portugiesische Regierung vor, welche dazu ange— than sein soll, eine schleunige Lösung des Streit— punktes herbeizuführen.
Frankreich. Paris. Der„Figaro“ setzt nach dem Fr. J. seine Enthüllungen über den Boulangismus fort. Bei der Präsidentenwahl im Dezember 1887 habe Boulanger gegen die Verpflichtung, ihn wieder zum Kriegsminister zu wählen, Floquet und Freyeinet die Stimmen der Royalisten angeboten. Floquet sei mit dem Vor— schlage einverstanden gewesen, Freyeinet hingegen nicht; deshalb sei auch die Wahl desselben zum Präsidenten unterblieben.
— Das pro 1891 für Tongking bestimmte Contingent wird aus 600 Offizieren und 24,000 Mann bestehen.
Bordeaux, 30. Aug. Die Kaiserin von Oesterreich, welche am Donnerstag Abend unter dem Namen einer Miß Simpson hier einge— troffen und im Hotel de France abgestiegen war, ist bereits nach Arcachon weitergereist.
Großbritannien. London. Mit dem Kongostaat soll ein Vertrag in Betreff Abtretung eines Streifens des östlichen Grenzgebiets ge— schlossen sein, wodurch England von seinem ost— afrikanischen Besitz aus, unabhängig vom Durch— zug durch deutsches Gebiet, die Verbindung mit Südafrika gesichert und die Kommunikation mit der Aequatorialprovinz erleichtert wird.
— 20 Husaren des in Canterbury garni— sonirenden Husarenregiments wurden wegen In— subordination und meuterischen Benehmens zu Freiheitsstrafen verurtheilt. Das Regiment soll nächste Woche in die Colonien verschifft werden. Vor einigen Tagen weigerten sich die Mann— schaften, zur Stallparade anzutreten. In Haft geführt, schlugen sie die Fenster des Arrest— lokals ein.
Spanien. Madrid, 29. Aug. Die Be— hörden in Bilbao ergriffen heute umfassende mili— tärische und polizeiliche Vorsichtsmaßregeln gegen die Socialisten, welche heute, am Vorabend des Besuchs der Königin Regentin, eine Versammlung abhalten wollen. Die Garnison wurde verstärkt.
— Einem hiesigen Berichterstatter gegenüber bemerkte nach dem Fr. J. der Minister des Aeußern u. a.: Die Nachrichten aus Marokko lassen einen Angriff der Kabylen befürchten, melden aber nichts von einer drohenden Gefahr. Die Regierung nimmt an, daß eine gütliche Bei— legung des Konflikts trotzdem erfolgen werde. Es gehen in den nächsten Tagen über Malaga circa 4000 Mann ab. Wenn die Kabylen Melilla oder ein anderes spanisches Presidium, oder die spanische Truppenmacht in der Nähe der Presidien angreifen, werden die Spanier zur Offensive gegen die Mauren übergehen, auf die Gefahr hin, daß sich daraus ein Krieg mit Marokko entwickelt.
Italien. Rom. Nach einer dem Fr. J. von hier zugehenden Meldung wird das Gerücht von dem bevorstehenden Abschluß eines Vertrages zwischen Italien und Marokko von unterrichteter Seite als völlig unbegründet bezeichnet.
Türkei. Konstantinopel. In hiesigen poli— tischen Kreisen wird versichert, es sei hinsichtlich der Unabhängigkeits Erklärung Bulgariens mit der Pforte bereits eine Verständigung geschehen. Die Proklamation soll näher als je bevorstehen.
Serbien. Belgrad. Die Königin Natalie soll, wie man dem Fr. J. schreibt, beabsichtigen, die Briefe Milan's zu veröffentlichen, welche der— selbe nach den Niederlagen in Bulgarien ge— schrieben hat. Die Königin beabsichtigt damit Milan zu entlarven, der damals mit Oesterreich habe brechen und die Freundschaft Rußlands suchen wollen.
— Das Organ der serbischen Fortschritts— partei,„Videlo“, fordert einen engen Anschluß Serbiens an Oesterreich.
— Die Mittheilung hiesiger Blätter, daß der radikale Abgeordnete Cirkovitsch, ein Schwager des Ministers Tauschanowitsch, die Protokolle jener geheimen Sitzung der Skupschtina, welche nach der Rückkehr von Paschitsch aus Petersburg stattfand, an Bulgarien verkauft habe, erregte das
größte Aufsehen. Gegen Cirkovitsch, welcher Gemeindevorstand von Pirot ist, wurde strenge Untersuchung eingeleitet. 7
— Einer Meldung von hier zufolge haben türkische Grenzgendarmen einen serbischen Unter— than, Namens Stojanovitsch, bei dessen Uebertritt auf ottomanisches Gebiet erschossen. Stojanovitsch, ein Kaufmann aus Nisch, beab— sichtigte in Privat- Angelegenheiten nach Prisch— tina zu reisen, und war mit regelmäßigen Reise— documenten versehen. Die serbische Regierung hat diesen Vorfall der Pforte mit der Bemerkung zur Kenntniß gebracht, daß es dringend geboten erscheine, der an der türkisch-serbischen Grenze herrschenden Unsicherheit ein Ende zu setzen.
