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1893.

Samstag den 2. Dezember.

N 142.

Oberhessischer Anzeiger.

und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

oncen: Die einspaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 10 Pf., Reclamen 30 Pf., ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von aus⸗

wärtigen Einsendern(soweit Letzere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets durch die Post nachgenommen.

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genständen zu verwenden sind. 1 Friedberg den 29. November 1893.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Bekanntmachung.

Der Ortsvorstand zu Friedberg beabsichtigt mit dem am 6. Februar kommenden Jahres zu Friedberg stattfindenden Frühjahrs Ferdemarkt eine Verloosung von Pferden, Fohlen und sonstigen Gegenständen zu verbinden. Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hit die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Verloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 12,000 Loose zu Mark das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 65% des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinn Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.

ö Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat durch Entschließung vom 16. l. Mts. zu Nr. M. J. 32123 die Genehmigung zur Prnahme einer, mit dem am 19. März k. J. stattfindenden Frühjahrsfaselmarkte in Butzbach zu verbindenden Verloosung von Faseln, Rindern,

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Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg. Jakob Weil I. von Nieder⸗Mörlen wurde als Fleischbeschauer der Gemeinde Nieder-Mörlen in Pflichten genommen.

Ehweinen, Geflügel und landwirthschaftlichen Geräthen unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 13,000 Loose à 1 M. ausgegeben erden dürfen und(abzüglich eines Betrags von 350 M. für Prämiirung) mindestens 70% des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Loose zm Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberhessen gestattet.

Friedberg den 29. November 1893.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Dr. Braden.

1 Heinrich Kling von Dorheim wurde als Stellvertreter des Fleischbeschauers daselbst verpflichtet.

Georg Grieb II. von Griedel wurde als Feldschütze für die Gemeinde Griedel in Pflichten genommen. i Nachdem der Großh. Bürgermeister Schmidt von Massenheim sein Amt freiwillig niedergelegt hat, ist der Großh. Beigeordnete Puth daselbst mit einstweiliger Versehung der Bürgermeistereigeschäfte kreisamtlich beauftragt worden.

Deutsches Reich. Darmstadt. Der Gerichtsschreiber Kapp in Rein⸗ hn wurde auf Nachsuchen, unter Anerkennung seiner Jenste, in den Ruhestand versetzt, dem Amtmann * rnicke zu Fischbach der Charakter alsOberamtmann liehen, der Ober-Rechnungs⸗Sekretär Hiemenz zu Urmstadt zum Rentamtmann in Lindenfels, die Steuer- Aseherasp. Rhein aus Heppenheim und Schweitzer aus msweiler zu Steueraufsehern in Mainz und Lauter 10, der Gefangenwärter Nürnberger in Mainz zum Ufangenaufseher ernannt. Berlin, 30. Nov. Der Kaiser und die Miserin sind heute nach Hannover abgereist. Berlin, 29. Nov. Im Reichstag fand die Fort ung der Generaldebatte über den Etat statt. Vor Ehtritt in die Tagesordnung erklärte Präsident von Mvetzow:Das Haus war gestern tief entrüstet r die Nachricht vom Versuch eines Attentats gegen Reichskanzler, heute ist noch die Kunde hinzuge⸗ men, daß ein ähnlicher verbrecherischer Versuch auf Kaiser unternommen worden. Ich glaube in aller Amen zu sprechen, wenn ich erkläre, daß das Haus den Versuch nicht nur schmerzlich bedauert, sondern 0 das höchste entrüstet ist und Gott dankt, daß dieser

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nisse Europas durch die Militärvorlage nicht vermindert worden sei. Unangebracht sei es daher, wenn deutsche Blätter Italien gegenüber drohen, weil dort die Stim⸗

mung zu Gunsten einer Verminderung der Heeresaus⸗

gaben wachse. Leider konnten wir, als Frankreich der italienischen Rente den Krieg erklärte, Italien nicht helfen, wegen unserer eigenen wirthschaftlichen Lage und der Militärvorlage, deren Einbringung also ein politischer Fehler war. Redner wendet sich gegen die

