scheiden und vorerst vollkommen selbstständige Verträge uber Sansibar, Madagaskar und West— afrika abzuschließen. Der Minister des Aus wärtigen, Ribot, hofft damit für eine ruhige Be— handlung der beiden dann noch offenen Fragen Zeit zu gewinnen. i
Großbritannien. London, 25. Juli. Unterhaus. Um Mitternacht beantragte Philipps die Verwerfung der Helgoland-Bill. Smith beantragte dagegen den Schluß der Debatte. Die Debatte wurde auf heute vertagt.
— Der Afrikareisende Casati kommt als Vertreter Italiens nach London, um mit Lord Salisbury über die Regelung der ostafrikanischen Angelegenheiten, namentlich der handelspolitischen, zu verhandeln.
Italien. Rom, 26. Juli. Gestern wurden durch einen Kommissär der italienischen Regierung zwei Baumeister behufs Vornahme von Repara— turen nach dem Hofraum gesandt, welchen der Papst gelegentlich seiner neulichen vielerwähnten Ausfahrt passirt hatte. Sie begegneten hierbei einem Architekten des Vatikans, welcher den Beamten der italienischen Regierung erklärte, dies Terrain gehöre mit zu den päpstlichen Palästen, woraufhin die Baumeister sich zurück— zogen.
Türkei. Konstantinopel. Die„Agence de Constantinople“ meldet: Der Dragoman der russischen Botschaft verlas dem Großvezier eine Depesche Giers', welche besagt, daß die Ernen— nung der bulgarischen Bischöfe eine Stärkung der nicht anerkannten Regierung sei, wogegen Rußland sich verwahren müsse. Wie verlautet, ist wegen des Zwischenfalles eine Ministerkrisis zu erwarten.
Serbien. Belgrad. Es findet ein leb— hafter Meinungsaustausch zwischen Lord Salis— bury und dem türkischen Botschafter in Belgrad statt, da die Pforte auf das entschiedenste die Defilirung türkischer Truppen vor der serbischen Consulatsflagge in Prischtina abgelehnt hat. Das Belgrader Cabinet minderte die Forderungen auf einen Condolenzbesuch des Walt bei dem serbi— schen Consul und eine Entschädigung an die Frau des Ermordeten herab.
Bulgarien. Sofia. Die„Agence Bal— canique“ bezeichnet Gerüchte über die Hinrichtung von Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten in Sofia, Plewna und Vratza als vollständig unbe— gründet. Prinz Ferdinand wird binnen vierzehn Tagen hier erwartet.
Rußland. Petersburg. Die für Finland geplanten Reformen werden sich auch auf das Schulwesen erstrecken. Die Zeitungen berichten von einem Beschluß, das finländische Lehrpro— gramm nach dem russischen abzuändern. Der russischen Sprache soll dabei eine dominirende Rolle zugetheilt werden.
Egypten. Kairo, 25. Juli. Zwischen den Mahdisten und revoltirenden Stämmen in Darfur fand eine große Schlacht statt, in der es auf beiden Seiten viele Verluste gab. Der Mahdi wurde besiegt und hart verfolgt.
Amerika. New⸗Pork. Eine Meldung der „Agencia Stefani“ aus Guatemala vom 23. ds. lautet: Die Republik Guatemala hat heute der Republik San Salvavor den Krieg erklärt. Unter der Armee von Guatemala ist Meuterei ausgebrochen; drei Regimenter mußten entwaffnet werden. Die Lage im Innern ist äußerst kritisch. — 26. Juli. Die Truppen Guatemalas haben bei Coatepeqic, wo beide Theile große Verluste erlitten, sehr ausdauernd gekämpft. Es heißt, sie hatten gestern die Streitkräfte San Salva⸗ dors aus Guatemala geworfen.
