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mittag die Garnisonskirche und daselbst die durch einen Kandelaber erleuchtete Gruft Friedrich's des Großen; sodann fuhren sie nach der Kaserne des 1. Garde Regiments zur Besichtigung. Der Kronprinz von Italien ist heute Abend 10½ Uhr nach Frankfurt abgereist. Der Kaiser begleitete den Kronprinzen an den Bahnhof und verab— schiedete sich von demselben auf das herzlichste. Der italienische Botschafter Graf de Launay sowie die Mitglieder der italienischen Botschaft, ferner die Generalität und der Stadtcommandant waren auf dem Bahnhof anwesend.
— Die Kaiserin bat die geplante Badereise nach Ems für dieses Jahr aufgegeben.
— Die„Nordd. Allgem. Zeitung“ schreibt: Die von den Blättern bereits als Vermuthung geäußerte Nachricht, daß Caprivi den Kaiser nach Rußland begleiten werde, ist seit einigen Tagen zur Wahrheit geworden
— 14. Juni. Die Kaiserin Friedrich wird nach den aus Athen hier eingetroffenen Nachrichten einen in der Geburtshilfe bewährten Arzt selbst nach der griechischen Hauptstadt mitnehmen. Nach neueren Bestimmunzen wird die Kaiserin nicht wie ursprünglich beabsichtigt, im kronprinzlichen Palais zu Athen wohnen, sondern in Dekelia, dem ungefähr zwei Meilen von der Hauptstadt entfernten Sommersitze des Königs. Auf diesem Landsitze ist bereits, mit Ausnahme der in den allernächsten Tagen zurückerwarteten Königin die gesammte königliche Familie versammelt, da in Dekelia die Kronprinzessin Sophie ihrer Ent— bindung entgegensieht. Kaiserin Friedrich wird in Athen bis zu den Tauffeierlichkeiten verbleiben, mithin einen auf mehrere Wochen berechneten Aufentbalt nebmen.
— 13 Juni. Der Reichstag verwies die Novelle zum Strafgesetzbuch, deren dringende Nothwendigkeit der Bundescommissär Dambach betonte, an die Commission für den Rintelen'schen Antrag. Hierauf genehmigte der Reichs ag den Niederlassungsvertrag mit der Schweiz in erster und zweiter Lesung einstimmig. Bei der Be⸗ ratbung kamen Baumbach und Singer auf die Ursachen der Kündigung des bisherigen Vertrages und auf den Fall Woblgemuth zurück; Staatsseeretär von Marschall wies die Behauptung zurück, daß Deutsch land mit der Kündigung des Vertrags die Schwelz habe vergewaltigen wollen Alle Redner(außer den genannten sprachen die Abgg Hahn, von Puttkamer, Marquardsen und Lieber) begrüßten den neuen Vertrag als die feste Grundlage eines freundschaftlichen Verbältnisses mit der Schweiz.— 14. Juni. Zweite Lesung des Gesetzentwurfs über Gewerbegerschte. Dresbach begründet den Antrag Auer, die Errichtung der Gewerbegerichie obligatortsch zu machen. Eberty begründet seinen Antrag, die Ge nehmigung eines Ortsstatuts nur dann zu versagen, wenn dessen Bestimmungen den Anforderungen dieses Gesetzes nicht entsprechen. Minister Bötticher spricht sich gegen die Anträge Auer und Eberty aus Harmening bean— tragt, die Genehmigung zum Ortsstatut nur dann zu versagen, wenn dasselbe den Gesetzen widerspreche. Der Antrag Auer wird abgelebnt; bet Abstimmung über den Antrag Harmening stellt sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus.
— Der Kultusminister hat an sämmtliche Provinzialschulkollegien einen Erlaß gerichtet, wonach er zur Sicherung des Bedarfs an Lehr— kräften in den nächsten Jahren bestimmt, daß bis auf Weiteres allen Seminarauwärtern, sie mögen die Prüfung bei einem Seminar oder einer königlichen Präparandenanstalt abgelegt haben, die gewünschte seminaristische Ausbildung gewährt werde Zu diesem Zwecke hat er eben— falls bis auf Weiteres gestattet, daß bei jedem Schullehrerseminar und bei jeder königlichen Präparandenanstalt über die etatsmäßige Zahl von Zöglingen hinaus zehn Zöglinge, eventuell im Externat, eingestellt werden.
— 13. Juni. Die Session beider Häuser des Landtages wurde heute im Sitzungssaale des Abgeordnetenhauses durch die von Minister v. Bötticher verlesene, die Schließung des Land— tages aussprechende königliche Botschaft geschlossen. Der Herzog von Rattbor schloß die Sitzung mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser und König.
Friedrichsruh. Bismarck soll das Bad Ludwigshall gebrauchen wollen. Ferner ist der Besuch des Fürsten in San Remo für den Winter in sichere Aussicht gestellt.
