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Hoffnung, daß die wahre Kunst gepflegt werden solle, für Kunstankaͤufe 100,000 M. bewilligen wolle, ohne Verpflichtung für die Zukunft. Außer⸗ dem wurde die Errichtung einer weiteren Professur an der Münchener Akademie bewilligt. Der Finanzausschuß genehmigte das mit 279,865,690 Mark balancirende Gesammtbudget. Der Peti— tionsausschuß überwies die Petition des Volks vereins wegen Einführung zweijährigen Militär— dienstes einstimmig der Regierung zur Wuͤrdig⸗ ung, trotz der Darlegungen des Kriegscommissärs, da es sich um einen allgemeinen Landeswunsch handele.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 2. Mai. In Lundenburg entstand infolge der Forderung der Arbeiter der dortigen Raffinerie um Lohnerhöhung ein Exceß. Als die Lohnerhöhung nicht gewährt wurde, rotteten sich die Arbeiter zusammen. Sie wollten die Raffinerie stürmen, woran sie aber die Gendarmerie verhinderte. Eine Abtheilung Dragoner zerstreute die Menge; hierbei kamen einige leichte Verletzungen vor; es fand eine Verhaftung statt. Gegenwärtig herrscht voll⸗ ständige Rube.
— 3. Mai. In Ostrau ist die Lage nach dem Fr. J. wieder ernst. Die Arbeiter der Gräflich Wilczek'schen Kohlengruben wollten gestern gewaltsam ihre Kameraden nach achtstün⸗ diger Arbeit aus den Schachten hervorholen, weil nur acht Stunden gearbeitet werden dürfe. Das Militär schritt ein und trieb die Leute mit dem Bajonnet zurück. Abends unterließen die Arbeiter die Anfahrt. Eine Erneuerung des Kohlenstreiks ist wahrscheinlich.
Holland. Haag. Nach einer amtlichen Meldung fand am 29. April bei Edi(Atschin) zwischen holländischen Truppen und etwa 200 Atschinesen ein Zusammenstoß statt. Von den Holländern wurden 9 verwundet, die Verluste der Atschinesen betrugen 7 Todte und 40 Ver— wundete.
Belgien. Brüssel, 2. Mai. Weder in der Stadt noch in der Pl ovinz fanden gestern Abend Ruhestö rungen statt.
Frankreich. Paris, 2. Mai. Die Polizei hielt während der verflossenen Nacht den Con- cordeplatz besetzt, Kavallerie säuberte die Straßen in der Umgebung des Concordeplatzes und der Madeleinekirche von den überaus zahlreich ange— sammelten Neugierigen. Im Ganzen wurden über 500 Verhaftungen vorgenommen. Bei Auen am Nachmittag stattgefundenen Rencontre in der Rue Cirque zwischen Kavallerie und Manife-! stanten wurden ca. 30 Personen verwundet. Einige Arbeitergruppen, welche sich während des gestrigen Tages in Marseille angesammelt hatten, wurden durch das Militär mühelos zerstreut. Fremde Arbeiter plünderten eine dortige Oel— fabrik. Die Gesammtzahl der gestern dort vor— genommenen Verhaftungen beträgt ungefähr ein— hundert. Während eines gestern Abend in Troyes stattgehabten Auflaufes wurde ein Polizeicom— missär mißhandelt, das Militär mußte wieder— holt eingreifen, zahlreiche Verhaftungen wurden dort vorgenommen. Die Arbeit ist in Mons überall wieder aufgenommen worden. Die Be fürchtungen einer allgemeinen Arbeitseinstellung in der Borinage sind demnach unbegründet. Dagegen ist die Anzahl der Streikenden in Roubaix auf 30,000 angewachsen. Da die Arbeiter vielfach an der Wiederaufnahme der Arbeit verhindert werden und unter der Ein wirkung anarchistischer Elemente ein allgemeiner Ausstand zu erwarten stebt, suchten die dortigen Behörden um eine Verstärkung des Militärs nach.
— 3. Mai. Dem„Temps“ zufolge sind der Marquis Mores, sowie Prevost, Cuisse und mehrere andere Anarchisten freigelassen worden. Das Zuchtpolizeigericht verurtheilte vierzig Mai— Mantifestanten zu Geld- und Freiheitsstrafen bis zu drei Monaten.
— 3. Mai. Die Streiks in Roubaix und Tourcoing erregen hier und in Brüssel Besorg— nisse; man zählt bereis über 100,000 Streikende.
wüstend und raubend die Dörfer. Der Zug nahm den Weg zur belgischen Grenze.
— 4. Mai. Wie die Blätter aus Lyon melden, sei neuerdings in den Wohnungen von Anarchisten Material zur Fabrikation von Dyna— mit gefunden worden.
