Nähere Vorschriften über den Geschäftsgang bei der Nothstandscommission sind vorbehalten.
V. Der Landes-Commission wird als aus— führendes Organ die Centralgenossenschaft der hessischen landw. Consumvereine, welche sich in dankenswerther Weise hierzu erboten hat, zur Seite stehen. Derselben werden, da sie sich zur unentgeltlichen Besorgung der bezüglichen Ge— schäfte zur Verfügung gestellt hat, lediglich die ihr entstehenden baaren Aufwendungen vergütet,
VI. Die sämmtlichen Kassengeschäfte, Aus— gaben wie Einnahmen, werden durch die dazu bestimmten staatlichen Organe besorgt.
VII. Zur Entgegennahme der Anträge auf Abgabe von Bedarfsgegenständen sind in den Ortschaften, wo landwirthschaftliche Genossen, schaften bestehen, diese letzteren und zwar für alle Ortsbewohner, in anderen Orten die nach näherer Vorschrift zu bildenden Ortsausschüsse zuständig. Dieselben befördern die von ihnen dazu geeignet befundenen Anträge mit kurzer gutächtlicher Aeußerung, insbesondere über das Bedürfniß, die Zahlungsfähigkeit und die Be fristung, an die Nothstandscommission zur wes— teren Entschließung.
Künstliche Rebhühnerzucht.
Die Behauptung, daß die Rebhühner sich sehr schwer zähmen und künstlich nicht erziehen lassen, beruht auf einem Irrthum, denn die Erfahrung lehrt, daß dieselben, wenn sie in einem Bruthaus mit jungen Fasanen zugles erzogen werden, bis zu einem gewissen Alter sogar viel zahmer und vertraulicher als Fasanen werden. Keine unserer Federwildarten ist dank⸗ barer für die ihr gewährte Pflege und un empfindlicher gegen Hitze, Kälte und Mässe als gerade das Rebhuhn, und wenn junge, 3 bis 4 Wochen alte Fasane bei gleicher oder gar noch sorgfältigerer Behandlung unter nach- theiligen klimatischen Einflüssen, schlechter Weide oder mangelhaft zubereitetem Futter Schaden leiden, hat man bei gleich alten oder noch jüngeren Rebhühnern wenig oder keine Ver⸗ luste; selbstverständlich darf die Aufzucht abet nicht vernachlässigt werden. In der leichten
Dem Vorsitzenden,
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