Deutsches Reich.
Darmstadt. Der Gerichtsassessor Böͤck— mann aus Darmstadt wurde zum Regierungs— assessor ernannt.
Berlin. Die„Post“ theilt mit, daß der nächste Reichshaushaltsetat keine Forderungen fur Verstärkungen oder Neuformationen des Herres enthalten wird, überhaupt würden solche vor Ab— lauf des Septennats nicht gestellt werden; eben— sowenig würde jetzt eine Vorlage betreffs Gehalts— aufbesserung einzelner Offizierklassen erfolgen, es sei aber nicht ausgeschlossen, daß Erleichterungen bei der Pferdebeschaffung für berittene Offiziere der nichtberittenen Truppen bewirkt werden. Etwaige Forderungen betreffend weitere Durch— führung der neuen Bewaffnung und für Kaser— nirungszwecke konnten keine Beunruhigung der öffentlichen Meinung im Gefolge haben.
— Dem„BReichsanzeiger“ zufolge ist an Stelle des Geheimen Regierungsraths Wermuth vom 10. September ab Regierungsrath Kelch mit der Wahrnehmung des Amtes eines kaiserlichen Commissärs für Helgoland beauftragt worden.
Bremen, 8. Sept. Major v. Wißmann ist gestern hier eingetroffen. Nach dem Besuch der Ausstellung faud ein Diner im Packhause statt.
Gravenstein, 8 Sept. Der Kaiser fuhr heute Morgeu um 6½ Uhr auf der„Hohen— zollern“ von Ekensund nach Sonderburg und begab sich um 8 Uhr auf das Manöverterrain. Die Kaiserin fuhr zu Wagen nach Düppel. Der Generalidee zufolge ist gestern Abend die Ostdivision mit der Panzerflotte bei Alsen ge— landet und befindet sich auf dem Marsche nach Sonderburg; die Westdivision steht bei Flens— burg und Hadersleben, ihre Flotte bei Kiel, mit Ausnahme der Torpedoflottille, welche sich bei Flensburg befindet. Die Ostdivision will den Uebergang über den Alsensund erzwingen und die Westdivision durch einen Flankenangriff von der See her aus ihrer Stellung bei Düppel treiben. Die Westdivision will die Landung ver— hindern und ihre Stellung auf dem Sundewitt bei Düppel behaupten. Der Angriff der Ost— division von Sonderburg aus gelang mit Unter— stützung der Panzerflotte vollständig. Dieselbe landete 2000 Mann in Booten, welche durch einen Flankenangriff die Stellung der Westdivi— sion bei Düppel einnahmen. Diese ging auf Frydendal zurück. Um 10 Uhr fand eine Ge— fechtspause statt, während welcher der Kaiser Kritik abhielt. Um 11 Uhr wurde das Gefecht wieder aufgenommen. Der Kaiser, von Sonder— burg kommend, begrüßte die Kaiserin am Denkmal bei Düppel.— 9. Sept. Während des heutigen Manövers setzten drei Schwadronen Husaren auf Pontons über den Ekensund, wobei die Pferde an Leinen nachschwimmen mußten. Die Cavallerie hatte als Aufklärungstruppe in der Richtung auf Broacker vorzugehen. Das Manöver endete gegen Mittag unter theilweiser Rückdrängung des Ost⸗ corps bis Düppel. Bei Düppel findet heute ein Nachtgefecht statt. Der Kaiser stieg in Graven— stein ab. Die Kaiserin reiste heute Mittag um 12½ Uhr auf der Stationsyacht„Farewell“ unter jubelnden Abschiedsgrüßen des Publikums von hier ab.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Kaiser Wilhelm wird am 1. Oktober hier eintreffen und ohne Aufenthalt zu den Jagden in Mürzsteg fahren; die Jagden dürften etwa sechs Tage dauern; ob Kaiser Wilhelm, einer Einladung Kaiser Franz Josefs folgend, auf der Rückreise ein bis zwei Tage in Wien verweilen wird, ist noch unbestimmt.
Großbritannien. Southampton, 9. Sept. Sämmtliche Dockarbeiter streiken seit gestern weil die Dockverwaltung den Dockarbeitergewerk⸗ verein nicht anerkennt und die Nichtunionisten als ständige Arbeiter beschäftigt. Alle Träger, Seeleute, Heizer und Werftarbeiter schlossen sich dem Ausstande an. Der Hafenverkehr stockt gänzlich.
