rath gelangt und dürfte morgen bereits berathen werden. Derselbe verlangt rund 73,600,000 M. und zwar an dauernden Ausgaben 8,400,000 M., an einmaligen 65,200,000 M. Die ersteren sollen durch Erhöbung der Matrikularbeiträge, die letzteren durch Anleihe gedeckt werden.
— 20. Juni. Reichstag. Die Berathung über dle Gewerbegerichtsvorlage wird bei Absatz 3, Paragraph 12, verbunden mit Paragraph 72, fortgesetzt, welche die Zu— ständigkeit der Innungsschledsgerichte neben der Zuständig keit der Gewerbegerichte betreffen. Biehl ist für die Commissionsvorlage, Eberty, Auer, Miquel und Meyer(Berlin) sind prinzipiell für die Besettigung der Innungsschiedsgerichte. v. Kleist Retz ow will den Innungen ihr Recht erhalten wissen. Bundescommissär Lohmann bittet um Annahme der Regterungsvorlage. Böckel meint, wenn man die Innungen stärke, werde man die Soeialisten unterdrücken. Bebel spricht sich gegen die Ausführungen Böckel's aus.— 21. Jani, Der Reichstag setzte die Berathung der Gewerbegerichts: novelle fort und genehmigte dieselbe bis Paragraph 47 vorwiegend in der Commissionsfassung, beschloß aber zu Paragraph 35 a die Einfügung der Bestimmung, daß der ausgedliebenen Partei eine Berufung gegen das Ver säumnißurtheil zustebt, sobald ein Naturereigniß oder unabwendbare Unfälle das Ausbleiben derselben verur sacht. Bei Berathung über Paragraph 49(Zulassung der Berufung, wenn das Streitobjekt einen Werth von über 100 Mark besitzt) vertagte sich das Haus.
— 22. Juni. Der Reichscommissär Wiß— mann traf heute hier ein.
— In colonialpolitischen Kreisen überwiegt jetzt nach dem Fr. IJ. die Ansicht, daß die Zu⸗ geständnisse an England viel zu große seien. Auch sind Unklarheiten und Zweideutigkeiten im deutschen Texte des Abkommens. Das Fr. I. hatte das Urtheil, daß das deutsch-englische Abkommen „eine Wiederholung des Handels zwischen Esau und Jakob sei“, zuerst von allen deutschen Blättern in unmittelbarem Anschluß an die Depesche der„Reichsanzeiger“ Veröffentlichung ausgesprochen. Gerade die„colonialfreundlichen“ norddeutschen Organe, u. a. die„Nat. Ztg.“ und„Börsen Ztg.“, wußten nicht lebhaft genug ihre Befriedigung auszudrücken.
Wernigerode, 19. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin sind heute Vormittag 11 Uhr hier eingetroffen und fuhren nach dem Christianen⸗ thale, um der Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelm J. beizuwohnen. Am Nachmittag unter nahmen die Majestäten in Begleitung der gräf— lichen Familie eine Rundfahrt durch die Stadt und einen Ausflug nach dem Saupark bei Hasserode.
Essen, 20. Juni. Der Kaiser traf heute Vormittag 9 Ubr hier ein, besichtigte unter Führung Krupp's die Fabrik, die Schule und die Konsumanstalten und empfing eine von Krupp vorgestellte Deputation von 700 Arbeitern, die verschiedenen Werkstätten angehörten. Der Monarch erwiederte das auf ihn ausgebrachte Hoch mit der Versicherung, daß der zum Woble der Arbeiter eingeschlagene Weg, da er sich bewährt habe, weiter verfolgt werden solle, und schloß mit einem Hoch auf die Firma Krupp. Der Kaiser fuhr hietauf nach der„Villa Hügel“, wo das Mittagsmahl eingenommen wurde.
Ausland.
Schweiz. Bern. 21. Juni. Der National— rath beschloß mit 88 gegen 14 Stimmen die Annahme des unveränderten Entwurfes betreffend den Ankauf von Jura-Simplon Prioritäten.
