Ausgabe 
25.9.1890
 
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Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag von den Booten desCossack gekaperten Sklaven Dhau. Mehrere betheiligte Araber sind verhaftet worden und die Haͤuser und das Vermögen derfenigen, die von der Dhau entkamen und bis jetzt nicht zurückgekehrt sind, wurden unter Bewachung gestellt. Der Sultan ist angeblich entschlossen, ein Beispiel zu statuiren, da dies der erste Fall seit der Veröffentlichung seines Sklaven-Eman cipations-Erlasses ist. Der deutsche Reichs: angehörige Künzel, welcher mit acht Deutschen kürzlich in Lamu landete, gerieth am 15. d. M. mit Einwohnern von Witu in Streit. Hierbei wurden Künzel und sieben seiner Gefaͤhrten ge tödtet; nur einer entkam. Die Untersuchung ist angeordnet.

Australien. Sidney, 21. Sept. Die Arbeitsconferenz hat den bekannten Führer der Londoner Arbeiter John Burns mittelst Kabel depesche ersucht, die Anwerbung von Arbeitern in England und deren Zuzug nach Australien zu verhindern. Die Conferenz hat ferner den Erz bischof von Sidney, Cardinal Morau, den Ober richter von Victoria und den Premierminister von Queensland, zu Schiedsrichtern zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern vorgeschlagen und sich verpflichtet, deren Entscheidung Gehorsam zu verschaffen. Wie verlautet, sollen für den Fall neuer Ruhestörungen von den Kreuzern Orlando undCurgaao Marinesoldaten ge landet werden.

Melbourne. Die australischen Behörden be schlossen, die Auflehnungsversuche der Streiken den durch die strengsten Maßnahmen zu vereiteln. Eine bedeutende Anzahl Bürger wurden als berittene Constabler zum Schutz arbeitswilliger Leute verpflichtet. Die Arbeitgeber beharren fest darauf, sich den ungerechten Forderungen zu widersetzen und werden voraussichtlich Sieger bleiben.

Aus Stadt und Land.

. err Frledberg. Der Vorstand des Taunuselub Wetterau hat auf sein Nachsuchen von dem Hausberg Verein in Butzbach in freundlicher Weise einen Schlüssel zum Hausbergthurm überlassen bekommen und wird dem genannten Nachbarverein auch an dieser Stelle nochmals herzlichst gedankt Gleichzeitig werden die Mitglieder des Taunus Clubs Wetterau darauf aufmerksam gemacht, daß sie den Schlüssel bei Touren, welche den Hausberg berühren, von dem Vorstandsmitglied des Vereins Kauf mann J. Dörr erhalten können. Wer schon auf dem erwähnten Thurm war, der weiß, welch großartige Aus sicht man von da hat, wer aber noch nicht dort war, der möge nicht versäumen, sich jetzt bet den herrlichen Herbsttagen diesen Genuß zu verschaffen

rr Friedberg. Der Taunuselub Wetterau machte am vergangenen Sonntag seine diesjährige letzte programm mäßige Tour, woran sich 6 Fetedberger Mitglieder be thetligten und welche von herrlichem Wetter begünstigt, einen schönen Verlauf nahm. Gegen 8 Uhr ging die kleine, aber fröhliche Schaar von Butzbach durch pracht volle Buchen und Eichenwälder nach Cleeberg, wo man gegen 10 Uhr ankam und sich in dem Gasthauszum

