Ausgabe 
30.10.1890
 
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dem Oberburgermeister, dem Gendarmeriecom mandeur und einer Abordnung der Studirenden empfangen worden.

Berlin, 26. Oktober. Ueber die Beglück wünschung Moltkes durch den Kaiser verlautet: Nachdem der Kaiser den Saal betreten und die anwesenden Fürsten, sowie die Generalität be grüßt hatte, ersuchte er den Grafen Waldersee, den Grafen Moltke in den Saal zu geleiten. Der Kaiser trat auf den erfurchtsvoll sich Ver neigenden zu und beglückwünschte ihn mit einer Anrede, in der er an die ruhmreichen Thaten der Armee erinnerte, Thaten, die ihn zu stetem Dank verpflichten würden, wenn auch die, die zu jenem Ruhme mitgeholfen, nicht mehr unter den Lebenden weilen. an den Grafen Moltke, dem schon sein Kaiser licher Großvater die höchsten Ehren erwiesen habe, die überhaupt je erwiesen seien. Er wolle ihm trotzdem noch eine ganz besondere Ehre anthun durch die Abstellung der Fahnen bei ihm. Der Kaiser verwies sodann auf die anwesenden Fürst lichkeiten und besonders auf den König von Sachsen, deren Erscheinen bezeuge, wie sehr sie dem Grafen zugethan seien. Als persönliche Gabe überreichte sodann der Kaiser einen präch tigen Marschallstab und reichte dem Grafen zum Schluß herzlich die Hand. Dieser denkwürdige Moment ist photographisch festgehalten worden, um von Werners Meisterhand bildlich dargestellt zu werden. Graf Moltke dankte tiefbewegt mit kurzen Worten, in denen er darauf verwies, wie ihm der heutige Tag und seige Ehren unvergeß lich sein werden. Unter den Depeschen und Glückwunschschreiben befinden sich viele von ge krönten Häuptern. Der Kaiser von Oesterreich sandte ein überaus huldvolles Handschreiben. Der Kaiser von Rußland und der König von Schweden telegraphirten. Der Sultan sandte ein langes Telegramm, in dem er mit Worten dankbarer Anerkennung der Dienste gedachte, die Moltke der türkischen Armee geleistet hat. König Karl schickte aus Bukarest eine Depesche, in der es heißt:Ich zähle die Zeiten zu den lehrreich sten meines Lebens, die ich unter Ihrer Leitung bei den Festungsübungen in Schweidnitz zu brachte. In schmeichelhaften Worten sprach der Prinz von Wales dem Grafen seine Glück wünsche in einem Telegramm aus. Huldvolle Handschreiben sandten ferner der König von Württemberg, die Großherzogin von Baden, der Großherzog von Oldenburg. Die Post publizirt eine Erklärung des Grafen Moltke, worin derselbe für die nach Tausenden zählen den Briefe und Telegramme aus dem Inlande wie aus dem Auslande seinen herzlichsten Dank ausspricht. Das Haupttelegraphenamt zu Berlin hatte am 26. einen schweren Sonntag. Es gingen für den General-Feldmarschall 2099 Glück wunschtelegramme mit 74,484 Worten daselbst ein, sowohl aus sämmtlichen Ländern Europas, als auch aus den fremden Welttheilen.

Potsdam, 28. Oct. Der König der Belgier ist heute Nachmittag hier eingetroffen und wurde auf dem Bahnhof vom Kaiser, sämmtlichen Prinzen des königlichen Hauses, dem Herzog von Con naught, dem Großfürsten Wladimir, dem bel gischen Gesandten und der Generalität empfangen. Der Kaiser und der König begaben sich in offenem Wagen, von einer Schwadron des Regiments Garde du Corps begleitet, in das königliche Schloß. Der König fuhr hierauf im Vierspänner mit zwei Vorreitern nach dem Neuen Palais. Hier fand Galatafel von 150 Gedecken statt, wobei der König zwischen dem Kaiserpaare saß. Gegenüber dem König saß Reichskanzler v. Caprivi.

Ausland.

Oestereich⸗Ungarn. Wien. DasMi litär Verordnungsblatt veröffentlicht die Ver setzung des Grafen Hartenau, bisher supernu merärer Oberst im 6. Dragoner Regiment, zum Jufanterie-RegimentKönig der Belgier in Graz. Graf Hartenau ist damit in den aktiven österreichischen Heeresdienst eingetreten.

Prag. Die conservativen Grundbesitzer haben

Er wandte sich dann speziell

den Deutschen die verlangte Anzahl von Man daten für den Landtag zugestanden.

Schweiz. Bern. Das Gesetz über die Einführung staatlicher Unfall- und Krankenver⸗ sicherung wurde vom Schweizer Volke ange nommen.

28. Oct. Der Bundesrath wies den Rekurs der conservativen Tessiner gegen die Ab stimmung vom 5. October, zurück. Aus Frei burg, wo es gärt, sind Abordnungen beider Par teien hier eingetroffen. Die Absendung von Truppen wurde beschlossen. In Lugano sind ernste Unruhen ausgebrochen, weil die Sol daten den Radikalen das Schießen anläßlich ihres Wahlsieges verboten haben, während die Conservatiwen darauf losknallten. Bei einem stattgehabten Zusammenstoße wurden Bürger und Soldaten verwundet. Das Bataillon Nr. 29 steht zum Abmarsch bereit, Bataillon Nr. 28 ist heute Morgen nach Lugano befördert worden.

