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thessischer Anzeiger.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Das Regierungsblatt ver kündigt das Gesetz über die Errichtung einer Landesereditkasse. Es ist dies ein fuͤr das Wohl der Landwirthschaft und der landwirthschaftli— chen Bevölkerung bedeutsames Ereigniß, indem durch jene Kasse die Beschaffung der erforder— lichen Geldmittel sehr wesentlich befördert und erleichert wird. Die Kasse hat insbesondere auch die darlehensweise Leistung solcher Geld— mittel ganz oder theilweise zu übernehmen, die zur Ausführung von Wiesenculturen, Bachregu— lirungen, Entwässerung von Grundstücken nach dem sog. Bachgesetz, sowie Zusammenlegung von Grundstücken und Anlage von Feldwegen nach dem Feldbereinigungsgesetz verwendet werden sollen. Außerdem hat dieselbe nach der in je— dem einzelnen Fall durch das Ministerium zu treffenden Entscheidung die Darleihung der Geld— beträge zu übernehmen, die seitens der Ge— meinde, anderer Corporationen, Consortien und Priwaten zum Schutze gegen Ueberschwemmun— gen und zur Draintrung oder anderweiten Ent— wässerung von größeren Flächen verwendet wer— den sollen. Auch ist die Kasse ermächtigt, an Communalverbände und Gemeinden zur Bestrei— tung der Grunderwerbskosten und Geldbeiträge zum Bau von Nebenbahnen und der Grunder— werbs⸗ und Baukosten von neuen Kreisstraßen, sowie an Gemeinden zur Bestreitung der Kosten der Neuanlage von Wasserleitungen Darlehen zu gewähren. Im allgemeinen gibt die Kasse nur hypothekarisch gesicherte Darlehen, sie kann Darlehen aber ohne solche Sicherheit an Ge— meinden, andere Communalverbände und öffent— liche Landescultur- und Wassergenossenschaften geben. Die Darlehen sind seitens der Kasse unkündbar, müssen verzinst und durch stückweise Rückzahlung getilgt werden.
Berlin. Dem„Berl. Tagebl.“ zufolge besteht der Wunsch, das Reichsversiche rungsamt vom Reichsamt des Innern abzulösen und ähn— lich dem Reichsgericht zu einer selbstständigen Centralinstanz umzugestalten.
— 3. Nov. Der hier versammelte außerordent— liche Berufsgenossenschaftstag beschloß in Betreff
der Gewerbeordnungsnovelle mit 29 gegen 5
Stimmen eine Resolution, daß die Durchfüh— rung der Bestimmungen des Paragraphen 120 4 bis e(Arbeiterschutz) den Berufsgenossenschaften übertragen werden solle; ferner eine Einschrän— kung der Bestimmungen in§ 120 d und e, betreffend die zur Ueberwachung der Ausführung der Schutzbestimmungen der Polizei eingeräum— ten Rechte. Außerdem soll dem Bundesrath die Befugniß eingeräumt werden, die Berufsgenos— senschaften zur Ausübung der ihnen auf Grund der Unfallversicherung in der Gewerbenovelle übertragenen Rechte anzuhalten. In der An— gelegenheit der auf die Abänderung des Unfall—
versicherungsgesetzes bezüglichen Fragen wurde
eine Vorstellung an die Reichsregierung beschlos— sen, von einer solchen Abänderung abzustehen, vielmehr die Ausdehnung der Versicherungs— pflicht auf die kleineren Betriebe des Handwerks und des Handels zunächst herbeizuführen. — Die Enquetekommisson für die Reform des höheren Unterrichtswesens wird am 4. Dec. zusammentreten. 5 f Luzemburg, 3. Nov. Die Ankunft des Oendege von Nassau ist für Mittwoch amtlich angekündigt. Irgendwelche größere Empfangs feierlichkeiten unterbleiben auf Wunsch des Her—
zogs. Der Herzog gedenkt Luxemburg am Frei⸗
tag oder Samstag wieder zu verlassen. Der
Eebprinz begleitet den Herzog hierher.
