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schweizerischen Niederlassungsvertrags, wird von der Tages- ordnung abgesetzt. Der Antrag Rintelen, betr. gerscht liches Zustellungswesen, wird einer vierzehngliederigen Commission überwiesen. Die Militäreommission des Reichstages hat wider Erwarten auch gestern noch nicht die Vorlage uber die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke angenommen. Es läßt sich daraus entnehmen, welches weitschichtige Material die Heeresverwaltung zur Begruͤn dung ihrer Forderungen herangezogen bat. Am Montag wurden die französischen Heeresverhältnisse und die Dis lokationen an der deutsch franzoͤsischen Grenze in ver traulicher Weise des Näheren erörtert; gestern wurden die russischen Verhältnisse einer näheren Betrachtung unterzogen.

21. Mal. Der russische Botschafter wird im Laufe dieser Woche den Fuͤrsten Bismarck besuchen.

DieVoss. Ztg. betrachtet den Rücktritt

des Ministers v. Scholz als ausgemacht und nennt Miquel als seinen Nachfolger. Die socialdemokratische Auffassung der Streiks kommt bei Gelegenheit des jetzigen Aus standes der Brauergesellen recht zum Ausdruck. Es ist nicht mehr ein Kampf um die Lohnfrage, sondern ein Kampf um die Macht zwischen Arbeit gebern und Arbeitern, der um so ernster ist, je mehr sich zeigt, daß unter der scheinbar ruhigen Oberfläche sich Garungsstoffe der bedenklichsten Art befinden.

21. Mai. Im Abgeordnetenhause wurde der Nachtragsetat betr. die Aufbesserung der Be amtenbesoldungen in dritter Lesung nach un wesentlichen Erörterungen angenommen. Dem Vernehmen nach ist bezüglich der Sperrgelder vorlage, welche am 3. Juni im Abgeordneten hause zur Berathung gelangt, zwischen Conser vativen, Freiconservativen und Nationalliberalen eine Verständigung über§ 3 in Vorbereitung, wonach die erstmalige Vereinbarung zwischen dem Cultusminister und den Bischöfen über die Ver wendungszwecke der Sperrgelderrenten eine voll ständig unbeschränkte sein und den Bischöfen für den ihnen nach solcher Vereinbarung etwa zu überweisenden Dispositionsfonds vollständig freie Hand gelassen werden soll. Bei etwa nothwen digen späteren Abänderungen einer Vereinbarung soll die Verwendung nur für solche Zwecke er folgen, wofür im Staatshaushaltsetat überhaupt Mittel ausgeworfen werden, bei einer Nichtver ständigung über die Verwendung soll die Rente dem Emeritenfonds der betreffenden Diöcese zufallen.

22. Mai. In der heutigen Sitzung des Bundes rathes wurde der Beschluß des Reichs- tags betreffend die Vorlegung des Entwurfs der Strafproceßordnung dem Vositzenden des Bundes rathes überwiesen. Dem Entwurfe einer Ver ordnung zur Ergänzung der Verordnung vom 14. April 1888, betreffend die Abänderung und Ergänzung der Ausführungsbestimmungen zum Gesetze über Kriegsleistungen wurde zugestimmt

Im Gegensatze zu der Meldung der Freis. Ztg., welche die Kaiserin Friedrich in die Angelegenheit des Ruͤcktrittes des Fürsten Bismarck hinzuziehen suchte, stellt dieB. Börsen zeitung wie das Fr. J. mittheilt, Folgendes alsthatsaͤchlich fest: Der Kaiser war verstimmt darüber, daß Fürst Bismarck den Abg. Windt horst empfing. Warum, ist hier nebensächlich; weit werthvoller ist die Frage, wer dem Kaiser von der am späten Abend stattgehabten Unter redung so zeitig Mittheilung machte, daß der Monarch am anderen Morgen sehr frühe bereits beim Reichskanzler Bismarck vorfahren und ihn über die Verhandlungen mit Windthorst inter pelliren konnte. Und dann: In welchem Lichte die Sache dem Kaiser dargestellt worden war. Denn es steht fest, daß im Verlauf der Ruͤck sprache Fürst Bismarck sich zur Ergebenheits Aeußerung gedränt sah, aus dem Amte scheiden zu wollen, wenn er das kaiserliche Vertrauen nicht mehr besäße, worauf der Kaiser nicht antwortete. Wenige Stunden später war das Entlassungsgesuch Bismarck's im kaiserlichen Cabinet. Hieraus ergibt sich, daß nicht einmal Zeit dazu war, der Kaiserin Friedrich vom Stand der Dinge Mittheilung zu machen.

