Ausgabe 
10.6.1890
 
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Einzelnen Beschlüssen ist noch eine besondere Be gründung beigegeben.

St. Ingbert. Der bergmännische Rechts schutzberein hierselbst, welcher durch die letzte Lobnbewegung nichts erreicht hat, wird in den nächsten Tagen eine Deputation an den Prinz regenten abgehen lassen, um diesen mit der Lage der Bergarbeiter bekannt zu machen.

Ausland.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 6. Juni. In Oesterreichisch Schlesien ist es von neuem zu groben Ausschreitungen ausständiger Arbeiter gekommen, diesmal in dem nordwestlichen Theile der Provinz. In Freudenthal zogen die Aus ständigen, nachdem sie mehrfach Arbeitseinstel lungen erzwungen hatten, vor Marburg's Fabrik, wo sie aber bereits Polizei und Gendarmen vor fanden.

Pest, 7. Juni. Die Erwiederung des Kaisers von Oesterreich auf die heutigen Ansprachen der beiden Delegationspräsidenten stellt fest, daß seit dem letzten Jahre in der allgemeinen politischen Lage und in den Verhältnissen der Oesterreich Ungarn näher berührenden Balkanländer eine wesentliche Veränderung nicht eingetreten ist. Die freundschaftlichen Beziehungen zu allen Mächten bestärken den Kaiser in der Hoffnung, daß die Segnungen des Friedens auch fernerhin erhalten bleiben.

Schweiz. Bern. Bundesrath Welti er klärte im Nationalrath, es sei gegründete Aus sicht vorhanden, daß das internationale Ueber einkommen, die Eisenbahnfracht betreffend, dem nächst die Ratification sämmtlicher betheiligten Staaten erhalten werde. Nach einer Mittheilung des Bundesrathes Dencher erklärte sich Oester reich Ungarn zur Revision des mit der Schweiz geschlossenen Vertrags, den Viehverkehr betreffend, bereit.

Belgien. Brüssel, 6. Juni. Als der König beute zum Schlosse Laeken fuhr, um den Herzog von Orleans zu empfangen, stürzten die Pferde vor dem Wagen; der König stieg, ohne Schaden genommen zu haben, aus, und begab sich zu Fuß zum Palais.

Frankreich. Paris. DerGaulois meldet den Plan einer Begegnung der Regentin von Spanien mit dem Präsidenten Carnot in San Sebastian.

7. Juni. Die Kammer nahm mit großer Majorität den ersten Artikel des von Meline eingebrachten Antrages an, welcher außer dem bereits genehmigten Maiszoll einen Zoll von 3 Frs. für Reis in Hülse, von 6 Frs. für Bruch reis, ferner einen Zoll von 8 Frs. für Reisgries oder Reismebl, 3 Frs. für Dari und Hirse in Körnern, 4 Frs. für gemahlenen Dari und ge mahlene Hirse festsetzt.

7. Juni. Im heutigen Ministerrath unter zeichnete Carnot auf Antrag des Justizministers ein Dekret, auf Grund dessen 72 infolge des Streiks Verurtheilte ganz oder theilweise begna digt wurden. Nur 24, besonders schwer Com promittirte, meist Ausländer, sind von dieser Begnadigung ausgeschlossen.

Spanien. Madrid. Die republikanischen Gruppen vereinigten sich zu einer centralistisch republikanischen Partei. Die republikanische Be wegung ist dadurch verstärkt.

Großbritannien. London. Englands Anerbieten, die französische Fischereigerechtigkeit an der Küste von Neufundland durch Landent

schädigung abzulösen, wurde von Frankreich zurückgewiesen. Italien. Rom. Wie verschiedene Blätter

melden, wird der Kronprinz von Italien im Verlauf seiner Reise auch die Höfe von München und Dresden besuchen und die Rückreise über Innsbruck antreten, wo er durch einen Gesandten des Kaisers von Oesterreich begrüßt werden wird.

Türkei. Konstantinopel, 7. Juni. Die Kämpfe mit den Arnauten nehmen eine größere Ausdehnung an, doch wird denselben jeder poli tische Charakter abgesprochen. DerAgence de Constantinople zufolge wurde in den leitenden

türkischen Kreisen den Vorgaͤngen an der serbisch türkischen Grenze in Albanien ebenfalls keine besondere Bedeutung beigemessen; es handle sich nur um bestimmte, durch Blutrache hervorge rufene örtliche Conflicte. Die bei einigen Bot schaften eingegangenen Nachrichten bestätigten diese Auffassung. Die Pforte erhob in Serbien Vorstellung wegen der Tödtung türkischer Gen darmen. Die angebliche Entsendung Schakir Paschas nach Albanien wird von der Pforte als grundlos bezeichnet.

Amerika. Washington, 8. Juni. Das Repräsentantenhaus verwarf mit 140 gegen 116 Stimmen den Vorschlag, die Silbervorlage mit unbeschränkter Ausmünzung nochmals zu discutiren.