Spanien.
Madrid. Der Kriegsminister
bereitet einen Gesetzentwurf zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht vor.
Türkei. Konstantinopel. Der Sultan hatte schon vor der officiellen Mittheilung an die tür— kische Regierung, daß der russische Großfürst Thronfolger Nikolaus im Oktober die türkische Hauptstadt besuchen werde, beschlossen, den Zare— witsch für die Dauer seines Aufenthaltes in Konstantinopel einen der kaiserlichen Paläste als Absteigequartier anzubieten.
Rußland. Petersburg, 6. Sept. Die Polizei verhaftete den Nihtlisten Decsikoff und fand bei demselben zwei Bomben vor.
Amerika. Washington. Der Senat hat die Amendements, wonach alle Sorten Zucker über 13 holländisch Standard bezollt werden, angenommen. Der Zuckerzoll für über 16 hol⸗ ländisch Standard wurde auf 0 Cents per
Pfund festgesetzt.
Newyork. Die Tochter des erschossenen Generals Barrundia wurde wegen ihres Atten— tats auf den amerikanischen Gesandten in Guate— mala des Landes verwiesen.
Afrika. Sansibar, 8. Sept. Einer Mel⸗ nung der„Times“ zufolge ist Emin Pascha in Unyanyembe eingetroffen.
Australien. Melbourne, 8. Sept. Einer Meldung des Reuter'schen Bureaus zufolge haben sich die Arbeitgeber geweigert, nochmals eine Conferenz mit den Arbeitern abzuhalten. Auf Anweisung der Trades Union streiken sämmtliche Arbeiter in Brockenhill.
Aus Stadt und Land.
R. Schwalheim. In unserer Gemeinde ist die Kirche einer durchgehenden Reparatur unterzogen worden. Dieselbe, vor ca. 40 Jahren erbaut, entbehrte bisher alles eigentlich kirchlichen Schmucks. Eine öde weiße Tünche bedeckte Wände und Decke. Jetzt ist sie nach Angaben des Kirchenbaumetsters Schwartze stilvoll aus⸗ gemalt und erfreut jeden Besucher durch die stimmungs— volle Harmonie ihrer Farben. Das Holzwerk hat einen braunen Anstrich erhalten, der Wandsockel ist in Sand— steinfarbe gehalten, der höhere Theil der Wände und die Decke haben einen gelblichen Ton bekommen. Auf dem selben heben sich die in aller Farbenpracht des romanischen Stils erglänzenden Friese, nach einem wundervollen Muster gearbeitet, schön ab. Ebenso sind Decke und Fenster— nischen durch harmonische, in den Rahmen des Ganzen passende farbenprächtige Decorationen anmuthig belebt. Es wurde die Decoration romanischen Stils gewählt, weil die rundbogigen Fenster und Portale diesem Stile entsprachen. Ihren schönsten Schmuck hat die Kirche billig am Altare. Ein Antependium mit prachtvoll ge— sticktem agnus Dei(Christus als Lamm Gottes) mit der Siegesfahne, umgeben von den vier Evangelistenzeichen: Matthäus Engel, Mareus Löwe, Lucas Ochse, Johannes— Adler, schmückt seine Vordersette; eine purpurrothe Altar— decke mit prächtiger umlaufender goldgelber Stickerei deckt seine Oberfläche; in der Mitte steht ein prachtvolles Crueifix aus Eichenholz, das corpus Bronze, stark ver— silbert, in den vier Ecken wieder die vier Evangelisten. Die Kanzel hat gleich dem Altar eine Bekleidung in Purpurroth erhalten, welches sich von dem gelben Ton der Kirche schön abhebt. Auch die Vorhalle und die beiden Sakristeien haben jetzt eine künstlerisch-schöne Auszierung. Altar und Kanzelbekleidung wurden von dem Diaco— nissenbaus in Frankfurt a. M. bezogen, das Crueifir von Architekt Prüfer in Berlin; die Bauleitung hat Stadt— baumeister Zörb J. und die Ausmalung Hofmaler Hiero nimus aus Friedberg auf's Beste besorgt. Die Gemeinde Schwalheim nimmt ihr neugeschmücktes Gotteshaus nächsten Sonntag Morgen wieder in Gebrauch; den folgenden Tag hat sie den Wetterauer Missionsverein zu Gast (s. Annonce). Wie gerne sie das Misstonsfest angenom⸗ men hat, beweist schon der Umstand, daß sich zu den alten Mitgliedern der„Halbbatzeneollekte“ 58 neue ge— funden haben, 10 aus dem Filtal Rödgen, und daß sie den Tag des Missionsfestes zum Feiertag bestimmt hat. Den lieben Festgästen, welche sie in recht großer Zahl erwartet, set noch die Mittheilung gemacht, daß sie sich vor Anfang des Gottesdienstes im Rathhause sammeln mögen.
