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Beilage.
Oberhessischer Anzeiger.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Ueber das Befinden der Prinzessin Alix erfahren wir, daß zwar eine wesentliche Besserung eingetreten ist, die Prinzes⸗ sin aber immerhin noch genbthigt sein wird, auf kurze Zeit das Zimmer zu hüten. Bis zur völligen Wiederherstellung bleiben auch S. K. H. der Großherzog und die Prinzessin Heinrich noch in Berlin.
Darmstadt, 8 Febr. 2. Kammer. Das Haus fährt in der Berathung des Abänderungsentwurfs zum Einkommensteuergesetz fort. Die Artikel 1 bis 19 des seitherigen Gesees sigd durch den Entwurf nicht be rührt worden. Zu Artikel 19 beantragt der Ausschuß folgenden Zusatz: Ebenso sind abzuztehen, die an dem Steuerpflichtigen gesetz- oder vertragsmäßig zu entrichten⸗
den Beiträge zu Kranken-, Unfall-, Alters⸗ und Invalt
denversicherungs-, Wittwen⸗, Watsen⸗ und Pensionskassen, desgleichen Versicherungsprämien bis zu 600 M. jährlich oder Theile derselben bis zu demselben Betrag, welche für Versicherung des Steuerpflichtigen auf den Todes oder Lebensfall gezahlt werden. Hechler beantragt, statt 600 M. 400 M. zu setzen. Westernacher und Schade beantragen eine Bestimmung hinzuzufügen, daß regelmäßige jährliche Abschretbungen in Abzug gebracht werden koͤnnen, soweit die Betriebsmittel nicht bereits verrechnet sind. Der Ausschußantrag wird mit dem Zu— satz Hechler und dem Antrag Westernacher angenommen Hlermit ist die Berathung des Entwurfs beendet. Finanz minister Weber erklärt, daß die Regierung auf eine zweise Lesung de Vorlage verzichte. Der Antrag Osann, eine zweite Lesung vorzunehmen, wird einstimmig ange— nommen. Es kommt hierauf zur Berathung der Lor lage über den Bau und die Unterhaltung der Kunst straßen. Berichterstatter Möllinger führt aus, daß diese Vorlage infolge des geplanten Ausscheidens der Städte nothwendig geworden set. Ohne näher auf den Gegenstand einzugehen, habe der Sonderausschuß sich in folgende Sätze geeinigt: das ganze Netz der Kunst⸗ siroßen set in eine Hand zu geben, für diese Hand seien Selbstverwaltungslörper zu wählen und zwar als die geeignetsten die Kreise. Staatsminister Finger erklärt, durch die Ausschußanträge werde eine ungleiche Belastung der Kreise herbeigeführt. Der Regierungsvorschlag, der Provinz die Verwaltung der Straßen zu übertragen, sel der Sachlage am meisten entsprechend. Finanzminister Weber führt aus, eine derartige Deeentralisatton der Staatsstraßen, wie sie der Ausschuß bezwecke, liege nicht im Interesse des Landes. In Württemberg Wolle man sogar die Stroßen der Städte dem Staat übertragen. Gutfleisch hält es für ungerecht, daß, wenn der Staat die Kosten für die seitherigen Staatsstraßen auch ferner bin tragen solle, dieselben in die Verwaltung der Kreise übergehen sollten. Durch die Ueberweisung sämmtlicher Straßen an die Provinz werde eine gerechtere Ausgleich ung der Kosten herbeigeführt, auch sei ein größerer Ueber- blick uber die durchgehenden Straßen möglich Die Kreise selen nicht geeigenschaftet, dauernde Träger großer wirth schaftlicher Interessen zu sein. Wenn eine Körperschaft etwas beschließe, so müsse auch ihr eigener Geldbeutel dahinter stehen.