Ausland. i Schwelz. Bern, 3. Nov. Der Partei—
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tag der schwelzerisch en soctaldemokratischen Par—
teil beschloß, gegen das Auslieferungsgesetz das
Referendum zu ergreifen, wenn dasselbe in der
vom Nationalrath und in der vom Ständerath beschlossenen Form angenommen werden sollte, ebenso gegen die in Vorbereitung befindliche Novelle zum Bundesstrafrecht. Dagegen wurde von den eidgenssischen Räthen ein Gesetz ver— langt gegen die Beschränkung des Vereinsrechtes der Arbeiter durch die Arbeitgeber.
Großbritannien. Tipperary, 3. Nov. Der irische Deputirte Patrick O'Brien wurde wegen Ungebühr gegenüber dem Gerichtshof, begangen durch Photographiren eines Zeugen während der Gerichtsverhandlung, zu einer Woche Gefaͤngniß verurtheilt.
Frankreich. Paris, 3. Nov. Die fran— zösische Mittelmeerflotte ist heute von Malla nach Algier in See gegangen.
Afrika. Sansibar. Tippo Tip brach mit vielen Arabern und gegen 7000 Trägern von Udschidschi nach Sansibar auf; derselbe führt große Elfenbeinvorräthe mit sich.— Die Kara— wanen des in deutsche Dienste getretenen Eng— länders Stokes sind durch Eingeborene von Ugogo überfallen worden. Derselbe verdankt seine Rettung einzig und allein dem Helden— muth der deutschen, 20 Mann starken Eskorte unter dem Befehl des Lieutenants Siegel. Sechs deutsche Soldaten sind gefallen.
Amerika. Newyork, 3. Nov. Die ir— ländischen Deputirten Dillon und O'Brien sind hier eingetroffen und wurden von zahlreichen
Mitgliedern der irländischen Vereine mit leb— haften Kundgebungen empfangen. Aus Stadt und Land. ? Friedberg. Den ev. Bewohnern der Stadt
und Umgegend diene zur vorläufigen Benachrichtigung, daß der„Ev. Bund“ in Gemeinschaft mit dem„Ev. Verein“ dahler auch in diesem Jahre wieder den Luther— tag, 10. November, am nächsten Montag Abend präeis ½8 Uhr im großen Saale des hiesigen Saalbaus fest— lich begehen wird. Und zwar wird der rühmlich be— kannte Reeitator Fr. Hemp von Limburg das Herrlg'sche Lutherfestspiel in seiner schon einmal hler im Lehrer Seminar bewährten meisterlichen Weise vortragen, während der Seminaristen Chor unter der tüchtigen Leitung des Musik Lehrers Schmidt einige Choräle und Lieder singen wird. Alle Evangelische der Stadt und Umgegend sind freundlichst zu dem Feste eingeladen.
E. V. Frledberg. In dem„Gießener Anzeiger“ von 1886 schrieb ein Freund des Schlittschuhlaufs unter „Elsfreuden und Eisgefahren“ u A. Folgendes:„Seit der Elsverein entstanden, haben die Etisfreuden in un serm schönen Gießen stetig zugenommen und unsere Mit— bürger werden es dem Vorstande des Vereins gewiß Dank wissen, daß in diesem Winter infolge unausge— setzter Bemühung und Arbeit das Schlittlaufen fast un— unterbrochen tro Schnee und Thauwetter hat fortgesetzt werden können. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollten wir uns über den Geist und Körper erqulcken— den, gesundheits fordernden Einfluß dieser schöͤnen Ue— bung verbreiten. Wer, wle Sch eiber dieses, nun schon länger als 50 Jahre dem Etssport— um mich modern auszudrücken— huldigt, der hat die ebenso er— qulckende wie muskelstärkende, Haut- und Athmungsor— gane hebende Wurkung so tausendfältig erfahren, daß er schwer versteht, wie man dlesem nützlichen Vergnügen, welches nach dem Spruche des römischen Dichters: „omne tulit sanctum, qui miscuit utile dulei“ in der That dtese Preisaufgabe löst, nicht huldigen oder sich ihm früher entziehen kann, als die Gebrechen des Al, ters dazu wirklich nöthigen. Trägt es doch zur Ver— gnügung bei, sich unter den jugendlichen, von Tag zu Tag mehr zu Kortphäen emporarbeitenden Eisstrebern noch mitbewegen und an dem Glanze der Wangen und Augen schwebender Elsheldinnen sich erfreuen zu können.