Gießen. Als Geschworene für die Schwurgerichts— verhandlungen des III. Quartals wurden gezogen: 1) Bücking, J. VIII., Alsfeld; 2) Rau, H. III., Wieseck; 3) Brück, K., Gießen; 4) Dietz, J., Gießen; 5) Leopard, G., Melbach; 6) Breidenbach, A., Dorheim; 7) Henkel, J., Landenhausen; 8) Nikolat, K. II., Blofeld; 9) Ludwig, H. K., Ulfa; 10) Pröscher, W. IV., Schotten; 11) Schaub, B. Chr., Büdes heim; 12) Keller, W. II., Melbach; 13) Diegel, E. II., Maulbach; 14) Lutz, K., Elpenrod; 15) Rupp, K. J., Dortelweil; 16) Quanz, H. IV., Eichel⸗ sachsen; 17) Grüninger, J., Butzbach; 18) Blecher, Ph. II., Ober-Rosbach; 19) Fauerbach, L., Nieder Wöllstadt; 20) Jung, K. IV., Klein Linden; 21) Lang, W., Nieder-Bes⸗ singen; 22) Finger, H. K., Laubach; 23) Bausch, H., Nieder Wöllstadt; 24) Boldt, H., Butzbach; 25) Koch, H. I., Frischborn; 26) Dletz, H, Stumpertenrod; 27) Groos, Fr., Gießen; 28) Neeb, K., Windhausen; 29) Hoch, I, Gießen; 30) Heß, H., Schotten.
Michelstadt, 5. Sept. Nach längerem, schweren
Leiden ist heute der Landtagsabgeordnete Bürgermesslen
Kredel von hier gestorben.
Allerlei.
Wiesbaden, 9. Sept. Eine heute Mittag kurz vor 3 Uhr nach Mosbach abgefahrene Maschine stieß mit elner irrthümlich von dort abgelassenen Maschine bel dem Essen, bahneinschnitt an der Hammermühle zusammen. Du leichter gebaute Maschine zerschellte in Trümmer.
Amberg, 6. Sept. Die Hinrichtung des Doppel mörders Schieber, der in letzterer Zeit verschledene Selb, mordversuche gemacht hatte, wurde heute Morgen ½7 Uhr
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im Hofe des hlesigen Landgerichtsgefängnisses durch den
Nachrichter Kißlinger vollzogen.
Konstanz, 7. Sept. Das Fallen des Sees macht langsame, aber stetige Fortschritte.
Dresden, 5. Sept. Der Maurer Otio Beger auß Chemnitz, der wegen Ermordung seiner Wirthin in Kötschen, broda und des Gefängnißaufsehers Rüppel hier zweimal zum Tode verurtheilt war, wurde beute früh hingerlchtet,
Dresden, 9. Sept. Das Wasser ist bis auf 4 Meter
über Normalhöhe zurückgegangen; alle Straßen und Plätzt sind wieder wasserfrei
Köln, 8. Sept. Die große Maschinenballe der Krlegs, kunst⸗Ausstellung ist heute Nacht abgebrannt. Die übrlgen Gebäude blieben unbeschädigt.
Prag. Durch die Ueberschwemmung sind gegen 45,000 Personen in Mitleidenschaft gezogen. Sämmillche Blätter bringen Aufrufe zu Sammlungen. Eine Depu⸗
tation von Bürgern ist nach Wien abgereist, um den Ministerpräsidenten, Grafen Taaffe, um Hülfe zu bitten, Das Militär backt täglich 6000 Brode fur die Noth, leidenden.
St. Etienne, 8. Sept. wurden in dem Adrienne-Schacht vier Arbeiter schwer verletzt.