— Postpersonal nachrichten. Der Telegraphen assistent Brenner wurde von Frankfurt nach Off nvach, der Postassistent Gregort von Bingen nach Frankfurt und der Postassistent Heusing von Nidda nach Büdingen ver setzt, der Postassistent Pitz in Mainz etatsmäßig ange⸗ stellt, der Ober Telegraphenassistent Beck in Erbach zum Postverwalter ernannt.
Berlin, 8. Februar. Reichstag. Ackermann be⸗ gründet seinen Antrag, nach welchem aus der Bezeichnung eines kaufmännischen oder gewerblichen Geschäfts das Geschlecht und der Name des Inhabers erkennbar sein soll. Der Antrag wolle verhüten, daß der Ehemann, wenn der Exekukor drohe, das Geschäft der Ehefrau übertrage und sich dadurch den Ansprüchen der Gläu⸗ biger entziehe. Sein weiterer Antrag, daß derjenige be— straft werde, welcher nach eingetretener Zuahlungsunfäbig⸗ keit noch Creditgeschäfte macht, ohne den anderen Theil von der Zahlungs unfähigkeit benachrichtigt zu haben, wolle verhindern, daß derartige Praktiken straflos bleiben. Rintelen begründet den Antrag des Centrums auf Abänderung der Konkursordnung. Die Gefahr bestehe, daß die Konkurs macher aus dem Konkurs Vermögens— vortheile ziehen. Der Begulff Zahlungsunfähigkeit müsse die Grundlage der Konkursordnung werden. Unbedingt sei ein Gläubiger Ausschus nöthig, der Akkord dürfe nur zulässig sein, wenn mindestens 25 Prozent der Masse verthellt werden können. Die Anträge Ackermann, so⸗ wie der Centrumsantrag über die Konkursordnung wer den einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Der Antrag Ackermann über das Verbot von Waaren⸗ abgabe durch die Konsumvereine an Nichtmitglieder wird in namentlicher Abuimmung mit 131 gegen 92 Stimmen angenommen; dagegen stimmen die Nattonalliberalen, die Freifinnigen, die Volkspartei und die Sozialdemo⸗ kraten, dafür das Centrum und die Conservativen. Der Antrag Rintelen, nach welchem Verjährung nicht ein⸗ treten soll, wenn gesetzliche Gründe die Strafverfolgung ausschließen, wird mit großer Mehrheit angenommen.
— Den Berliner„Polit. Nachr.“ zufolge
sind die Arbeiten zur Umgestaltung des amt—
lichen Waarenverzeichnisses zum Zolltarif so weit gediehen, daß der Entwurf zum neuen Waarenverzeichniß demnächst an den Bundes- rath gelangen dürfte. Den Interessenten ist Einsicht in den Entwurf während der Dauer der Berathungen im Bundesrath gestattet. Auch die Einzelregierungen dürften über ein⸗ zelne Theile des Waarenverzeichnisses Auskunft ertheilen.
Ausland.
Großbritannien. London. Die Königin Viktoria beabsichtigt, ihre angekündigte Reise nach Italien am 22. März anzutreten. Der Aufenthalt der Königin in Florenz soll vier Wochen dauern. Bei der Rückreise wird die Königin ihren Weg durch Deutschland nehmen und den großherzoglichen Hof in Darmstadt besuchen, dessen Gast auch um jene Zeit auch die Kaiserin Friedrich sein dürfte.
Norwegen. Christiania. Die Regierung beantragt höhere Zölle für Glas, Porzellan, Spiegel und Holzarbeiten, sowie einen Aus— fuhrzoll auf von 20 Oere für den Raummeter.
Frankreich. Paris. Der Graf von Paris zeigte seinen Anhängern an, der bereits auf der Rückreise befindliche Herzog v. Orleans werde baldigst mit ihm in Sevilla zusammen⸗ treffen.