Aus Stadt und Land.

m. Gleßen. Die Vorbereitungen für das 18. Lahn thal-Sängerfest, welches am 28., 29. und 30. Juni in Gießen abgehalten werden soll, nehmen ihren Fortgang An der Sängerbühne wird fleißig gearbeitet, und die einzelnen Festausschüsse sind in voller Thätigkeit, um die Gäste in würdiger Weise empfangen zu können und für alle Besucher das Fest so angenehm wie möglich zu gestalten. Das Programm wird reichhaltig sein, und alle Freunde des Männergesangs werden hohen Genuß finden. Gegen 500 Sänger sind bereits angemeldet. Die Gesangsproben haben begonnen und der Dirigent der Gesammtchöre, Musiklehrer Bauer, wird zur Herstellung der nöthigen Einheit und Uebereinstimmung den aus wärtigen Vereinen demnächst Besuche abstatten. Möge der Himmel das zum Gelingen nöthige Festwetter bescheeren.

Gießen. Im Sommersemester 1890 beträgt die Zahl der immatrleultrten Studenten 590(gegen 566 im vorigen Semester), außerdem besuchen noch 27 nicht immatrieulirte Hörer die Universität. Von den 590 immatrieulirten Studtrenden widmen sich 106 der Theologie, 95 der Rechts wissenschaft, 118 der Medizin, 40 der Thlerheilkunde, 9 der Zahnbeilkunde, 47 der Cameralwissenschaft, 27 der Forstwissenschaft, 18 der Mathematik, 39 der klassischen Philologie, 10 der neueren Philologie, 18 der Philosophie und den Naturwissenschaften, 6 der Geschichte, 16 der Pharmacie und 34 der Chemie.

Allerlei.

Soden. Eine von Soden auf den Feldberg pro jektirte Zahnrad- und Adhäsionsbahn wird folgende Halte stellen erhalten: Soden, Neuenhain, Königstein, Reichen bachthal(für das projektirte Sanatorium), Straße nach Glasbütten und Reifenberg, rothes Kreuz und Feldberg. Die Vorarbeiten und Vertragsabschlüsse sollen bis zum 15. Oktober erledigt sein.

München, 7. Juni. Das Befinden des Staatsraths v. Lutz ist besorgnißerregend. Es wurde bei ihm das Auftreten von Herzwassersucht eonstatirt.

Parts, 5 Juni. Eine gewaltige Explosion hat heute um 2 Uhr Morgens in dem Kloster Chartreuse bei Grenoble stattgefunden. Die Nachforschungen über den Urheber derselben sind bis jetzt ergebnißlos verlaufen; man hat nur einen Brief mit der Drobung gefunden, das Kloster innerhalb zwanzig Minuten zu zerstören, falls nicht an einer bezeichneten Stelle eine Million Franes niedergelegt würde.Sollte einer von uns dabei festge nommen werden, heißt es in dem Schreiben,so werden zehn Chartreuser dafür mit ihrem Leben büßen

Sofia, 7. Juni. Heute früh Uhr wurden zwei ztemlich starke Erdstöße in der Richtung von Süden nach Norden verspürt

New⸗Pork, 5. Juni. Verheerende Stürme wütheten westlich von Chicago, wodurch ernste Betriebsstörungen auf den Eisenbahnen entstanden; in vielen Fällen wurde das Geleise meilenweit weggeschwemmt. Das Städtchen Bradshaw in Nebraska wurde von einem Wirbelsturm gänzlich zerstört. 12 Personen wurden getödtet und viele trugen tödtliche Verletzungen davon.

Der Elisabethenhain bei Vilbel.

Ueber die von dem kgl. Gartendirektor Siesmayer in Bockenheim angelegte Baum schuleElisabethenhain bei Vilbel wird uns geschrieben: Siesmayer wählte eine ver hältnißmäßig rauhe Lage am südlichen Abhange der Wetterau, wo diese ihre bekannten klimatischen Eigenschaften noch in recht fühlbarer Weise geltend macht. Es galt nun hier vor allen Dingen, einen kräftigen Schlag guter Mutterpflanzen heranzuziehen und gegen die Unbilden des Klimas abzuhärten. Gelang dies, so war jene Eigen thümlichkeit erreicht, welche den Pflanzgarten vor allen anderen Einrichtungen dieser Art unter scheidet, nämlich daß die Aufzucht nur von Mutter pflanzen geschieht, die vollständig akklimatisirt sind. Dieser Versuch ist in jeder Hinsicht gelungen. Die Aussichten, welche damit eröffnet sind, sind in ihrer Dauer dadurch gesichert, daß die neue Pflanzanlage durch die Bodenbeschaffenheit einem weiteren

wesentlichen Erforderniß im höchsten Grade ge

recht wird. Denn der vortreffliche Lehmbodeg des Gartens gestattet auch eine erfolgreiche Ein, wirkung auf die Vermehrung des Wurzelven mögens, wodurch eine öftere Verpflanzbarkes des Gewächses gewährleistet ist. Es wir

daher in der Folge möglich sein, die Nachthellf 1

abzuwenden, welche auf diesem Gebiete, besonder in der Obstbaumzucht, die Abhängigkeit von Auslande und die nicht zweckmäßige Anlag der meisten deutschen Baumschulen führte. Anlage damit noch nicht erschöpft.

