eilage.
Obethessiscer Awzeiger.
N 87.
Die Spatzenplage. „Der Spatz ist endlich in allen Welttheilen ein, besonders der feineren Landwirthschaft, eh Garten-, Wein- und Obstbau höchst schaͤd— ches Thier erkannt, unmittelbar wirkend durch ub, mittelbar durch Verscheuchen aller Sing— gel. Geschützt wird der Spatz— wie Amsel Katze— durch das Zurückbleiben der Gesetz— 0 ug, welche Schießen, Fangen und Toͤdten e Raubgesindels im eigenen geschlossenen Garten u er noch verbietet und straft!— Im Weich von Stadt und Dorf wird Werthvolles ver—
Seb iigtet ohne Nutzen, zum Aerger und Leid fleißiger unit: Mnschen.“ Nach dieser Verurtheilung des Diebs— hs erhoffte der„Landwirth 1889“ eine Be—
ung gegen die„veralteten Gesetze in Gang bringen, Gesetze, die lieber das Raubthier zen, als Eigenthum und Arbeit des Menschen.“
iG
in Nr. 25 von 1888 desselben Blattes. Spatzenplage dauert fort. Mir werden erdessen meine vorjährigen reichlichen Bur— der gefressen bis auf die Rappen und die änder daneben; die im Frühjahr gelegten sen(ich schweige vom jungen Salat 2c.) ver— Sensi n chpanden aus dem Boden, demnächst werden
dat e abgepickten Schoten der geschützt nachge— 1 sünzten mir auf's Neue meine Machtlosigkeit ee e e nimmersatten Dieb gegenüber bezeugen;
ene Erdbeeren sind von den Spatzen ange— en; fruchtlos stehen die Sträucher schwarzer Wannisbeeren da, ihre noch grünen Beeren ver— kling im Mai schon der Spatzen diebischer
80 nabel; die Erstfrüchte meiner Kirschbäumchen:
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11.
i der Räuber hohnschreiend auf dem benach— en Dache, wonnigsatt lugt er eben nach des Sußzmannes glänzendem Helm— er weiß, ich A ihn nur scheuchen, nicht schießen, den Feind Auer gärtnerischen Sorge; ungestört durfte er nen beim Nachbar; Dutzende jüngster, beute— ee, iger Gelbschnäbel umflattern ihn heute, die— dle bie Lehre empfangend und schlau lauernd, bis
1 ih kaum den Rücken gewandt;— los nun die 5 1 8 Uunde auf Alles, was die Sonne reift und süßt! 3— Und du Mensch sollst dauernd recht- und
getzlos sein vor solch argem Feind? Unbegreiflich! 21 Be die Behörde Blutläuse aufsuchen, wie sie pennester erspähen, wie man schuldlosere
„ e nb N——.— i Buben einsperren läßt, warum keine Suche nach
füt
„e Brutstätten des Spatzenvolkes! Vor Allem 1 bir erlaube man den Schuß und verordne bei bite g massenweisem Auftreten die massenweise Ein—
rung. Daß solches noch vor der Obst-, Ge— be- und Traubenernte geschehe, dazu helft Ihr Ab- und Gartenbesitzer, Gartenbau- und Land— kühvereine, nicht zuletzt Ihr pflanzenden Haus alen, Du obstliebende Jugend— vor Allem fürsorgenden Herren Räthe in Stadt und
[Krieg dem Spatz! Millionen können daran üben— keine Angst um die Art!— Der
Vel ist zu schlecht! 4
Die deutsche Linde. 45
scürzlich erschien im Buchhandel eine hübsche ge Schrift von Otto Lohr, betitelt:„Die ade, ein deutscher Baum.“ In derselben führt Verfasser den Beweis, daß die Linde gleich Eiche ein deutscher Nationalbaum ist und
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e ii ben Anfängen deutschen Geisteslebens unserem
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„Nell lieb und werth gewesen ist. Wir ent⸗ „ enn minen der Schrift in freier Ausführung das 0 anressanteste wie folgt: Wenn von unseren i Rittern in begeisterten Hymnen die Eiche als wen, libild der gewaltigen Kraft und markigen bugsamkeit der Deutschen gefeiert wird, so Urpert die Linde die Gemüthswelt, die fried—
e Seite des deutschen Volkes, wie sie auch
ö 9 dem Naturkultus der alten Germanen der
