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Dienstag den 7. Oktober.

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Oberhessischer Anzeiger.

Wird hier und in Bad⸗Nauheim Montag, Mittwoch und Freitag Abend ausgegeben.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint dreimal wöchentlich und zwar Dienstag, Donnerstag und Samstag.

nnoncen: Die einspaltige Petitzeile 15 Pf., lokale Anzeigen und behördliche aus dem Kreise 11 Pf., Reclamen 30 Pf., ein Beleg kostet 9 Pf. Annoncen von

auswärtigen Einsendern(soweit Letztere nicht Jahresconto bei uns haben), welchen der Betrag nicht beigefügt ist, werden stets durch die Post nachgenommen.

Amtlicher Theil. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises. Sie wollen dafür besorgt sein, daß das nachstehend abgedruckte, für den Winter-Kursus der Ackerbauschule zu Friedberg pro 1890/91

sestgesetzte Programm in Ihren Gemeinden moͤglichst Verbreitung findet.

Dr. Braden.

Winter⸗Kursus 1890/91 der Ackerbauschule des landwirthschaftlichen Provinzialvereins für Oberhessen zu Friedberg.

Die Ackerbauschule zu Friedberg ist eine Anstalt des landwirth- gerliche Rechnen in seinem ganzen Umfang, wöchentlich 2 Stunden.

schaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen, ihre Einrichtungen sind jedoch an die Vorschriften der Großherzoglichen Staatsregierung gebunden, welche auch den zur inneren Leitung der Anstalt berufenen Vorsteher der Schule in Person eines Landwirthschaftslehrers bestellt. Die Ackerbauschule ist einem aus vier Mitgliedern gebildeten Aussichts rath(Kuratorium), unter Vorsitz des Kreisrathes des Kreises Friedberg, unterstellt. Außerdem steht die Anstalt unter der Oberaufsicht einer don Großherzoglichem Ministerium für die landwirthschaftlichen Winter- schulen des Landes gebildeten Unterrichtscommission. Die Ackerbau schule zu Friedberg ist zunächst für das Bildungsbedürfniß des land wirthschaftlichen Mittelstandes, der Provinz Oberhessen bestimmt. Sie ist eine, die allgemeine Fortbildungsschule ersetzende bezw. dieselbe er gänzende landwirthschaftliche Fachschule, welche ihren Schülern neben der realen Fortbildung einen Begriff von den Bedingungen eines ratio nellen Landwirthschaftsbetriebes vermitteln soll. Diejenigen Schüler, welche die Anstalt regelmäßig durchmachen, sind von der allgemeinen Fortbildungsschule gänzlich befreit. Der Unterricht erstreckt sich auf allgemeine Schulfächer, Mathematik, Naturkunde, Landwirthschaft und Turnen. Der Lehrplan der Friedberger Ackerbauschule ist auf 2 Winter berechnet; dieselbe hat daher 2 zusammengehörige Klassen. Zum Ein tritt ist bisher tadellose Führung, Bekanntschaft mit den gewöhnlichen lechnischen Verrichtungen der Landwirthschaft, sowie sicherer Besitz der in der Volksschule zu erwerbenden Fertigkeiten und Kenntnisse erforderlich. Für den bevorstebenden Wintercursus sind folgende Einrichtungen getroffen. Lehrer ⸗Personal. Groß h. Landwiürthschaftslehrer

Dr. Tobisch, 1. Hauptlebrer und Schulvorsteher, unterrichtet: land 1 und naturwissenschaftliche Fächer. Landwirthschafts⸗ ehrer Dr. von Peter, 2. Hauptlehrer, unterrichtet: landwirth schaftliche und naturwissenschaftliche Faͤcher. Schulamtsaspirant Ludwig Felsing, 3. Hauptlehrer, unterrichtet: Volksschulfaͤcher, Geometrie, naturwissenschaftliche Gegenstände und Turnen. Schul-

amtsaspirant Konrad Strauch unterrichtet: Botanik und Zoo logie. Lehrer Philipps unterrichtet: Geometrie.

Geometer

I. Kl. Mäller unterrichtet: Feldmessen, Nivelliren und Planzeichnen. N Lehrplan. Untere Klasse. Deutsche Sprache und Schönschreiben: Aufsätze erzählenden, beschreibenden und schildernden Inhalts, in Brief- und Abhandlungsform, Leseübungen; Uebung der beutschen und lateinischen Kurrentschrift, wöchentlich 5 Stunden. Rechnen: Vorbegriffe; Anwendung der Sätze über Summen und Differenzen, Produkte, Quotienten und Brüche; Theilbarkeit der Zahlen; Decimal brüche(metrisches Maß und Gewicht); Proportionen und Quadrat purzeln, wöchentlich 4 Stunden. Geometrie: Von den Linien und Winkeln; vom Dreieck, Viereck, Vieleck und Kreis; Berechnung der Flächeninhalte verschiedener Figuren, wöchentlich 2 Stunden. Botanik: Grundzüge der Lehre vom äußeren und inneren Bau der Pflanze, mit irzer Berücksichtigung der niederen Gewächse. Eintheilung und Be spreibung der landwirthschaftlichen wichtigsten Pflanzenfamilien, woͤchent sch 2 Stunden. Zoologie und Thier anatomie: Specielle Zoo⸗ ogte mit besonderer Berücksichtigung der landw. wichtigsten Thier⸗ milten; Anatomie der Hausthiere, wöchentlich 4 Stunden. P hysik: Mechanische Erscheinungen der festen, flüssigen und luftförmigen Körper; Lärmelehre, woͤchentlich 3 Stunden. Chemie: Allgemeine Grund lehren der Chemie; die wichtigsten Elemente und anorganischen Ver indungen. Das Nothwendigste aus der Mineralogie, wöchentlich Stunden. Ackerbau: Grundzüge der physikalischen Geographie in rer Anwendung auf die Landwirthschaft; Meliorattonslehre(Boden- earbeitung), wöchentlich 5 Stunden. Thierzucht: Lehre von der Beurtheilung der Hausthiere; Rassenkunde, wöchentlich 2 Stunden. beichnen: Linearzeichnen, woͤchentlich 2 Stunden, zusammen wöchent Ich 34 Stunden. 1 Obere Klasse. Deutsche Sprache: Geschaͤftsaufsätze; Lese nd Schreib Uebungen, wöchentlich 3 Stunden. Rechnen: Das bür

