zu sichern. Der Redner sprach sich ferner für directe Vertretung der Arbeiter im Parlamente und für Controle der Eisenbahnen durch den Staat aus. Die einzige Loͤsung der Agrarfrage könne nur die Nationalisirung von Grund und Boden sein.
Spanien. Bilbao, 31. Aug. Die Königin— Regentin traf, von dem Minister-Präsidenten Canovas del Castillo begleitet, gestern Nach mittag von San Sebastian hierselbst ein und wurde von der zahlreich zusammengeströmten Menschenmenge mit begeisterten Zurufen begrüßt. Von hier fuhr die Königin-Regentin weiter nach dem englisch-spanischen Schiffsbaubof in Portugalete, woselbst dieselbe dem Stapellaufe des neuen Kreuzers„Infanta Marta Teresa“
beiwohnte. Abends erfolgte die Ruͤckkehr nach San Sebastian. Italien. Rom. Hier hat die Polizei
bei mehreren bekannten Agitatoren Haussuchungen anstellen lassen, bei welcher man 4 Bomben mit Beschlag belegte, von denen 2 geladen waren., Portugal. Lissabon, 1. Sept. Der König ist erkrankt. Die Krankheit wird als typhöses Fieber bezeichnet; es liegen jedoch keinerlei beunruhigende Symptome vor.
Rußland. Petersburg. Die auswärts verbreiteten Gerüchte von einer Verstimmung
zwischen den Kaisern Wilhelm und Alexander während der letzten Manövertage bei Narwa werden von maßgebender Seite als vollständig aus der Luft gegriffen bezeichnet. Nach einer Mittheilung der Betheiligten liegt nicht der leiseste Anhalt zu derartigen Muthmaßungen vor.
— 2. Sept. In Anbetracht der bevor stehenden Reisen des Kaisers von Rußland zum Manöver verdoppelte die russische Polizei die Aufmerksamkeit auf den Fremdenverkehr an der Grenze sowohl, wie auf den inneren Bahnen und hatte dabei unerwarteten Erfolg. Auf einer Station der Nikolaibahn wurde ein lange ver— geblich gesuchter, in frühere politische Prozesse verwickelter Nihilistenführer festgenommen und sofort nach Petersburg übergeführt. An der Grenz— station Wirballen fiel einem dort stationirten Gendarmen die übermäßige Stärke einer vom Auslande soeben eingetroffenen Dame auf. Bei näherer Untersuchung derselben fand man eine Menge revolutionärer Schriften bei ihr. Stark gefahndet wird auf eine der im Pariser Nihi listenprozeß freigesprochenen Frauen, die sich über Deutschland nach Rußland gewandt haben soll. Dabei wird russischerseits behauptet, in Berlin habe man sich nicht abgeneigt gezeigt, die be— treffende Frau, sollte sie deutschen Boden wirklich betreten, festzunehmen und den russischen Be hörden auszuliefern. Ein junger Mensch näherte sich heute dem Gouverneur Barnoff in Nischni⸗ nowgorod unter dem Vorwande, ihm ein wich— Geheimniß mittheilen zu wollen, richtete aber plötzlich einen geladenen Revolver auf denselben. Der Gouverneur fiel dem Menschen in den Arm und dadurch ging die Kugel in den Erdboden. Der Verbrecher, welcher verhaftet wurde, nennt sich Wladimiroff.
— Hier sind Gerüchte im Umlauf, welche eine Verständigung zwischen Rußland und Eng— land wegen Bulgarien in Aussicht stellen.
Aschkabad. Wie verlautet, hätte der Landes— commandirende Kuropatkin mehreren in Aschkabad wohnhaften Juden den Befehl ertheilt, ihre Geschäfte abzuwickeln und binnen einem Monat Transkaspien zu verlassen.
Egypten. Kairo. Scheik El Senussi rückt mit großer Macht gegen den Mahdi vor, der Streukräfte bei Omdurman zusammenzieht.
