Ausgabe 
4.10.1890
 
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Obberhessischer Anzei

M17.

el.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Oct. DerNordd. Allg. Ztg. ufolge bildete sich hier ein Comité behufs Er uchtung eines Denkmals für die verstorbene slaiserin Augusta.

1. Oct. DerReichsanzeiger schreibt: getreffs der angeblichen Beschimpfung der deut chen Flagge durch den Engländer Thomson nurde amtlich festgestellt, daß letzterer die deutsche

e lagge irrthümlich einzog, weswegen er von dem aglischen Gouverneur bestraft wurde. Dieser wie der englische Generalconsul in Sansibar ter a gückten ihr Bedauern aus, worauf das deutsche aa sieneralconsulat die Angelegenheit als erledigt achtete. DemReichsanzeiger zufolge sind * 5 hei der Ermordung der Expedition Küntzel in

Bitu gerettet worden: Ingenieur Mauschel aus itzingen und der Holzschläger Heßler aus Bam erg. Die Namen der Getödteten waren noch icht festzustellen. e 2. Oct. Mit größerer Bestimmtheit ver Autet, daß in dem handelspolitischen Verhältniß Leutschlands zu Oesterreich eine günstige Um Jandlung eintreten soll. f N In den hiesigen Reichstagswahlkreisen 1 9 imden socialdemokratische Versammlungen statt hufs Besprechung der Programmpunkte des

lallenser Congresses und der Wahl der Delegirten.

Im preußischen Staatsministerium herrscht

ung ddt behufs Fertigstellung der Landtagsvorlagen 8 nue sehr angestrengte Thatigkeit. Es fanden am decem Nontag, Dienstag und Mittwoch längere Sitz ing zu an ugen statt. Im Ministerium des Innern werden

uferenzen in Sachen der Landgemeindeordnung eigehalten. Der Entwurf derselben ist ein um fngreiches Werk, welchem nicht blos eine aus flhrliche Denkschrift, sondern auch zahlreiche Aa ligen beigegeben sind, die das bei den Erheb rigen über die ländlichen Gemeindeverhältnisse uwonnene Material enthalten. Die Schulreform 1 durch Vorlage einer umfassenden Denkschrift an ds Staatsministerium eingeleitet worden. Auch bit Cultusminister v. Goßler ein Programm für de Grundzüge des Gesetzentwurfs hinzugefügt.

Was die Steuerreform betrifft, so liegt gegen

rürtig nur eine Denkschrift dem Staatsmini

tꝛrium vor, während die Entwürfe noch er mrtet werden.

Hamburg, 1. Oct. Heute Morgen ging rittels eines Woermann-Dampfers die erste aus ct Personen bestehende katholische Mission unter

ter Führung des apostolischen Präfecten Vieter uch Kamerun ab.

Schweidnitz, 2. Oct. Der Kaiser kommt acht zu dem Geburtstage Moltke's nach Kreisau, sundern lud den Grafen Moltke ein, seinen Ge burtstag in Berlin zu feiern.

Saarbrücken, l. Oct. Eine Versammlung 116 un Bergleuten des Saargebiets, welche in Neun chen tagte, beschloß folgende Ergebenheitsde ysche an den Kaiser zu richten:Majestät ge cen die hier versammelten Bergleute aufs neue itverbrüchliche Treue und angesichts des Er chens des Socialistengesetzes Fernhalten von 22 len Umsturzbestrebungen.

Frankfurt, 1. Oct. Im Laufe des gest⸗ ien Tages kehrten bereits mehrere ausgewiesene Leocialdemokraten hierher zurück. Der Uebergang em 30. September zum 1. October vollzog sich b: Frankfurt und Umgebung in aller Ruhe.

Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien, 1. Oct. 49 kilser Wilhelm ist heute Morgen 9 Uhr hier ft getroffen und wurde vom Kaiser Franz Josef Dowie den Erzherzögen Albrecht, Wilhelm und fduiner am Bahnhofe empfangen. Die Maje teten umarmten und küßten sich zweimal auf es innigste. Kaiser Wilhelm begrüßte die Erz izöge durch Händedruck und sprach dem Bür ermeister von Wien seinen Dank aus. Sodann nuten beide Kaiser unter enthusiastischen Kund