deutschen Katset einen Frühschoppen erlaubte. Von da ging es über das sogenannte Schormfeld nach Weiper! felden und dann durch ein reizendes Wiesen' hal nach Bodenrod. Hier wurde bei Bürgermeister Wissig Rast gemacht und nahm man daselbst das Mittagessen in einem netten Gärtchen zu sich. Mit der Bewirthung war Jeder, zur Ehre des Wirth's sei mes gesagt, zufrieden, selbst ein Obergenteßer. Durch gemüthliches Plaudern und etwas Kegelschieben vergingen sehr rasch 2 Stunden und machte man sich gegen 2 Uhr auf zum Weitermarsch über den Gebirgskamm nach dem Hausberg, von wo leider die Aussicht nicht mehr gut war, da es gegen 4 Uhr etwas dunstig wurde. Nach einem kurzen Aufenthalt ging es dann wieder durch schöͤne Waldungen zurück nach Bußbach und verbrachte man bel Gastwirth Kalbfleisch noch annähernd 2 Stunden in gemuthlicher Wetse. Der 8 Uhr Zug wurde zur Heimfahrt benutzt und trennten die Theilnehmer sich am hiesigen Bahnhof mit dem Be wußtseln, einen vergnügten Tag verlebt, eine schöne er frischende Tour gemacht und dadurch etwas für ihre Ge sundheit gethan zu haben.

Gleßen, 23. Sept. In der gestrigen ersten Sitzung des Schwurgerichts wurde unter Ausschluß der Oeffent lichkeit wider Peter Küster von Ilbenstadt, wegen Stitt lichkeitsvergehens, verhandelt. Der Angeklagte wurde des ihm zur Last gelegten Verbrechens für schuldig erachtet und zu einer Gefängnißstrafe von 1 Jahr 6 Monaten verurtheilt. Fernere Verhandlungen sigd: Heute Vor mittag 9 Uhr, gegen Hartmann Schüßler von Rendel, wegen Meineids; den 24. Sept., Vorm. Uhr, gegen Joh. Feller von Schneppenhausen, wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit; den 25. Sept., Vorm. Uhr, gegen Jos. Müller von Böͤnstadt, wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit.

Allerlei.

st. Frankfurt. Die berühmte Sängerin Mareella Sembrich, welche während des bevorstehenden Winters nicht in Deutschland, sondern nur im Auslande und zu nächst in Spanien gastiren wird, tritt vor Begenn dieser Reise nochmals im Frankfurter Opernhause auf und zwar Montag den 29. September als Nachtwandlerin, eine ihrer hervorragendsten Partien. Platzbestellungen werden schon von heute an an der Kasse des Opernhauses ent gegengenommen

Carlsruhe, 22. Sept. In Gerlachsheim(Baden) sind heute Nacht 45 Häuser abgebrannt. Etwa 20 Familien sind obdachlos.

Berlin, 22. Sept. In der Neuen Hochstraße 53 ist in der Nacht vom Sonntag zum Montag gegen 11 Uhr durch Unvorsichtigkeit eine Petroleumlampe explodirt und wurden etwa zehn Personen einer Hochzeitsgesellschaft mehr oder weniger schwer durch Feuer verletzt.

Posen, 24. Sept. Bei einem Feuer in dem Dorfe Groß Wysocko bet Ostrowo sind gestern vier Kinder ver brannt.

Sankt Gallen, Sept. In der vergangenen Nacht ist das Dorf Rütht und der Weiler Rehag im Rheinthal bei heftigem Föhn gänzlich niedergebrannt.

Marseille, 22. Sept. In Marseille und dem De partement Gard fanden heute heftige Gewitterstürme statt, welche großen Schaden anrichteten.

Malland, 21. Sept Gestern wurde in Genua neuerding ein heftiges, wellenförmiges, zwei Sekunden dauerndes Erdbeben verspürt.

Matland, 23. Sept. Auf der Elsenbahnlintie Genua Ventlmiglia ist infolge starker Regengüsse der Verkehr unterbrochen worden. Mehrere Brücken sind eingestürzt.

Florenz, 23. Sept. Auf der kürzlich eröffneten elektrischen Trambahn Florenz-Flesole fand eine Entgleisung statt. 6 Personen wurden getödtet, 12 andere schwer verwundet,

Madrid, 23. Sept. In den infieirten Provinzen haben am Sonntag 61 Cholera-Erkrankungen stattge funden, von denen 48 tödtlich verliefen.

New Pork, 20. Sept. Ein heftiger Wirbelsturm suchte gestern den Staat Jowa heim, allenthalben große Verheerungen anrichtend. In der Stadt Manning wurden 12 Personen getödtet und 40 verwundet.

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.