“ — Nach längerem Bemühen ist jetzt gegründete Aussicht vorhanden, daß die Eisläufer und Elsläuferinnen Frledberg's in Zukunft anders werden ausholen önnen, als es ihnen in günstigem Falle das„bischen“ Amt wiese gestattet hat. Auf den Irrgarten auf's Ets! wird, tritt einmal Frostwetter ein, die Losung von Hun derten werden, denen über den Schlittschuhlauf als ge— sfündester Bewegung im Winter nichts geht. Nur helßt es von jetzt bis dahln für Groß und Klein, die Mittel zusammenzubringen, ohne welche die geplante Eisbahn zu Wasser werden würde. So etwas wie M. 1000.—. werden nöthig sein, damit das Unternehmen gut und solld ausgeführt werden kann. Wird das so dankens werthe Entgegenkommen des Besitzers der Wlese mit dem ernstlichen Bemühen des Vorstandes des Ets vereins, etwas Zweckdienstliches zu schaffen, seltens der Freunde und Freundinnen des Elslaufs durch metalllschen Kitt kräftig verbunden, so wird der Erfolg nicht ausbleiben. Und damit wird unsere Stadt um eine Einrichtung be—
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relchert sein, decen Wichtigkeit im öffentlichen Interesse kein Einsichtiger vorkennen wird. Unsere Jugend zu mal wird sich nach Herzenslust so oft wie immer mög— lich auf dem Else tummeln können; ein Grund zur Be— sorgniß der Eltern, wie sie sich nach der letzten furchtba⸗ ren Katastrophe auf dem Nauheimer Teiche bel dem Ge— danken an dessen Besuch aufdrängt, wird nicht vorhan⸗ den sein. Der sich oben auf der Fahrstraße bewegende Spaztergänger kann sich an dem Wandelbilde, das eine von Jung und Alt belebte Elsfläche bietet, erfreuen und die Nähe derselben bei der Stadt bürgt dafür, daß der Schwerpunkt unserer Bevölkerung zeitweilig in den Irr— garten— auf's Eis— verlegt werden wird. An's Werk! zunächst Hunderte von Namen in die Zeichnungs⸗ liste, die der Diener des Eisvereins Franz Rausch bereits herumträgt.
Groß-Gerau, 1. November. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich in hiesiger Zuckerfabrik ereignet. Der hier seit 8 Tagen beschäftigte 18jährige Arbeiter Elsenhelmer, gerteth mit einem Beine in die sogenannte Schnecke, wodurch ihm das Bein über dem Knöchel abgerissen wurde. Der Unglückliche wurde in das Kran— ken und Stechenhaus verbracht
Lampertheim, 2. Nov. Gestern Abend gegen halb 7 Uhr fuhr der von Rosengarten kommende Ran⸗ gierzug 586 dem nach Frankfurt gehenden Güterzuge 573 auf der hlesigen Statlon in die Flanke. Zwei Güterwagen sind vollständig zertrümmert und die Ma⸗ schine des Rangterzuges ist stark beschädigt. Personal ist bei dem Unfall nicht zu Schaden gekommen.
Allerlei.
Nürnberg, 3. Nov. Der hlesige„Gen. Anz.“ meldet, daß auf dem Ostbahnhof ein Rangierzug ent⸗ gleist ist. Der Lokomotivführer Schropp, der Sta⸗ tionsdiener Weiß seien todt, der Hetzer Früchtel ver— wundet.
