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um den jungen Häuptling Meli von Moschi für die im Sommer 1892 der Expedition von Bülow zugefügte Niederlage zu züchtigen. Das sollte bekanntlich schon im vorigen Sommer der Oberführer der Schutztruppe, v. Manteuffel, thun; allein da sich die Dschaggas ruhig ver⸗ hielten, ging der Oberführer zurück und Chef Johannes blieb mit einer Truppe von nahezu 200 Mann als Verwaltungschef in jenen Ge— bieten zürück und setzte sich zu Marangu auf der Kilimandscharo-Station fest. Einem Be⸗ richte Wolfs zufolge will der Gouverneur später auch einen Streifzug gegen die Wahehe aus⸗ führen, um sie für die„bisher ungesühnte“ Vernichtung der Expedition v. Zelewski im August 1891 zu bestrafen.
— Die„N. A. Z.“ bestätigt, daß die Ein⸗ führung einer festen Schuldentilgungspflicht einen Theil der geplanten Reichssteuerreform bildet. Eine Tilgungsquote von ein Prozent sei in Aussicht genommen, was jährlich 20 Millionen erfordern würde.
Eisenach, 29. Juli. Fürst Bismarck traf Abends 6 Uhr hier ein und wurde am Bahn— hof von einer großen Menschenmenge mit Hoch— rufen begrüßt. Der Vorsitzende des national— liberalen Vereins hielt eine Ansprache, wofür Bismarck mit Handwinken dankte. Ein extra verfertigtes Bismarcklied wurde angestimmt, als der Zug sich in Bewegung setzte.
Homburg, 30. Juli. Außer der Kaiserin Friedrich trifft morgen der Herzog von Cam— bridge zu längerem Aufenthalt hier ein. Ende dieser Woche wird die Ankunft des Prinzen und der Prinzessin von Wales, sowie der Schwester der Kaiserin Friedrich, Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein, zu mehr— wöchiger Kur erwartet.
Kissingen, 29. Juli. Fürst und Fürstin Bismarck sind heute Abend hier eingetroffen und wurden von einer zahlreichen Menge leb— haft begrüßt. Die Straßen waren bengalisch beleuchtet.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 29. Juli. Das auswärtige Amt erhielt heute die offizelle Verständigung, daß der russische Maximaltarif gegen Oesterreich-Ungarn keine Anwendung findet und daß Rußland in die Eröffnung von Vertragsverhandlungen mit Oesterreich-Ungarn einwillige.
Frankreich. Paris, 28. Juli. Der „Figaro“ meldet, 1500 Mann der Fremden— legion seien neuerdings nach Siam beordert worden. Betreffend die diplomatischen Ver— handlungen zwischen England und Frankreich will der„Figaro“ wissen, Develle habe die Intervention Lord Dufferin's in die Regelung des Grenzstreites im Prinzip zurückgewiesen, aber eine Vereinbarung zugesagt, soweit der Streit die eigentliche Grenze der englischen Be— sitzungen betreffe. Jedenfalls müsse Frank— reich Bürgschaften für die Sicherheit seiner Besitzungen nehmen; darum werde es die Pro— vinzen Battambang und Angkor besetzen.
— 29. Juli. Heute sprach der siamesische Gesandte bei Develle vor und theilte mit, Siam nehme bedingungslos das Ultimatum an. Sofort wurde ein Ministerrath einbe— rufen. Die Bedingungen des Ultimatums sind die folgenden: Anerkennung der Rechte Anams und Kambodschas am linken Mekong-Ufer; Räumung der dort von den Siamesen besetzten Posten innerhalb eines Monats; Genugthuung für verschiedene Angriffe auf französische Schiffe und Matrosen im Menam-Flusse; Bestrafung der Schuldigen und Geldentschädigung; Zah— lung von 2 Million Franes für den den fran— zösischen Unterthanen zugefügten Schaden; so- fortige Deponirung von 3 Million Franes für die aufgestellten Forderungen oder die Ueber- weisung der Steuererträge gewisser Distrikte. Der Ministerrath beschloß, im Prinzip die Unterwerfung anzunehmen, aber eine offizielle diplomatische Notification zu verlangen.
— Eine offizielle Depesche meldet die Unter⸗ werfung Behanzins, der sich persönlich zu dem Obersten Dumas, dem Commandanten der Occu⸗ pationstruppen, begeben wird.
Großbritannien. London, 28. Juli.“ Der„Times“ wird aus Bangkok telegraphirt, daß der Kapitän des französischen Kanonen⸗ bootes„Forfait“ der siamesischen Regierung den Beginn der Blokade vom 26. Juli an über die Bay von Bangkok sowie über den ganzen nördlichen Theil des Meerbusens von Siam angezeigt hat. Die Blokade umfaßt die Bay von Bangkok, die ganze siamesische Küste und die Inseln zwischen der malayischen und der indochinesischen Halbinsel nördlich vom 13. Breitengrad. Den neutralen Schiffen sind 3 Tage zur Abfahrt aus den blokirten Häfen gestattet. Ein englisches, ein deutsches und ein holländisches Kanonenboot verbleiben in Bangkok. Die Stadt ist ruhig.