Spandau. Die Artilleriewerkstätten er höhten den Tageslohn um 15 bis 20 pCt.

Breslau. DerSchlesischen Zeitung zu⸗ solge genehmigte der Reichskanzler die Einfuhr

lebender ungarischer Schweine aus Steinbruch auch in die Schlachthäuser von Oppeln und Rybnik sowie lebender galizischer Schweine aus Bielitz in die Schlachthäuser von Myslowitz, Ratibor, Beuthen, Gleiwitz, Oppeln und Rybnik

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Pilsen, 21. Mai. Der in der vorletzten Nacht erfolgte Zusammenstoß zwischen Militär und streikenden Bergarbeitern auf der Pankraz-Zeche stellt sich als bedeutender heraus, als man anfangs annahm. Das Militär gebrauchte die Feuerwaffen; zwölf Arbeiter wurden getödtet, siebzehn zum Theil schwer ver wundet.

Pest, 21. Mai. Der Ausschuß des Unter hauses nahm die Vorlage betreffend die Sonntags ruhe an, nachdem sich Minister Baroß auch auf die betreffenden Beschlüsse der Berliner Conferenz bezogen.

Danemark. Kopenhagen, 22. Mai. Der König trat heute Nachmittag auf derDanebrog seine Reise nach Wiesbaden über Lübeck an. Prinz Waldemar und Prinzessin Marie werden ihm bis dahin das Geleit geben.

Schweiz. Bern, 21. Mai. Die Abände rungsvorschläge betreffs des deutsch-schweizerischen Niederlassungs-Vertrags sind heute nach Berlin abgegangen. Der Bundesrath schlägt vor, Artikel 120a der Bundesverfassung derart zu revi diren, daß 50,000 stimmberechtigte Schweizer Bürger die Aufhebung oder Abänderung einzelner Artikel der Bundesverfassung, sowie die Auf stellung neuer Vertragsbestimmungen verlangen können. Sobald solches Begehren gestellt ist, hat eine Volksabstimmung darüber zu befinden; wenn das Volk bejaht, hat die Bundesversamm lung die Revision in die Hand zu nehmen.

Frankreich. Paris, 22. Mai. Die Kammer lehnte das vom Senat bereits genehmigte neue Preßgesetz mit 347 gegen 189 Stimmen ab.

Italien. Rom, 22. Mai. Ueber aufge⸗ regte Scenen, deren Schauplatz gestern die hie sige Deputirtenkammer war, berichtet man: Der Deputirte Cavallotti stellte in der Kammer den Antrag, daß künftig kein Deputirter mehr gleich⸗ zeitig ein Staatsamt einnehmen dürfe. Nicht weniger als dreihundert Deputirte, erklaͤrte Ca vallotti unter großem Lärm, lebten heute auf Staatskosten. Der Redner wurde alle Augen blicke durch wilde Zwischenrufe unterbrochen. Cavallotti's Vorschlag wurde schließlich mit 176 gegen 46 Stimmen zurüͤckgewiesen. Crispi rief in Folge der Vorgänge sofort einen Minister rath zusammen.