— 4. Mai. Im Laufe des gestrigen Mini⸗ sterraths erhielt nach längeren Verhandlungen der Minister des Aeußern, Ribot, die Autori— sation, Tigrane Pascha und Palmer eine Note zu überreichen, welche, wie verlautet, erklärt: Frankreich, sei bereit, der Convertirung der egyp— tischen privilegirten Schuld, der Daira Sanieh Anleihe, der Domanial Anleihe und der Anleihe von 1888 zuzustimmen. Letztere solle in unificirte Schuld umgewandelt werden. Hinsichtlich der besonderen Verwaltungen der Daira Sanieh- und der Domanial-Anleihe solle nichts geändert, die— selben jedoch consolidirt werden. Vor Ablauf von 15 Jahren solle keine neue Conversion statt— finden.
Spanien. Madrid, 4. Mai. Nach Meldungen aus den Provinzen herrscht heute überall, mit Aus nahme von Barcelona und der Provinz Malaga, vollständige Ruhe; doch werden anläßlich der für heute angekündigten Arbeiterkundgebungen Ruhe störungen befürchtet. In der Provinz Malaga nimmt die Streikbewegung größere Deminsionen an, namentlich in Antequera, wo mehrere Ver⸗ haftungen vorgenommen wurden.
Barcelona, 3. Mai. Die Civilgarde zerstreute gestern Abend sich fortgesetzt bildende Streiker— gruppen und mußte dabei von den Waffen Ge— brauch machen. Es sind mehrere Revolverschüsse gefallen, zwei Personen wurden verwundet. Heute Morgen versuchten streikende Arbeiter den Pferde— bahnverkehr zu verhindern, wu den jedoch von Cavallerieabtheilungen zerstreut. Morgens ist für Barcelona und Umgegend das Standrecht prok— lamirt worden. Das Militär war Nachmutags mehrmals genöthigt, die Haupiplätze mit aufge— setztem Bajonneten zu räumen. Die Streikenden bewarfen das Militär mit Steinen, auch einige Revolverschüsse wurden abgefeuert; jedoch Niemand verletzt. Zahlreiche Verhaftungen wurden vor— genommen. Das Kriegsgericht verurtheilte einen der Anarchisten zu Zwangsarbeit, fünf andere zu zehu jährigem Gefänguiß. Das Standrecht wurde Abends auf ganz Catalonien ausgedehnt Weitere am Abend stattgehabte Ansammlungen von Strei— kenden wurden von den Truppen zerstreut. Das Militär feuerte auf die Menge, ohne jedoch Je— mand zu verletzen.
Italien. Livorno, 4. Mai. Die Fiaker kutscher, das Personal der Pferdebahn- und Om— nibus-Gesellschaft, sowie die Kunsttischler und Gehilfen ähnlicher Gewerbe, ferner die Gas— arbeiter haben seit heute früh die Arbeit einge stellt. Die Behörde hat für die abendliche öffent— liche Beleuchtung Vorsorge getroffen.
Amerika. New Vork, 1. Mai. Nach einer Meldung aus Buenos Ayses fanden am gestrigen Tage Aufstände in Paraguay statt. Mehrere Personen wurden getödtet, andere verwundet; die Telegraphenverbindung ist unterbrochen.
San Francisco, 3. Mai. Es haben hier 1200 Tischler und 750 Muͤhlenarbeiter die Arbeit eingestellt. Dieselben fo dern den achtstündigen Arbeitstag.
Aus Stadt und Land.
oe. Bens beim. Sicherem Vernehmen nach wird das Fest des 505 jährigen Jubiläums der hiesigen Taubstum— men⸗Anstalt Mittwoch den 11. Junt stattfinden. Die Hes— sische Ludwigs Bahn-Direktion hat mit dankenswerthem Entgegenkommen den Taubstummen, welche das Fest be— suchen wollen, eine Fahrpreisermäßigung gewährt, so daß die einfache Fahrkarte auch zur Rückfahrt berechtigt
Allerlei.
Frankfurt. Fräulein Schacko und der Tenorist Gießen(Hans Buff) sind für die hiesige Oper definitiv engagirt worden und tritt erstere ihr Engagement schon dlesen Herbst und zwar am 1. Oetober an.
Handel und Verkehr. Frledberg, 3. Mai Buttermarkt. Butter kostet per Pfund M. 0 95 1.10 Eier 1 St. 5 Pf. 2 St. gr. 11 Pf. Butzbach, 3. Mat Wochenmarkt. Butter kostete
Mehrere Tausend Ausständige durchzogen ver⸗
per Pfund 1.00— 1.10 M., Käse per Pfund 45-46 Pf. Eier 1 Stück 5 Pfg.
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Repertoir⸗Entwurf 1
der vereinigten Stadt Theater in Frankfurt. Opernhaus.
Dienstag den 6.: Hamlet. Oper. Gewöhnl. Preise,
Mittwoch den 7.: Vorstellung bei ermäßigten Presseg
Dorfbarbier. Hierauf: Die Puppenfee. r. Schluß
Außer Abonnement.„
Flotte Bursche. Donnerstag den 8.: Zauberflöte. Gewöhnl. Preilse, Gewöbnl. Preise.