— 28. Juli. Lord Roberts, der frühere Oberstkommandirde der indischen Armee, der sich augenblicklich in Schottland zum Besuche aufhält, ist plötzlich von der Regierung zu einer Konferenz nach London berufen worden.
— Gerüchtweise verlautet, die britische Re— gierung habe die Salomoninseln im Stillen Ozean annektirt.
— 28. Juli. Der Streik der Bergleute hat begonnen. Zu Zehentausenden haben die Arbeiter in Porkshire, Lancashire und den Graf— schaften Mittelenglands heute Abend die Ar— beit eingestellt. Sämmtliche Kohlenzechen der Distrikte Leeds, Normanton, Castleford, und Altoft werden dagegen seitens der Inhaber heute Abend geschlossen. 20,000 Arbeiter wer— den dadurch beschäftigungslos.
— 29. Juli. Der Prinz von Wales war an Bord der Pacht„Osborne“ dem Kaiser Wilhelm auf der„Hohenzollern“ einige Meilen von Spithead entgegengefahren, worauf beide Schiffe nach Cowes segelten.
— 29. Juli. Ausständisch sind bisher 250,000 Bergarbeiter. Laut Nachrichten aus weiteren Orten werden in der zweiten August— woche 340,000 Mann streiken.
Serbien. Belgrad, 29. Juli. Das Kabi⸗ net Dokisch hat auf den Wunsch des Königs seine Demission zurückgezogen, somit verbleibt das gegenwärtige Ministerium bis zur Winter— session der Skupschtina.
Amerika. New-York. Der Präsident wird in einer Botschaft an den Kongreß be— stimmt den Widerruf der Sherman-Bill ver— langen.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Vom 1. August ab sind die Schnell⸗ züge: 8 Uhr Abends ab Frankfurt, 8 Uhr 37 in Fried⸗ berg und 8 Uhr 29 Vormittags ab Gießen, 9 Uhr 1 in Friedberg aus 4achsigen Durchgangswagen zusammen— gestellt und ist bei Benutzung dieser Züge eine Platz— karte zu 2 Mark für jede Person zu lösen.
* Friedberg. Die Vorbereitungen für die im Oktober d. J. stattfindende Feier des 350 jährigen Jubi⸗ läums der Realschule und des Progymnasiums,— der ehemaligen Latein- oder Augustinerschule,— sind in vollem Gange. Wie wir hören, ist von dem Komité, in wel⸗ chem alle Kreise der hiesigen Bürgerschaft vertreten sind, vorläufig folgendes Programm aufgestellt worden: Am 16. Oktober Abends gesellige Vereinigung mit Fest⸗ spiel, Vokal⸗ und Instrumentalvorträgen, am 17. Oktbr. Festzug, Schulaktus und Festessen, abends gesellige Ver⸗ einigung unter Mitwirkung einer Musikkapelle, am 18. Okt. Schulspaziergang unter Betheiligung der Eltern und Festgäste. Sicheren Nachrichten zufolge darf einer starken Betheiligung früherer Lehrer und Schüler der Anstalt entgegengesehen werden.
Friedberg. Kaum ist die so stark besuchte und so anregend verlaufene Juli-Versammlung der„Evang. Vereinigung über di ewir bereits berichteten, vorüber, so steht uns schon wieder Freude und Genuß eines interessan⸗ ten und sehr lehrreichen Vortrags bevor. Donnerstag den 3. Aug., Abends 8 ½ Uhr, wird nämlich der als ausgezeich⸗ neter Volksredner und hervorragender Kenner der sozialen Frage rühmlich und weithin bekannte Pfarrer Naumann von Frankfurt a. M. im Schmitt'schen Saale über:„Auf gaben und Ziele einer christlichen Volksbewegung“ sprechen. Einem sehr zahlreichen Besuche darf gewiß entgegengesehen werden, auch nicht der Vereinigung angehörende Evange⸗ lische sind dabei als Gäste herzlich willkommen. Annonce
folgt in nächster Nummer.
r. Bad⸗Nauheim. In der vorigen Woche sin 571 Fremde, im Ganzen jetzt 7339 Personen hier an, gekommen. g
Allerlei.
Karlsruhe. Die Kaisermanöver zwischen Pforz heim und Stuttgart sind definitiv abgesagt.
Würzburg, 27. Juli. Auf eine verlor heute Nachmittag der 23jährige Streckenarbeite: Martin Baumann aus dem benachbarten Gerbrunm sein Leben. Er trat beim Herannahen des Nürnberger Personenzuges mit mehreren anderen Streckenarbeitern neben das Geleise, der Wind wehte seine Arbeitsschürze gegen die Maschine, welche die Schürze erfaßte und Baumann unter sich zog. Der Aermste ward im Nr von den Rädern zermalmt.
Naumburg a. d. Queis, 28. Juli. Ein schreck⸗ licher Wolkenbruch ist heute hier gefallen und hat riesigen Schaden angerichtet.
Lemberg, 28. Juli. Wie aus Zakopane in Gall zien gemeldet wird, ist im ganzen Tatragebirge ein ächt winterlicher Schneefall niedergegangen.
