Ausgabe 
22.7.1890
 
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Personen, bezüglich deren Aufenthalts Auskunft begehrt wird: August Manthel von Adlig Landeck, Reglerungs bezirk Martenwerder, zuletzt lanbt

0 und schaftlicher Arbeiter zu Fauerbach bei Friedberg; Georg Neun von Wolferborn bei Büdingen, Tagloͤhner, zuletzt Viehschwelzer in Ober-Wöllstadt. 0 15 Erledigt. Das Ausschreiben vom 17. Juni l. J, gegen Klltan Gering Ehefrau von Aufenau, durch Gendarm Steinbach in Friedberg. 1 42

Friedberg den 17. Juli 1890.

Der Großherzogliche Amtsanwalt. Krämer.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird amtlichen Mel dungen zufolge am 28. Juli in Wilhelmshaven eintreffen und bis zum 1. August bleiben. Er wird während des Aufenthaltes auf der Vacht Hohenzollern wohnen. Das deutsche Ge schwader wird am 23. ds. bei Molde mit der Hohenzollern wieder zusammentreffen. Die Rückreise des Kaisers von seiner Nordlandsreise soll erst am 26. von Bergen erfolgen.

Ueber das fernere Vorgehen Deutschlands in Ostafrika macht der Afrikareisende Paul Reichard imD. Wochenbl. beachtenswerthe Vorschlaͤge. Er schlägt vor: daß das deutsche Generalkonsulat an die Küste verlegt wird, und zwar nach dem besten Hafen; daß sämmtliche andere Behörden ebenfalls nach der Küste ver legt werden; daß umfangreiche Hafenbauten aus geführt werden, welche allen Arten von Schiffen eine leichte Einfahrt bei jedem Wetter sichern; daß das Fahrwasser ausgeboyt werde; daß Lager häuser und Zollstationen an der Küste errichtet werden; daß womöglich ein directes Kabel nach Deutschland gelegt werde; daß an allen Hafen orten Poststationen errichtet und durch Telegraphen verbunden werden; daß auf Sansibar keine deutsche Mission mehr ihre Niederlassungen gründen darf; daß das in Sansibar zu erbauende Krankenhaus, für welches der Kaiser selbst 20,000 Mark geschenkt hat, nicht dort, sondern an der Küste gebaut werde, und zuletzt, daß unsere Streitmacht nicht, wie angeblich geplant, auf 600 Mann vermindert werde, sondern wenigstens noch ein Jahr lang in der jetzigen Stärke bestehen bleibe.

Der Deutsch Ostafrikanischen Gesellschaft ging folgendes Telegramm zu: Sansibar, 18. Juli. Gesund angelangt. Peters.

Rostock. Die hiesigen Zimmer- und Maurer- gesellen haben beschlossen, den seit Anfang Mai d. Is. geführten Streik als erfolglos einzustellen.

München. Die Verwaltung der bayerischen Staatsgruben St. Ingbert ist angewiesen worden, die entlassenen 115 Bergleute wieder anfahren zu lassen.

Bamberg. Der Prinzregent von Bayern ernannte den Professor Schönfelder(gemäßigte Richtung) zum Erzbischof von Bamberg.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Graz, 19. Juli. Herzog Ernst von Coburg trifft nach dem Fr. J. heute zum Besuche des Prinzen August von Coburg in Schladming(Steiermark) ein, wo demnächst auch Fürst Ferdinand von Bulgarien erwartet wird.

Norwegen. Söholt, 19. Juli. Die Hohenzollern ist mit dem Kaiser gestern Abend um Uhr nach prachtvoller Fahrt durch den Storfjord bei anhaltend gutem Wetter vor Ge tranger vor Anker gegangen.

Belgien. Brüssel. Die belgische Regierung verlangt eine Erklärung von Seiten der fran zösischen, daß Frankreich kein Vorzugsrecht hin sichtlich des Kongo-Gebietes gegenüber Belgien zu fordern habe.

Frankreich. Paris, 18. Juli. Die Kammer genehmigte die Vorlage betreffend die directen Steuern bis zum Artikel 27, darunter den Steuernachlaß von 15 Millionen für Bau stellenbesitzer. 19. Juli. Die Kammer nahm den Gesetzentwurf betreffend die direkten Steuern mit 462 gegen 68 Stimmen an.

Der höhere Ackerbaurath sprach sich für einen Einfuhrzoll von sechs Francs per Hammel und einen fünf-, resp. zwölfprocentigen Zoll auf Seidencocons, sowie für Zölle auf Mehle und zahlreiche Feld- und Baumfrüchte aus.

Großbritannien. London. In militä⸗ rischen Kreisen verlautet, das meuterische Bataillon des zweiten Garderegiments sei zur Strafe auf

zwei Jahre nach Natal ohne Urlaubsbewilligungen versetzt.

