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Ausland.
Belgien. Brüssel, 30. Nov. Nach kurzer Generaldebatte fing heute im Abgeordnetenhaus die Spezialdebatte über das Wahlgesetz an. Das Alter für senatoriale Wahlen wurde auf 30 Jahre festgestellt.
— Die belgische Antisklaverei⸗-Gesellschaft empfing Nachrichten von der Expedition des Kapitäns Decamps, welcher in einem Schreiben vom 2 Sept. mittheilt, daß er auf seiner Reise von Muenzu nach Karongo mit Wißmann zu— sammentraf, welcher mit vier Begleitern von Tanganjika kam und mit ihm bis Karongo reiste. Wißmann befand sich vollkommen wohl.
Frankreich. Marseille, 29. Nov. Die Polizei hat ein anarchistisches Laboratorium in einem 20 Meter langen unterirdischen Gang hier entdeckt und 3 Verhaftungen vorgenommen, darunter die einer Frau.
Großbritannien. London, 30. Nov. Das Oberhaus nahm nach zweieinhalbstündiger Debatte die zweite Lesung der Haftpflichtbill an.
Spanien. Madrid, 30. Nov. Meldungen aus Melilla zufolge lehnte es Martinez Campos ab, den vom Bruder des Sultans erbetenen Waffenstillstand abzuschließen. a
Bulgarien. Sofia, 29. Nov. Fürst Ferdinand hat angeordnet, daß das erste Infanterie-Regiment für immerwährende Zeiten den Namen Alexander J. führe. Franz Josef von Battenberg ist zum Obersten und Heinrich von Battenberg zum General à la suite dieses Regiments ernannt.
Der
Rußland. Warschau, 30. Nov. „N. Fr. Pr.“ wird gemeldet: Die katholische Kirche in Krosche, 50 Werst von der preußischen Grenze, sollte auf Befehl der Regierung ge— schlossen werden. Die Gläubigen waren davon unterrichtet und weilten Tag und Nacht in der Kirche. Nachts um 2 Uhr umzingelten Truppen unter der Anführung des Gouverneurs Klingenberg die Kirche und hieben sodann mit blanker Waffe auf die Gläubigen ein, wobei 20 Personen getödtet und 100 verletzt worden sein sollen. Eine Anzahl Menschen ertrank
bei der Verfolgung durch die Kosaken im nahen Flusse. Eine Unmenge Personen ist ver— haftet worden und werden dieselben wegen
Widerstandes gegen die Staatsgewalt vors Kriegsgericht gestellt werden.
Amerika. Buenos-Aires, 28. Nov. Drei spanische Anarchisten sind hier verhaftet und sozialistische Versammlungen untersagt worden.
Aus Stadt und Land.
M. Friedberg. Im Monat Oktober hatten wir in der Herberge zur Heimath 175 Verpflegungs⸗ und 226 Herbergsgäste. An Arbeitsverdienst wurden 7.12 M. und im Betrieb der Wirthschaft 345.48 M. eingenommen. Wir haben einen Fehlbetrag von 121.19 M.
Friedbberg. Die Arbeiten auf der Nebenbahn— strecke Hungen-Berstadt-Beienheim-Friedberg schreiten rüstig voran Nachsten Montag sollen die Vermessungs⸗ arbeiten auf der Strecke Beienheim Friedberg beginnen, welche etwa 10 bis 11 Kilometer lang ist. Wenn die Witterung günstig bleibt, hoffen die Ingenieure bald fertig zu werden. Die Zuversicht, daß im Vorfrühjahre mit dem Baue der Bahn begonnen werden wird, erhöht sich wesentlich. ö
Gießen, 30. Nov. Die Einweihung der Johannes— kirche ging heute programmgemäß von Statten. Wie zu erwarten, vollzog sich diese Feier unter Theilnahme der ganzen Einwohnerschaft Gießens. Die Stadt war aufs Prächtigste geschmückt, besonders die Straßen, die S. K. H. der Großherzog nach seinem um 10 Uhr er folgten Eintreffen passirte. Der Zuzug Auswartiger war ein ganz bedeutender, so daß die Stadt ein über aus lebhaftes Gepräge trug.
b. Darmstadt. Der Redakteur der„N. H. V.“ Rudolf Ramspeck, bekanntlich ein geborener Friedberger,
Dez. l. J. sein 25jahriges Jubiläum als
feiert am 3. Dez. Redakteur des genannten Blattes.