Buenos⸗Ayres, 26. Juli. Die Mannschaften des 10. Regiments haben sich auf Anstiften ihrer Offiziere empört. Die Lokalbehörden und die Regierung ergreifen energische Maßregeln, um die Empörung zu unterdrücken und versuchen mit Hülfe der Polizei die Aufständigen zu isoliren. Der Aufstand ist fast allgemein, die Aufrührer sind die Herren in den Cantonnements. Der Belagerungszustand wurde proklamirt. Börse und Banken sind geschlossen. Gestern Nachmittag
Neufundland und die tunesische Frage auszu-fanden zwischen den aufständischen Truppen und
der Regierungspartei schwere Zusammenstöße statt, wobei Viele getödtet wurden. Die Rebellen zogen nach dem Victoriaplatz, wo sich das Palais des Präsidenten und das Rathhaus befindet. Der Präsident floh nach Rosario; die Geschäfte stocken. Später rief die revolutionäre Regierung Arem zum Präsidenten und Romero zum Finanz— minister aus. Die Revolution breitet sich stünd— lich aus; die Behörden bewahren die Ordnung.
China. Peking. Wie aus Kalkutta berichtet wird, sind die Beziehungen Chinas zum Vasallen— staat Tibet wieder sehr gespannt. Es verlautet, daß die Tibetaner einen von der chinesischen Regierung entsandten kaiserlichen Agenten er— mordeten.
Aus Stadt und Land.
d. Friedberg. Zur Erleichterung des Besuches der Ausstellung in Bremen geht am 5. August ein Extrazug von Frankfurt nach Bremen, zu welchem Fahrkarten zum einfachen Preise mit 8 tägiger Gültigkeitsdauer ausgegeben werden und welche zugleich zum Besuche der Ausstellung berechtigen. Das Nähere ist aus dem Annoneentheile zu ersehen.
J. Friedberg, 26. Juli. Heute besuchten 3. Profes— soren und 12 Mitglieder des philologischen Seminars der Universität Gießen die hiesige Taubstummen Anstalt. Sie verweilten von 8 bis 12 Uhr in derselben und wohnten dem Unterrichte in allen Klassen je ½ bis 34 Stunde bei.
M. Friedberg. Im Monat Juli wurde die Her— berge zur Helmath von 256 Wanderern besucht, von welchen 112 auf Kosten der Kreiskasse Verpflegung er— halten haben. Zwei Handwerksgesellen hatten Kost und Logis von der Anstalt erhalten. An Arbettsverdienst durch die Verpflegten wurden 7 Mark 10 Pf. eingenommen.
bd. Bad Nauheim. In der letzten Woche sind 495 Fremde angekommen, im Ganzen jetzt 5682.
2. Ober-Mörlen. Die gerichtliche Obduktion der Leiche des Peter Maurer hat keinerlei Anhaltspunkte ergeben, die auf ein Verbrechen schließen lassen.
Hungen, 24. Juli. Der hiesige Maurer Heinrich Falk begab sich, nach dem G. A., heute Mittag, von seinem Geschäfte heimkehrend, in seine Scheuer um Stroh zu holen, fiel dabei aber herunter und zwar so unglücklich auf den Kopf, daß er sofort eine Leiche war.
Trais⸗Horloff, 4. Juli. Auf der hiesigen Braun— kohlengrube und Briket Fabrik„Friedrich“ gerieth ein Arbeiter mit der Hand in die Briket-Presse und zer⸗ quetschte sich dermaßen, daß er sofort nach Gießen in die Klinik überführt wurde.
Darmstadt. Der Steinhauer Leonhard Orth, welcher die Tochter des Bürgermeisters Hofferbert von Hetschbach durch einen Messerstich getödtet hat, ist durch die Gendarmerie hierher gebracht und in das Provinzial— arresthaus abgeliefert worden.
Lorsch. Letzte Woche wurde durch die Schelle be— kannt gegeben, daß die hiesigen Metzger einen Preis— aufschlag von 6 Pf. nach Lage der Verhältnisse eintreten lassen müßten. Besagte Maßregel rief in den Arbeiter— kreisen allgemeine Erbitterung hervor, und eine ziemlich lebhafte Versammlung im„Roß“ beschloß den Steige— rungen der Metzger gegenüber die Gründung eines Con— sum Vereins. Die beabsichtigte Wirkung blieb nicht aus, so daß schon Tags darauf Plakakte an den Metzger— läden verkündeten, man sei zu den alten, ja sogar zu billigeren Fleischpreisen zurückgekehrt(Rindfleisch 56, Schweinefleisch 58 Pf.) Angefeuert durch die Erfolge in Lorsch, wollen auch die Bürstadter Arbeiterkretse auf die Metzger einen Druck dahin ausüben, daß das Fleisch wieder billiger werde.