Die Zeit der Brandunfälle ist wieder ge kommen. Gefüllte Scheuern, hierzu die übliche Unvorsichtigkeit, Unfall oder böswillige Brand stiftung, und in kurzen Zwischenräumen röthet sich der Himmel, die Sturmglocken verkünden weit in das Land hinaus, daß das Element sich der Fessel entledigt und die Gebilde der Menschenhand zu zerstören droht. Führt einem die Pflicht, oder der Zufall zu einem derartigen Schadenfeuer, so erlebt man in manchen Faäͤllen Zustände, die einem unwillkürlich die Frage aufdrängen:Wie kann hier geholfen werden? Gewiß wird das neue Löschgesetz und dessen Ausführungsbestimmungen, welche demnächst er wartet werden, Vieles zum Besseren wenden, aber beseitigen wird es die Fehler keineswegs ganz. Welche nutzlose Verschwendung von Kraft und Zeit, um eine der alten schwerfälligen Spritzen zu transportiren und in Thätigkeit zu setzen. Sechszig und noch mehr Mann braucht man dazu, um nach langer Zeit das zu voll bringen, was mit einer guten Saug- und Druck spritze von 10 Mann geleistet werden kann. Dann die Wasserbeschaffung. Eine lange Reihe wird bis zum Brunnen oder Bache gebildet, hundert und mehr Personen sind dazu nöthig. Die Eimer der ganzen Einwohnerschaft sind im Gebrauch, es wird unausgesetzt geschöpft, gereicht und gearbeitet, und doch fehlt es an der Brand stelle an Wasser. Warum? Bei jedem Wechsel des Eimers von Hand zu Hand geht ein Theil verschüttet, bis er an der Spritze ankommt, ist nicht mehr ¼ Wasser darin; sind nun dazu Spritzenkasten oder Schläuche nicht ganz dicht, so geht auch dort noch Wasser verloren und das Feuer greift um sich, nicht daß es etwa an Wasser gefehlt hätte, nein, weil es auf die Straße anstatt in den Feuerheerd geflossen ist. Ein einziger Saugschlauch von 2025 Meter Länge, könnte die ganze Arbeit ersetzen und kein Tropfen Wasser ginge verloren. Ebenso ist das Leitermaterial in vielen Fällen ganz im Argen: schwerfällig, unhandlich und unpraktisch und oft mals nicht zuverlässig, haben die Leitern schon manchen Unglücksfall herbeigeführt. Wenn's mit einem blauen Auge abgeht, ist's nicht schlimm, aber wie, wenn schwere Verletzungen vorkommen? Eine 10 Meter-Schiebleiter würde alle diese Schäden heben. Sie ist leicht zur Brandstelle

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zu bringen, leicht zu handhaben und man i im Stande die meisten Gebäude in vielen Fälleg, sogar das Kirchendach zu besteigen. sperrung des Brandplatzes und die Aufrechthal, tung der Ordnung auf demselben läßt gewöhnlich Alles zu wuͤnschen übrig. Einsender kann sh