Basel, 27. Juli. Wie die„Basl. Nachr.“ mit theilen, kam gestern von Havre, durch das dortige schweizerische Konsulat der Bahnhofinspektion der Cen⸗ tralbahn avisirt, ein Kind Namens Marie Wuest, im Alter von 5 Jahren, ohne Begleitung in Basel ag. Die Kleine kommt aus Neu⸗Mexiko und hat die Reise nach Basel allein gemacht. Ihr Ziel war Reiden in Kanton Luzern. Das Kind hat keine Eltern mehr und wird von einer Großmutter erwartet. Es trug ba seiner Durchreise durch Basel noch 11 Fr. bei sich.
Paris, 28. Juli. Ein enormer Brand brach aw Quai de la Rapse aus und verbreitete sich über zeh⸗ Hektar. Fünf industrielle Etablissements, größtentheil 8 sind zerstört.
Constantine in Algier, 28. Juli. In mehreres Ortschaften wurden Erdbeben verspürt. Die Einwohner kampiren auf freiem Felde; die Panik unter denselbe ist groß.
Nothstands⸗Bezüge.
Obgleich in§S 15 des Ausschreibens der Nothstands, Kommission vom 5. Juli l. J. das Nothwendige über die Frage der Preis-Berechnung klar und deutlitz gesagt ist, laufen doch noch täglich aus allen Theilen des Landes zahlreiche Anfragen nach den Preisen der ver schiedenen Artikel ein, welche durch die Nothstands⸗ Kommission bezogen werden können. Es möge deshalb nochmals kurz darauf hingewiesen werden, daß es unter Berücksichtigung der vorliegenden Verhältnisse gan unmöglich ist, diesen Wünschen Rechnung zu tragen. Wit in dem bereits angezogenen Ausschreiben,§ 10, eben. falls bekannt gegeben wurde, handelt es sich zunächs um die Deckung des Bedarfs bis 1. Oktober l. J. alse für ca./ Jahr. Die Besteller, bezw. Empfänger zan Waaren in dieser Zeit sollen selbstverständlich für diesshe Waare den gleichen Preis zahlen. Da indessen der ge sammtbedarf an Waaren für diese Zeit nicht auf einmal gedeckt werden kann, weil derselbe nicht von vornherein bekannt ist, so ist es klar, daß je nach der Preis-Kon⸗ junktur und dem anzukaufenden Quantum für dieselbe Waare oft ganz verschiedene Preise angelegt werden müssen, und daß der effektive Einheitspreis für die in Rede stehende Zeitperiode erst dann gemacht werden kann, wenn annähernd der Bedarf zu übersehen und gedeckt ist. Den Empfängern der Waare wird seitens der Nothstands-Kommission bezw. der mit der Ausfüh⸗ rung betrauten Central-Genossenschaft der hess. landw. Konsumvereine nur der Ankaufspreis berechnet. Die Verwaltungskosten trägt der Staat, und es liegt deshalb für jeden unbefangenen Beurtheiler dieser Dinge auf der flachen Hand, daß der Empfänger der Waare, auch wenn es sich um ganz kleine Posten handelt, die denkbar billigsten Preise, d. h. die derzeit eltenden Großhandelspreise, genießt. Auch ist zu berücksichtigen. daß seitens der Central-Genossenschaft immer nur daz Beste angekauft wird. Bei Mais handelt es sich um eine gute, gesunde Waare; bei Torfstreu um trockenes und in der Zersetzung nicht zu weit vorgeschrittenes Material, welches viel Flüssigkeit aufsaugt und ein weiches, elastisches Lager bietet. Bei Sämereien kommt es vor allen Dingen auf eine gute Qualität und darauf an, daß der Lieferant Garantie für Keimkrast und Sortenechtheit leistet; bei den verschiedenen Oelkuchenmehlen muß ein bestimmter Gehalt an Fett und Protein und bei künstlichem Dünger der Gehalt an den gewollten Nährstoffen garantirt werden. Die Nothstandskommission konnte nur eine beschränkte Anzahl von Artikeln zur Lieferung übernehmen, und zwar solche, welche einerseits in den erforderlichen Quantitäten beschafft werden können, und andererseits zur Befriedigung der Futternoth geeignet sind. Von Sämereien wurden solche ausgewählt, welche zur Ge winnung von Herbst⸗ und Frnapreeee in erster Linie in Betracht kommen und im Lande bekannt sind. Dabei ist nicht zu übersehen, daß durch die außerorden⸗ liche Nachfrage nach solchen Sämereien aus fast allen Gegenden Deutschlands der Preis einzelner Artikel, wie Winterwicken, Senf, Weißrüben, Incarnat ꝛc., nicht allein außerordentlich gestiegen ist, sondern daß die Beschaff⸗ ung derselben in befriedigender Qualität und aus reichen der Menge den größten Schwierigkeiten begegnet. Bei den künstlichen Düngemitteln mußte Thomas mehl von dem Nothstandsbezug ausgeschlossen werden, weil aus erster Hand nichts mehr zu haben ist und der Preis dieses werthvollen Düngemittels zum Nachtheile
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