Schweden. Stockholm. Einer amtlichen Mittheilung zufolge erklärten die Aerzte der Kronprinzessin, für den Fortgang der allmählichen Besserung der hohen Frau sei eine Rückkehr der— selben nach Schweden nicht räthlich. Der Kron— prinz ersuchte mit Zustimmung des Königs die Kronprinzessin, auf die Rückkehr vorläufig zu verzichten.
Frankreich. Paris. In Folge der Er— klärungen der russischen Angeklagten über einen bezahlten Aufwiegler, den man bisher noch nicht hat wieder auffinden können, hat der Untersuch— ungsrichter verfügt, daß fast alle Angeklagten zu entlassen seien. Die Angelegenheit entpuppt sich immer mehr als eine Farce, die man um sich bei Rußland„lieb Kind“ zu machen, ein— fädelte.
bury's Vermittelung sind die Differenzen zwischen dem Polizeichef Monroe und dem Minister Mat— thews geordnet worden. Monroe zieht wahr⸗— scheinlich seine Demission zurück. Helgoland, 21. Juni. Der Gouverneur der Insel ist gestern von London zurückgekehrt, von Kanonensalut und dem Gesang der National- hymne empfangen. Die Schiffe und Häuser sind beflaggt. Spanien. Madrid, 21. Juni. Die Kammer lehnte mit 93 gegen 56 Stimmen bei der Bud— getberathung das Amendement ab, welches Kündig⸗ ung sämmtlicher Handelsverträge verlangt. — 22. Juni. Die Deputirtenkammer geneh— migte ein Amendement zu dem Budget, durch welches die Regierung ermächtigt wird, die Zoll— tarife zu revidiren, je nachdem die Interessen des Landes solches wunschenswerth erscheinen lassen. Italien. Rom Der Ministerrath hat im Prinzip die Geldentschädigung an durch richter— lichen Irrthum unschuldig Verurtheilte adoptirt. — Der officiösen„Italia“ zufolge wird die Regierung den Römischen Gemeinderath auflösen und die Communalverwaltung einem königlichen Commissär übertragen. Rumänien. Bukarest, 22. Juni. Der Senat hat Convertirung der 6procentigen Schuld mit 52 gegen 15 Stimmen genehmigt. Beide Kammern wurden darauf durch eine vom Minister— Conseilpräsidenten Mano verlesene königliche Bot— schaft geschlossen. Serbien. Belgrad. Laut einer Belgrader Mittheilung des„N. W. T.“ soll der Regent Ristitsch in der nächsten Zeit nach Wien kommen wollen. Als Zweck seiner Reise werde eine arzt. liche Consultation angegeben, thatsächlich aber habe die Reise politische Bedeutung. Ristitsch sei mit dem hochverrätherischen Treiben der Radi— calen sehr unzufrieden und strebe die Sicherung der Dynastie Obrenowitsch gegen allfällige Ge— fahren an. Bulgarien. Sofia. An der Pariser Börse war das Gerücht verbreitet, Bulgarien weigere die Zahlung des Tributes an die Türkel. Rußland. Petersburg. In Paris sind Nachrichten eingetroffen, laut welcher der Zar am Mittwoch auf seinem Schreibtisch eine Mit— theilung gefunden habe, die ein neues Vorgehen gegen die russische Selbstherrschaft ankündige. Die Mittheilung trage die Unterschrift:„Aus— schuß für die Befseiung des Russenvolkes.“ Amerika. Newyork, 22. Juni. Nach einer Meldung des„Newyork-Herald“ aus Neufund. land hat in Port- a-Port zwischen etwa 200 französischen und neufundländischen Fischern ein thätlicher Zusammenstoß stattgefunden, bei welchem auf beiden Seiten zahlreiche Personen verletzt wurden. Die französischen Fischer, die in der! Minderheit waren, wurden genöthigt sich zurück⸗ zuziehen. Das Recht der Fischerei in den dortigen Gewässer haben Amerika, England und Frank. reich gemeinschaftlich Aus Stadt und Land. ö 2 Frledberg. Wir machen die Leser des Anzeigers auf die heutige Annonee aufmerksam, wonach am nächsten Mittwoch im„Saalbau“ eine gemeinschaftliche Sitzung des„Ev. Vereins“ und des„Ev. Bundes“ wie solche für öfter in Aussicht genommen sind, stattfindet. Sowohl der eifrige und feste ev. Sinn als auch der interessante Gegenstand der Besprechung, den Professor Weiffenbach mit einem kurzen orientirenden Vortrag einlesten wird, werden gewiß Viele herführen. Alle ev. Bewohner