milden, gütigen Göttin Holda oder Berchtha und der Herka(Erka) geweiht war. Das Alter dieses Baumes wird auf 900 bis 1000 Jahre geschätzt. Wohl der älteste, ein Prachtstück, war die Linde bei Freising in Bayern, welche der heil. Corbinian vor 1200 Jahren gepflanzt haben soll und die im Jahre 1880 ein Sturm ver— nichtete. Die Blutlinde auf Burgfreienstein bei Wiesbaden wurde angeblich zur Zeit der Kreuz— züge gepflanzt. Gleiches wird von der Riesen— linde erzählt, welche bei einer alten Kapelle in Kappel in Kärnthen steht. Eine andere be— rühmte alte Linde steht in Neustadt am Kocher in Württemberg, deren Alter auf 700 Jahre geschätzt wird; nach Aufzeichnungen wurden ihre Aeste schon im Jahre 1448 mit 67 Säulen ge— stützt. Ganz vergessen hat der Verfasser bei seiner Aufzählung den mächtigen alten Linden— baum vor dem Dome in Braunschweig, den der Sage nach Heinrich der Löwe mit eigener Hand gepflanzt haben soll, weßhalb er vom Volks— munde„Heinrichslinde“ genannt wird, und der wie der eherne Löwe vor der Burg Dank— warderoda zu den Wahrzeichen der Stadt ge— hört. Ist auch jene Sage unverbürgt, so steht doch fest, daß dieser Baum, dessen Stamm einen Umfang von mehr als 20 Fuß hat, so alt ist wie der Dom selbst. Seine Berühmtheit reicht ins Mittelalter zurück und von seiner Popu— larität zeugt es, daß man ohne nähere Bezeich— nung von der„Linde in Braunschweig“ sprach und daß damit Jedermann in Niedersachsen wußte, welche Linde gemeint sei. Auch die drei „Göthe-Linden“ in Bad Wittekind bei Halle a. S., welche Göthe gepflanzt, seien hier angeführt. Viele Städte, Dörfer und Familien haben von ihr den Namen, so Lindau, Lindenau, Linderhof, Linden, Dreilinden, Heiligenlinden, Hohenlinden, Schönlinde, Lindhorst c. Von den Familien: Lindner, Lindemann, von der Linden, Linden— kron, Lindenschmidt ꝛc. Der Schatten der Linde war nach altem Volksglauben der Schauplatz des nächtlichen Treibens der Kobolde und Elfen und der Sagenkreis weiß eine Reihe von Kämpfen zu berichten, welche tapfere Recken oft mit Drachen oder Lindwürmern unter einer Linde bestanden. Siegfried, der volksthümliche Held der Deutschen aus der Sagenzeit, erlegte unter einer Linde den Wurm, ein Blatt dieses Baumes trug die Schuld an der einzigen verwundbaren Stelle seines Körpers, und unter einem Linden— baum hauchte er sein Leben aus, nachdem ihn der tödtliche Stoß des Verräthers getroffen. Auch noch andere ergreifende Scenen sieht die Linde sich abspielen, was Volkslieder bestätigen, wie die„Frau von Weißenburg,“„Der Ritter mit dem Tuche,“„Rosmarin,“„Die Linde“ ꝛc. Ueber— haupt kann das deutsche Lied die Linde nicht missen. Von den Dichtern erfahren wir, daß die Linde mit Vorliebe in der Nähe der menschlichen Wohnungen grünt und von den alten Schlössern und Burgen unzertrennlich ist. Aber nicht bloß „Burgen mit hohen Zinnen“ hat sich die Linde erkoren, auch über die bescheidensten Hütten breitet sie mit ihren dichten Zweigen ein duftiges Zelt aus, und der Aermste liebt sein Vaterhaus als „jene werthe Stätte, wo seiner Kindheit Linde stand.“ Viele Dichter, wie Goethe, Schiller, Wieland, Uhland, Voß, Hauff, Geibel, Schlegel, Chamisso, Freiligrath, Dingelstedt, Scheffel, Hamerling, Lenau, Keller, A. Grün, Gerok c., besingen die Linde in ihren Liedern. Das dichte, umfangreiche Blätterdach gibt der Linde den Charakter eines Saales, in welchem sich die Dorfbewohner versammlen zur Lust und Uuter— haltung, sowie zu ernsten Gesprächen und Unter— haltungen. Namentlich bei der Jugend war die Linde seit jeher beliebt als Spiel- und Tanzplatz. Schon im Mittelalter wurden im Wonnemonat unter der Dorflinde Tänze abgehalten, und zwar zu Ehren der Liebes- und Frühlingsgöttin Freia, doch auch in den umfriedeten Burggaͤrten drehten
