Prinzessin Ludwig von Battenberg im offenen Viererzug, welcher, zwei Spitzenreiter vorauf und von der 5. Eskadron des 1. Dragoner-Regiments eskortirt, durch die festlich geschmückte Stadt nach dem Neuen Palais. In einem zweiten offenen Wagen folgten Prinzessin Beatrix, Prinzessin Heinrich von Battenberg, Prinzessin Heinrich von Preußen, die Prinzessin Alix, in einem dritten der Erbgroßherzog und der Prinz Heinrich von Battenberg; dann kamen die Wagen der Prinzen Heinrich und Wilhelm von Hessen.
— 24. April. Heute Mittag traf die Kaiserin Friedrich mit den Prinzessinnen-Töchtern hier ein und kehrte um 5 Uhr 20 Min. nach Homburg zurück.
— Dem Gemeinde-Einnehmer Bernhard zu Frei⸗Laubersheim wurde das silberne Kreuz des Philippsordens verliehen.
— 22. April. II. Kammer. Nach Verkündigung einer Anzahl neuer Einläufe tritt die Kammer heute in die Berathung des Antrags auf Herabsetzung der Stempel und Gebühren auf Immobilien, Hypotheken und Inven— tarien. Dieser Antrag stand schon in der Sitzung vom 27. Mai v. J. zur Verhandlung, wurde aber vertagt, um weitere Erhebungen zu ermöglichen. Die Anträge der Minderheit des Ausschusses: a. anstatt der festen Stempel— abgabe von 4/10 pCt. nur 3/10 pCt. des Werthes des übergehenden Vermögens zu erheben, sowie den Hypotheken stempel auf ů0 des Werthgegenstandes zu bestimmen; b. den seitherigen Tarif für letztwillige Verfügungen (6 M.) beizubehalten; e. daneben zu bestimmen, daß der Stempel nur zur Hälfte zu erheben sei; d. für letztwillige Verfügungen, wenn der Verfügende durch Vorlage einer Bescheinigung seiner Ortsbehörde den Nachweis führt, daß sein Vermögen keine 2000 Mk übersteigt; e. daß diese Vergünstigung nicht nur den Minderjährigen, sondern auch anderen unter Curatel stehenden Personen, mit Aus— nahme Abwesender, zu Theil werde; f. für Zurücknahme hinterlegter Gegenstände, auch von Testamenten, ein Stempel nicht zu erheben sei, wurden mit großer Majo— rität angenommen. Bezüglich der an die Kammer ge— richteten Vorstellungen der Gerichtsvollzieher Aspiranten wegen Aenderung ihrer Anciennitätsverhältnisse beschließt die Kammer: Die Regierung zu ersuchen, sie wolle von jetzt ab die frei werdenden Gerichtsvollzieherstellen aus schließlich mit Civilaspiranten, welche vor dem 9. Dezember die Prüfung bestanden haben, von da aber wie seither diese Stellen abwechselnd zwischen Civil- und Militäran— wärtern besetzen. Der Gesetz-Entwurf, Abänderung des Gesetzes über das Verfahren in Forst- und Feldrügesachen wird nach der Regierungs-Vorlage angenommen.— 23. April. Heute begannen die Verhandlungen über die Nebenbahnvorlage. Aus der Generaldebatte heben wir bervor: Graf Oriola erklärt eine Vollbahn Stockheim— Frankfurt und weiter bis Hersfeld für dringend noth wendig für Oberbessen. Man habe dafür eine Rente von 40 o berechnet. Aehnlich sei es bel Friedberg Homburg. Da bei den Bahnen auch ein Interesse des Reichs obwalte, sollten alle Bahnen in die Hand des Staats vereinigt werden und man sich mit Preußen verständigen. 3 Ober hessische Projekte hingen von dieser Verständigung ab. Man solle die Ludwigsbahn verstaatlichen und dadurch die Verständigung zum Vortheile Hessens herbeiführen. Bergsträßer bedauert das Verhalten Preußens. Er hofft, daß durch alle Mittel eine Verständigung gesucht werde. Auch wünsche er eine Erklärung der Regierung, ob die Ludwigsbahn übernommen werden soll. Staats minister Finger erklärt, die Regierung habe ihr System bei der Vorlage von Nebenbahnen wohl erwogen. Die Collisionen mit Preußen kämen daher, daß die oberhess. Grenze sehr lang sei und Preußen natürlich auch seine besonderen Interessen habe, die dann bet den verschiedenen Bahnprojekten zu Tage träten. Was dle Ludwigsbahn betreffe, so gebe er die Erklärung ab, daß die Regierung nunmehr aus politischen und wirthschaftlichen Gründen zu dem System der Staatsbahnen übergehen zu müssen glaube und zu der Verstaatlichung jener entschlossen set und dabei auch einen finanzlellen Vortheil erwarte. Mintsterpräsident Weber will die Strecke Gedern-Lauter— bach nicht aufgeschoben haben, da ja später eine Fortsetzung nach Frankfurt möglich sei. Die Preußtsche Regierung wolle nur die preußische Strecke selbst bauen. Auch Frank⸗
furt habe sein besonderes Interesse. M hessen nicht grundlos zurücksetzen.„„
Berlin, 23. April. Der Kaiser ist heute Morgen von Wilhelmshaven 5 abgereist. In seiner Begleitung befand sich Graf Moltke. Der Kaiser trifft am 28. d. M. auf der Rückreise von Darmstadt in Eisenach ein.
