Friedbert
April 1893,
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Deutsches Reich.
April. S. K. H. der Großherzug und Prinzessin Alix haben heute eine Reise nach Coburg angetreten.
Darmstadt. Der Regierungsassessor Schliephake aus Gießen wurde zu Ministerialsekretar, der Amtmann Dr. Steeg zu Groß-Gerau zum Amtmann in Bingen, der Regierungsassessor Or. Usinger aus Mainz zum Amtmann ernannt und letzterer mit Versehung der Stelle eines Amtmanns in Groß-Gerau beauftragt, der Eisenbahnbaumeister Stahl bei den Oberhessischen Eisenbahnen zum Vorstand der Baubehörde für Neben— bahnen in Starkenburg, die Ministerialkalkulatoren Büttel und Dauber zu Ministerialrevisoren, der Kalku— lator Wamser bei der Hauptstaatskasse zum Ministerial— kalkulator und der Finanzaspirant Opel aus Beerfelden zum Kalkulator bei der Hauptstaatskasse ernannt, dem Siedemeister Ost in Theodorshalle die Krone zu dem Silbernen Kreuz des Philippsordens, dem Amts— gerichtsdiener Höreth zu Höchst das Silberne Kreuz des Philippsordens verliehen, der Amtsgerichtsdiener Ber— nius in Michelstadt zum Kanzleidiener bei dem Land— gericht in Darmstadt ernannt, dem Forstwart Schütz zu Kröckelbach der Charakter als Förster verliehen, der Finanzaspirant Reitzel aus Groß-Gerau zum Ober- rechnungsprobator ernannt.
Berlin. Wie das„Berl. Tagebl.“ er fährt, ist das Gesuch des Kriegsministers von Kaltenborn-Stachau um Entlassung aus dem Amte, dessen Veranlassung mit der Militär vorlage nicht zusammenhängt, vom Kaiser ab— gelehnt worden. 5 5 5
— In dem Anarchistenprozeß, der am 5. April vor dem hiesigen Landgerichte zur Ver— handlung kommt, sind 5 Personen wegen Auf— reizung zu Gewaltthätigkeiten und Theilnahme an vor der Staatsregierung geheimgehaltenen Verbindungen angeklagt.
Marburg.. Böckel läßt durch den Reichs⸗ herold verkünden, daß er nach der Beschimpf— ung, die er öffentlich von Antisemiten erfahren, sich vom Antisemitenthum, wie es heute in Deutschland florire, zurückgezogen habe. Eine Partei ohne politischen Scharfblick, die jedem Aufschneider und Schreier nachlaufe, habe keine Zukunft.
*
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Budapest. In parlamentarischen Kreisen verlautet, Koloman Tisza werde in den nächsten Wochen sein Mandat als Abgeordneter niederlegen und vom
politischen Leben eine zeitlang sich zurückziehen.
Norwegen. Christiania. Die Verhand— lungen über die Apanage des Königs werden am nächsten Freitag im Storthing beginnen. Seitens der Radikalen werden diesbezüglich heftige Angriffe auf das Königthum erwartet.
Frankreich. Paris, 30. März. Der Konflikt wegen des Budgets zwischen Senat und Kammer gestaltete sich kritisch. Die Kam— merkommission verwarf um Mitternacht sämm— liche Abänderungen des Senates und wies kate— gorisch alle Vermittelungsvorschtäge Ribots zurück. Tirard beschloß die prinzipielle Ab— grenzung der respektiven Rechte beider Kammern. In der Kammer erklärte Ribot, angesichts des Beschlusses der Kammer und der abermaligen Weigerung des Senats, die Getränkesteuer dem Budget einzufügen, sei eine Unterbrechung der
Budgetberathung erforderlich. Das Kabinet demissionirte.
— 1. April. Meline hat die Bildung des Kabinets übernommen. 5
— Develle, der Minister des Aeußern,
sicherte dem deutschen Botschafter strenge Unter— suchung wegen der dem Korrespondenten des „Berl. Tagebl.“ Otto Brandes bei seiner Ab— reise zugefügten Beleidigungen zu und drückte sein Bedauern darüber aus.
— Ribot entsandte den Polizeichef Clement mit Andrieux, um die Verhaftung Artons vor— zunehmen.