Allerlei.
Siegen, 28. Nov. Als muthmaßlicher Mörder des Haltestellenvorstehers Hubertz in Meggen ist ein Knecht aus der Nachbarschast Namens Schmidt verhaftet worden. Schmidt ist als roher, gewaltthätiger Mensch allgemein berüchtigt. Mit dem Ermordeten lebte er nachweislich auf feindlichem Fuße und hat wiederholt! heftige Drohungen gegen denselben ausgestoßen. Auch
und der Schlafwagen.
Berlin, 29. Nov. An der 13jährigen Tochter des Kapitäns Franke in Spandau ist ein Raubmord verübt worden. Das Mädchen wurde auf einer Wiese erdrosselt aufgefunden. Der Thäter ist bis jetzt un⸗ entdeckt.
Christiania, 26. Nov. Das zur Ausstellung nach Chicago geschickte Wikingerschiff ist auf der Rück⸗ fahrt hieher bei einem Sturme im Golf von Biscaya untergegangen.
Madrid, 29. Nov. Gestern fanden in Teneriffa 60 Erkrankungen und 10 Todesfälle an Cholera statt.
Cagliari, 30. Nov. Ein heftiger Orkan führte eine Ueberschwemmung mehrerer Gemeinden herbei, die großen Schaden verursachte. Vier Menschen wurden bei einem Brückeneinsturz getödtet, zahlreiches Vieh ist umgekommen, der Eisenbahnverkehr unterbrochen.
Mailand, 29. Nov. Der gestern Nacht hier ab⸗ gelassene Schnellzug nach Venedig-Pontebba⸗Wien stieß auf der Station Limoto, 15 Kilometer von Mailand, auf einen Güterzug. Die Maschine wurde zertrümmert, der einzige Wagen dritter Klasse gerieth in Brand, ebenso der nachfolgende Wagen erster und zweiter Klasse Vierzig Personen wurden ver⸗ brannt und getödtet und viele verwundet; die Getödteten sind meistentheils Reisende der 3. Klasse,
New-Nork, 28. Nov. Verschiedene Erdstöße sind gestern in den höher gelegenen Gebieten der Staaten New-York und Vermout verspürt worden. An einzelnen Orten schwankten die Häuser, stürzten Schornsteine ein und wurden Gefäße zu Boden geworfen.
Die Irrthümer der Menschheit.
