e
Ordnung, und sagte, er habe immer gehört, daß hier besonders viel gearbeitet werde. Die Leistungen seien auch dementsprechend.— 5. Sept. Dem heutigen Manöver der beiden Divisionen des 16. Korps zwischen Metz und Urville wohnte der Kaiser mit seinen fürstlichen Gästen bei. Der Kaiser, der als oberster Schieds⸗ richter fungirte, hielt auf der Höhe westlich von dem Dorfe Colligny. Dieser Ort wurde nach heftigem Gefecht um 10 Uhr von dem Westkorps genommen und das Ostkorps gegen Urville zurückgedrängt. Hierauf folgte die Kritik, die bis 12 Uhr dauerte. Dann kehrte der Kaiser nach Urville zurück und die übrigen Fürstlichkeiten begaben sich mittelst Wagen nach der Stadt, woselbst sie Nachmittags Besuche abstatteten. Nach 6 Uhr begann die glänzende Auffahrt zur Mittagstafel, die um 7 Uhr im Militärkasino stattfand. Beim Festmahl drückte der Kaiser in seinem Trinkspruch seine Freude aus über den überaus guten Empfang. Er freue sich, daß die Lothringer durch sein und der anderen Fürsten Anwesenheit ein Bild be— kommen hätten von Deutschlands Einigkeit und Größe. Er sei Lothringer geworden, um aus eigner Anschauung des Landes Bedürfnisse kennen zu lernen. Der Schluß der Rede lautete: „Das Land ist deutsch und soll es bleiben, das walte Gott und das Schwert!“ Fürst Hohen— lohe dankte und brachte das Hoch auf den Kaiser aus.
Nürnberg. Dem„Fränkischen Kurier“ zufolge ist das Befinden Bismarcks viel schlechter als er selbst glaubt.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Krakau, 5. Sept. Der erste Manbvertag brachte eine trotz der Terrainschwierigkeiten vorzüglich ausgeführte Reiterattacke. Der Kaiser verfolgte die Kaval— leriebewegungen mit lebhaftem Interesse und kehrte um ein Uhr nach Jaroslau zurück. Der Gesundheitszustand der Truppen ist vorzüglich.
Frankreich. Paris. Der„Temps“ gibt folgende Zusammenstellung der neuen Kammer: 310 Republikaner, 122 Radikale, 35 Ralliirte, 49 Sozialisten und 58 Reaktionäre.
— 3. Sept. Der Minister des Auswärtigen erhielt gestern vom Botschafter in Petersburg die offizielle Anzeige, daß das russische Ge— schwader am 13. Okt. in Toulon ankommen werde. Das Blatt„Paris“ erläßt einen Auf— ruf an die Zeitungen aller Parteien, bei Ge— legenheit des Besuchs der russischen Marine— offiziere in Paris eine große Manifestation zu verstalten, und lädt alle Zeitungsdirektoren zu einer am Donnerstag im„Grand Hotel“ statt— findenden vorbereitenden Versammlung ein.
Großbritannien. London. Norman, der Gouverneur von Queensland, ist zum Vize— könig von Indien ernannt worden.
Siam. Bangkok, 3. Sept. Dem Reuter'- schen Bureau wird von hier gemeldet, die von Frankreich aufgestellten neuen Forderungen sind in zwölf Artikeln niedergelegt. In den— selben tritt das Bestreben zu Tage, das Zu— geständniß der meistbegünstigten Nation aus den Verträgen mit anderen Staaten nach Mög— lichkeit zu entfernen. Der französische Spezial⸗ Gesandte de Vilers erklärte in der letzten Konferenz mit den bevollmächtigten Vertretern Siams, nachdem er die sofortige Annahme der französischen Forderungen nicht erlangt hatte, daß Siam dieselben während der Dauer von
drei Monaten einer Prüfung unterziehen könne.
Nach einer Meldung der„Times“ hat England viel von seinem Ansehen im O
Verstärkungen, da er die Position für zu
schwach halte.
Australien. Samoa. Ueber San Fran⸗ cisco wird von hier gemeldet, daß das deutsche Kriegsschiff„Sperber“ am 26. Juli, mit dem Häuptling Mataafa, der Tochter und 10 An⸗ hängern desselben an Bord, nach der Insel Kakaofo, einer der Inseln der Uniongruppe, abgesegelt ist. Dort soll Mataafa in der Ver⸗ bannung leben.
Aus Stadt und Land.