Carlsruhe. Der Großherzog hat die anti—
semitische Bewegung in Baden den Beamten:
gegenüber auf das Schäͤrfste verurtheilt und Gegenmaßregeln in Aussicht gestellt.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien. Die, N. f. P.“ meldet aus Pest: In Regierungskreisen wird allgemein die Nothwendigkeit der Erhöhung des Friedenspräsenzstandes anerkannt, wenn auch momentan noch nicht für zwingend und noch nicht definitiv entschieden. Man hält hierfür die legis. latorische Maßnahme durch Aenderung des Wehr gesetzes oder des Rekratencontingent-Gesetzes nicht erforderlich, da die Heeres-Verwaltung den Friedensstand aus vier Reservejahrgängen erhöhen könne. Was die Geldmittel hierzu betrifft, so gilt für wahrscheinlich, daß der Kriegsminister in der nächstjährigen Delegationssession eine Forderung deswegen vorlegen werde. Sollte die Erhöhung des Friedensstandes früher nothwendig werden, so wurden die Delegationen zu einer außerordentlichen Sitzung berufen werden.
Lemberg, 13. Juni. Hiesige Blätter melden von Excessen gegen die Juden in dem zumeist von Juden bewohnten lüthauischen Städtchen Lohojsk. Betrunkene Bauern plünderten und zerstörten Kaufläden, Wirthschaften und Häuser der Juden und vernichteten alles. Binnen zwei Stunden war der Ort fast ganz verheert. Die Polizei war nicht im Stande, dem Plündern und Demoliren Einhalt zu thun. Sie wurde verhöhnt und mit Steinen beworfen.
Pest, 14. Juni. Der Budgetausschuß der österreichischen Delegation nahm das Heeresbudget unverändert an.
Schweiz. Bern. Der Ständerath nahm einstunmig, der Nationalrath mit 112 gegen 2 Stimmen den Antrag des Bundesraths auf Aufhebung des neuen Artikels in der Bundes verfassung an, wonach der Bund auf dem Wege der Gesetzgebung eine Kranken- und Unfallver— sicherung unter Berücksichtigung der bestehenden Kraukenkassen einrichtet und den Beitritt zu der Versicherung im allgemeinen oder für einzelne Bevölkerungsklassen obligatorisch erklären kann. Ueber diesen Antrag hat noch Volksabstimmung stattzufinden.
— Tootz der officibsen Ableugnung erhält sich das Gerücht, Kaiser Wilhelm wolle incoguno die Schweiz besuchen, und zwar zur Zeit, wann die hohenzollerusche Familie sich auf Schloß Weinburg bei Thal aufhält.
Frankreich. Paris. Der Senat genehmigte die Vorlage, welche die Einreihung der Terri— torialarmee in die active Armee zuläßt.— In der Commission zur Prüfung der Fremdeusteuer legte Ribot die Schwierigkeiten dar, welche die vom internationalen Gesichtspunkte aus mit den bestehenden Verträgen unvereinbare Steuer herbei— führen würde.
— Fraukreich erkannte die brasilianische Repu— blik an.
Großbritannien. London. Unter der Londoner Polizei herrscht wegen des Rücktritts des Polizeichefs Monroe unbeschrelbliche Ent— rüstung; es wird ein Massenaustritt angedroht, wenn Monroe nicht wieder eingesetzt wird. Die Sache bereitet der Regierung arge Verlegenheiten.
— Ju Manchester fand am Sonntag ein Meeting statt, um gegen die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Stanley zu protestiren.
— General Wolseley hat um seige Entlassung nachgesucht; wie verlautet, soll er hierzu durch einen Meinungsstreit mit dem Herzog von Cam— bridge veranlaßt worden sein.
Italien. Rom. In der Militärdiscussion behauptete General Mattei, zahlreiche Vorwürfe gegen den Kriegsminister erhebend, es sei mög— lich, 12 Millionen Ersparnisse am Militäretat zu machen.
— Eine Anzahl französischer Anarchisten ist von hier ausgewiesen worden. Dieselben werden beschuldigt, unter den Arbeitern Genuas Unruhen geplant zu haben.
Bulgarien. Sofia. Der Chefarzt der Armee, Mirkoff, wurde abgesetzt und in Unter. suchung genommen wegen Theilnahme an dem
Panitza⸗Complot. Auch Oberst Kissoff Untersuchung genommen. f Rußland. Petersburg. Es wurden diplo⸗ matische Noten gewechselt zwischen Giers und Crispi, welche sich auf die Reise des Kronprinzen von Italien bezogen und die Annäherung beider Länder constatirt haben sollen. 0 — Aus Warschau werden Verhaftungen von Nihilisten gemeldet, die wie die früheren mit der Züricher Bombenaffatre und den Pariser Ver⸗ haftungen in Zusammenhang gebracht werden. Amerika. Chicago. Der Ausbruch eines allgemeinen Indianerkrieges ist drohender als je.“
Die Indianer in Cheyenne eröffneten bereits die J
Feindseligkeiten und versuchen, die Siouxindianer zur Betheiligung zu bewegen. Die Indianer ver⸗ fügen über große Massen von Pferden, Winchester büchsen und Munition. ö
Aus Stadt und Land.