sich die züchtigen Schönen bei Maienpracht am Arme der Ritter. Auch liebte man es im Mittel— alter, in den Gipfeln großer Bäume, zumal der Linden, Zusammenkünfte abzuhalten. Zu diesem Behufe wurde in den weitergreifenden Kronen ein Podium errichtet, welches die Aeste trugen und das, mit einem Geländer versehen, eine Art Sommerpavillon bildete, der ebensowohl zum trauten Stelldichein wie zum Pokuliren mit lieb— werthen Gästen sich eignete. Julius Wolff er— erzählt davon in seinem„Rattenfänger“ manche schöne Scene. Frühzeitig diente auch schon die Linde als Gerichtsbaum. Unter der bekannten Vehmlinde bei Dortmund wurden bis in die neuere Zeit Gerichtsverhandlungen abgehalten. Es erschien der Platz unter einer altehrwürdigen Linde, durch deren Gipfel Hunderte von Jahren dahingerauscht, sehr geeignet für ernste folgen— schwere Geschäfte. Noch eine Bedeutung hat schließlich die Linde seit Menschengedenken für das deutsche Volk. Sie ist ihm geradezu zum Tempel der Liebe geworden. Unter ihrer däm— mernden, duftenden Wölbung kommen die Lieben— den zusammen und die Nachtigall im Geäst hört ihre Treuschwüre. In geweihten Stunden haben hier die Dichter gelauscht; und Erlauschtes wie Erlebtes hinterlegten sie in einem umfangreichen Protokolle mit der Inhaltsangabe Lenz— Liebe — Linde. So ist, wie der Verfasser zum Schlusse bemerkt, das ganze Leben hindurch die Linde dem deutschen Volke ein lieber Genosse, ein treuer Nachbar, ein verschwiegener Freund. Sagen, Märchen, Volkspoesie und Kuastdichtung schlingen sich um sie wie üppiger Epheu. Und so lange deutscher Sang fernerhin noch erklingt, wird auch die deutsche Linde unvergessen bleiben, sie und die Eiche:
Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land
Mit seinen Eichen, seinen Linden!
Bekanntmachung.
In unserm Firmenregister ist heute die Firma„Abr. Haas“ zu Ober⸗Ros bach gelöscht worden. Friedberg am 22. Juli 1890. Großherzogliches Amtsgericht Friedberg. Bötticher.
Bekanntmachung.
Friedrich Horr und Wilhelm Michel zu Friedberg be— treiben daselbst eine Gerberei unter der Firma Horr und Michel. Eintrag ins Firmenregister ist heute erfolgt.
Friedberg am 22. Juli 1890.
Großherzogliches Amtsgericht Friedberg. 2979 Bötticher. Bekanntmachung.
Feist Löwenthal zu Friedberg betreibt daselbst seit Junt 1887 einen Pferdehandel unter der Firma F. Löwen⸗ thal. Eintrag im Firmenregister ist heute erfolgt.
Friedberg am 22. Juli 1890.
Großherzogliches Amtsgericht Friedberg. Bötticher.
2972
2980
Die zum Küchenvau und zur Erweiterung der Wirth— schaftshalle am Kurhaus zu Bad-Nauheim nöͤthigen Bauarbeiten sollen auf dem Wege schriftlicher Anbletung vergeben werden und zwar: M. Pf
Erd⸗ u. Maurerarbeiten, veranschlagt zu 11768 92 Steinhauerarbeiten 1974 29 Zimmerarbeiten 3289 70 Dachdeckerarbeiten 1431 65 Schreinerarbeiten 2116 71 Schlosserarbeiten 342t 06 Glaserarbeiten 1260 68 Weißbinderarbelten 3712 17 Spenglerarbeften 513 05 Pflastererarbeiten 312— Kanaltstrung 544 30
Pläne, Voranschläge und Bedingungen liegen auf
unterfertigter Amtsstelle zur Einsicht offen, wohin auch die Angebote mit entsprechender Aufschrift versehen bis
längstens
ö Montag den 4. August 1890,
Vormittags 11 Uhr, postfrei einzureichen sind. Großherzogliches Kreisbauamt Friedberg.
2986 Kranz.
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