0 Auf den hiesigen Werften ist neuerdings ein partieller Streik ausgebrochen.

Die Königin verließ am Freitag, begleitet von der Prinzessin Christian von Schleswig Holstein, den Kindern des Prinzen Heinrich von Battenberg, und ihrem Hofstaate, Schloß Wind sor und siedelte nach Osborne auf der Insel Wight über, woselbst am 4. August der deutsche Kaiser zum Besuch erwartet wird.

Spanien. Madrid. Die Regierung beschloß den Bau einer Flottille von submarinen Booten nach Pecoals System für je 20 bis 50 Mann Besatzung.

Der Gesundheitszustand des jungen Königs ruft neuerdings einige Besorgniß hervor.

Italien. Rom. Der Vatikan reklamirt das jüngst vom Papst passirte Terrain als päpst liches und gab den Befehl, dieses Territorium durch eine Mauer vom Außengebiet abzuschließen, und einen Theil der Schweizergarde als Posten dort hinzulegen. Die italienische Regierung bezeichnet das Gebiet entschieden als italienisches.

Die Auflösung des Triester VereinsPro Patria hat hier nach dem Fr. J. großes Auf sehen erregt. Die Blätter bestreiten, daß der Verein politische Zwecke verfolgt habe; derselbe habe allein den Zweck gehabt, die Nationalität der dortigen italienisch sprechenden Provinzen zu bewahren. Man fürchtet theilweise eine Erkaltung der Beziehungen zwischen Italien und Oesterreich.

Serbien. Belgrad. Bischof Hieronymus erklärt die Ehescheidung König Milan's für un giltig, weil sein Vorgänger Theodosius nicht gesetzlich Metropolit gewesen sei.

Bulgarien. Sofia. Graf Hartenau, der gegenwärtig wieder in Graz weilt, äußerte sich, wie derPost von dort geschrieben wird, über die Panitza-Affaire dahin, daß er die Hinrichtung des Verschwörers für einen Fehler halte, weil das Verbrechen desselben nicht zur That geworden sei und ein Bulgare nur für die That Ver ständniß habe. In Bulgarien gebe es viele Panitza's, die demnach gleichfalls hätten hinge richtet werden müssen.

19. Juli. Das Irade betreffend die Einsetzung bulgarischer Bischöfe in Uesküb, Köp rülin und Ochrida ist gestern veröffentlicht worden. Die Zahlung der Julirate des ostrumelischen Tributs an die Pforte ist verfügt worden. Der bulgarische Agent überreichte am 16. ds. der Pforte eine Note, worin um eine Antwort auf die frühere Note ersucht wird, gleichviel wie die Antwort auch beschaffen sein möge. Dieser Note ging eine andere voran, welche erklärte, daß mit der ersten Note keine Drohung beab sichtigt war und daß mit Bedauern vernommen worden sei, daß ein solcher Eindruck bei der Pforte erzeugt wurde.

Einer Depesche desTemps von hier zufolge werde sofort nach der Rückkehr des Fürsten Ferdinand die Unabhängigkeitserklärung Bulgariens erfolgen. In Macedonien wird ein Aufstand befürchtet und betreibt die Pforte deßhalb bereits mit Hast die Verstärkung der Garnisonen.

Griechenland. Athen, 19. Juli. Die Kronprinzessin wurde heute unerwartet von einem Sohne glücklich entbunden.

Rußland. Dorpat. Die neuesten Zwangs maßregeln des russischen Unterrichtsministers gegen die deutschen Schulen der baltischen Provinzen und die Universität Dorpat bestimmen nach dem Fr. J. nicht nur für die Mädchenschulen das Russische als obligatorische Unterrichtssprache, sie nehmen auch den ländlichen Kreis-Schul-Collegien den letzten Rest einer eigenen Verwaltung; denn von nun an können die vom Staat ernannten Schul-Inspektoren auch die Lehrer an den luthe rischen Dorfschulen aus dem Amt entfernen, ohne

den Kreisverbänden auch nur ein Wort über die Gründe der verfügten Amtsentsetzung mitzutheilen, 0 Amerika. New Pork. Einer Depesche auz eth Mexiko zufolge herrscht in San Salvador noch immer Anarchie. In San Miguel kamen zahl⸗ reiche Meuchelmorde vor. Afrika. Fez. Von hier wird gemeldet, daß dort während der letzten Wochen abermals eine Verschwörung gegen das Leben des Sultans von Marokko entdeckt worden sei. Sechs höheren muselmanische Staatsbeamte, darunter zwei Ver wandte des Sultans, habe man als Theilnehmer der Verschwörung eingekerkert.