22. Mai. Aus Conselice bei Lugo werden überaus ernste Arbeiterunruhen gemeldet. Fünf hundert arbeitslose Landarbeiter zogen in droh ender Haltung vor das Rathhaus, wo sich zwischen der Menge und den Truppen ein erbitterter Kampf entspann. Die Truppen gaben Feuer, die Arbeiter antworteten mit einem Steinhagel. 4 Arbeiter wurden erschossen, 19 Personen schwer, sowie eine große Anzahl leichter verwundet. Einem Officier wurde durch einen Steinwurf die Schädeldecke zertrümmert. Die Menge hat inzwischen Zuwachs erhalten, und die Lage in Conselice, wo ein ungeheueres Elend unter den Landarbeitern herrscht, ist jetzt äußerst kritisch. Bedenkliche Nachrichten kommen auch aus anderen Theilen der Romagna.

Bulgarien. Sofia. Bulgarien unter handelt zur Zeit wegen einer Handelsconvention mit Deutschland.

In den letzten Tagen wurden bei der Rustschuker Garnison zahlreiche aufrührerische Proklamationen beschlagnahmt.

Rußland. Petersburg. General Tscher- najeff, der bekannte panslavistische Agitator, wurde wieder in den activen Dienst zurückgerufen und unter Stellung à la suite des Generalstabs zum Mitglied des Kriegsraths ernannt.

Aus Stadt und Land.

M. Friedberg. Im Monat Aprll hatte die Herberge zur Heilmath vom Betrieb des Geschäfts eine Einnahme

von 349 Mark 71 Pfennig, die Ausgabe betrug 296 Mark

17 Pfennig. Die hohen Beträge für Zinsen, S tu und für dle Besoldung sind in den genannten Aus gaß nicht mit eingeschlossen. Diese müssen durch freiw Beiträge für die Anstalt gedeckt werden. 7 g

7 Vilbel. Bei der in Frankfurt a. d. Oder von Redaktion des Praktischen Rathgeber für Obst- und Gartz bau veranstalteten Prämiirung von Obstweinen wurde de! erste Preis mit Geldprämie von 100 Mark der hiesig 1 Export Apfelwein Kelterei von Fr. Hinkel II. 0 Lindenfels für vorzüglichsten Apfelwein zuerkannt.

Allerlei.

A. Friedrichsdorf. Ein schönes Zeichen erkennung gelegentlich seines 25jährigen Jublläums, welch vor einigen Tagen der Falzer Wilhelm Geist aus Seul berg in der Lederfabrik von Emil C Privat dahler felerit gab sich dadurch kund, daß derselbe mit einer goldnen Uhr von Seiten seines Prinzipals, mit einem ande schönen Geschenke von seinen Mitarbeitern bedacht wurde Am Abend fand ein geselliges Zusammenseln im Hot Zum goldnen Löwen statt, wobei viele Toaste ausge bracht wurden und auch dem Jubilar zu Ehren die Fabri kapelle coneertlrte. Es ist dies schon seit einem Jahn der fünfte Arbeiter, welcher 25 Jahre seinem Herrn teig und ehrlich gedient hat und wollen wir hoffen, daß die Firma, welche schon seit ea. 30 Jahren besteht, aufblüheg möge und immer mehr und mehr durch ihre Lelstungz, fäbigkeit sich einen Weltruf erwerben möge. Der Jubllagz befindet sich noch im besten Mannesalter und wollen wg hoffen, daß ihm das Glück beschieden sein möge, noch recht viele Jahre in jener Fabrik thätig zu sein und seln 5 jähriges Jubiläum in derselben Geistes- und Korper frische zu erleben. ö

Wiesbaden, 22. Mai. Der General der Infankerst v. Fransecky ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

N ö Goun

1 A150 1

Handel und Verkehr.

Butzbach, 21. Mat. Wochenmarkt. Butter kost per Pfund 1.00 1.10 M., Käse per Pfund 4546 Eier 1 Stück 5 Pfg.