Freitag den 9.: Geschlossen
Samstag den 10: Don Juan.
Sonntag den 11: Die Meistersinger. Walter Stoltzingz Herr Oberländer als Gast. Große Preise. 4
Schauspielhaus. f
Dienstag den 6.: Zum ersten Male wiederholt: Di Kreuzelschretber. Gewöhnliche Preise. ö
Mittwoch den 7.: Mina von Barnhelm. Gew. Preis
Donnerstag den 8.: Ehre. Gew. Preise. Außer Abon
Freitag den 9.: Julius Cäsar. Gewöhnl. Preise.
Samstag den 10: Der arme Jonathan. Gewöhnl Preiß
Sonntag den 11.: Zum ersten Male: Die Hochzestz reisenden. Eine Gasthofsplauderet in 1 Aufz, 99 E. Pirazzi. Hlerauf: Zum 1. Male: Compromstts Schwank in 1 Akt von A. Hill. Zum Schluß: Ju 1. Male: Durch den Kaufmännischen Verein Gew
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0 Mittwoch den 12.: Die Kreuzelschreiber. Gew. Pres 91 — Du! (Eingesandt.) a l Ueber die Heilsamkeit der Leibesübungen sind dit dot Stimmen aller Aerzte alter und neuer Zelt einig, und daß gerade das Turnen deshalb für den menschlichm Körper von größtem Nutzen, ja sogar nothwendig 7 wurde schon von den alten Griechen anerkannt, die dur ö allerart Uebungen den Körper elastisch und behende, kräftig und ausdauernd zu machen verstanden. I, Uebungen der Alten, als Springen, Laufen, Werfen,“! Hanteln, Ringen u s. w. sind zest- und volksgemäß l wen! unsere heutige Turnkunst übertragen, und die jetzigg J i aur Hang und Stützübungen an den Geräthen, ermöglicht 0 uuf erst eine allseitige Ausbildung des Körpers. Indem du. Füße, das Turnen: Kräftigung der Gesammtmuskulatur Reg Orr lung des Blutkreislaufes, harmonische Ausbildung aller] s Organe, Abhärtung gegen Witterungseinflüsse statifndet, 7 so wird auch die Wiederstandsfähigkeit gegen Krankhelten u⸗ dadurch erhöbt! Gibt es etwa eine bessere Vorberestung git für den Militärdienst als das Turnen? Aber nicht alen] gu Knaben und Jünglinge sollen den Turnplatz besuchen, bnd sondern auch die Männer! Daß gerade Letztere sich den q. Woblthaten eines geregelten Turnens nicht entziehen dürfen g 9 müßte doch Jedermann einsehen, und darum folget den lum Aufruf im Annoneentheil recht zahlreich, und kommt zun r 1 Turnen! ö 8 — Buxkinstoff, naund zu einem Anzuge, reine Wolle, nadelfertig zu M. 5.85 Pf., für eine Hose allein blos M. 2.35 Pf., durch baz
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Gläubigeraufforderung.
Ansprüche jeder Art an den Nachlaß der verlebten; 14 dritten Ehefrau des Johannes Klinkerfuß I. Ellsabethn: ß geborene Langsdorf von Bad-Nauhelm sind binnen 8 Tagen! bei unterzeichnetem Gerichte anzumelden, wenn sie bei der: 10 Nachlaß regulirung berücksichtigt werden sollen.
Bad Nauheim den 30. April 1890. 1
Großherzogliches Amtsgericht Bad⸗Nauhelm. 14 1
Bauer. 1975. S ch ü tz
Arbeitsvergebung, Steinlieferung.
Die Arbeiten zur Wiederherstellung des Usabettes! unterhalb dem Glashüttenwehr dahler, als: en 1. Erde, Pflaster⸗ und Maurerarbeit, ver⸗
anschlagt zu M. 661 2 Lieferung von Bruchsteinen(Basalt oder ö Quarzit) M. 440 3. Steinsetzen M. 44
sollen öffentlich vergeben werden. Voranschlag und Be⸗ + dingungen liegen auf unserem Bureau zur Einsicht offen und Angebote sind längstens bis zum 14. d. Mts., Vor 5 mittags 11 Uhr, bei uns einzureichen. 1 Bad⸗Nauheim den 3 Mai 1890 Großherzogliche Badedireetion Bad-Nauhelm.
1980 5 Jäger— Verpachtung eines Grundstück“ erpach den 7. Mat, Vormittags 11 Uhr, soll d 10 von den Vereinigten Armenfonds ersteigerte Massenstüͤl 88 in Flur XI der Fauerbacher Gemarkung, am Ringgrabeh 0 auf 6 Jahre verpachtet werden. Das Ausgebot erfolg 0 an Ort und Stelle und zwar erst in 8 Abtheilungen, all“ Grabstücke nutzbar, und dann im Ganzen. 1 Der Gehalt ist auf 2160 qm angegeben. Ie Friedberg den 5. Mai 1890. 108 Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg. 1991 Steinhäußer. 4 E
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