— Die britische Admiralität ließ die Mit— theilung hierher ergehen, daß dem im September stattfindenden deutschen Flottenmanöver ein Kanal— geschwader, bestehend aus vier Schlachtschiffen und zwei erstklassigen Kreuzern, als Vertretung der großoritannischen Marine beiwohnen soll.
— Die„Nationalzeitung“ theilt mit, daß das Sperrgeldgesetz im Einverständniß mit der Curie aufgestellt worden sei.
— Wie das Fr. J. mittheilt, ist das Ab—
schiedsgesuch des Staatssecretärs des Reichs— Marineamts, Contreadmirals Heusner, genehmigt und zu seinem Nachfolger der gegenwärtige Chef des Uebungsgeschwaders, Contreadmiral Holl— mann, ernannt. Letzterer soll das Commando des Geschwaders sofort nach der Ankunft in Wilhelmshaven abgeben und Contreadmiral Schröder dasselbe übernehmen. Die Nachricht der„Wilhelmsh. Zeitung“, daß Prinz Heinrich zum Contreadmiral ernannt sei und Contread— miral Hollmann zum Viceadmiral, wird hier nicht bestätigt.
— Die acht Feldgeschütze, welche der Kaiser für Major Wißmann, angekauft hat, sollen schon bei erster Gelegenheit verschifft werden. Der Kaiser benachrichtigte Wißmann telegraphisch von dieser Zuweisung. Borchert meldet aus Kairo, daß Peters in etwa drei Monaten an die Ost küste zurückgehe, falls sich Emin nicht anschließe.
Straßburg, 24. April. Der Kaiser ist um 9½ Uhr hier eingetroffen. Die Stadt hat reich geflaggt. In Hagenau ist der Kaiser, bei der Rückkehr von der Jagd die festlich geschmückten Straßen passirend, von den Spalier bildenden Vereinen, dem Buͤrgermeister, dem Gemeinderath und einer zahlreichen Meuschenmenge enthusiastisch begrüßt worden. Der Kaiser begrüßte im Kaiser— palaste die dort versammelte Generalität. Am Nachmittag fand ein größeres Manöver statt. Die Garnisonen von Zabern, Pfalzburg und Saarburg waren bereits per Bahn in der Nähe von Straßburg befördert worden.
Ausland.
Oesterreich- Ungarn. Wien. Der Kaiser von Oesterreich will angeblich anfangs Mai nach Potsdam kommen.
— 24. April. Im Ostrau-Karwiner Reviere fuhren heute 90 bis 98 Procent der Beleg schaften ein. Es herrscht vollständige Ruhe.
— Das„Neue Wiener Tgbl.“ meldet, be
reits den nächsten Delegationen, die im Juni zusammentteten, würden Vorlagen zugehen, durch welche eine Schaffung von 34 neuen Infanterie— Regimentern und 2 neuen Kavallerie-Regimentern ermöglicht werden soll. 24. April. Den Meldungen Wiener Zeitungen zufolge haben gestern Abend in Biala schwere Excesse stattgefunden. Viertausend Arbeiter durchzogen die Straßen, zerschlugen die Fenster— scheiben und demolirten die Branntweinschenken. Dem einschreitenden Militär wurde heftiger Wider— stand entgegengesetzt. Die Excesse sind als ein förmlicher Aufstand zu bezeichnen. Die Arbeiter begannen Barrikaden zu bauen. Das Militär mußte von den Waffen Gebrauch machen 3 Ar beiter wurden getödtet, 10 schwer verwundet. Die Excesse fanden vollständig unverhofft statt. Die Ursache derselben blieb unermittet. Den scharfen Salven gingen erfolglose blinde Schüsse seitens des Militärs voran. Gendarmerie Pat rouillen durchstreifen die Stadt und Umgebung. Gegen 10 Rädelsführer ist eine gerichtliche Unter suchung angestrengt. Dem„Wiener Vaterland“ zufolge werden sämmtliche Donaubrücken unter— sucht und bewacht.
Holland. Haag. Mit Genehmigung der Polizei werden im ganzen Lande große Plakate verbreitet, in denen die Arbeiter 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Ruhepause, 8 Stunden Schlaf täglich verlangen.
Belgien. Brüssel, 23. April. Minister Beernaert theilte heute in der Kammer die Ab— sicht des Königs, den Kongostaat an Belgien zu vermachen, mit.