— 8. Febr. Der Beschluß der Anklage— kammer, nach welchem verschiedene Senatoren außer Verfolgung gesetzt werden, wird heute der parlamentarischen Untersuchungskommission mitgetheilt werden. Nach der von Argelie eingebrachten Interpellation ward in den Wan⸗ delgängen der Kammer bekannt gegeben, daß
ein Vertrag abgeschlossen gewesen sei mit großen
Pariser Finanzhäusern, wonach die Arbeiten am Panamakanal zu Ende geführt werden sollten. Senator Grevy sandte nach dem Be— schluß der Anklagekammer die in 1888 er⸗ haltenen Summen an den Liquidator des Panama⸗Unternehmens Mouchicourt.
Bulgarien. Sofia. Der„Voss. Ztg.“ zufolge, verlautet in hiesigen diplomatischen Kreisen, daß die Verlobung des Prinzen Ferdi— nand vorläufig unterbleibe, in Rücksicht auf den dringenden Wunsch einer Bulgarien wohl— wollenden Macht.
Portugal. Lissabon. Die Hottentotten haben einen Einfall in das Gebiet von Moscha⸗ med gemacht. 30 Hottentotten wurden getödtet, 5 gefangen.
Rußland. Petersburg. Der Emir von Buchara bat Rußland um die Anerkennung seines Sohnes als Thronfolger; der Prinz soll in Petersburg erzogen werden Wie verlautet, wäre die Anerkennung bereis erfolgt.
— Nach polnischen Blättern steht die Um— änderung der Stadtnamen Dorpat in Juriew und Dünaburg in Dwinsk bevor.
Amerika. Washington, 8. Febr. Der Senat vollzog den Auslieferungsvertrag mit Rußland.
Aus Stadt und Land.
M. Friedberg. Im Monat Dezember wurde die biesige Herberge von 462 Verpflegungsgästen und 142 Herbergsgästen besucht. Ein Arbeitsgeselle hatte in der Anstalt Wohnung genommen An Arbeitsverdienst der Verpflegungsgäste wurden 60 Pfg. eingenommen. Die Ausgabe in der Wirthschaft betrug 498 80 M., die Ein⸗ nahme dagegen 598,03 M. Demnach wurde ein Ueber schuß von 99.23 M. erzielt. Im ganzen Jahre 1892 belief sich die Einnahme der Wirthschaft auf 5609.01 M und die Ausgabe auf 4662.11 P. Wenn wir in diesem Jahre einen böheren Gewinn als in den früheren aus der Wirthschaft erzielt haben, so ist daraus doch nicht der Schluß zu ziehen, daß unsere Anstalt eine fernere kräftige Unterstützung ihrer Freunde nicht mehr nöthtg habe. Wenn vielleicht doch eine solche Meinung irgend einmal geäußert werden sollte, so gestatten wir uns, um sie zu entkräften, darauf hinzuweisen, daß der Geschäfts—
Gewinn von 946.90 M. kaum ausreicht, die Kapltal⸗ schuld zu verzinsen, daß außerdem noch bedeutende Aus⸗ gaben für Besoldung, Steuern, Anschaffung von Mobi⸗ lien und Bettwerk, wie für Erweiterung der Anstalt ent⸗ stebhen. Man bittet darum die Anstalt auch im Jahre 1893 freundlichst zu unterstützen. Es läßt sich nickt be⸗ zweifeln, daß die Anstalt von äußerst wohlthätiger Wir⸗ kung ist. Die Zahl der arbeitslosen Wanderer ist im Steigen begriffen Im Jahre 1892 waren 3804 in der Anstalt und doch hat man weder in unserer Stadt noch in unserem Kreise vom Betteln derselben viel wahrge⸗ nommen, weil die Personen in der Anstabt nicht nur ver⸗ sorgt, sondern auch vom Betteln abgehalten wurden. Leicht läßt sich berechnen, daß diese mittellosen Wanderer, wenn sie nur je 10 Pfennig in der Stadt aufgehoben hätten, ihr eine Summe von 380.40 M. auferlegt hatten.
r. Södel. Am 6. Febr. wurde die hiesige Jagd auf weitere 12 Jahre an den Freih. M. v. Löw zu Steinfurth verpachtet. Seither wurden jährlich nur 300 Mark Pach' erztelt, nunmehr aber 900 Mark.