Kolonialpolitik, worin wiederum eine Wandlung der

Regierung bemerkbar sei. Ist der Kaiser mit der Hal tung der reichsländischen Bevölkerung zufrieden, warum beschränkt man ihre politischen Rechte? Weiter tadelt Haußmann das neuliche Auftreten des Kriegsministers

und wendet sich dann gegen die Reichsfinanzreform und

die neuen Steuern und verlangt Beseitigung der Steuer privilegien. Genüge das nicht zur Deckung der Kosten der Militärvorlage, so möge man die Matrikularbei⸗ träge heranziehen. General Spitz rechtfertigt die Hal tung des Kriegsministers. Nach Erwiederungen Posa⸗ dowsky's und Miquels nimmt Kardorff das Wort, der der Handelsvertragspolitik die Schuld an den finanziellen Verlegenheiten beimißt, und die offiziösen Angriffe gegen den Bund der Landwirthe zurückweist. Er vertheidigt die Liebesgabe und die Finanzreform. Rickert kritisirt abfällig die ganze Finanzreform mit⸗

sammt den Steuerplänen und tadelt die Regierung, daß sie keine runde Absage an den Bund der Landwirthe

richtet. 30. Nov. Zimmermann(Antis.) schildert die traurige Lage des Mittelstandes, den die Antisemiten vertreten wollen und erklärt sich gegen die Handelsver träge, gegen die Konsum- und Offiziersvereine, die

hohen Gerichtskosten und das Alters- und Invalidi⸗

täts⸗Gesetz. Die neuen Steuerprojekte würden haupt⸗ sächlich die Mittelstände treffen, seien daher zu ver⸗ Die Börsensteuer müßte der Zusage des Reichs

für den Schutz ü habe die Reichs⸗

Kurs treibe eine

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knecht: a bewegung, noch in anderen K n zu e Antisemitismus könne weder den Mittelstand noch das könne nur der Sozialismus.

der Bauernstand ver⸗

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saugen die Kleinbauern auf. Die Erfahrungen des hannover'schen Prozesses, an denen auch ältere Offiziere betheitgt maren deuten auf ein weit verbreitetes Uebel. Dagegen nützen Erlasse so wenig, wie gegen Mißhand⸗ lungen; die gemeinsame Quelle sei der militärische Geist. Redner kritisirt das neuliche Vorgehen des Kriegs- ministers, der dem Reichstag die Kritik an der Armee verbieten wolle, wo doch die Armee vom Reichstag ab hängig sei, und der sich verächtlich über den Reichstag geäußert habe.(Ordnungsruf des Präsidenten Buol.) Abg. Frege hat neulich angedeutet, wir möchten die Attentatsversuche auf den Kaiser und den Kanzler von uns abschütteln. Wir haben das nicht nöthig, wir be trachten dergleichen Attentate als Verbrechen Wahn sinniger. Die Förderung derselben unsererseits würde nur eine Reaktion herbeiführen. Die anarchistischen Attentate sind dort am häufigsten, wo der Sozialismus am wenigsten entwickelt ist(Zuruf: Niederwald, Ravachol!), aber die Bourgeoisie bedient sich des An archismus gegen die Sozialdemokratie; erklärte doch einst Minister v. Puttkamer, ihm sei ein Anarchist lieber als ein Sozialist. Redner schildert das verderbliche An⸗ wachsen des Militarismus, der durch! die Miliz zu er⸗ setzen sei und schließt mit einer Verherrlichung des So zialismus, dem die Zukunft gehöre. Caprivi macht die Sozialdemokratie für den Anarchismus verantwort⸗ lich, kennzeichnet den Antisemitismus als Vorfrucht der Sozialdemokratie und konstatirt, daß derneue Kurs nur Bismarck's Beispiel folge, wenn er sich in die inneren Verhältnisse anderer Länder nicht einmische. Die Antisemiten haben ihren Antrag auf Haftent⸗ lassung Ahlwardt's zurückgezogen und durch einen neuen Antrag ersetzt, daß die Vollstreckung einer Freiheits⸗ strafe gegen Abgeordnete durch den Beginn der Session unterbrochen werden soll.

29. Nov. Nach einem der Polizei eingereichten Gutachten des Hofbüchsenmachers Förster war der Explosivstoff des Zündhütchens dem der alten Zündnadelpatrone ähnlich. Der

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gemischt. Die Gesammtladung hätte genügt, den Oeffnenden zu zerreißen und weiteren Schaden anzurichten.

Kiel. S. M. KanonenbootHyäne, Komm. Kap.⸗Lieut. Reincke, ist am 25. Nov. in Kamerun eingetroffen und beabsichtigt am 27. d. Mts. nach Gaboon in See zu gehen. S. M. KadettenschulschiffStein, Komm. Kap. z. S. v. Wietersheim, beabsichtigt am 1. Dez. von Barbados nach La Guayra in Venezuela in

See zu gehen.

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