— Der Major der Bürgerwehr Capron, welcher am Samstag die Vertreter der Presse beim Einzug Stanleys so schmählich behandelte, ist zum Minister des Innern beschieden worden. Die„K. Z.“ hört, der Sonntagsmajor habe darauf seine Entlossung eingereicht. Die Ver— treter der hiesigen Presse haben die Ueberzeugung gewonnen, daß die Burgersoldaten von St. Gilles es darauf abgesehen hatten, sich an den Jour— nalisten zu rächen, weil diese das zudringliche
Verfahren des Bürgermeisters der Vorstadt, der
dem Bürgermeister der Hauptgemeinde Be beim Empfang Stanley's den Rang abla wollte, mißbilligt hatten. Frankreich. Paris, i Abendblättern zufolge nimmt der Streik der A beiter zu. In den Hüttenwerken von Comens feiern 1300 Schmiede. — Ueber die Niederlage der Franzosen Dahomey wird gemeldet: Die 450 Mann stasß Besatzung von Portouovo machte am 21. dg einen Ausfall und stieß auf die vom König sel befehligte Hauptmacht von Dohomey. Nach zwi ssen stündigem Kampfe, während dessen die franzoff schen Streitkräfte drei Todte und fünfzig Ve ee wundete verloren, mußten sie sich zurückzieheh bien und wurden von den Dahomeyleuten fast 5 an die Mauern von Portonovo verfolgt. 90 5 Großbritanien. London. Es sind naß ae dem Fr. J. Verhandlungen eingeleitet zur F stellung der deutschen und englischen Sphäre 40 ostafrikanischen Seengebiet. g — Sichere Anzeichen lassen darauf schließe daß die Arbeiterbewegung für die Feier da 1. Mai von hier aus geleitet wird. 0 Spanien. Madrid. Die Arbeiterbeweg ung in den Nordprovinzeu nimmt bedeutend ah Ausdehnung zu. In Valencia drohen die Au beiter mit Gewalt. Viele wohlhabende Familien baben die Stadt verlassen. Die Regierung triff, militärische Gegenmaßregeln. Der Hof verschon die Uebersiedelung nach Aranjuez auf den 5. Maß Italien. Rom. Ein Telegramm de „Post“ von hier meldet: Die Curie lehnte m Rücksicht auf die Verhandlungen der bayerischeg Kammer und die Aktion des Episkopats neut Verständigungsversuche der bayerischen Regierung ab, da der Episkopat unbeschränkte Vollmacht
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24. April. 15 S0 n
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17 besitze. t Bulgarien. Sofia. Es verlautet, daß. Stambuloff über eine panslavistische Verschwörung ia gegen sein Leben genau unterrichtet, aber wach- fe sam sei. Die bulgarische Regierung geht mie dem Gedanken um, Geschä'tsträger in Ron!“
und London zu ernennen. Nach Meldungen 78 der Blätter soll ein theilweiser Ministerwechsel!“ 0 bevorstehen. Der Finanzminister Sallabascheff!“ und der Justizminister Tontscheff würden wegen“ Uneinigkeit mit Stambuloff zurücktreten.
Rußland. Petersburg. In der russischen 0 Hochverraths-Angelegenheit wird der„Daily vo News“ von hier gemeldet, es werde behauptet,. daß der russische Marineoffizier und die übrigen
Personen, welche als Verräther verhaftet wurden, zu
nur im Verfolg von Weisungen der russischen 4 Behörden unterhandelten, um zwei fremdlän— dischen Militäratachés eine Falle zu stellen. 187
Amerika. Washington. Der Senat ge— 8 nehmigte die Chicagoer Weltausstellung für 1898 9 und die Flottenschau in Newyork, zu der Ein-“ ladungen an fremde Mächte ergehen sollen. Das 10
Repräsentantenhaus erklärte sich ebenfalls mit. der Flottenschau einverstanden. 10 Aus Stadt und Land. für
2 Friedberg. Um die endgiltigen Maßregeln in r
der Lotterie Frage ergreifen zu können und die dazu nothe r wendigen Vollmachten zu erlangen, gedenkt der Vorstandse des hiesigen Stadtkirchenbau-Vereins im Laufe der nächsten 0 Woche(der bestimmte Tag wird noch besonders dutch
Annonce mitgetheilt werden) eine außerordentliche General 10
Versammlung einzuberufen Wir wollen auf diese lh
schon vorläufig hier aufmerksam machen und hoffen a 7 einen recht zahlreichen Besuch dieser wichtigen Versammluß.
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Allerlei. J 2
Speyer. Der Kaiser bat 5000 Mark zur Errich tun Da
der Protestations-Gedächtnißkirche gestiftet. 1 N wün
Cherburg, 21. April. Während der Schießübungey Lin
an Bord des Dampfers„Requin“ explodirte ein Kesft U
Acht Mann wurden verwundet. 1 sur
New⸗Nork, 24. April. Eine Depesche aus Sat Franelseo meldet, daß ein heftiges Erdbeben daselbst 3 312 Uhr Morgens stattgefunden habe. I
Nagasaki. Verheerende Brände fanden am 25. Mal
in dret japanischen Städten statt. Im Ganzen wurde chr 1100 Häuser eingeäschert, nämlich 300 in Aomati, 500, lollez Noshiro und 3% in Mimuro. 1 0 5 i 5 55 5 ee Kirchliche Anzeigen für Friedberg Piaf Evangelische Gemeinde. I Liceg
Jubilate. b N big
Pfarramtswoche: Herr Pfarrer Meyer J


