Ausgabe 
11.12.1890
 
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führte sodann durch's Oetzthal aufwärts bis Gurgl, ein Weg, auf dem der allmäliche Wechsel des Charak⸗ ters der Landschaft so recht zu Tage trat Ueber Ra- moljoch wanderte hierauf der Reisende weiter ins Nie derthal und über den Niederfochgletscher, bis er schließlich über das Nlederjoch ins Schnalser- und Etschthal nach Meran gelangte. Der Redner fand reichen Belfall und wir müussen sagen, keinen unverdienten, denn es war frische Alpenluft, mit dem gewürzigen Hauch des Kräut⸗ leins Humor gemischt, die aus dem klaren und anschau⸗ lichen Vortrag den Hörern entgegenströmte und ihnen eine genußreiche Abendstunde verschaffte.

Friedberg. Das definitive Ergebniß der Volks⸗ zäblung für unsere Stadt ergibt 5327 ortsanwesende Personen und zwar 2631 männliche und 2696 weibliche. Vorübergehend abwesend waren 61 Personen, 34 männ⸗ liche, 2t weibliche. Dtieselben leben in 1014 Haushal⸗ tungen von 2 und mehr Personen, nur 116 einzeln lebende Personen führen einen eignen Haushalt. Bewohnte Wobnhäuser sind 565 vorhanden, unbewohnte 6.

Nleder⸗Mockstadt, 5. Dez. Nachdem ein hiesiger Greis von 79 Jahren dret Tage lang gefehlt, hat man denselben, nach dem G. A., in der Nidda todt aufge⸗ funden. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat derselbe den Tod gesucht. In dem benachbarten Dauernheim ist ein junger Mann, erst diesen Herbst von dem Militär ent lassen, von einem Pferde dermaßen an den Kopf geschlagen worden, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.

Allerlei.

Breslau. Der Poltzet ist es gelungen, auf dem Oberschlesischen Bahnhof hier den berüchtigten Warschauer Mädchenhändler Kantor auf der Durchreise nach Hamburg zu verhaften. Mehrere Mädchen, welche er nach Buenos Aires verhandeln wollte, wurden befreit.

Wien. DemHamburgischen Correspondent zufolge ist Joh. Orth's SchiffMargareth von der Hamburger BarkMaria Mercedes zuletzt am 31. Juni mit sechs anderen Schiffen vor den Ausläufern des Gebirges Cap Horn während eines furchtbaren Orkans bei 15 Kälte graden gesehen worden.

Die Königin der Blumen und ihre Sagen. Von A. Bütow.

Das Heimathland der Rose ist das ferne Persien. Dort um Teheran und besonders bei Schiras wachsen noch jetzt ihre Schwestern in einer Ueppigkeit und Fülle, die jeder Bischrei bung spottet. Von dort aus hat sie sich aus gebreitet über die ganze Welt, selbst in Grön laud blüht eine weiße Rose und auf Island sindet man die Zimmtrose. Im ganzen zählt man 6000 Arten von Rosen. Unter den Türken findet sich die Sage, daß die Rose aus einem Schweißtropfen Muhammeds bei dessen nächt licher Himmelfahrt entstanden sei. Die persische Sage betrachtet sie als ein Geschenk Allahs. Zu diesem kamen einst die Blumen und baten um einen neuen Herrscher, da die schläfrige Lotosblume so wenig ihren Pflichten nachkomme. Allah nahm den Wunsch gnädig auf, schuf die weiße Rose und weihte sie zur Königin der Blumen; er umgab sie zu ihrem eigenen Schutze mit Stacheln. Als die Sängerkönigin, die Nach tigall, die jungfräuliche Rose erblickte, entbrannte sie in Liebe zu ihr und verletzte ihre liederreiche Brust an den Stacheln, daß das hervorquellende Blut die zarten Blätter der Blumenkönigin röthete. Durch die Reuethränen der Magda lena, die auf eine rothe Rose fielen, wurde diese in eine weise verwandelt. Die nieder wärts gebogenen Stacheln der bekannten Hage butte stammen vom Teufel. Nach seinem Fall ließ er die wilde Rose bis an den Himmel wachsen und machte sich daran, auf ihren Dornen himmelan zu steigen, der Herr aber bog die Zweige nieder und der darüber erzürnte Teufel krümmte nun auch die Stacheln. Der Engel, der die Blumen verpflegte und in stiller Nacht den Tau darauf träufelte, schlummerte an einem Frühlingstage im Schatten eines Rosenstrauchs. Als er erwachte, sprach er mit freundlichem Autlitz:LNeblichstes meiner Kinder, ich danke dir für deinen erquickenden Wohlgeruch und für deinen kühlenden Schatten. Könntest du dir noch etwas erbitten, wie gerne würde ich es dir gewähren.So schmücke mich mit einem neuen Reiz, flehte darauf der Geist des Rosen strauchs. Und der Blumenengel schmückte die Königin der Blumen mit einfachem Moose. Lieblich stand sie da in bescheidenem Schmucke, die Moosrose, die schönste ihres Geschlechts. (Klrummacher.) Auch Volksglaube, Sage und Poesie der Deutschen haben sich viel mit der