Frankfurt, 21. Mal. Wochenmarkt. Erbsen gange 15 per Pfd. 14 18 Pf., do. geschälte 1620 Pf., frischt in französische Erbsen per Pfund 40 bis 50 Pf., Linsen I mfc 5 25 Pf., weiße Bohnen 16 20 Pf., gelbe Kartoffeln pen 1 Gescheid 14 16 Pf., rothe Kartoffeln per Gescheld 12 bis 14 Pf., Mäuschenkartoffeln per Gescheid 2025 Pf., per 50 Kilo M. 12, Butter per Pfd. M. 1.30 1.40,

Eier das Stück 48 Pf., Blumenkohl kleiner neuer 02 franz, per Stück 40 80 Pf., ital. 50 60 Pf, 0 franz. Kopfsalat 418 Pf., Sellerieköpfe 1525 Pf, 15 5 Romainsalat per Stück 00 bis 00 Pf., franz. Romaln⸗ fir salat 5070 Pf., Zwiebeln das Gescheid 3540 Pf., t per Ctr. M. 14 16, Carotten das Päckchen 15 20 Pf, gelbe Ruben die Portion 15-20 Pf., rothe Muben hun 15 20 Pf., Radieschen 20 Pf. das Päckchen, Rellg. schwarze das Stück 12 14 Pf., weiße das Päckchen 000 10 12 Pf., hiesiger Koopfsalat 3 10 Pf., Schwarz- wurzel 50 70 Pf., franz. Sellerie 4050 Pfg., filsche 18ʃ dicke Spargel 4070 Pf., Lattigsalat 10 00 Pf. Gurken per St. M. 0.40 0.70, Kohlrabi per Stück 18 bis 20 Pf., franz. Zuckerschoten per Pfd. 70 80 Pf., b neue ital. Kartoffeln per Pfund 15 Pf.

Frankfurt, 22. Mai. Fruchtbericht. Hies. Welzen⸗ gro

mehl Nr. O M. 33.50 34.00, Nr. 1 M. 31.2532 75, Nr. 2 M. 27.50 28.50, Nr. 3 M. 25.75 27.25, Nr. 4 M. 20.50 bis 23.50, Nr. 5 M 18.00 19.00, Milchbrod- und Brodmehl im Verband M. 59.00 62.00, norddeutsche und westfälische Weizenmehle Nr. 00 M. 28.00 29.00, Roggenmehl loco hier Nr. 0 M. 27.50 28.50, Nr. 0/1 W. 2550 26.50, Nr. M. 24 25. Obige Preise verstehen sich per 100 Kilo ab bier, häufig jedoch auch loco aus wärtiger Stationen. Der nächste Hauptmarkt findet Mittwoch den 28. Mal statt.

Kirchliche Anzeigen für Friedberg Evangelische Gemeinde. Pfingstfest. Pfarramtswoche Herr Pfarrer Dr. Weiffenbach. 1

Gottesdienst in der Stadtkirche.

Erster Festtag.

Vormittags 10½ Uhr: Herr Candidat Eger. Nachmittags Uhr: Herr Pfarrer Meyer.

(Nach dem Gottesdtenste Beichte.) 1 Gottesdienst in der Burgkirche. 1 Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Dr. Diegel. 5 1 Zweiter Festtag. 75 1 Gottesdienst in der Stadtkirche. 1 160 1 Vormittags, Uhr: Herr Pfarrer Dr. Köstlin. bh Confirmation der Knaben und Abendmahl. 1 Nachmittags 2 Uhr: Herr Candidat Fritsch. Panne Mittwoch, 28. Mai. 1 Stadtkirche, Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer Velte, Prüfung der Confirmanden(Mädchen). g u 58* empf.,

Katholische Gemeinde. Samstag Nachmittag von 5 Uhr an Beicht. An beiden Feiertagen: Morgens von 6 Uhr an Beicht; um /47 Uhr Austbetlung der hl. Communson, 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. 4 2 Uhr: Vesper. 9 Abends 7 Uhr: Maiandacht mit Segen. 1 Am Pfingstsonntag nach der Vesper ist Gelegenheit zur heil. Beicht. 4