Ajaccio, 7. Sept. Als gestern Abend der Zug von Ajacelo nach Virravona in den Tunnel von Voee einlief, wurde auf den Locomotivführer ein Gewehrschuß abge— feuert, der diesem die Brust durchbohrte. Man schreibt das Verbrechen einem Act der Rache zu.
Algter, 6. Sept. Briefe aus Kages(französischer Sudan) melden, daß zahlreiche Geschäftslokale, öffentliche und private Gebäude, sowie auch das Gebäude des Gouverneurs von einer des Nachts unvermuthet einge⸗ tretenen Ueberschwemmung heimgesucht wurden. Medine und Bekel sind ebenfalls bedroht. Sämmtliche Telegraphen⸗ linien längs des Flusses sind unterbrochen.
New Pork. Bei Pittsburg ist wieder natürliches Gas in solcher Menge entdeckt worden, daß es genügen wird, um die Hälfte aller Fabriken der Stadt damit zu treiben.
New⸗Nork, 6. Sept. Ein gewisser Dixon überschritt heute Nachmittag den Niagara unterhalb des Wasserfalles auf einem über den Fluß gespannten Drahtseil.
Obstausstellung und Obstmarkt in Fried⸗ berg vom 2. bis 8. October d. J.
Der Wetterauer Obstbauverein hat seit der kurzen Zeit seiner Lebensdauer, jetzt ein und einhalb Jahr, schon manchen Erfolg zu verzeichnen. Als wichtigsten darf man wohl den bezeichnen, daß das Interesse am Obstbau in seinem Bereich, den Kreisen Friedberg und Gießen, mehr geweckt worden ist und dies erkennt man an der besseren Pflege der Obstbäume. Wenn der Obstbau aber für die Zukunft sich noch mehr heben soll, ist noch viel, sehr viel zu thun übrig. In erster Linie muß mit manchem alten Schlendrian aufgeräumt werden und als solchen muß man da bisher übliche Verwerthung des Obstes ansehen; die Sortenkenntniß ist sehr mangelhaft, weil nur in den seltensten Fällen der Landwirth sich die Mühe gegeben hat, die gepflanzten Bäume zu verzeschnen. In vielen Fällen war dies zwar nicht möglich, denn der Bezug von Händlern und auch so manchen unsoliden Baumschulen haben gzroßentheils Schuld an dem herrschenden Sorten: wirrwar und an der Unkenntniß der Sorten. Dies muß für die Zukunft anders werden, Jedermann muß sicher wissen, was er pflanzt, sonst nehmen die geringen, minder⸗ werthigen Sorten überhand zum Schaden der Einkünfte. Deßhalb sollen sowohl Ausstellungen von Obst nicht nur einen Ueberblick geben von den guten oder geringeren Sorten, die in der Wetterau vorhanden sind, auf dem mit der Obstausstellung verbundenen Obstmarkt soll nament- lich für besseres Tafelobst einen größeren Ertrag für den Produzenten erzielt werden. Wo ein Markt bereits in den letzten Jahren abgehalten wurde, ist der Erfolg enn ganz namhafter gewesen und aller Orten ruͤhrt man lich, aus den anderswo gemachten Erfahrungen Nutzen zu ztehen. Der deutsche Pomologenverein arrangirt solche Märkte im großen, einzelne Bezirksvereine gehen selbst ständig vor. So ein Nachbarverein im Wiesbadener Be zirk, der in Homburg v. d. H. nächstens eine Ausstellung mit Obstmarkt veranstaltet, auch der Gartenbauverein füt Schleswig-Holstein erstrebt dasselbe, wie der Wetterauet Obstbauverein. Der gute Ruf, den die Wetterau hin sichtlich ihres Obstes genießt, darf nicht schwinden, die
Wetterau darf sich nicht überflügeln lassen; deßhalb richtet
sich das Mahnwort an alle Bewohner der Wetterau, durch reiche Beschickung der Ausstellung sowohl, als wie namentlich des Obstmarktes zu zeigen, daß man ihnen den Vorwurf der Trägheit, der Gleichgültigkeit gegen den Fortschritt auf diesem auch einträglichen Gebiete zu
machen, nicht berechtigt ist. Für die Ausstellung sendt
man von den hauptsächlichsten Sorten je 8—5 Früchte ein, wähle nicht immer bei größerem Vorrath nur die allerschönsten, sondern schöne, reine, gut ausgebildet Exemplare, bezeichne sie mit den ortsüblichen Name
Durch schlagende Wetter
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