Allerlei.
Fulda, 22. Juli. Gestern Morgen wurden hier drei junge Leute verhaftet welche sich der Falschmünzerei schuldig gemacht haben, für welche sie sich eine Werkstätte in einem Steinbruche am Calvartenberge eingerichtet hatten, aus welcher zwei Gypsformen und etwa 20 falsche Zweimarkstücke in die Hände der Polizet fielen. Von den jugendlichen Verbrechern hat Einer erst kürzlich eine dreimonatliche Gefängnißstrafe verbüßen müssen, weil er im Spätherbst v. J. nächtlicherweile mit elnem scharf— geladenen Revolver in bewohnte Räume geschossen und dadurch das Leben der Insassen ernstlich gefährdet hatte.
Cassel. Die Stadtbehörden haben das Project des Ingenkeurs v. Miller, die Anlage eines Werkes für elektrische Beleuchtung betreffend, angenommen, und den Kostenanschlag in Höhe von einer halben Million Mark genehmigt.
Berlin, 26. Juli. Auf dem Schießplatz bei Kummers dorf ist gestern ein neues Unglück passirt. Ein Pionier des Eisenbahnregiments, welcher zum Fahrdlenst komman⸗ dirt und als Wagenschleber thätig war, gerieth belm Rangiren eines Zuges zwischen die Puffer und wurde sofort getödtet.
Rom. Eine italienische Militäreommission wird in
nächster Zeit in Berlin eintreffen, um in Deutschland 500 bis 1000 Kavalleriepferde anzukaufen.
Spandau, 25. Jult. In dem benachbarten Dorfe Grünfeld wurde durch einen Wirbelsturm bei dem gestrigen Gewitter ein großer Theil der Häuser abgedeckt, der Thurm der dortigen Kirche umgestürzt, die Mühle zerstört.
Klel. Zu einer Geldstrafe von 750 Mark wurde
in Liverpool der britische Schiffskapitän Ruxton Liverpool verurtheilt, weil er sich geweigert hatte, u seinem Fahrzeuge dem deutschen Avlso„Blitz“ aus di 1 1 Wege zu gehen. 4
Wien, 25. Jull. In Herkules bad(Mekadja) wurde letzte Nacht um 11¼⁰-Uhr zwei heftige Erdstöße, vg Osten nach Westen laufend, verspürt.
Paris. Der Vorsitzende des hlesigen Thlersch vereins übergab dem Prästdenten der Deputiertenkammz einen Protest gegen die Veranstaltung von Stierkämpf in Paris, die ungeachtet aller Vorstellungen vom Stab rath genehmigt wurden.
Warschau, 25. Juli. Der Ort Hancewieze e Gouvernement Wilna ist gestern fast völlig niedergebran 15 Personen sind umgekommen. Es liegt Brandstiftung vo
Odessa. Wie aus officleller Quelle verlautet, hal die Cholera in Baku bereits 70 Todesfälle verursacht ehe die Behörden ihr Auftreten zugestanden. 17
Newyork. Wie aus Chicago gemeldet wird, h schloß der dortige Stadtrath, einen Theil des Michigan Sees trocken zu legen, um auf dem dadurch gewonne Landstück von 250 Morgen die für das Jahr 189 geplante Weltausstellung unterzubringen. Die Kosten on 2 Trockenlegung sind auf zwei Million Dollars veranschla und sollen von der Chleagoer Stadtkasse getragen werde
Newyork, 27. Juli. Im Süden des St. Lorenzg flusses hat eln Tornado in der Richtung von Wesleg De nach Osten gewüthet. Ein Theil von Massachusetts ch, verwüstet, etwa 90 Wohnhäuser sind eingestürzt.