Holland. Haag, 28. October. In der gemeinschaftlichen Sitzung der Kammern berich tete Mackay über den Gesundheitszustand des Königs. Die Aerzte hätten konstatirt, daß der König außer Stande sei, zu regieren. Der Justizminister, der Minister der Kolonien, die den König persönlich gesehen haben, bestätigen die Aussage der Aerzte. Der Ministerrath ver langt von den Generalstaaten die nach der Kon stitution erforderliche Erklärung, worauf die Sitzung auf morgen vertagt wurde.

Frankreich. Paris. Say beantragte ein Amendement zum Budget, darunter Feststellung der Alkoholsteuer auf 225 Frs. anstatt auf 167 Frs., ferner das Budgetkapital, betreffend die Amortisiit ung mit 27 Millionen zu dotieren. Casimir Perier stellte einen Antrag, welcher Mißbräuche beim Verkauf der Börsenwerthe verhindern soll und sich insbesondere gegen die Raten-Agenten richtet; danach sollen Kaufver träge, bei denen die Käufer nicht vollständig über die Verkaufsbedingungungen aufgeklärt wer den, ungiltig sein.

Italien. Rom, 27. October. Die An⸗ gaben verschiedener Blätter über einen aneb lichen Sturz des Königs bei dem gestrigen Ritt nach Miland zum Wettrennen sind dahin zu modifiziren, daß der König noch während des Fallens seines Pferdes sich aus dem Sattel wer fen konnte. Das Vo kommniß hat dulchaus keine Bedeutung.

Portugal. Lissabon, 28. Oct. Hier ein gegangenen Nachrichten zufolge fand gestern eine nochmalige Unterredung des portugiesischen Ge schäftsträgers in London mit Lord Salisbury statt, worin Letzterer seine Geneigtheit zeigte, über einen neuen Vertrag zu verhandeln. Ferner verlautet, man werde jetzt in London Beding ungen für einen modus vivendi berathen, welcher während der Verhandlungen über den neuen Vertrag anzuerkennen wäre.

Serbien. Belgrad, 27. October. Der beute ins Ausland reisende Exkönig Milan em pfing gestern Gruic, dem er erklärte, daß seine Aeußerungen entstellt und übertrieben worden seien; er sei mit dem Zustande des Landes und der Regierung zufrieden.

27. October. Infolge der jüngsten Ein fälle der Arnauten überschritten heute 20 Bauern des Dorfes Trinovia die türkische Grenze, ge riethen mit den Arnauten ins Handgemenge und nahmen denselben fünfzig Stück Kleinvieh ab. Die Regierung mißbilligte die Selbsthbilfe und ordnete eine strenge Untersuchung und Auf stellung von Cordons an.

Rußland. Petersburg. Es verlautet hier, daß Präsident Carnot im Mai nächsten Jahres Petersburg besuchen und dann in Moskau die französische Ausstellung eröffnen werde. Er soll ferner beabsichtigen, die Wolga, den Kaukasus und die Krim zu bereisen.

Griechenland. Athen. Trikupis demis sionirte; der König beauftragte Delyannis mit der Bildung eines neuen Kabinets.

Afrika. Sansibar. DerTimes wird von hier unterm 27. October gemeldet: Am

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91 25. Oct. segelten der Admiral Freemantle und de Generalkonsul von Lamu nach Kipini, wo das e gesammte britische Geschwader, bestehend aus zehn Schiffen, vor Anker lag. Freemantle 200 rückte mit 1000 Mann am Sonntag früh auf 1997 Witu vor. Die Vorposten waren schon am 8 Samstag Abend angegriffen worden, wobei dre hach, Matrosen verwundet wurden..

Amerika. Newyork. Gegenüber dem Pro 11 teste der Importeure gegen die Kinley Bill, pan weil in der vom Präsidenten Harrison unter ie De zeichneten Tarifvorlage der Artikel 30 fehle, e

8 0 checkt wird hervorgehoben, daß der Kongreß der een Omission dieses Artikels abhelfen könne. Der 1 Tarif sei in der unterzeichneten Fassung gesetz: d kräftig. Der Schatzsekretär erklärte, der Tarif hun sei Gesetz und er müsse dasselbe ausführen Ind o

wel Aus Stadt und Land. 4

Friedberg, 29. Okt. Das ganze Taunusgebirge ist seit vorgestern mit Schnee bedeckt.

d. Friedberg. Die von der Festversammlung im Fr Hötel Trapp an den Feldmarschall Graf Moltke abge. bis 9. sendete Depesche hatte folgenden Wortlaut:Exeellenz 18.50, Feldmarschall Graf Moltke, Berlin. Die zur Feier Euer fich au Exeellenz 90 Geburtstags versammelten Festgenossen Ft senden die herzlichsten Glückwünsche und ewigen Dank ber fd für Euer Exeellenz große unvergeßliche, dem Vaterland 51 geleistete Dienste in der Hoffnung, Euere Exeellenz in Wehen voller Frische und Rüstsgkeit dem Vaterlande noch lange bis 324 erhalten zu sehen. Der nationalliberale Verein Fried- bis 28. berg, Hessen. Jockel. Mlchbr