2 Friedberg. Wir machen hier einstwetlen schon darauf aufmerksam, daß noch im Laufe dieser Woche, wahrscheinlich am Donnerstag Abend, eine gemeinsame Versammlung des„Eo. Vereins“ und des„Eo wee stattfinden wird und hoffen auf einen recht zahlreschen Besuch. Das Nähere über Ort, Zeit und Verhandlungs⸗ Gegenstand wird in diesem Blatte demnächst tundgegeben werden. 1
Gießen. Schwurgerichts Sitzungen vom II. Quartal? 1) Montag den 16. Juni, Vorm. 9 Uhr gegen Karl Roemer und dessen Ehefrau von Brauerschwend, wegen Brandstiftung; 2) Dienstag den 17. Juni, Vorm. 8 Uhr gegen Wilhelm Rinn von Heuchelheim, wegen Verbrechens
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wider die Sittlichkeit; 3) Mittwoch den 18. Juni, Vorm.
8 ½ Uhr gegen Thomas Passing von Merkenfritz, wegen betrügerischen Bankerutts; 4) Donnerstag den 19. Jun, Vorm. 8½ Uhr gegen Philipp Roth von Bruchenb rücken, wegen Meineids, und Philipp Kniß von Bruchenbrücken, wegen Anstiftung dazu; 5) Freitag den 20. Juni, Vorm. ½ Uhr gegen Konrad Troß von Klein-Karben, wegen Versuchs der Tödtung, und Karl Troß von Klein-Karben, wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt.
Mainz, 14. Juni. Hier verging sich ein Soldat, namens Roth, gegen seinen Vorgesetzten, sprang, als er arretirt werden sollte, in den Rhein und ertrank.
Allerlei.
Wiesbaden. Die hiesigen Ladeninhaber beabsich⸗ tigen, schon vom nächsten Sonntag an die Geschäfte von 12 Uhr Mittags ab zu schließen.
Spandau, 13 Juni. Heute Nachmittag 12% Uhr fand im Trockengebäude der neuen Pulverfabrik, wo 28 Faß Pulver lagerten, eine Explosion statt. Das Trocken- gebäude wurde vollständig verwüstet, eine große Anzahl anderer Gebäude stark beschädigt; in vielen benachbarten Häusern wurden die Fenster zertrümmert. Von den Ar⸗ beitern erhielten 10 durch herumfliegende Trümmerstücke und Splitter leichte Verletzungen. Die Explosion ist durch Schleß baumwolle, welche zum Trocknen aufgehängt war, herbeigeführt worden.
Hirschberg, 14. Juni. In Folge eines zwei Tage andauernden Regens steigen die Gebirgsfluͤsse schnell; in Warmbrunn ist der Zacken ausgetreten.
Rom. Eine Skandal-Affatre, die sich in Monte Carlo abgespielt hat, erregt in Italien ungeheures Auf- sehen. Eine deutsche Dame von großer Schönheit, eine Elsässerin, war in vortger Woche in Monte Carlo ein⸗ getroffen und hatte in der dortigen Splelhölle im Spiel, das sie mit Leidenschaft betrieb, ihr gesammtes Vermögen von 70,000 Franes in kurzer Zeit verloren. Als die geplünderte Dame in ihrer Verzweiflung von den Bank⸗ haltern die Mittel zur Heimreise erbat, wurde sie, wie ikaltenische Blätter mittheilen, von mehreren Angestellten der Spielbank überfallen, die ihr in schamloser Weise Gewalt anthaten. Die Unglückliche ist verschwunden, von ihrem Verbleib fehlt jede Spur, und man glaubt, daß sie einen Selbstmord begangen habe oder durch ein Verbrechen ums Leben gekommen sei.
Newyork, 11. Juni. Eine Räuberbande brachte gestern einen Elsenbahnzug zwischen Camden und Texareang, Arkansas, zum Entgleisen und beraubte hierauf den Waggon der Expreß Company. Die Räuber tödteteg den Expreßboten und entwendeten alsdann aus dem Zuge Werthsachen im Betrage von 5000 bis 10,000 Dollars. Die Passagtere wurden nicht behelligt. 1 Ein
Newyork, 12. Juni. Wirbelwind, welcher
gestern über den Staat Illinois fuhr, zerstörte den Ort J
Elmwood fast vollständig. Die Hühnercholera.
In verschtedenen Provinzen Itallens scheint Zeitungs.
nachrichten nach, wie fast alljährlich, unter dem Haus geflügel die sogenannte Hühnercholera, eine sehr an steckende Krankheit, zu herrschen, welche da, wo sie auf tiitt, nicht unbedeutenden Schaden anzurichten pflegt. Diese Krankheit, welche durch einen Spaltpilz verursacht wird, geht nicht allein auf Hühner, sondern auch auf anderes Geflügel, wie namentlich auch auf Gänse über und kann auch auf Kaninchen übertragen werden. Der Verlauf der Krankheit ist meist ein sehr rascher. Charak“
genommen. Die erkrankten Thiere sitzen in der Regel mit geschlossenen Augen und gesträubtem Gefieder da und
teristische Krankheitserschelnungen werden dabei nicht 00 N 4
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