auch nicht erinnern, daß überhaupt in den Oi

schaften irgendwo abgesperrt worden ist. schauer aller Art, Frauen, Kinder laufen, her und setzen sich der Gefahr aus von herabfallendt Ziegeln und drgl. getroffen zu werden. Dis jenigen, welche am wenigsten mit der Hand an greifen wollen, glauben sich berufen, hier Krill üben zu dürfen, Alle zu korrigiren und es en folgt Widerrede und Streit. Nur 1012 Mang, welche dazu bestimmt sind den Brandplatz ah, zusperren und unnachsichtlich Jeden zurüͤckweiseg, der nichts dort verloren hat, können Ordnung schaffen und die Löschmannschaft kann ruhig un ungestört arbeiten, Unglücksfälle werden verhüle und der Diebstahl fast unmöglich gemacht. Daß etwa sind die Hauptanstände, die Schreiben dieser Zeilen so vielfach wahrgenommen hal und eine gründliche Beseitigung dieser Uebel stände kann nur dann erfolgen, wenn man sich anschickt Freiwillige Feuerwebren gründen und sie mit den nöthigen Lösch- und Rettungsgeräthen ausrüstet und schult; dent auch das beste Geräth ist nutzlos, wenn es nicht von einer ausgebildeten Mannschaft bedient wird. Ja, wird man mir einwenden, das ist ja Alles ganz gut und schön, doch das kostes zu viel Geld, das kann unsere Gemeinde nicht leisten. Gemach, es kostet bei Weitem nicht soviel, wie manche Leute glauben; und macht sich denn die Anschaffung guter Geräthe nicht von selbst bezahlt? Ist denn nicht das Hab und Gut auch nur Eines unserer Nächsten zehnmal mehr werth als eine gute Spritze kostet? oder ist ein einziges Menschenleben, das in den Flammen umkommt, nicht mehr werth als was eine Schiebleiter kostet, mit der ihm Rettung hätte gebracht werden können? Wird auf einer Brandstelle von den geretteten Sachen oft nicht mehr gestohlen oder zertreten, als was zwe Leinen zum Absperren kosten? Sind denn 300 Mann dazu nöthig, um mit Aufbietung aller Kraft das zu leisten, was eine geschulte Feuer⸗ wehr von 50 Mann leicht vollbringt? Was die Ausrüstuͤng einer freiwilligen Feuerwehr kostet, darüber erlaubt sich Einsender in einer späteren Nummer zu berichten und hoffentlich gelingt es ihm, etwaige Vorurtheile gegen das Institut der Freiwilligen Feuerwehren zu be⸗- seitigen, denn die Zweckmäßigkeit derselben auch fur kleine Gemeinden kann doch wohl ernstlich nicht be stritten werden. m.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 23. Sept. Fruchtpr. Weizen M. 19.00 bis 00.00, Korn M. 16.00-00.00, Gerste M. 15,00 bis 16.00, Hafer neuer M. 14.00 00.00. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo gleich 200 Zollpfund.

Friedberg, 24. Sept. Buttermarkt. Butter kostet per Pfd. M. O 901.10, Eier 1 St. 7 Pf., 2 St. 13 Pf.

Buß bach, 20. Sept. Wochenmarkt. Butter kostete per Pfund M. 1.101.15, Käse per Pfund 4546 Pf. Elter 2 Stück 13 Pfg.

Hungen, 22. Sept. Der heutigeSeptember⸗Markte welcher zum zweiten Male mit Rindviehmarkt verbunden war, war gleich dem vorlährigen gut besucht. Auf trteben waren eirea 30 Stück Zuchtochsen und eth 200 Stück Kühe und Rinder. Es wurden hier zahlreich Händel abgeschlossen und von den Verkäufern gute Presst erzielt. Auch der Schweinemarkt war besonders 1 Ferkeln gut befahren, doch war hier, namentlich bl letzteren, ein Rückgang der Preise zu bemerken. Bezahlt wurde das Paar Ferkel mit 20 40 M., je nach Alt und Qualität, Springer kosteten 40-70 Mark. Gegen Uhr Mittags fand die Prämlirung des Rindvlehes statt. Auch der des Nachmittags stattfindende Kräne Markt war ziemlich gut besucht.

Gleßen, 23. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarft kostete: Butter per Pfd. M. 0.80 0.95, Eier 1 St. 7 Pf/ 2 St. 13 Pfg., Käse per St. 58 Pfg., Tauben pet Paar M. 0.50 0.65, Hühner per St. M. 0.90 1.00 Hahnen per Stück M. 0.60 0.90, Enten per Stüc M. 1.50 1.80, Ochsenfleisch per Pfund 7074 Pf Kuh- und Rindfleisch 6064 Pf., Schweinefleisch 70 bg 80 Pf., Hammelfleisch 58 68 Pf., Kalbflelsch 6000 Pf, Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.00 8.00, Zwiebeln pe Ctr. M. 5.00.

Frankfurt, 22. Sept. Fruchtbericht. Hlesige Weizenmehl Nr. 0 M. 39.00 34.00, Nr. 1 M. 3100

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