Fried- bergs und der Umgegend, sowie ins besondere die Damen des Bundes und des Vereins sind dabei willkommen. M. Friedberg. Im Monat Mal s hatte die Herberge zur Heimath dahier eine Einnahme von 205 M. 65 Pf. und eine Ausgabe von 270 M. 84 Pf. Die Mehr— ausgabe wurde nur theilweise durch die Mehr Einnahme der vorhergehenden Monate gedeckt. In den ersten 5 Monaten d. J. hatte die Herberge 1446 M. 33 Pf. verausgabt und 1430 M. 90 Pf. eingenommen. Dem— entsprechend hatte sie Ende Mal eine Minder-Einnahme von 15 M. 43 Pf. Dabei ist aber zu bemerken, daß von den Einnahmen des Jahres 189) im Betrage von 96 M. 23 Pf. Betriebskosten aus dem Jahre 1889 bezahlt worden sind. Aus dieser Darstellung ergibt sich, daß die Einnahmen unserer Anstalt selbst bei der ge— wissenhaftesten Führung der Haushaltung zur Zahlung der Kapitalzinsen, der Besoldung, für Erneuerung des Inventars und zur Zahlung der Steuern keinen nen nens“
bitten. Gewiß sollte uns auch die Erfahrung, daß dug die Abnahme des Straßenbettelns in jeder Haus haltun der Stadt und auf dem Lande Ersparntsse eingetrei sind, eine Aufmunterung gewähren, die Anstalt unterstützen, durch deren Bestehen wir diese Wohlthe genießen.
bd. Bad⸗Nauhelm. In der letzten Woche sg
503 Kurfremde angekommen, im Ganzen jetzt 3234 Pai
sonen. ch. Heldenbergen. Der Gesangverein„Euphrosine
dahter fetert am 6. u. 7. Jult sein 50 jähriges Stiftung 6
fest Es sind dieserhalb Einladungen an die Vereine d Nachbarschaft ergangen, von denen auch ein zahlreich Besuch zu erwarten steht. werden von 11 Uhr Vormittags ab die auswärtigen Fe gäste empfangen werden. Nachmittags 2 Uhr Festzg durch die Straßen des Orts nach dem Festplaze. Nag Eintreffen auf dem Festplatze werden die Vereine Nidderthal-Sängerbundes als Chorlied singen:„Daß deutsche Lied“! Dann erfolgt Festrede und Vortrag 9 Special Chöre der einzelnen Vereine. Die Wurthsch auf dem Festplatze ist den beiden Vereinswirthen G und Schneider übertragen worden und bürgt der g Ruf beider dafür, daß in dieser Beziehung Nichts wünschen übrig bleibt. Wenn uns noch der Himmel ag
Festtage ein freundliches Gesicht zeigt, so wird das 5
den vielen schon früher hier abgehaltenen Festen eb bürtig zur Seite stehen. 9
Gießen, 20. Junt. Schwurgericht. Die Anklagz sache gegen Philipp Roth von Bruchenbrücken weg Meineids und Philipp Kniß von da wegen Anstiftung daß beschäftigte gestern den Gerichtshof. Die Geschworeig verneinten die Schuldfrage, bejahten aber die weltere gt
stellte Frage auf„fahrläßigen Falscheid“, während sie N
auf Anstiftung gerichteten Schuldsragen bezüglich dag Kniß verneinten. Es erfolgte Verurthetlung des Phllsch Roth nach Antrag des Staatsanwalts in eine Gefängnsß strafe von 5 Monaten, von welcher 4 Monate durch da Untersuchungshaft als verbüßt anzusehen sind, bezüglich des Kniß wurde auf Freisprechung erkannt. Die Kossg wurden zur einen Hälfte dem Angeklagten Roth, zu anderen Hälfte der Staatskasse auferlegt, Kniß erhä Ersatz seiner nothwendigen Auslagen. Die Haft beldeh Angeklagten wurde aufgehoben— 21. Juni. Mit der Verhandlung gegen Konrad Troß und Carl Troß bon, Klein Karben wurden gestern die Sitzungen des Schwur, gerichts geschlossen. Der Erstgenannte ist des Tödtungs, versuchs, der letztere der schweren Körperverletzung, dat Widerstands gegen die Staatsgewalt und der Bedrohung eines Beamten angeklagt. Die Geschworenen bejaht die auf Versuch der Tödtung gerichtete Schuldfraz ebenso diejenigen bezüglich der Vergehen des Carl Tu an sie gerichteten Fragen und es erfolgte demgemiß Verurtheilung des Konrad Troß in eine Zuchthausstras von 2½ Jahren; Carl Troß erhielt wegen der ui schledenen Deltete eine Gesammtgefängnißstrafe von Monaten. Da bezüglich des Letzteren Fluchtverdach nicht unbegründet erscheint, sprach das Gericht auf Antrag des Staatsanwalts die sofortige Verhaftung des Caf Troß aus.