Rose beschäftigt. Sie war der germanischen Göttin Freya geweiht, weßhalb sich auch der NameFrickdore von ihr im Volksmunde vor findet. Die christliche Sage läßt die Hecken rose, Hundsrose oder den Hagebuttenstrauch da durch entstehen, daß Maria die Windeln des Heilands auf einem Dornbusch trocknete. Die heiligen Haine der alten Deutschen waren mit dichten Hecken von Wildrosen umgeben. Bekannt ist ja auch das sinnige Märchen Dornröschen. Im Bergischen Lande in Westfalen hat mau eine ähnliche Sage, wie die der Genovefa, nur daß dort die unschuldig verstoßene Gräfin Berg durch eine Rosenhecke Schutz vor den wilden Thieren gefunden hat. Die Hecke ließ die Mutter Maria aufwachsen. Der Graf nahm hernach die Rose in sein Wappenschild auf, wie überhaupt die Rosen im Wappen vielfach sagen hafte Bedeutung haben. Von den Hepen wird behauptet, daß sie keine Rosen brechen noch anrühren können. Der Währwolf der Sage verliert seinen Zottelpelz und bekommt seine wahre Gestalt, wenn er einen Rosenstrauch streift. Odin soll schon die einschläfernde Wirkung der Rosen gekannt und sie unter das Haupt der Brunhildts gelegt haben, um dieselbe schlafend zu erhalten. Schon von alters her gilt die Rose als ein Bild des verzehrenden Feuers und im Rheinlande schmückt man symbolisch Jungfrauenleichen mit Kränzen von Hagedorn. Der Ausdruck Rosenhag hängt mit Tod und Gericht zusammen und in der bekannten Nibe lungensage führt der Mörder des Siegfried nicht ohne Absicht den Namen Hagen; es war dies die Bezeichnung für den Todesgott, dem der wilde Rosenbusch geweiht war. Von diesem Namen leitet der moderneFreund Hain seinen Ursprung her. Der Talmud setzte fest, daß israelitische Bräute Kränze von Rosen und Myrthen tragen sollten und gar sinnig ist die hebräische Sage, daß aus dem Blute Abels die rothe Rose entsprungen sei, die als Zeichen des ersten Brudermordes auf Erden zeuge. Die griechische Sage berichtet, daß die weiße Rose aus dem Meeresschaum entstanden sei, der von den Gliedern Aphroditens abfiel, als sie dem Meere entstieg. Ihr unvergleichlicher Duft aber rührt her von dem Nektar, den die Götter ihr einträufelten. Die Rose ist, weil sie ihr Juneres durch Blätter verbirgt, ein Sinnbild der Verschwiegenheit. In dem alten Rom wurde sie bei den Gastmählern an die Decke des Zimmers befestigt, damit der Gast auch im Rausche nichts ausplaudere. Was wir kosen Bleib' unter Rosen, heißt es in einem deutschen Spruche und Jemandem etwas unter dem Siegel der Ver schwiegenheit mittheilen, odersub rosa(unter der Rose) anzuvertrauen, ist auch noch heute eine allgemein bekannte Redensart. Ein Papst ließ die Rosen als Sinnbilder der Verschwiegen heit an Beichtstühlen anbringen. Auch als Symbol der Liebe und Schönheit wird die Blume ge deutet. Luther trug ihr Bild in seinem Wappen, das folgende Umschrift zeigte:Ein Cbristenherz auf Rosen geht, wenn's mitten unterm Kreuze steht. Sehr häufig zeigen die Thürme und Thürmchen unserer Kirchen eine steinerne Kreuz blume in Form einer Rose, um hinzuweisen, daß sich unser besseres Sein erst im Inseits entfalten wird. Aber: Das ist im Leben häßlich eingerichtet, Daß bel den Rosen gleich die Dornen steh'n.