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Leipzig, 7. Febr. Das hiesige Poltzeiamt ist be⸗ nachrichtigt worden, daß der in der Panamaangelegen—⸗ heit verwickelte Agent Arton sich am 2. Februar von Prag aus über Dresden und Leipzig nach Magdeburg begeben hat, in letztgenannter Stadt jedoch anscheinend noch nicht eingetroffen ist. Arton ist unter den Namen Förster und Reuter aufgetreten.
Berlin, 7. Februar. Heute Nacht ermordete die Bäckerfrau Elise Bohndorf aus religtösem Wahnsinn ihren zehnjährigen Sohn Hans. Die Mörderin wurde in das Irrenhaus gebracht.
Warschau, 8. Febr. In Russisch⸗Polodien brach die Cholera neuerdings heftig aus.
Prag. Wle hlesige Blätter melden, sind bisher noch unbekannt gewesene Handschriften von Comenius, sowie andere wichtige Dokumente geschichtlichen Charakters, die sich im Besitz des Professors J. Sporer in Holleschau befunden haben, für das ezechische Musenm in Prug für 800 fl erworben worden.
Marsetlle. Nach einer Meldung des Petit Parisien ist die biesige Epidemie wirklich die Cholera und dieselbe zeigte sich zuerst am 1. Februar. Am Montag fanden 12 Eikrankungen und 7 Todesfälle, gestern 3 Erkrank⸗ ungen und 12 Todesfälle statt.
Athen, 8. Febr. Neuerdings fand wiederholt ein Erdbeben in Zante stat, welches man auch in Patras und Kephalonla verspürte. Die Nachrichten aus Zante sind erschreckend. Die Ortschaften gleichen Ruinen. 40,000 Menschen sind obdachlos und dem größten Elend preis gegeben.
Kirchliche Anzeigen für Friedberg. Evangelische Gemeinde. Quinquagesimä.
Pfarramtswoche Herr Pfarrer Velte. Gottesdienst in der Burgkirche.
Vormittags 9½ Uhr: Herr Pfarrer Velte.
Nachmittags 112 Uhr: Herr Candidat Schnellbächer. Abends 5 Uhr: Herr Missionar Thumm.
Mittwoch, 15. Februar, Burgkirche, Abends 8 Uhr:
Passtons⸗Andacht. Herr Candidat Jost. Katholische Gemeinde.
Samstag Nachmittag von 4 Uhr an Beicht. Sonntag Morgen nach 6 Uhr: Beicht; um 5/7 Uhr
Austhetlung der heil. Communton.
10 Uhr: Hochamt mit Predigt.
2 Uhr: Chrtstenlehre und Andacht.
In Amerika verstorbene Hessen und Hessen⸗ Nassauer. New Pork City:
John Münch, 52 Jahr' galt, aus Esselborn. Friedrich Gerhardt, 24 Jahre alt, aus Grünberg. Chigago, Ill.:
Theresia Jahn, geb. Güth, 51 Jahre alt, aus Hünfeld. Louisville, Ky. Charles Gnau, 39 Jahre alt, aus Mardorf.
Meßmer's Thee à M. 2.0 u. 3.50 pr. Pfd. in höchsten Kreisen angeführt, gentußt Weltruf. Es ist der bellebteste u verbreitetste Thee. Probep. 80 Pf. u. M. 1 bel G. Groß u. Fr. Hilbrecht Wwe. 152
Geld⸗Cours.
Frankfurt am 10. Februar 1893. Geber. Nehmer. M. Pf. M. Pf. 20⸗Frankenstücke. do. in 1½—.— 16. 24 Dollars in Gold. e 4. 20 4. 10 IIC 65 9. 60 al mare„ 25 5 45 70 ö Sover 5 N 1 Englische Sovereigns 8 1
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