— Der„Figaro“ bringt folgende als That⸗
sache verbürgte Nachricht seines Berliner Korre— spondenten: Die Prinzessin von Sachsen-Mei⸗ ningen und Prinzessin Aribert von Anhalt, sowie die Gräfin Hohenau beabsichtigten nach Cannes zu reisen, wurden durch kaiserlichen Befehl davon abgehalten und begaben sich, ebenfalls auf kaiserlichen Befehl, nach Italien.
Rumänien. Belgrad. Neuerdings eir— kulirt das Gerücht, das Ministerium trete zurück. Zur Bildung des neuen Ministeriums sei Stojan Boskovies ausersehen.
Spanien. Barcelona, 29. März. Gestern fanden hier Kundgebungen der Studenten statt, infolge deren es zu Excessen kam, bei welchen 9 Studenten schwer und 60 leicht verwundet worden. Der Generalkapitän droht an, den Belagerungszustand zu verhängen. Die Mani— festationen werden fortgesetzt und unterstützt von den Vorstadtarbeitern. Die Gährung ist groß. Die Streikenden demonstrirten zu Gunsten der Republik.
Rußland. Petersburg. In Wiener dip— lomatischen Kreisen wird versichert, der Czar verfolge die Vorgänge in dem Storthing von Norwegen mit großem Interesse. Der Czar begünstige die Auflösung der Union zwischen Norwegen und Schweden nicht, sondern wünsche die Fortdauer der gegenwärtigen Zustände in Skandinaven. Rußland würde es als verhäng— nißvoll betrachten, wenn dort zwei Republiken entstünden, wovon die eine unter Deutschlands und die andere unter Englands Schutz käme.
Egypten. Kairo. Ein Konflikt ist zwischen Riaz Pascha und dem englischen Vertreter ist ausgebrochen. Riaz verlangt, daß sämmtliche Polizeiberichte und Depeschen aus dem Innern des Landes an ihn, nicht mehr an den englischen Vertreter gesandt würden.
Aus Stadt und Land.
d. Friedberg. Es herrscht noch häufig die Un⸗ sitte, daß Personen im Gedränge den Stock anstatt sich darauf zu stützen, unter den Arm nehmen oder damit in der Luft umherfuchteln. Einsender bemerkte am J. Ostertage wie auf diese leichtsinnige Weise eine andere Person ins Gesicht gestoßen wurde, sodaß das Blut hervorquoll.
d. Friedberg. Professor lr. Smend hielt am 2. Osterfeiertage in der Stadtkirche seine Abschiedspredigt. Die geräumige Kirche konnte die Theilnehmer am Gottes- dienst nicht alle fassen. Dieser zahlreiche Besuch ließ erkennen, wie der Scheidende während seines leider nur kurzen Hierseins es verstanden hat, sich die Liebe seiner Gemeindeglieder zu erwerben. Möge der— selbe sich in seinem neuen Wirkungskreise wohl fühlen und möge er unser Friedberg nicht so bald vergessen, wie wir auch seiner stets dankbar gedenken werden.
Ober-Florstadt. Streckencommissär Kofler aus Darmstadt ist schon längere Zeit mit ungefähr 20 Arbeitern in unserer Gemarkung beschäftigt, um ein römisches Castell frei zu legen. Die Arbeiten sind jetzt soweit gediehen, daß dasselbe in seinen Einzelheiten voll— ständig zu erkennen ist. Dasselbe befindet sich unmittelbar am Orte und hat die Ausdehnung eines großen Dorfes. Die Straße durch dasselbe, die Wohnräume für die Mannschaften, die Baderäume und die Pferdeställe sind vollständig zu erkennen. Aus den vorgefundenen Le— gionssteinen hat Kofler festgestellt, daß die 22. römische Legion hier gelegen hat. Das Castell soll, nachdem die Zeichnungen davon aufgenommen sind, wieder zuge⸗ worfen werden, da das Land, auf dem es sich befindet, bebaut werden soll. Wenn also Freunde des Alter- thums dasselbe besichtigen wollen, so sollen sie damit nicht zögern. 5
Mainz. Unsere Sicherheitsorgane sind einer Falsch— münzerbande auf die Spur gekommen, doch gelang es bisher noch nicht, sie dingfest zu machen. Es sind vier Personen beschuldigt, theils direkt, theils indirekt falsche Zweimarkstücke in Umlauf gesetzt zu haben. Die Mark⸗ stücke tragen das Bildniß König Ludwig 11. von Bayern und den Prägestempel 1 1876. In Kastel erfolgte die Verausgabung der Falsifikate, die Polizei erhielt aber zu spät Kenntniß von der Sache.