Amerika. New⸗Pork, 2. Sept. Eine Depesche des„Herald“ aus Guatemala meldet, daß gestern gegen den dortigen Vertreter der Vereinigten Staaten, Mizner, durch die Tochter des Generals Barrundia ein Attentat versucht worden sei. Das Mädchen trat auf den am Schreibtische sitzenden Minister zu, beschuldigte denselben, er sei die Ursache des Todes ihres Vaters und feuerte hierauf einen Revolver auf ihn ab. Der Minister blieb unverletzt. Die
Barrundia wurde verhaftet. Die Wittwe des Generals Barrundia verlangte vom Präsidenten Harrison telegraphisch eine Entschädigung. Australien. Melbourne, 1. Sept. In den Straßen, die heute theilweise wieder elek trisch beleuchtet siad, herrscht vollständige Rahe. Die Kundgebung, an welcher sich gegen 40,000 Mann bethetligten, verlief ruhig. Es wurden Resolutionen angenommen, in welchen den Trade— Unions Englands für ihre Sympathie und materielle Hilfe gedankt wird. Die Rheder lehnten es ab, mit den Vertretern der Streiken— den zu conferiren, bevor sie sich mit den ver einigten Arbeitgebern berathen hätten. Die Re gierung von Syduch beschloß, einen Theil der Quais zu verbarrikadiren, damit die Nicht untonisten unbehelligt arbeiten könnten.
Aus Stadt und Land.
x. Friedberg, 3. Sept. Unser Sedanfest, das wir gestern in althergebrachter Weise feterten, verlief, be günstigt von dem Wetter, das auch diesmal wieder sich als ächtes Katserwerter bewährte, in schönster Wetse. Um 6 Uhr verkündeten Böller schüsse und der Weckruf der uniformirten jugendlichen Trommler, die dieses Jahr zum ersten Male beim Feste mitwerkten, den Anbruch des Fest tages. Bet dem um 9½ Uhr stattfinbenden Gottesdienst, dem die oberen Klassen der Stadischule und das Schul— lehrer-Seminar gemeinsam beiwohnten, hielt Stadtpfarrer Velte eine der Bedeutung des Tages entsprechende, klare und wohldurchdachte Festpredigt. Um 2 Uhr bewegte sich der stattuiche Festzug von der Burg aus durch die reich beflaggte Katserstraße nach dem Festplatz, wo nach Absingung des Liedes:„Preis dem Vater“ Stadtschul lehrer Kredel die Festrede hielt. Die während der An- sprache herrschende Stille zeigte, daß die Stimme des Redners nicht nur überall hin durchdrang, sondern daß er es auch verstanden, den richtigen Ton anzuschlagen, die Hörer zu fesseln. Es war in der That eine HFestrede, gleichgut nach Form und Inhalt, dem Zweck der Feier voll und ganz entsprechend Hierauf entwickelte sich auf dem Festplatze bei den einzelnen Spiel, und Turngruppen ein munteres reges Treiden, bis um 6 Uhr nach Ab singung der vorgesehenen Lieder der Helmzug erfolgte Am Abend fand noch eine zwaänglose Vereinigung auf Steinhäußer's Felsenkeller statt, die unter Mitwirkung des Liederkranzes sowie einiger musikalischen und rede— gewandten Festthetlnehmer in angenehmster Weise verlief Die gestrige Feier des Sedantages dorf in jeder Hinsicht als eine gelungene b zeichnet werden
2 Friedberg. In der nächsten Woche, wahrschein— lich Mittwoch den 10. oder Oonnerstag den 11. Sept soll wiederum eine gemeinsame Versammlung des„evang Vereins“ und des„evang. Bundes“ im großen Saale des biesigen Saalbaues stattfinden, bei der auch Damen willkommen sind. Die Haupestucke des Textes des Ober ammergauer Passionsspiels werden daun zum Vortrag kommen. Um recht zahlreichen Besuch wird gebeten Eine betreffende Annonce soll noch folgen.
Vilbel, 30. Aug In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag brannte, nach der H Kr 35, binter dem Dottenfelder Hof ein Haufen Weizen im Werth von mehr als 20 0 M., Eigenthum des Oekonomen Wittmer, nieder Die Vilbeler Feuerwehr war an den Platz geeilt und machte mit der auf dem Hofe befindlichen Feuerspritze vergebliche Löschversuche. Gestern Morgen sand sich bet dem Gendarmen Gries hier ein Mensch Namens Dietrich aus Klein⸗Karben ein, welcher angab, den Weizenhaufen in Flammen gesetzt zu haben Er wurde verhaftet Der selbe Mensch hat erst vor kurzem eine Zuchthausstrafe verbüßt, weil er vor mehreren Jihren eine Hofratthe in Klein Karben in Brand gesetzt hatte. Der e niedergebrannte Welzen war versichert.
Allerlei.
St. Goarshausen. Nach einer Extra-Betlage zum Amtsblatt der königlichen Regierung zu Wiesbaden sind in unserer Gemarkung südlich der Loreley 36 Parzellen von der Reblaus ergriffen. Für diesen Distrikt und 13 weitere Grundstücke, welche in die Stiche heitsgürtel der angrenzenden Herde eingezogen worden sind, hat der Ober— präsident der Provinz Hessen Nassau, im Einverständniß mit der Reblaus Kommission, eine die Desinfektion be— treffende enerische Verordnung erlassen.
a. Bielefeld Die Kolonie für Epileptische,„Bethel“, besteht nun 23 Jahre und umfaßt auf einem Flächen— raume von etwa 300 Morgen Garten, Feld und Wald— land, ca. 70 größere und kleinere Gebäude mit 2000 Be— wohnern, darunter ea. 1100 epileptische Kranke. Um die nöthigen Pflegekräfte für diese große Anzahl schwer Lei⸗ dender zu gewinnen, wurden eigene Anstalten zur Aus— bildung von Diakonen und Dtlakonissen in Verbindung mit der Kolonie errichtet, welche ihre ausgebildeten Pflege— kräfte auch in zahlreiche auswärtige Anstalten und zur Privatpflege abgeben, weil die wenigsten Pfleger und Pflegerinnen im Stande sind in dem aufreibenden Dienst unter den Fallsüchtigen beständig zu verbleiben. Es sind von letzteren bis jetzt ea. 3000 aufgenommen worden. Da für die wenigsten Kranken ein ausreichendes Pflege geld bezahlt werden kann, bet den Armen aber die Noth, immer am größten und die Unterbringung in Anstalts- pflege am melsten nothwendig ist, so bedarf die Colonie
sehr bedeutender Zuschüsse, ea. 170,00 M. jährlich, um
diese so überaus wichtige und segensreiche Liebes durchführen zu können.
aufgenommen worden, meist aus den ärmlichsten Verh nissen, so daß für diese allein ein jährlicher Zuschuß ung über 10,000 M. nöthig ist, welcher bis fetzt durch Belträge aus dem Großherzogthum nicht gedeckt werd kann. Das Hauptstreben geht dahin alle Kranke in gt eigneter Weise zu beschäftigen und innerlich aufzursch um die Lage derjenigen, welche keine Hellung finden kön
was nur bei etwa 16 pt gelingt, wenigstens erträgsh
zu gestalten und dem Fortschreiten des Leidens bis zug Irrsinn zu wehren. Auswärtige Kranke können durch de Anstalt die bewährteste Arznei beziehen, nachweis Arme unentgeltlich. Möge diesem in seiner Art eingg dastehenden Werke der Barmherzigkeit reichliche Hilfe gu fernerhin zu Theil werden. 5
Halle 30. Aug. In Stötteritz ist ein Brauen Kellergewölbe eingestürzt; 7 Arbelter sind todt, 9 schwt verwundet.
Berlin, 30. Aug. Gestern Abend fuhr der Persone zug vom Grunewald-Anhalter Bahnhof in Wilmersdoß
auf zwei Güterwagen auf. Locomotivführer Morabel aus
Aus dem Großherzogthum He. g sind bis jetzt 85 Kranke ohne Unterschted der Confes 1
0
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Westend ist infolge Verbrühens durch Dampf getödie 1—
der Heizer und zwel Bremser sind verwundet. Von dg Fohrgästen des sch vach besetzten Zuges ist, soweit bekang niemand verletzt. 0
Wlen, 1. Sept. Auf der Franz Josef⸗Bahn gleiste beute vor Nußdorf in der Nähe von Wien ein
Drei Waggons wurden umgestürzt, zwei Wersen
angeblich schwer, sieben leicht verletzt.
Wilen, 2 Sept. In einem Erdwachsbergwerke 5 Boryslau(Galizten) platzte der Kessel der Dampfmasch und es entstand Feuer. Wie verlautet, sind sämmillc achtzig im Kesselhause beschäftigt gewesenen Arbeiter ersiich
Wilen, 2 Sept. gleiste gestern ein Nachtzug zwischen Vintl und Mühl bah, in der Nähe der Franzensfeste infolge einer Steinabrn schung. Der Lokomotivführer und der Heizer erhlelim
Verletzungen, von den Reisenden wurde Niemand beschädig, 1
Rorschach, 2. Sept. gesetzt aus den Ufern getreten. schwemmt und dabet nimmt das Ueberschwemmungs gebiet im Rheinthale noch immer zu. Der Wasserstan
Cs regnet seit Tagen unaus
des Bodensees ist so boch, daß Landwasser dahin fan!
keiner Abfluß mehr haben. Von allen Seiten werden En dabrutschungen und Straßenverschüttungen gemeldeh In überschwemmten Ortschaften werden Häusereinstünge befürchtet. Der heutige Pegelstand in Constanz zeigt 5, 5 Meter. Damit ist der zweithöchste Wasserstand diese Jabrbunderts erreicht. Es herrscht Föhn.
Bern, 1. Sept. Bei Viß im Canton Wallis fl in Folge eines auf das Geleise gestürzten Felsbloch heute ein Zug entgleist, doch wurde Niemand verleßt.
Malland, 1. Sept Ein heftiges Unwetter m Hagelschlag und Wolkenvruch, das gestern niederglug bat am Comersee fürchterliche Verwüstungen angerlichihl Die Gärten der Villen und der Höͤtels sind total zerstöl die Felder und Weinpflanzungen vernichtet. Die Bahn strecke Menagglo Porlezza ist unterbrochen
Rom, I. Sept. Infolge eines Cyklons stürzten iu Formodizoldo vier Häuser ein, achtzehn Personen fan din hierbei ihren Tod, drei Personen liegen noch unter den Trümmern begraben.
Lissabon. Amtliche Telegramme von hier meldin den Ausbruch der Cbolera.
Handel und Berkehr.
Friedberg, 2 Sept. Fruchtpr. Weizen M. 9.0 bis 00.00, Korn N. 15.50 00.0, Gerste M. 16.00 bi 00.00, Hafer neuer M. 14.0 00.00. Alle Preise verstehen ich auf 100 Kilo gleich 20) Zollpfund. örtedberg, 3. Sept Buttermarkt. Butter kot ver Pfd M. 1.20— 1 30, Eter 1 St. 7 Pf., 2 St 13 Pf. Gießen, 5. Sept. Auf dem heutigen Wochenmatic
kostete: Butter per Ufd. M. 1101.15, Eier 1 St. 6 Pf.
2 St. 1 Pfg., Käse per St. 4—7 Pfg., Tauben pin“ Paar M. 0 60 0.80, Hübner per St. M. 0.90— 1.40 Hahnen per Stück N. 0.70100, Enten per Stiot!“
D. 1.40 1.60, Ochsenfleisch per Pfund 70-74 P
uh und Rindfleisch 60—64 Pf., Schweinefleisch 68„
70 Pf., Hammelfleisch 50— 68 Pf. Kalbfleisch 5660 M Frankfurt, 1. Sept. Viehmarkt. Markt war mit 462 Ochsen, 57 Bullen, 452 Kuh tteren und Rindern, 276 Kälbern, 79 Hämml 204 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich wie folg Ochsen 1. Qual. pro 100 Pfd Schlachtgewicht
bis 73, 2. Qual. M. 61-66, Bullen 1. Oual. 0 bis 55, 2. Qual. M 50—52. Kühe, Stiere und.
1. Qual. M. 662. 2. Qual. M. 50 54, Nil 1. Qual. pro 1 Pfund Schlachtgewicht 68—72 0 2. Qualität 60 63 Pf., Hämmel 1. Qual. 66 68 l 2. Qual. 50—55 Pf., Schweine 1. Qual. 67-68
Der Bodensee ist von Bregenz bis Romans hom Die Eisenbahnlinien sind üben
9
ein
Auf der Pusterthaler Linie ene
D
Der heute.“
2. Qual. 64- 65 Pf.
Frankfurt, 2. Sept. Engros⸗Markt. Heu 100 Kilo M. 5207.00, Stroh pro M. 4.600 Haferstroh M. 3.80, Butter 50 Kilo M. 100— 105, Gh 100 Stück M. 4—8, Erbsen 100 Kilo M. 16-23, geschälte M. 20— 30, Linsen M. 18— 41, Grünekern M. 49 bis 28, neue Kartoffeln per Malter M. 5 00 6% Elnmachgurken 100 St. M. 1.50, Rüböl(raff) 50 K Mark 30. 4
Verloosungen. N
Freiburger 10 Fr.-Loose von 1879. Sei Ziehung vom 14. August 189. Nr. 489 109 1951 2113 2819 29223218 3734 3953 4302 44604