N Aus Stadt und Land.

k. Friedberg, 26. Juli. Heute Nacht wurdeg die Blumenstöcke vor den Fenstern des Stadtbaumeisterz Schneider, an denen jeder, der sie sah, seine Freude hatte, und nicht zum wenigsten der Besitzer selbst, sämmtlich aus Bosheit zerstört. Möchte es doch gelingen die Buben zu erwischen, die einer solchen Niedertracht fähig waren.

b. Friedberg. Seit einigen Tagen bemerkt man zwischen der Badeanstalt und den Salzmann'schen Gras- garten eine Schwalbe mit ganz hellem gelbgrauen Ge fieder. Man kann sie sehr leicht beobachten, da sie sich 10 mit ihrem Flug fast während des ganzen Tags auf dieses 115 Terrain beschränkt. Ane

bd. Bad⸗Nauheim. In der vorigen Woche sind 580 rue Kurfremde angekommen, im Ganzen jetzt 5187 Personen A.

k. Butzbach. Der Kreis baumeister von Riefel von. Dieburg wurde von hier abberufen und die Leitung des Baus der Zellenstrafanstalt dem Kreisbauassessor Daudt commissarisch übertragen.

Bingen, 18. Juli. Gestern fand hier auf dem Kreis- amte auf Einladung des großh. Ministerlums zwischen 4 Vertretern der Regterung, der Handelskammer, des Ge, meinderathes und der Hessischen Ludwigsbahn eine Besprech⸗. Det ung wegen Erbauung eines Sicherheits- und Handels- Hula, hafens in Bingen statt. e! 5 Ir bh

Allerlei. bin

Stuttgart, 19. Juli. Gustav Pftzer, der lite de der Dichtergenossen Uhland's, ist heute nach kurzer Krank- heit gestorben.

Dresden. Längere Unterhandlungen mit der sächsis 1 schen Regierung veranlaßten die Gewährung von Con-] Un cessionsbedingungen an ven Civilingenteur Röbbeln in Dresden zur Führung eines elektrischen Kabelnetzes zwecks Kraftüberkragung und Beleuchtung direct von den Mn Kohlengruben des Plauen'schen Grundes nach Dresden da und durch insgesammt 168 mehr oder minder industrielle 0 Oitschaften der Dresdener Umgebung. Es wird beab⸗ sichtigt, das Königreich Sachsen durch 5 dergleichen Netze mit Elektrieität zu versorgen. 0

Berlin, 19. Juli. Auf dem Kummersdorfer Schieß⸗ platz ereignete sich gestern Abend 6 Uhr ein großes Unglück. Bei dem Losfeuern eines Geschützes explodirte eine Gra⸗ nate. Ein Kanonier war sofort todt, sieben Mann wurden schwer verwundet, drei leicht. Dem Lieutenant Graf Monts wurde der rechte Fuß so zerschmettert, daß eine Amputation erforderlich war.

Pest. In dem stillen, in einem Kessel mitten im Walde gelegenen Badeorte Lipl6 Zselezns führen ungefähr 40 Kurgäste ein ruhiges, beschauliches Leben. Nicht wenig überrascht wurden dieselben wie man dem ease. Lloyd aus Rosenberg vom 13. d. schreibt, als vor; n, gestern in der Allee ein Riesenbär erschten. Derselbe trug el im Rachen ein Schaf, welches er aus einer in der Nähe ige gelegenen Heerde geraubt hatte. Meister Petz ließ sich un, 9 beirrt von den Gästen, die vor ihm die Flucht ergriffen. hatten, neben dem Sauerbrunnen nieder, verzehrte ganz phlegmatisch und unbekümmert um das Geschrei der Hirten und das unaufhörliche Gebell der Schäferhunde seinen 946

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Raub und verließ dann ohne Gruß gravitätischen Schrittes[ die Allee, um im Dickicht des Waldes zu verschwinden. 0

Zürich, 18. Juli. Heute Nachmittag fand das 8 Leichenbegängniß des vor 3 Tagen an Altersschwäche ver- J

storbenen Dichters Gottfried Keller statt. Der großartige Leichenzug, in welchem sich Bundesrath Deucher, dex( Bundeskanzler, die Vertreter der Behörden und Depu' Dend tationen verschiedener Universitäten befanden, bewegte sich Wat nach der Fraumünsterkirche, wo Professor Stiefel die 0 Trauerrede hielt. Hierauf begab sich der Zug zum Kres En matorium, wo der Leichnam verbrannt wurde und wo Gesänge und Reden die erhebende Feier schlossen. e Havre, 19. Juli. An Bord eines französischen che Dampfers brach Meuterei aus. Der Kapitän, ein Ma- Ge schinist und mehrere Matrosen wurden verhaftet. die Paris, 18. Juli. Bei den gestrigen Flottenübungen[bon vor Brest lief der KreuzerMilan auf einen Felsen auf und wurde schwer beschädigt. mo Madrid, 19. Juli. Aus der Provinz Valenzia] iwer werden von gestern 31 Erkrankungen und 10 Todesfälle an Cholera gemeldet. en Rom. Bei Foggia wurden zwei reiche Grundbesitzer J Fun von Bandlten abgefangen, welche 40,000 Franes Lösegeld verlangten. Die Gendarmerie ereilte jedoch die Banditen J und und befreite die Gefangenen. In dem dabei stattgefun N

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