Allerlei.
München, 1. April. Der wegen des Dietkirchener Mords verhaftete Bader Huttenberger legte heute auf der hiesigen Polizeidirektion ein umfassendes Geständniß
gab, den Dietkirchener Raubmord allein begangen zu
Das jüngste Opfer ist inzwischen auch gestorben.
haben. ist in 0 beben April. In der Patronenfabrik
Preßburg, 1.
1
wurden gestern Schießproben mit dem von Fabrikdirektor Ryländer erfundenen kugelfesten Stoffe gemacht. Die Versuche mit dem Achtmillimeter-Mannlicher-Gewehr fielen zufriedenstellend aus.
Lemberg, 30. März. Die Zahl der Typhus⸗ kranken hat bereits 360 erreicht. In der im äußersten Osten von Galizien belegenen Ortschaft Zaluese sind 3 Choleratodesfälle konstatirt worden. Die Cholera wurde aus Russisch-Podolien dorthin eingeschleppt.
Stockholm. Die Influenza nimmt hier ab. der letzten Woche erfolgten 33 Erkrankungen.
Venedig, 29. März. In der Nähe von Venedig wurde ein junger Mann erschossen in einem Eisenbahn— coupe erster Klasse aufgefunden.
In
Repertoir⸗Entwurf
der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt. Opernhaus.
Donnerstag den 6. April: Der fliegende Holländer. Gewöhnliche Preise.
Freitag den 7.: Geschlossen.
Samstag den 8.: Lucrezia Borgia. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 9.: Carmen. Große Preise.
Montag den 10.: Zum Besten des Chor-Pensionsfonds. Neu einstudirt: Der Diamant des Geisterkönigs. von Raimund. Gewöhnliche Preise.
Schauspielhaus.
Donnerstag den 6. April: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: Maria Stuart.
Freitag den 7.: Galeano. Gewöhnliche Preise.
Samstag den 8.: Zum ersten Male: 4 Santa Lucia. Scenen aus dem neapolitanischen Volksleben von C. Cognelki. Hierauf: Neu einstudirt: Der ein— gebildete Kranke. Gewöhnliche Preise.
Sonntag den 9.: Zum ersten Male wiederholt:& Santa Lucia. Hierauf: Der eingebildete Kranke. Gew. Pr.
Montag den 10.: Nathan der Weise. Gew. Preise.
Vorher: Gringoire.
An die Kriegs⸗ und Friedens⸗Invaliden Deutschlands!
Am 5. März er. hat sich zu Offenbach a. M. in einer sehr zahlreich besuchten Delegirten-V vsammlung von Kriegs- und Friedens-Invaliden, die Gründung eines Deutschen Militär-Kriegs- u. Friedens-Invaliden⸗ Verbandes vollzogen. Der Zweck des Verbandes ist: durch ein einheitliches Vorgehen und zwar mit allen gesetzlichen Mitteln die Lage der gesammten Militär— Invaliden Deutschlands, sowie deren Wittwen und Waisen zu verbessern. Die Erreichung dieses Zweckes ist jedoch nur dann möglich, wenn sich alle Militär-Invaliden Deutschlands ohne Ausnahme, dem Verbande anschließen. Nähere Anleitung zur Organisation ersehen die Kame— raden aus unseren zur Grundlage dienenden Satzungen, welche den Kameraden auf Wunsch gegen Einsendung
der uns entstandenen Kosten von 25 Pfennig in Briefmarken vom Verbandsvorsitzenden Kameraden
Valt. Köhler zu Darmstadt, verabfolgt werden. Drum auf, Kameraden, säumet nicht, folgt dem zeitgemäßen Ruf, schließt Euch unserer gerechten Sache an und bleibe keiner zurück. Alle für Einen und Einer für Alle. Einigkeit macht stark!
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