Geometrie: Der pythagorälsche Lehrsatz, Aehnlichkeit der Figuren, von den Körpern und deren Berechnung, wöchentlich 2 Stunden. Botanik: Bau und Lebensverrichtungen der Pflanzen; Krankheiten der Kulturgewächse, wöchentlich 2 Stunden. Chemie: Beendigung der anorganischen Chemie; das Wichtigste aus der organischen Chemie, wöchentlich 4 Stunden. Ackerbau: Bodenkunde; Düngerlehre; specieller Pflanzenbau einschließlich Wiesenbau, wöchentlich 7 Stunden. Obst bau: Pflanzung, Veredlung, Schnitt und Pflege des Obstbaumes; Baumschutz; Wiederherstellung verwahrloster Obstanlagen, Obsternte und-nutzung; Krankheiten der Obstbaäume, wöchentlich 2 Stunden. Thierzucht: Züchtungslehre; Fuͤtterungslehre; Pferde-, Rindvieh und Schweinezucht, wöchentlich 4 Stunden. Allgemeine Wirth schaͤfts- und landw. Betriebslehre: Allgemeine Bedingungen der Produktion; Lehre vom Werth und vom Geld; Creditzeichenz Wechsel; die verschiedenen Formen der Association mit besonderer Be rücksichtigung des Genossenschaftswesens. Die Faktoren des land wirthschaftlichen Betriebes, die landwirthschaftlichen Produktionskosten, die Wirthschaftsmethoden, Feldersysteme und Fruchtfolgen, wöchentlich 4 Stunden. Buchführung: Aulage und Führung der Wirthschafts register und des Hauptbuches, wöchentlich 2 Stunden. Feldmessen, Nivelliren und Planzeichnen mit praktischen Uebungen, wöchent lich 2 Stunden, zusammen wöchentlich 34 Stunden. Die Unterrichts stunden liegen von 812 Uhr Vormittags und von 24 Uhr Nachmittags.

Abends von 79 Uhr mit Ausnahme des Sonntags, Samstags und jener Tage, an welchen die Schüler unter Aussicht eines Lehrers die während des Winters von verschiedenen Fachmännern im Rath hause gehaltenen öffentlichen Vorträge besuchen werden im Schul gebäude unter Leitung eines Lehrers schriftliche Arbeiten angefertigt, oder die Schüler anderweitig nützlich beschäftigt. Schüler, die ihr Nachtquartier nicht in der Stadt haben, bleiben von diesen Arbeits stunden sowie vom Besuch der erwahnten Abendvorträge befreit. Der Unterricht wird durch zahlreiche und vorzügliche Lehrmittel unterstützt. Samstag Nachmittags finden in der Regel Turnübungen, Exkursionen nach nahe gelegenen Gutswirthschaften oder gewerblichen Anlagen, Feld meßübungen und dergl. statt; nur ausnahmsweise wird an demselben theoretischer Unterricht ertheilt. In und außer der Schule wird eine sorgfältige Ueberwachung der Schüler in Bezug auf Fleiß, Betragen und Wohlergehen ausgeübt. Die Schullokalitäten befinden sich im Seitenbau der Burgkaserne und werden Intevessenten gern gezeigt. Wohnung und Kost erhalten die auswärtigen Schüler in angemessener Beschaffenheit und zu maͤßigen Preisen in Privathausern. Der Anstalts Vorsteher ist auch erbötig, in dieser Beziehung behüͤlflich zu sein. Der specielle Stunden-Plan und die Schul-Ordnung werden den Schülern bei ihrem Eintritt mitgetheilt. Der Unterricht beginnt am 3. November l. J. und wird mit kurzer Unterbrechung zu Weihnachten bis gegen Ende Maͤrz k. J. dauern. Alsdann findet eine öffentliche Prüfung statt, zu der seiner Zeit besondere Einladungen ergehen werden. Die Schüler der unteren Klasse erhalten hiernach ein vorläufiges, die der oberen ein Abgangs-Zeugniß. Um den Stand der mittleren Grundbesitzer moͤglichst mit den für sie anwendbaren Verfahrungsweisen des Großbesitzes vertraut zu machen, werden die Unterzeichneten be müht sein, die abgehenden Schüler, soweit es deren Verhaͤltnisse ge statten, auf gut bewirthschafteten Großguͤtern unterzubringen. An Schulgeld sind für den Besuch einer jeden Klasse 20 Mark bald nach dem Eintritt an die Anstaltskasse zu entrichten. Anmeldungen konnen bis zum 31. October J. J. schriftlich oder mündlich bei dem Aufsichts rath oder dem Schulvorsteher erfolgen, auch ertheilt letzterer etwa sonst noch gewünschte Auskunft.

Friedberg im September 1890.

Der Aussichtsrath: Dr. Braden, Kreisrath. Schmidt, Schulrath. Dr, Wallau, Amtmann. Dr. Tobisch, Landwirthschaftslehrer.

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