Gießen. Verzeichniß der Geschworenen für die am 25. September beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts: 1. J. Schäfer II., Mainzlar. 2. K. Damm, Friedberg. 3. J. Fink V., Leusel. 4. H. K. Schmidt, Romrod. 5. K. Trapp, Friedberg. 8. J. Groh l., Nieder-Rosbach. 7. J. H. Scharch, Windhausen. 8. H. Kling, Lorbach. 9. Chr. Faß, Gießen. 10. A. von Jungenfeld, Gießen. 11. W. Zieg, Diebach a. Haag.
12. L. Bücking II,, Alsfeld. 13. G. F. Kopp, Ossen⸗ heim. 14. J. H. Müller II., Ober⸗Hörgern. 15. W. Bloch, Schlitz. 16. Fr. Katz(., Nieder⸗Ohmen. 17. H.
W. Alles, Nieder-Florstadt. 18. K. Eckstein, Schelln⸗ hausen. 19. J. Becker VI., Maar. 20. P. Schmidt 11., Nieder⸗Mörlen. 21. G. Haas 11., Assenheim. 22. G.
K. Brück, Albach. 27. M. Hammel, Staden. 28. H.
Kaspar, Altenburg. 29. L. Horst, Ilsdorf. 30. L Kopp, Ossenheim. a Allerlei.
Berlin, 4. Sept. Der„Staatsbürgerzeitung“ zu⸗ folge ist der Antisemit Paasch gestern nach der Irren⸗ anstalt Dalldorf übergeführt worden.
Rotterdam, 4. Sept. Heute Nacht während eines Brandes am Rottefluß, schlug eine Kettenfähre mit 40 Personen um; 13 davon ertranken.
Basel, 5. Sept. Sonntag Nacht entgleiste der Schnellzug Genf-Paris bei Rousillon. Die Ursache war eine verbrecherische Entfernung von Schienen. Montag Mittags ereignete sich eine Entgleisung auf der Linie Olten⸗Aarau bei Däniken.
Vom blauen Montag.
Heute wollen wir einmal vom„blauen Montag“, dem Feiertag, von dem in keinem Kalender steht und der doch von vielen Gesellen und leider auch öfters von Meistern allwöchent— lich gefeiert wird, reden. Mancher Meister und Geselle hat vielleicht schon gedacht, wo doch der blaue Montag seinen Namen her— genommen haben möchte; hören wir, was die Chronik darüber vermeldet. Zur Zeit der Zünfte war der Montag der Tag der„Auf— lage“, das heißt, der Tag, an welchem die Gewerke sich versammelten und unter Vorsitz der Altmeister, Altgesellen und deren Beisitzer, die Zunftgeschäfte erledigten. Es wurden an diesem Tage die Beiträge zur Zunftlade be— zahlt, Lehrlinge verpflichtet, Lehrlinge geprüft und losgesprochen, sowie in dem, was Hand— werksbrauch war, unterwiesen, Meister wurden in die Zunft aufgenommen u. s. w. und Be— rathungen gepflogen über Dinge, welche das Interesse der Zunft berührten. Die Sitzungen fanden auf der Herberge statt und soll es, wenn die Köpfe der ehrsamen Meister und Gesellen in Folge heftiger Für- und Widerrede sich erhitzten und durch fleißiges Kreisen der Zunftkanne der Muth entflammt worden, oft sehr stürmisch bei den Verhandlungen zuge— gangen und häufig der Versuch gemacht worden sein, einander durch schlagende Beweise von einer gegentheiligen Ansicht zu überzeugen. Blaue Augen und blaue Beulen zeugten dann andern Tages von der Heftigkeit der gepflogenen Debatten und von diesen blauen Beulen und blauen Augen, welche ihren Ursprung den Zunftsitzungen am Montag verdankten, hat sich der Name„blauer Montag“ hergeleitet. Später
verlangten die Gesellen den blauen Montag Orient als ihr Recht: Nicht allein an dem Montage,
eingebüßt, wie Briefe aus China und Japan san welchem die„Auflage“ stattfand, wollten
beweisen. Unternehmungen wurden aufgegeben, weil die Sicherheit im Lande nicht garantirt ist. Die
Die in Siam geplanten britischen sie feiern, sondern alle Montage.
Der Unfug
des blauen Montags nahm in manchen Städten einen solchen Umfang an, daß der Rath da⸗
Chinesen rüsten sich in Südyuenan Kwangsi, gegen einschritt und jedmänniglich mit Strafe
ihre Interessen am linken
wahren.