Unter den einzelnen Menschen ist der Irr— thum weiter verbreitet als die Wahrheit und die Thorheit viel häufiger als die Weisheit; aber die Menschheit als Ganzes gelangt trotz— dem allmählig zu größerer Wahrheit und Weis— heit. Es treten von Zeit und Zeit in der Ent— wickelung der Menschheit zwar bedenkliche Rück— schritte und Störungen, Stürme und Verdunkel— ungen ein, aber der Fortschritt zum Besseren ist unaufhaltsam. Der Grund liegt darin, daß die Gegenwart sich die Lebenserfahrungen der Vergangenheit zu Nutze machen kann. Die Literatur der Gegenwart bietet uns viele un— reife, jugendlich stürmische, realistisch sinnliche Erzeugnisse, welche begierig verschlungen, aber auch rasch wieder vergessen werden; nebenher gehen jedoch bleibende, ausgereifte Werke ernster Denker und wahrer Menschenfreunde. Zu letzteren zählen wir das Buch„Aus den Lebens— erfahrungen eines Siebzigers“, Gotha 1891 bei Fr. Andreas Perthes. Wir greifen aus dem Schatze treffender Bemerkungen, die sich in allen Abschnitten dieser„Lebenserfahrungen“ vorfinden, hier einige wenige heraus, die sich auf das Wissen der Menschen und die Ritter vom Geiste beziehen, die zu allen Zeiten doch auch zuweilen recht bedenklich in der Irre ge— gangen sind. Sokrates, der Weiseste der Weisen des Alterthums, sah den Grund der Schlechtig— keit der Menschen in der Unwissenheit, nicht im Willen, ein Wahn, der zu allen Zeiten bis auf heute viel Unheil gestiftet hat. Alle Philo— sophen und Staatsmänner Griechenlands und Roms waren von der Vernünftigkeit der Skla— verei so fest überzeugt, daß sie sich gar keine andere Gestaltung der bürgerlichen Gesellschaft denken konnten. Das klassische Alterthum ur— theilte geringschätzig über den Handels- und Gewerbestand. Viele Arten der Arbeit, auch rein mechanische, sind aber erst jetzt im Begriff,
sich zur Geltung durchzuringen. Galilei wollte nichts von Kepler wissen; Fulton, 1
der Erfinder der Dampfschiffe, wurde von den vierzig Unsterblichen der französischen Aka- demie für„halb wahnsinnig“ erklärt. Dieselbe Körperschaft verwarf und verlachte die Mög— lichkeit der Meteorsteine, nachdem schon die alten Griechen an sie geglaubt hatten.
Auf's verächtlichste urtheilten Colbert über Maschinen, Napoleon J. über Dampfschiffe, Thiers über Eisenbahnen; auch Arago, der Physiker, meinte, nimmermehr würden die Eisen- bahnen Lasten befördern können. Die franzö— sische Akademie der Wissenschaften erklärte den Techniker, der an den Eisenbahnbau gehen wollte, für reif zur Zwangsjacke. Bei Eröffnung der Nürnberg-Fürther Eisenbahn beschloß das bayerische Obermedieinalkolleg, der Fahrbetrieb
hat man ihn am Mordtage um das Gebäude schleichend mit Dampfwagen sei im Interesse der öffent⸗
gesehen.
lichen Gesundheit zu verbieten; die schnelle Be—
wegung erzeuge unfehlbar Gehirnkrankheiten, ja schon der bloße Anblick eines rasch dahin fahrenden Dampfwagens könne dasselbe be— wirken. Friedrich der Große schrieb in seiner Schrift„La Littérature allemande“ 1780, also nachdem Lessing und Göthe bereits aufgetreten waren, die Deutschen hätten bislang nichts ge— konnt, als essen, trinken und dreinschlagen; er verwirft die ganze deutsche Literatur, nur Ayrenhoff läßt ker gelten, Shakespeare findet er abscheulich, barbarisch, den erbärmlichsten Charakterzeichner. über Alexander v. Humboldt, Winkelmann über Lessing, York über Stein und Gneisenau. Byron überschätzte Pope maßlos und stellte
dessen Uebersetzung des Virgil über das Original.
Ueber Schillers„Glocke“ schreibt Karoline Schlegel:„Wir wären vor Lachen fast vom Stuhle gefallen.“ Schliemanns Funde wurden von Ernst Curtius spöttisch behandelt. Ein— seitige Urtheile Großer oder Notabler über andere Große und Notable, deren Schöpfung
Abfällig urtheilte Schiller
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und Gedanken, sind ferner die von Händel über am en
Gluck, Beethoven über Mozarts„Don Juan“, Cherubini über Beethoven, Weber über Beet— hovens heroische, Spohr über dessen C-moll— und neunte Sinfonie, Franz Schubert über Webers„Euryanthe“, Mendelssohn über Auber und Meyerbeer. Schiller fand Haydns „Schöpfung“ kindisch. Winkelmann nennt die Hochalpen abscheulich. Göthes und Rückerts Urtheil über Uhland, Platens über Heine und umgekehrt waren wohl kaum gerecht. Der Ver— fasser der Schrift„Aus den Lebenserfahrungen eines Siebzigers“ erinnert an die im Vorstehen— den angeführten Vorurtheile und Irrthümer großer und größter Männer,„nicht um diese zu verkleinern, auch nicht um daraus Trost zu schöpfen für unsere eigenen Thorheiten und Schwächen, nur weil doch auch wir Kleinen uns gar leicht in persönliche oder in Meinungen unserer Zeit versteifen, uns überheben. vor solchen Anwandlungen ist wohl kein Erden— pilger.“
Verloosungen.