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gebungen der Bevölkerung nach der Hofburg. Der Einzug der Kaiser Wilhelm II. und Franz Josef durch die auf das festlichste geschmückten Straßen gestaltete sich zu einem wahren Triumph zuge; von den dicht besetzten Fenstern und Bal cons wurden Blumen in den offenen Wagen ge worfen. Bei der Fahrt durch die Asperngasse begrüßte den Kaiser Wilhelm eine Kaiserfanfare vom Balcon desHotel Kronprinz herab, eine Huldigung des Wiener Hornistenelubs. Beson ders festlich gestaltete sich die Fahrt über den Schwarzenbergplatz, wo auf drei großen Tribünen der Wiener Gemeinderath und die Elite der Wiener Gesellschaft die Kaiser mit unbeschreib lichem Jubel begrüßten. Kaiser Wilhelm grüßte dankend gegen die Mitglieder des Gemeinde rathes hin. Der begeisterte Empfang wieder holte sich am Hofoperntheater und am äußeren Burgthor, wo von je zwei Tribünen das Publi kum den beiden Monarchen zujubelte. Um 9 Uhr 25 Min. traf der Zug an der Bellaria ein, wo selbst Obersthofmeister Prinz Hohenlohe und Oberceremonienmeister Graf Hunyady denselben erwarteten und die Kaiser in das Absteigequar tier geleiteten. Der Einzug verlief überall in musterhafter Ordnung. Am Eingange zur Kapu zinergruft wurde Kaiser Wilhelm von General Wedel mit einem Kranz aus Theerosen, Veilchen und Blattpflanzen, mit einer weißen Atlasschleife, welche das kaiserliche W und die Kaiserkrone trug, erwartet. Der Kaiser durchschritt die lange Reihe der Sarkophage, legte den Kranz am Sarge des Kronprinzen Rudolf nieder und ver richtete knieend ein Gebet. Beim Verlassen des Klosters reichte der Kaiser dem Guardian die Hand mit den Worten:Dieses war ein sehr schwerer Gang. Darauf kehrte der Kaiser zur Hofburg zurück. Kurze Zeit später fuhr er nach Schönbrunn, wobei er von dem sehr zahlreich versammelten Publikum überall auf's begeistertste begrüßt wurde. Beide Kaiser, der König von Sachsen sowie die übrige Jagdgesellschaft reisten um 3 Uhr vom Getzendorfer Bahnhof nach Mürzsteg.

Schweiz. Bern, 30. Sept. Der Stände rath nahm mit 19 gegen 1 Stimme das Aus lieferungsgesetz in der vom Bundesrath vorge schlagenen Fassung an.

2. Oct. Der Nationalrath genehmigte nach viertägiger Debatte mit 79 gegen 35 Stimmen die Maßnahmen des Bundesrathes im Canton Tessin und ermächtigte denselben zu weiteren Maß regeln. Der Bundesrath nahm ferner einen Antrag an, wonach der Bundesrath die Grund sätze aufstellen soll, nach welchen künftig die Be willigung von Concessionen für Bergbahnen zu erfolgen hat.

Holland. Haag, 1. Oct. Trotz der offi ciösen Bemühungen, den Zustand des Königs als nicht besorgnißerregend darzustellen, weiß man in unterrichteten Kreisen, daß in jedem Augen blick das Schlimmste zu befürchten steht. Die Aerzte verlassen den königlichen Palast nicht mehr.

Großbritannien. London, 1. Oct. Der Congreß der Dockarbeiter ist von sämmtlichen Dockunionen beschickt. Der Vorsitzende, Tom Mann, warf zunächst einen Rückblick auf die Errungenschaften der Dockunionen, die sich Aner kennung erzwungen hätten. Wen die Arbeitgeber sich verpflichten wollten, nur Unionisten zu be schäftigen, so würden alle Streitigkeiten weg fallen und alles harmonisch zusammenarbeiten. Der Congreß bezwecke die Errichtung von Fabriken unter Munictpalcontrole, die Vereinigung aller Arbeiter-Vereine zur Errichtung von Schieds spruchämtern, bestehend aus Männern, welche die Arbeiterfragen wirklich verstehen, nicht aber aus Politikern und Philanthropen. Ferner solle der Congreß die Möglichkeit erwägen, die Dock arbeit in London auf kooperativer Basis zu über nehmen. Die Verhandlungen fanden unter Aus

schluß der Oeffentlichkeit statt.

Frankreich. Paris. Ueber eine Unter redung mit Crispi meldet der PariserFigaro, daß Crispi u. A. gesagt habe:Kaiser Wilhelm wird Niemanden den Krieg erklären. Wir rüsten alle; ich weiß, das wird Europa zum Vortheil Amerikas zu Grunde richten. Hier ist die große Zukunftsfrage, ich kann die Abrüstung nicht vor schlagen, Sie(nämlich Frankreich) müssen an fangen, denn Sie allein fürchtet man in Europa. Inzwischen werde ich thun, was ich kann um die italienischefranzösischen Beziehungen zu verbessern.