M. Friedberg. Im Monat September hatte die deutsche Herberge zur Heimath eine Einnahme von 311 M. und(ts 28. eine Gesammtausgabe von 308 M. 24 Pf. Demnach 2850, wurden zu Gunsten der Kasse nur 2 M. 74 Pf. erübrigt. Weizen Man bittet auf das Freundlichste um weitere Unterstützung feel Be der Anstalt, da im letzten Quartal noch besonders P. 00 hohe Ausgaben für Gehalt des Haus vaters, Jahres: Roggen zinsen, Canalisirung u. A. zu bestreiten sind. Sehr Gerste, erfreut würde der Vorstand, wenn von den Landwirthen, bis 15 welche durch die Verpflegung in der Herberge von der N 13 Belästigung des Bettels befreit bletben, uns Gaben an Kar- M. 0 toffeln, Gemüse und Hülsenfrüchten zugewiesen würden. M.

2 Friedberg. Wir theilen den Lesern des Anz., M. 8 insbesondere den hlesigen Handwerksmeistern und Ge Preise werbetreibenden, andurch mit, daß am nächsten Sonn- auch l tag, den 2. November am bekannten Ort und zur be⸗ F. kannten Zeit wiederum der Feierabend für Lehr⸗ Nur. lunge jeder Religton und Confession, der schon seit tenen Jahren hier in Segen wirkt, seinen Anfang nimmt. Es 3 86 werden alle Lebrlinge zur regen Theilnahme am Feier- Ochsen abend freundlichst eingeladen und wird derselbe auch den dis 72, Meistern warm empfohlen. bis 56

Friedberg. Am 18. Oetober l. J. fand im. Jus Festsaale des Prediger Seminars die feierliche Aufnahme. Que der neueingetretenen 14 Candidaten statt. Geh. Kirchen- 2. Qua rath Dr. Diegel hielt die sehr ernste und er bauliche Er 2 Ju öffnungsansprache über 1. Joh. 3, 6 f., in der er nach⸗ 2 Jus wies, in welchem Sinne wir Geistlichendas Leben für die Brüder lassen sollen und können, und hiervon dann die Anwendung auf die Seminargenossen machte. Die der! Zahl aller Candidaten beträgt, da 10 im Seminar ver⸗ blieben waren, nunmehr 24 J 5

nta Allerlei. 0

Düsseldorf. Das Betriebs amt der Rechtsrbeini⸗ von schen Elsenbahn setzte auf die Ermittelung desjenigen, Gre wescher am Samstag auf dem Geleise Benrath-Köln eine Samsse Dynamitpatrone mlttelst Steinen festlegte, 1000 Mark Sonnt, Belobnung aus:

Berlin, 25. Okt. Die Leiche des Zimmermeisters Schaaf, der seine ganze Familte ermordet hatte, und Donne welcher lange vergeblich von der Poltzei gesucht worden aus ist, wurde heute von Beamten der Kriminalpoltzei in Nreüng Halensee gefunden. Samste

Genf. Der Luftschiffer Jovis beabsichtigt, im Laufe feel des November eine Ballonfahrt über die Alpen auszu 0 führen Eine Kommission von französischen und schwel Song zer schen Gelehrten wird das Programm festsetzen. Die Ale Auff ehrt soll in Genf, der Abstieg in Italien oder in De Tirol erfolgen..

Wien. Das Schicksal des früheren Erzherzogs Kir Johann, jetzigen Schiffskapitäns Orth, ruft Besorgnisse hervor. Laut einer vomW. Tagebl gebrachten Mel, Frag, dung hatte Orth beabsichtigt, das von ihm gekaufte Schiff Sum Sankt Margarethe von Montevideo nach Valparaiso Wo segeln und dasselbe in einem von den Befrachtern zu be stimmenden Hafen Salpeter für Eurvpa laden zu lassen. 10 Die Fahrt von Montevideo nach Valparaiso dauert unter 2 gewöhnlichen Umständen höchstens 50 Tage. Nun hat das Schiff am 11. Juli den Hafen von Montevideo ver⸗ lassen. Da bis zum 20. d. M. keine Nachricht von Orth eingelaufen und auch über den Verbleib derSankt Margarethe nichts bekannt geworden ist, so muß be Begin

fürchtet werden, daß das Schiff einen Unfall erlitten habe. Brüssel. Die Verwaltung der belgischen Bahnen sprach sich nach genauer Prüfung gegen die Einführung des Zonentarifs aus. London. Im Nordwesten Londons wurde am Frei⸗ tag Abend zwischen 7 und 8 Uhr ein Frauenmord ver⸗ übt, welcher den Argwohn erweckt, daß der berüchtigte

Frauenmörder von Whltechapel seine Thätigkeit wieder

aufgenommen hat.