Kanton Freiburg 15 Fr.⸗Loose vom Jahre 1861. Prämienziehung am 15. Nov. 1893. e lung am 15. Febr. 1894. Hauptpreise: Serie 4581 Nr. 12 à 35,000 Fr., S. 2820 N. 5 à 4000 Fr., S. 3826 N. 2 à 1000 Fr., S. 1153 N. 47, S. 2517 R. 6, S. 2517 N. 22, S. 4307 N. 31, S. 6660 N. 29 und 30 je 250 Fr., S. 425 N. 12, 20, 32, S. 773 N. 13, S. 868 N. 34, S. 1673 N. 42, S. 2093 N. 6, S. 2820 N. 27, S. 3895 N. 25, S. 4045 N. 6, 8 4370 N. 32, S. 5542 N. 8, S. 6278 N. 14, 40, 8. 6770 N. 2, 45 je 125 Fr., S. 425 N. 30, 39, S. 581 N. 32, S. 2267 N. 48, S. 2340 N. 15, S. 2499 N. 48, S. 2517 N. 35, 44, S. 2570 N. 15, S. 3021 N. 27, S. 3444 N. 7, 9, S. 3895 N. 4, 18, S. 3895 N. 36, R. 4307 N. 22 und 40, S. 4370 N. 21, S. 4896 N. 30, S. 5137 N. 32, S. 5542 N. 50, S. 5990 46, S. 6170 N. 40, 41, S. 6476 N. 13, 43, 49, 8 6770 N. 28, S. 7800 N. 39, 48 je 75 Fr., S. 4 N. 13, 35, S. 581 N. 42, S. 728 N. 23, S. 773 1, S. 1525 N. 27, S. 2146 N. 22, S. 2340 N. 29, S. 2513 N. 4, 32, S. 2517 N. 11, 26, S. 2570 N. 12, 16, 23, S. 2681 N. 30, 46, S. 3414 N. 2 50, S. 3895 N. 29, S. 4041 N. 36, S. 4044 N. 16, S. 4045 N. 18, S. 4343 N. 29, S. 4370 N. 19, S. 4590 N. 27, S. 5065 N. 11, 12, S. 5137 N. 45, S. 5157 N. 3, S. 5553 N. 37, 38, S. 5843 N 31, 41, S. 5990 N. 28, S. 6170 N. 25, S. 6476 N. 20, 46, S. 6660 N. 14, S. 7025 N. 5, 16, S. 7800 N. 43 je 50 Fr. Alle übrigen in den gezogenen Serien enthaltenen Nummern je 22 Fr.
Oldenburg, 1. Nov. Gewinnziehung der 0 Thaler⸗-Loose. 300,000 M. gewann Nr. 78872, 1500 M. gewann Nr. 49721, 600 M. gewannen N. 10737, 19325 und 22599, 300 M. gewannen Nr. 8069, 24360, 31625, 34465, 107140, 180 M. gewannen Nr. 11375, 17308, 56968, 56388, 59534, 68900, 69685, 83291,
Bitte.
Damit auch dieses Jahr eine Christbe⸗ scheerung für die hiesige Kleinkinderschule stattfinden kann, wird um gütige Beisteuer von Geld und sonstigen Gaben gebeten. Zum Emp⸗ fange erklärt sich jede der Unterzeichneten gern bereit.
Bertha Becker. Johannette Klippstein. Adele Braden. Hilda Dieffenbach. Elise Steinhäußer.
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