Der franzoösische Ministerrath hat den Entwurf des allgemeinen Zolltarifs mit Rücksicht auf den nahen Zusammentritt des Parlaments (am 20. October) zum Gegenstand seines ein gehendes Studiums gemacht. Es scheint, daß die Stimmung zu Gunsten eines Maximaltarifes vorherischt, unbeschadet der Begünstigungen, welche jenen Nationen gewährt werden können, die Frankreich commercielle Vortheile einräumen wollen. Andererseits hat auch die Idee, einen Minimaltarif für die Behandlung jener Nationen, die Frankreich Vortheile einräumen, einzuführen, welcher Tarif sodann für die übrigen Staaten erhöht werden könnte, gewichtige Stimmen für sich. Die Entscheidung wird bald erfolgen.

Italien. Rom, 1. Oct. Das Aufsehen erregende Interview Saint Cdre's mit Crispi beschäftigt noch immer die hiesige Presse. Trotz des ursprünglichen Dementis imCapitan Fra cassa constatirt jetzt dieOpinione, daß die Unterredung thatsächlich stattgefunden habe, deren Juhalt auch größtentheils richtig wiedergegeben sei. Dagegen ist dieTribuna dermaßen ent rüstet, daß sie Saint Core körperliche Züchtigung anbietet. DieRiforma wiederum erklärt, daß die bisher gebrachten Mittheilungen über die Unterredung grobe Unrichtigkeiten enthalten und in den meisten Punkten sogar sehr wesentlich von der Wahrheit abweichen.

2. Oct. Der officlöseCapitan fracassa beglückwünscht die deutsche Regierung wegen der weisen Maßregel der Aufhebung des Soclalisten gesetzes. Der 1. October sei ein denkwürdiges Datum in der Geschichte Deutschlands. Die Riforma undOpinione besprechen die Reise des Kaisers Wilhelm nach Wien äußerst sym pathisch. Diese Reise sei ein glückliches Ereigniß für ganz Europa.

Amerika. Washington, 30. Sept. Der Senat genehmigte den Bericht der Tarifeonferenz und nahm das Tarifprojekt mit 33 gegen 27 Stimmen an.

1. Oct. Präsident Harrison unterzeichnete die Tarifvorlage.

Afrika. Aden. Der Ausbruch der Cho lera ist hier amtlich constatirt worden.

Aus Stadt und Land.

2 Friedberg. Wie schon amtlich bekannt gegeben wurde, ist die Genehmigung S. K. Hoheit des Groß herzogs zur Veranstaltung einer Geld Lotterte zum Besten der Stadtkirche für unser Land ertheilt worden. Wir sind überzeugt, daß darüber aufrichtige Freude in der Bevölkerung unserer Stadt und Umgegend herrscht, und daß diese Freude sich(nicht etwa durch geringere, sondern) durch erhöhte Opferwilligkeit und reichlichere Gaben bei der eben im Gange befindlichen Erhebung der Beiträge des Stadtkirchenbauvereins für 1890 bekunden wird. Große Aufgaben und hohe Ziele lassen sich nun einmal nicht mit engen Herzen und zugeknöpften Taschen lösen, sondern erheischen Opfer; und wie können wir Friedberger nachhaltige Hilfe von außen erwarten, wenn wir und besonders die Reichen und Wohlhabenden unter uns nicht selbst mit leuchtendem Vorbild, mit willigen Herzen und offenen Händen vorangehen? Bürger sinn und ächter Patrieler Stolz ich erinnere nur an die großen Leistungen z. B. der Wormser, Hanauer und Gelnhausener Bürgerschaft, für ähnliche(deale Zwecke haͤtten hier wahrlich ebenso reiche als schöne Gelegenheit, sich in würdigster Weise zu bethaͤtigen.

O bstausstellung zu Friedberg vom 2 bis 8. Oetober. Die Eröffnung der Ausstellung fand zur festgesetzten Zeit Vormittags 10 Uhr statt. Der Präsident des Wetterauer Obstbau Vereins, Krelsrath Dr. Braden,

vollzog dieselbe, indem er in einer kurzen Ansprache die Aufgaben und Ziele des Vereins darlegte, das anwesende Mitglied der Großh. Oberen landw. Behörde, Landes: