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Schweiz traten der Kaiser und die Kaiserin um 7 Uhr Abends an. Der Abschied des Kaiserpaares von den Italienischen Majestäten war der denkbar herzlichste. Am 2. Mai ist dann das Kaiserpaar mit Gefolge um 8 Uhr 20 Minuten früh bei prachtvollsten Wetter in Flüelen eingetroffen. Der Bahnhof war glänzend dekorirt mit deutschen und schweizerischen Fah⸗ nen. Am Bahnhof befanden sich der Armee⸗ korpskommandant Wieland, der Generalstabs chef Keller, Oberstlieutenant Ruffy und andere Schweizer Offiziere, sowie das deutsche Ge⸗ sandtschaftspersonal. Nach der Begrüßung be⸗ gab sich das Kaiserpaar auf den geschmückten DampferStadt Luzern, das Gefolge auf dieItalia, um nach Luzern zu fahren. Beim Nahen des kaiserlichen Schiffes ertönte Kanonen⸗ donner von den Höhen Luzerns. Am Ufer standen viele Tausende, welche beim Eintreffen des Kaiserschiffes vor demSchweizerhof brausende Hochrufe ausbrachten. Kleine Mäd⸗ chen in National⸗Tracht überreichten Blumen sträuße. Der Bundes-Präsident Schenk, die Bundesräthe Frey und Lachenal begrüßten das Kaiserpaar und geleiteten dasselbe in den Schweizerhof. Im Lesesaale des Schweizer⸗ hofes fand die offizielle Begrüßung und gegen⸗ seitige Vorstellung statt. Sodann begann das Festmahl im großen Saale des Schweizerhofes. Nach Aufhebung der Tafel hielt das Kaiser⸗ paar Cercle. Um 12 Uhr fuhren die Herr schaften nach dem Bahnhofe. Die Wagen waren von Kavallerie eskortirt. Vom Schweizer hofe bis zum Bahnhofe bildete eine dicht ge drängte Menschenmenge Spalier, welche das Kaiserpaar unausgesetzt sympathisch begrüßte. Die Verabschiedung des Kaiserpaares von den Bundesräthen am Bahnhofe war eine sehr herzliche. Die Abfahrt erfolgte direkt nach Karlsruhe ohne Aufenthalt in Basel. Der Kaiser, die Kaiserin und der Erbgroßherzog von Baden, welch letzterer bis Freiburg ent gegengefahren war, kamen um ½%7 Uhr im Bahnhof in Karlsruhe an, wo kein offizieller Empfang stattfand. Die Fürstlichkeiten be gaben sich nach dem Schlosse. Das Kaiser⸗ paar reist morgen früh 7 Uhr nach Berlin weiter.

2. Mai. Reichstag. Das Haus ist gut besetzt, die Tribünen überfüllt. Der Präsident macht Mit⸗ theilung von dem Ableben des Staatssekretärs Hanauer. Es ist eine Verordnung des Bundesraths eingegangen, die Beschästigung jugendlicher und weiblicher Arbeiter in Ziegeleien betreffend. Der Gesetzentwurf über die Ersatzvertheilung wird in dritter Lesung angenommen, desgleichen in dritter Lesung der, zweite Nachtragsetat pro 1892 93; ebenso wird der Gesetzentwurf über den Wucher bei der Gesammtabstimmung in dritter Lesung angenommen. Es kommt sodann zur Berathung der schleunige Antrag Ahlwardt. Referent v. Cuny(mnat. lib.) gibt nochmals eine Uebersicht über den Inhalt der Akten Ahlwardts und legt die Anlage der Kapitalien des Invalidenfonds dar. Redner beantragt die Be schuldigungen Ahlwardts für nicht gerechtfertigt zu er⸗ klären. Zweiter Referent, P orsch, reproducirt eben⸗ falls nochmals die Behauptungen Ahlwardts und geht sehr ausführlich auf die Aktenstücke ein, welche keinen Beweis für Ahlwardts Beschuldigungen enthalten. Redner erklärt, an den Präsidenten des Reichstages sei eine Depesche Kalinderos gelangt, worin die Behaup tungen Ahlwardts als Verleumdung bezeichnet würden. Die Kommission bittet den Reichstag die Erklärung zu ratifiziren, den Antrag Ahlwardt für erledigt zu er⸗ klaren; besitze Ahlwardt einen Funken von Ehrgefühl, so nähme er die vorgebrachten Beschuldigungen zurück. (Bravo.) Ahlwardt(Zischen, Uuruhe): Meine Be hauptungen, betreffend die rumänischen Bahnen und den Ivalidenfonds, haben ihre Begründung in der Sache selbst, von einer weiteren Begründung durch Akten habe ich nichts gesagt.(Große Heiterkeit. Unruhe.) Redner wil die Faulheit der angekauften Eisenbahn-Papiere durch Schilderung der Verhältnisse beweisen, worunter die Bahnen Hannover-Altenbeken, Magdeburg-Halberstadt gebaut wurden. Er will durch Behauptungen beweisen, daß das deutsche Volk ungeheuer betrogen worden sei. Redner wird mehrmals vom Präsidenten unterbrochen. Ahlwardt behauptet, in den Akten seien Originale und Abschriften vorhanden, letztere von ebensoviel Werth als erstere. Er bespricht sodann die Gründung der Rumä⸗ nischen Eisenbahngesellschaft und die angeblichen Be stechungen der Presse(Heiterkeit) und behauptet, die

kämpfen müssen. Er werde den Kampf trotzdem fort⸗ etzen. Der Antrag der Kommission wird angenommen.

1. Mai. Die Nummer desSozialist vom 1. Mai wurde wegen eines Artikels, welcher angeblich die Aufforderung zu Gewalt⸗ thätigkeiten enthält, beschlagnahmt. Eine in dem Buggenhagen'schen Saale geplante Mai⸗ feier wurde angeblich infolge Intervention der Polizei verhindert, indem der Wirth den Saal anderweitig vergeben hat. Heute Vormittag fand eine Versammlung von Anarchisten statt, welche etwa 500 Theilnehmer zählte. Nach einer aufreizenden Rede des Arbeiters Polenz wurde auf Grund des§ 5 des Vereinsgesetzes die Versammlung aufgelöst, wobei es zu einem stürmischen Tumult kam.

Nach derNationalzeitung geht der Kompromiß Vorschlag des Frh. v. Huene dahin, statt 60,000 Mann eine Erhöhung der Rekruten⸗ zahl um 53,000 Mann zuzugestehen und da⸗ durch in Jahren eine Erhöhung der Präsenz⸗ stärke zu erreichen, welche schließlich um 13,000 Mann hinter den Forderungen der Regierung zurückbleiben würde. Der Reichskanzler habe bereits zugestimmt. Die Erhöhung der Bier⸗ und Branntweinsteuer solle fortfallen; die Kosten der Heeresverstärkung würden im ersten Halb⸗ jahr vom 1. September 1893 bis zum 1. April 1894 durch eine Erhöhung der Matrikular Beiträge gedeckt werden.

2. Mai. Die gestrigen Maifeiern sind ruhig verlaufen; in 14 Festlokalen der Sozial⸗ demokraten, welche mit rothen Fahnen und Büsten geschmückt waren, hatten sich etwa 50,000 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder eingefunden. Die Festredner boten nichts hervorragendes.

Kiel. S. M. KreuzerMöwe, Komm. Kap.⸗Lieut. Hartmann, ist am 29. April in Sansibar angekommen. S. M. Kreuzerkorvette Leipzig Komm. Kap. z. S. Hornung, ist am 30. April in St. Vincent eingetroffen und be⸗ absichtigt am 2. Mai nach Madeira in See zu gehen. S. M. KreuzerFalke, Komm. Korv.⸗Kap. Becker, ist am 29. April in Ka⸗ merun eingetroffen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien. Der Kaiser wird die Mitglieder der Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner am 25. Mai zu einer Soirée nach Schönbrunn einladen.

Prag, 1. Mai. In dem Prozeß wegen der Exzesse in Kolin wurden von 19 Angeklagten 6 wegen Verbrechens der öffentlichen Gewalt⸗ thätigkeit zu schwerem Kerker bis zu 10 Monaten, 9 wegen Vergehens des Auflaufs zu Gefäng⸗ niß bis zu 3 Wochen verurtheilt, und 4 frei⸗ gesprochen.

Belgien. Brüssel, 1. Mai. DerPeuple veröffentlicht einen von Bebel gezeichneten Ar⸗ tikel, in dem die Solidarität der Sozialisten Deutschlands und Frankreichs betont wird und im Mai zum Ausdruck gebracht werden solle. Er protestirt gegen die barbarischen Umtriebe der leitenden Klassen.

Frankreich. Paris, 1. Mai. Das Budget ist glücklich bewilligt worden, nachdem die Kammer in den Hauptfragen dem Standpunkt des Senats nachgegeben hat. Eine Minister krisis ist dadurch verhütet worden. In der Kammer wurde eine Interpellation über die gestrige Verhaftung Baudins und die Maifeier angekündigt. Während des gestrigen Tages wurden etwa 150 Verhaftungen vorgenommen wovon indeß nur 30 aufrecht erhalten wurden.

Italien. Neapel, 28. April. Um 10 Uhr früh nahm das stolze Schiff, die Zierde der italienischen Flotte, derLepanto, die Maje⸗ stäten an Bord. Am Hafeneingang lagen der Barbarico, derVolta, dieIris und die

Curydice. Dicht am herrlichen Gestade der

Akten seien, bevor sie in die Commission gekommen, in Riviera lagen unter dem Commando des Her⸗

Unordnung gebracht worden, was der Präsident ener gisch zurückweist. Das Haus habe Mißtrauen gegen ihn gehabt und er habe als einzelner Mann gegen viele

zogs dare,

von Genua derDandolo, derAffon derDorian de Piemonte, derUmberto

Prima, dieItalia, und das deutsche Sch jungenschiffNixe, die alle demLepanto folgten. DerLepanto nahm mit dem nach folgenden Geschwader die Richtung gegen das Cap Misene; während dem wur e die längs des Quai's stehende Menge nicht müde, ihre Vivatrufe den Schiffen nachzusenden. Von da fuhr das Geschwader vor dem Posilippo und vor Puzzuoli vorüber, Ischia und Capri zu wenden. wurde das Meer sehr unruhig. Nachmittags hielt der wurde wieder ruhiger. Insel auf so kurze Entfernung, Villen, welche gut sehen konnte.

Gegen Mitt Während 0

der blauen Grotte hielt der % Stunde an, als daß ein Besuch der wesen wäre. Massa Sorrento vorüber nach Neapel ange⸗ treten. An Bord desLepanto wurde ein Frühstück zu 24 Gedecken servirt. Der das Ge⸗

schwader kommandirende Herzog von Genua

überreichte der Kaiserin ein Bouquet mit präch⸗ tigen weißen Bändern, worauf derLepanto und der Golf von Neapel gemalt war. Um 8 Uhr Abends kehrten die deutschen und die italienischen Majestäten, Ausfluge höchst befriedigt,

Theater San Carlo statt, reich besucht war. 29. April.

Prinz von Neapel, der und das Gefolge nach Pompesi.

alten Stadt. und die Königin Margherita benutzten bei diesem Rundgang zierliche Sänften antiken Stils. Später wohnten die Majestäten mit lebhaftem Interesse den weiteren Ausgrabungen eines schönen, erst vor wenigen Tagen entdeckten Hauses bei. Es wurden während der etwa

zweistündigen Ausgrabungen mehrere antike

Gegenstände gefunden, vor allem ein Lager von Amphoren und größeren Weinkrügen.

des 8 Wind und das Meer g weg Man näherte sich der daß man die ihre Abhänge schmücken, sehr Die Höhen der Insel waren von unzähligen Menschenmengen übersäet. Vor Lepanto eine doch ging das Meer zu hoch, Grotte möglich ge⸗ Nun wurde die Rückkehr an

von dem zehnstündigen nach dem Palais zurück. Abends fand Gala-Vorstellung im die überaus zahl⸗ Heute früh um 9 UÜhr begaben sich die Majestäten, der Herzog der Abruzzen Die Maje⸗ stäten besichtigten eingehend die Ruinen der 1 Die Kaiserin Auguste Viktoria

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Nach Beendigung der Ausgrabungen begaben 5

sich die Majestäten nach den Stabianer Termen, wo sie das Frühstück einnahmen.

nach Neapel und um 3 Uhr trafen die Majestäten wieder im Schloß ein. 30. April.

Der Kaiser und die Kaiserin besuchten heute 1

Vormittag die unter der Leitung des Professor Dohrn stehende zoologische Station, zu deren

Um 2/ Uhr 6 ö erfolgte unter erneuten Ovationen die Rückfahrt

Erhaltung die deutsche und die italienische 0*

Regierung gemeinsam beitragen. Spanien. Madrid, 2. Mai. Die letzten

offiziellen Nachrichten aus Cuba melden voll-

ständige Ruhe.

Serbien. Belgrad. Hiesige Kreise be fassen sich mit dem Plane, zur Rückkehr der Königin⸗Mutter Natalie eine Reihe von Fest⸗ lichkeiten zu veranstalten, durch welche der durch ihre Ausweisung eine Genugthuung geboten werden soll.

Rußland. Petersburg.

auf den Czaren, das anläßlich seiner Reise nach

dem Süden bei Charkow versucht worden sein J

soll. Nach der Darstellung des Charkower⸗ Amtsblattes wurde der kaiserliche Zug Morgens

um 5 Uhr durch optische Signale und Ab.

feuern von Schüssen durch die längs der Ge⸗ leise aufgestellten Soldaten zum Stillstand ge bracht, da entdeckt worden war, daß eim Schiene aufgerissen war. Die Schiene wurde ausgewechselt, in acht Minuten setzte der Zug die Reise ohne weitere Störung fort.

1

Aus Stadt und Land. Friedberg, 3. Mai. Morgen Abend präcis 8 Uhr findet auf dem Rathhause dahier eine öffentliche Ver- sammlung der Kirchengemeinde-Vertretung statt, be⸗

schwer gekränkten Frau,

f Von hier komm die Nachricht von einem mißglückten Attental