Bremen. Der Inspector der Deutschen Gesell— schaft zur Rettung Schlffbrüchiger, Capitän Pfeifer, telegraphirt von der Insel Amrum: Am 30. Oet. ist das Rettuugsboot„Theodor Preußen“, das nach dem auf Sylt gestrandeten englischen Schooner„Erik“ aus⸗ gegangen war, gekentert und sind von der Rettungs- mannschaft leider zwei Personen, Familienväter, er⸗ trunken. Von der Mannschaft des Schooners sind zwei Personen durch den Raketen Apparat von Westerland glüͤcklich gerettet worden.
Handel und Verkehr. Grünberg, 1. Nobo. Fruchtpr. Weizen M. 19.20, Korn M. 17.00, Gerste M. 16.00, Hafer M. 14.00, Erbsen M. 17.00, Linsen 24.00, Wicken M. 00.00, Lein M. 00.00, Samen M. 24.60, Kartoffeln M. 0.00. Frankfurt, 3. Novbr. Fruchtbericht. Htesiges Weizenmehl Nr. 0 M. 33.00-34.00, Nr. 1 M. 31.00 bis 32.00, Nr. 2 M. 27.50 28 50, Nr. 3 M. 27.00 bis 28.00, Nr. 4 M. 23.00— 24.00, Nr. 5 M. 18.00—19, Milchbrod und Brodmehl im Verband M. 58.00— 60, Nord⸗ deutsche und westfälische Weizenmehle Nr. 00 M. 27.00 bis 28.00. Roggenmehl loco hier Nr. 0 M. 27.50 bis 28.50, Nr. 0/1 M. 26— 27, Nr. 1 M. 2300— 24.00, Weizen hiesiger ab unserer Umgegend M. 19.25- 19.40, frei Bahn hier M. 19.50— 19.70, alter russi. M. 21.50 2.50. Roggen hiesiger M. 17.00— 17.50, russischer M. 17.75, Gerste, Brauerwaare M. 18.50-19.50, Hafer M. 14.75 bis 15.50, Raps M. 26.00- 26.50, Mais(mixed) M. 13.50 00.00, La Plata M. 12.50, Roggenkleie M. 10.00— 10.25, Weizenkleie M. 9.00, Spelzspreu M. 1.80— 2.0), Chilisalpeter per Febr. und März 1891 M. 0.00, Rüböl im Detail M. 68.50-00.00. Die Preise verstehen sich pro 100 Kilo ab hier, häufig jedoch auch loco auswärtiger Stattonen.
Frankfurt, 3. Nov. Viehmarkt. Der heutige Markt war mit 380 Ochsen, 16 Bullen, 372 Kühen, Stteren und Rindern, 253 Kälbern, 506 Hämmeln, 391 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folgt: Ochsen 1. Qual. pro 100 Pfd. Schlachtgewicht M. 71 bis 74, 2. Qual. M. 6568, Bullen 1. Oual. M. 56 bis 59, 2. Qual. M. 53—55, Kühe, Stiere und Rinder 1. Qual. M. 63 66, 2. Qual. M. 51—58, Kälber . Qual. pro 1 Pfund Schlachtgewicht 70—75 Pf
1 3 2. Qualität 60 65 Pf., Hämmel 1. Qual. 64-66 Pf., 2. Qual. 48— 52 Pf., Schweine 1. Qual. 63—65 Pf 2. Qual. 61—62 Pf.
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Jsraelitischer Gottesdienst in Kriedberg. Sabbathfeier vom 8. November. Beginn: Freitag Abend 4 Uhr 10 Min. Samstag Morgen 8 Uhr 30 Min. Samstag Nachmittag 3 Uhr 15 Min. Sabbathausgang 5 Uhr 15 Min. Regelmäßiger Wochengottesdienst von Sonntag den 9. November an Morgens 6 Uhr 45 Min.(Synagoge). Abends 6 Uhr 30 Min,(Gemeindezimmer)« Donnerstag den(3. November: Neumond-Kislev. Montag den 10. November, sowte Donnerstag Morgen 6 Uhr 30 Min.
Schmidts Abreißkalender
für 1891 ist angekommen und zu haben bel Carl Bindernagel in Friedberg.