und Luft, sondern auch gehörigen Wind.

anzutreffen sind. Wetter und Wind muͤssen un gehindert zwischen den einzelnen Baumreihen bindurchfahren können, daß es eine Lust it, Und Boreas wird zufrieden sein mit den An ordnungen, welche ihm zu Liebe in Vilbel ge troffen worden sind. Eine reiche Zahl von Längs- und Querstraßen durchschneidet den Garten, kein Eckchen istgeschützt, alle sind sie gleichmäßig dem freien Durchzuge der rau⸗ hesten Winde ausgesetzt. Nach mehr ah anderthalb Jahren war es dem Schreiber dieseh vergönnt, die Baumschule wieder besuchen zu können und das fortwährende Aufblühen derselben zu constatiren. Seit dieser Zeit haben sich dis Anlagen durch neue Ankäufe von Ackerland bedeutend vergrößert. Um nur annähernd dem größeren Publikum Gelegenheit zu geben, sich einen Begriff von der Mannigfaltigkeit der An pflanzungen zu machen, führen wir an, daß allein Acer in 50 Species vertreten sind, die schönsten buntblättrigen Arten und Blattformen, die nur denkbar sind; ferner 70 Sorten Cretaegus, welche in voller Blüthe stehen, da runter die so beliebten wunderbar schönen Roth! dorne in sechs gefülltblühenden Arten; beson⸗ ders hervorzuheben ist das große Eichen-Sor⸗ timent(110 Sorten) in den verschiedensten Blatt formen und Schattirungen. Es dürfte wohl weit und breit eine solch reichhaltige Sammlung dieser: Pflanzenart nicht zu finden sein. In voller: Blüthe stehen Weigelien, reinweiß, roth bis zu

dunkelroth. Spiraeen in den verschiedensten Farben. Die so sehr beliebte Syringa, darunter:

chinesische und persische Pfleglinge, ist zahlreich, vertreten. Auch die in neuester Zeit so sehr in Mode gekommenen buntlaubigen Gehölze, wie Ulmen, Prumus, Amygdalus, Fagus u. s. w. sind in großer Zahl vorhanden. Da die groß⸗ artige, für Jedermann sehenswurdige Anlage von. allen Seiten aus der Wetterau in kurzer Eisenbahn⸗ fahrt zu erreichen ist, so sollte es Niemand versäumen, sich dieselbe anzusehen, besonders da auch der Besuch in der liberalsten Weise gestattet ist. Die Ein⸗ theilung der verschiedenen Arten ist streng, gen ordnet, mit Namen versehen, so daß auch dem Laien ein verständnißvoller Genuß bereitet wird. Für junge Gärtner hat diese wohl eine der größten der in Deutschland bestehenden Baumschule ein ganz besonderes, belehrende Jnteresse. Der Vorsteher derselben, H. Schild

knecht, gibt in der liebeswürdigsten Weise del,

sachkundigen Führer und Erklärer ab und se dürfen wir wohl mit aller Bestimmtheit versichern, daß kein Besucher die Anstalt unbefriedigt ven lassen wird. 240ʃ

Handel und Verkehr.

Friedberg, 7. Juni. Buttermarkt. Butter koste ver Pfd. M. 0.85 1.00, Eter 1 St. 6 Pf., 2 St. 11 Pf,

Butzbach, 7. Juni. Wochenmarkt. Butter kostel per Pfund M. 1.000.00, Käse per Pfund 4546 Pf. Eier 1 Stück 5 Pfg.

Gießen, 7. Juni. Auf dem heutigen Wochenmarl kostete: Butter per Pfund M. 0.95 1.00, Eier 1 St. 0 2 St. 911 P., Käse per St. 56 Pf., Hühner bel St. M. 1.30 1.60, Hahnen per Stück M. 1.501.80 Ochsenfleisch per Pfund 6872 Pf., Kuh⸗ und Nindflelsc 6062 Pf., Schweinefleisch 6070 Pf., Hammelslessch

mit sich J. Jedoch sind die Essentialien der neuen Für den emporwachsenden jungen Baum gilt es noch einer Fürsorge, welche früher nicht so systematisch! behandelt wurde, als es hier der Fall ish Das junge Bäumchen braucht nicht nur Lich! 6 muß frei stehen und sich frei entwickeln können Deßhalb waren jene geschlossenen Anpflanzung zu vermeiden, die dem jungen Baum Licht und Luft entzogen, aber trotzdem noch so häufig

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