So ist auch sie, die Schönste der Blumen, ein Bild der Zeit und des Lebens, wo Freud und

Leid wechseln.

Ewig trägt im Mutterschoße

Süße Königin der Flur,

Dich und mich die stille, große

Allbelebende Natur. Röschen! unser Schmuck veraltet, Sturm entblättert dich und mich; Doch der ew'ge Kelm entfaltet Bald zur neuen Blüthe sich.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 9. Dez. Fruchtpr. Weizen M. 19.00 bis 00.00, Korn M. 17.75 00.00, Gerste M. 17.00 bis

00.00, Hafer M. 14.00 00.00. All, Preise verstehen)

sich auf 100 Kilo gleich 200 Zollpfund.

Friedberg, 10. Dez. Buttermarkt. Butter kostett ver Pfd. M. 105 1.20, Eier 1 St. 8 Pf., 2 St. 16 Pf.

Gießen, 9. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt, kostete: Butter per Pfd. M. 1. 101.15, Eier 1 St. 79 2 St. 00 Pfg., Käse per St. 58 Pfg., Tauben per Paar M. 0.30 0.60, Hühner per St. M. 0.80 1.00, Hahnen per Stück M. 0 90 1.20, Enten per Stüc M. 1.50 1.70, Ochsenfleisch per Pfund 7074 Pf., feuh- und Rindfleisch 6064 Pf., Schweinefleisch 64 bis 70 Pf., Hammelfleisch 6268 Pf. Kalbfleisch 60 64 Pf., Kartoffeln per 100 Kilo M. 5.00 0.00, Weißkraut per St. 3 7 Pf., Zwiebeln per Ctr. M. 5.00 0.00, Gänse per Pfd. 4658 Pf.

Frankfurt, 9. Dez. Engros-Markt. Heu pro 100 Kilo W. 4.60620, Stroh pro M. 4 40 4.60, Haferstroh M. 3.40, Butter 50 Kilo M. 90-95, Eler 100 Stück M. 8 10, Kartoffeln per Malter M. 450 bis 6.60, Zwiebeln per Centner M 4.00- 6.00.

Ernste Hals- und Brustleiden sind die Folgen der Vernachlässigung jedes Husten, denn je stärker derselbe auftritt, je mehr erschüttert und attaqulrt er die Athmungsorgane. Wer den Husten energisch beben will, bediene sich der Fay's Sodener Mineral-Pastillen. Diese sind aus den Heilsalzen der hochrenommirten Kur⸗ quellen Sodens bereitet und es muß wobl einleuchten, daß Wo gleiche Bestandtheile auch gleiche Wirkung ist. Deswegen werden Fap's Sodener Pastillen auch als das rattonellste und best bewährteste Mittel gegen Husten zꝛc. ze ärztlich empfohlen und verordnet. Erstere sind in allen Apotheken und Droguen à 85 Pfg. die Schachtel erhältlich. 4787

Jeraelitischer Gottesdienst in Friedberg. Sabbath- und Chanukafeier vom 13. Dezember 1890. Beginn: Freitag Abend 3 Uhr 45 Min.

Samstag Morgen 8 Uhr 15 Min. Samstag Nachmittag 3 Ubr 15 Min. Sabbathausgang 4 Uhr 50 Min. Sonntag den 14 d. Mts. Ende des Chanukafestes. Wochengottesdienst von Montag den 15 Dezember an Morgens 7 Uhr(Synagoge), Abends 6 Uhr 30 Min. (Gemeindezimmer).

Geld⸗Cours.

Frankfurt am 9. Dezember 1890. Geber. Nehmer. M. Pf. M. Pf. 20⸗Frankenstücke 16.14 16. 10 do. in ½ 16% 186. Dollars in Golde. 4. 19 4. 16 Ducaten 5 9. 70 9. 65 l cen 9. 70 9. 65 Englische Sovereigns. 20. 30 20. 25

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