Handel und Verkehr. Friedberg, 26. Juli. Buttermarkt. Butter kostit per Pfd. M. 0.95— 1.00, Eter 1 St. 7 Pf., 2 St. gr. 13 Pf, Gießen, 26. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kostete: Butter per Pfd. M. 0.90— 1.00, Eter 1 St. 6 Pf. uml 2 St. 11 Pfg., Käse per St. 5—7 Pfg., Tauben per 1 Paar M. 0.90—1.00, Hühner per St. M. 1.00— 1.50, Hahnen per Stück M. 0.60- 1.00, Enten per Stück 912 M. 1.50— 1.80, Ochsenfleisch per Pfund 70—74 Pf Kuh- und Rindfleisch 60—64 Pf., Schweinefleisch 66 bis 77 Pf., Hammelfleisch 58— 68 Pf., Kalbfleisch 5660 Pf. Frankfurt, 25. Jult. Engros⸗-Markt.
Repertoir⸗Entwurf 050 der vereinigten Stadt⸗Theater in Frankfurt.. Opernhaus. 0 Dienstag den 29.: Undine. Große Preise. 1 7 Mittwoch den 301: Lohengrin. Gr. Pr. Außer Abonn, 1 Donnerstag den 31.: Trompeter von Säkkingen. Gr. Pr. Freitag den 1. August: Reise um die Erde. Gewöͤhnl, 1 Preise. Außer Abonn. 5 Samstag den 2.: Tannhäuser. Große Preise. 1 Sonntag den 3.: Martha. Martha: Frl. Passini als Antrittsrolle. Große Preise. Schauspielhaus. 5 Dienstag den 29.: Neu-Frankfurt. Gewöhnliche Preise, Mittwoch den 30.: Die Journalisten. Gewöhnl. Preise. Donnerstag den 31.: Geschlossen. 1 Freitag den 1. August: Fatinitza. Gewöhnliche Preise. F Samstag den 2.: Neu einstudirt: Der Bibliothekar. Gewöhnliche Preise. 15 Sonntag den 3.: Der Bibliothekar. Gewöhnl. Prelse. 0
Briefkasten. 0 P. in Holzhausen. Ihren Brief, der ungenügend frankirt war und uns 20 Pf. Porto verursachte, haben wir erhalten. Der Artikel ist viel zu ausgedehnt, um Aufnahme finden zu können, auch dürfte derselbe volle 14 Tage nach dem Feste kein Interesse mehr bieten. Die Redaction.
(Eingesandt.)
Friedberg, 27. Jull. Nachdem wir gestern Ge, legenheit hatten, uns von den Leistungen der Blond in- 905 schen Gesellschaft, der ein so guter Ruf von anderen 0 Städten vorausging, überzeugen zu können, halten wir“ es für unsere Pflicht, das hiesige Publikum auf die wirk⸗ lich ganz vorzüglichen Vorstellungen aufmerksam zu machen und demselben den Besuch der eleganten und hübsch deko 1 rirten Arena zu empfehlen. Die Gesellschaft bietet in den ne höhern Turnkunst und Gymnastik so Ausgezeichnetes, wit lich man es bisher nur bei den großen Gesellschaften zu seht 1 gewohnt war. Besonders erwähnenswerth ist der Kaul, un schukmann, der durch seine ausgezeichneten Experime„ 1 das Publikum in Erstaunen zu setzen vermag. Eine hübscht 5 Abwechslung bilden die Nationaltänze, die in sehr schöne Costümen von den belden Fräulein Blondin ausgefüähe werden. Auch für die Erheiterung des Publikums 8 trefflich gesorgt durch zwel Clowns, die mit ihren drolligen l 80 Spässen und namentlich mit ihrem Violin⸗Concert, den 10
Zuschauer ergötzen. Die Gesellschaft hat vor ander den Vorzug, daß sie Neues bietet und dieses in präelstt Ausführung zur Darstellung bringt; besonders hervon zuheben sind noch die geschmackvollen Costüme aller Mil glieder. Hoffen wir, daß die Bewohner Friedbergs auth in den folgenden Vorstellungen durch zahlreichen Besug“ der Gesellschaft für ihre trefflichen Leistungen Anerkennus zollen werden. ö
Friedberg, 28. Juli. Heute Abend gibt im Saal
bau hier die ungarische Kapelle Urban Couszon, welch aus Damen und Herren zusammengestellt ist, ein ell
maliges ungarisches Natlonal-Concert mlt Gesang un