Allerlei. j. Frankfurt Am 29. Juni soll eine gesellig Vereinsgung der nattonalllberalen Partet von Frankfus und weiterer Umgegend stattfinden. Die Vorberestungm dazu auf der Güntbersburg sind im bestem Zuge. Gs sind nicht allein bereits von vielen auswärtigen Vereinen auf die bezügliche Einladung Zusagen für das Erschelnen zahlreicher Mitglieder bet dem Vorstande des hlestgen Wahlvereins eingegangen, sondern auch verschtedene her vorragende Partelführer haben ihre Theilnahme zugesagtt und die Nednerliste weist die besten Namen auf. Der fün die geselligen Zwecke des Tages besonders eingesetzte Aus“ schuß hat die ihm gestellten Aufgaben, festliche Herstellung des Platzes, Einrichtung des Wirthschafts betriebes u. s. wa nahezu vollendet und wir dürfen, falls uns nicht Jupiten Pluvius einen argen Strich durch die Rechnung mach dem Parteitage mit frohen Hoffnungen entgegensehen, Aber selbst für den Fall eines plötzlichen Regenschauenz ist Vorsorge getroffen und werden unsere Gäste in den dazu hergerichteten Orangerie sowte in den unteren Räume des Schlosses in solchem Falle ausreichenden Schutz von des Wetters Unbilden finden 5 Stuttgart, 21. Junt. Der von Stuttgart nac Mühlacker fahrende Güterzug 614 stieß Nachts nat 12 Uhr mit dem aus Mühlacker in der Richtung nal Illingen ausgefahrenen Güterzug 619 etwa 1½ Kilos dor Mühlacker zusammen. Der Zug 619 fuhr info unterlassener Weichenbedienung stakt auf dem rechten dem linken Geleise, auf welchem der Zug 614 auf d Fahrt von Stuttgart nach Mühlacker begriffen wh Von dem Personal der beiden Züge sind, wie d „Schwäb Merkur“ berichtet, 2 getödtet, 3 schwer un 4 leicht verwundet. Zwei Locomotiven und fünf Gül wagen wurden stark beschädigt. Guntershausen, 17. Junl. Ein schrecklicher Vol fall hat sich heute nach dem G A. hier ereignet. einem Bahnübergange in der Nähe des hiesigen Boah
Nach dem Fest programi
hofs kam früh gegen 5 Uhr ein älterer Mann gell alsbald gefolgt von einem jüngeren, der ihn zur zuhalten suchte. Beide rangen mitelnander im Angesicht des heranbrausenden Zuges, als plötzlich der Aeli den Jüngeren von sich auf die Bahnboͤschung stleß dann sich selbst auf die Schtenen warf, wo ihn im näch Augenblicke die Räder der Maschine zermalmten. Nähel über die Persönlichkeiten ist hier noch nicht bekannt
werthen Beitrag liefern kann, und wir müssen darum
Großbritannien. London. Durch Salis—
unsere Freunde um fortgesetzte Unterstützung der Anstalt
worden, es sollen Vater und Sohn gewesen sein, aus den verzwelfelnden Rufen des Letzteren hervorzilhf
2