Mekongufer
. er zu bedrohte, welcher blauen Montag feierte. Der Kommandant der französischen aller Strenge, mit der man gegen den blauen
Trotz
Truppen in Chantaboun forderte von Saigun Montag vorging, gelang es nicht, das mit dem—
selben verbundene Unwesen zu beseitigen. Nos ö heute zählt er eine sehr große Anzahl voz Verehrern, besonders in den großen Städten, sowohl unter den Meistern, als auch unte den Gesellen, obwohl die ihn herbeiführende; Umstände andere geworden sind. Diejenigen, welche heute den blauen Montag opfern, sin! in der Regel solche, welche aus irgend welche; Gründen zur Sonntagsarbeit gezwungen waren und sich für das, was sie am Sonntage ent behrt, zu entschädigen suchen; selten sind Die jenigen, die da glauben, der blaue Montag se eine nothwendige Nachfeier eines toll verlebte Sonntags. Immerhin ist die Blaumontags feier ein Unding, wodurch die Immoralita befördert wird, mögen auch die Ursachen, welch sie herbeiführen, heißen wie sie wollen. Der Montag und die übrigen fünf Wochentage sin zur Arbeit da und der Sonntag bleibt zu; vernünftigen Erholung.
Aus dem Lager der Sozialdemokratie. Kürzlich brachte der„Vorwärts“ folgend, Auslassung über die Stellung der„Gebildeten“
zur Religion:„In der„guten“ Gesellschaft der
Besitzenden und„Gebildeten“ nimmt man ver— dammt wenig Religion und Moral wahr, su stehen eben über der Religion, die sie dem Volle durchaus erhalten wollen. Sie halten es aber nicht einmal zu diesem Zweck der Mühe werth, sich wenigstens den Schein zu wahren, daß sie dasselbe glauben, was sie dem Volke predigen. Was Wunder, daß das Volk in allem, was ihm von oben herab von den Besitzenden um Gebildeten als Religion angepriesen wird, nun schnöde Heuchelei sieht! Heutzutage, wo bin Sozialdemokratie in fast jedem Hause ihre An hänger hat, noch zu glauben, so ungenirt seinen Lüsten fröhnen und seinen noblen Liebhabereien nachgehen zu können, wie in den Zeiten des Absolutismus, und doch noch dem„gemeinen Volke“ mit„Religion“ und„Moral“ imponiren zu können ist das Zeichen der äußersten Ver blendung. Die Religion, die man dem Voll beibringen möchte, paßt den„Gebildeten“ um Vornehmen selbst ganz und gar nicht, und das Volk selbst ist heute doch zu aufgeklärt, um sich von den herrschenden Klassen eine Religion auf— tischen zu lassen, welche von diesen selbst gering geschätzt wird.“ Wenn auch sehr übertrieben so ist leider diese Schilderung doch nicht unwahr,
Russisches Mittel gegen Motten im Pelzwerb. In starken Spiritus wirft man eine Hand voll Kampfer und die zerkleinerte Schale vor spanischem Pfeffer oder kleingestoßene Kolo quinthen, läßt das Ganze einige Tage in den Ofen- oder Sonnenwärme stehen, bis den Kampfer sich aufgelöst hat, worauf die Flüssig keit durchgeseiht wird. Man bespritzt mit der. selben das Pelzwerk recht regelmäßig, wickel! es fest zusammen und schlägt es darauf ic neuen Shirting oder feste Leinwand ein. Auf diese Art kann man Pelzwerk Jahre lang auß bewahren, ohne daß sich Motten darin einfin den. Dieses Mittel ist in Rußland allge⸗ mein unter dem Namen„die chinessische Motten, tinktur“ in Anwendung und wird dort als Geheimniß der Pelzhändler betrachtet.
Auszug
aus dem Civilstandsregister der Stadt Friedberg
Getraut: Der Hülfsweichensteller Heinrich Peter Strauch zu Friedberg mit Maria Christin Oberländer zu Friedberg. N 1 Der Gerber Paul Hugo Richard Leist zu Friedberg mit Katharina Scheid Friedberg. 2 Der Maler Georg Karl Hoffmann 8 Friedberg mit Christine Peter zu Friedberg Der Hülfsbremser Friedrich Geger Friedberg mit Maria Margaretha Kot zu Friedberg.
6. August.