Rußland. Petersburg. Der„Hamb. Corr.“ meldet: Wie verlautet, haben Caprivi und Giers eine Anregung zu internationalen Maßnahmen gegen die Anarchisten und Nihilisten vorbereitet.
— Ein Ukas des Kaisers verfügt vorbehaltlich einer allgemeinen Revision des Zolltarifs die Erhöhung sämmtlicher Sätze um 20 pCt.; ferner für Kohle, Cokes und Torf in den Häfen des Schwarzen und Azowschen Meeres um 40 PCt. Die Zollsätze für Capern, Oliven, Lorbeerblätter, Lorbeeren, Galgani, Kaffee, Cacao, Gewürze, Thee und Zucker, gleichwie Kohle, Cokes und Torf, wenn letztere über die westliche Landes— grenze und in den baltischen Häfen eingeführt, werden nicht erhöht. Der Ukas tritt sofort in Kraft. Die Zollerhöhung bezwecke, die Zölle mit dem Wechselkurs in Einklang zu bringen.
Amerika. Washington, 29. Aug. Der Senat nahm in seiner gestrigen Sitzung ein Amendement zur Tarifvorlage an, worin der Zoll für gereinigten Reis auf 2, für ungereinigten auf 1½¼, für Reis in Hülsen auf /, für Reis— mehl und Brockenreis auf ½¼ Cent per Pfund festgesetzt wird.
Chicago, 30. Aug. Alle Streiks der Weichen— stellen auf den Eisenbahnen nach den großen Viehhöfen(Stockyards) scheiterten.
Newyork, 30. Aug. Der Friedensvertrag zwischen Guatemala und San Salvador macht die völlige Unabhängigkeit San Salvadors und Zurückziehung der Truppen beider Staaten von der Grenze binnen 48 Stunden zur Bedingung. Eine Depesche von San Salvador meldet, daß General Ezeta endgiltig den Friedensvertrag mit Guatemala unterzeichnet habe.
Mexiko. Der mexkanische Lieutenant Itur—
bide wurde von dem Kriegsgericht, welches zum zweiten Male über ihn zu urtheilen hatte, wegen unbefugter Kritik seiner Vorgesetzten zu 340 Tagen Gefängniß, Entlassung aus der Armee und Ver— lust der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre verurtheilt.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Soeben erfahren wir, daß Gerichts— schreiber Weber von hier nach Darmstadt versetzt wurde. So sehr wir uns auch für ihn freuen, so sehr bedauern wir, daß wir diese große Arbeitskraft hier verlieren.
s. Friedberg, 31. Aug. Ein bedeutendes Bau— werk unserer Stadt feiert heute sein 40jähriges Jubiläum. Am 31. August 1850 nämlich wurde an dem großen, aus 24 Bogen bestehenden Viadukt über das Rosenthal der Schlußstein mit entsprechenden Feierlichkeiten eingesetzt.
Friedberg. Ueber das Uawetter vom letzten Mitt— woch Abend hört man weiter, daß es in ungewöhnlich heftiger Weise über die Pfalz zwischen Donnersberg und dem Rhein, den Main hinauf bis zur Bergstraße nieder— ging, wie man es mit gleicher Heftigkeit noch selten beob— achtet hat. Schwarzes Gewölk hatte den Horizont derart überzogen, daß man um arbeiten zu können, Licht an— zünden mußte. Es erhob sich ein Sturmwind, welcher hunderte von Bäumen entwurzelte, unzählige Aeste abriß und die Obstbäume der Früchte beraubte. Von allen Seiten laufen Berichte ein, wonach 20, 30, 40 und 50 Bäume in einer Gemarkung entwurzelt wurden. Viele Telegraphenleltungen wurden beschädigt, Dächer abgedeckt, Zäune zerstört, Scheunen und Schornsteine niedergerissen und Viehherden zerstreut; das Wasser stand stellenweise fußhoch gestaut. Am meisten tobte das Wetter in der Gegend von Wöllstein, wo der Sturm schrecklich gehaust hat. Es wurde hier ein Eisenbahnschuppen eine große Strecke weit fortgeschleift, Mauern eingerissen, Wagen im Felde umgestürzt, ganze Bäume und Alleen abgebrochen u, dgl. Das Ganze war das Werk von kaum einer viertel Stunde. In Mainz richtete das Wetter ver— schiedentlich erheblichen Schaden an. In der Rheinallee und in der Rheinpromenade wurden nicht weniger als 42 Bäume, zumeist Kugelakazien, umgeworfen oder ihrer Krone beraubt. Furchtbar hat der Sturm auf dem Fried-
hof dorten gehaust, an den belden daselbst befin Alleen ist fast kein Baum verschont geblleben, sie wurden fast sämmtlich umgerissen oder ihrer Aeste beraubt, auch sonst haben die auf dem Friedhof befindlichen Zlerbäume und Blumen sehr viel gelitten. Auch in fast allen Gärten 6 wurden die Bäume entwurzelt und die Obstbäume derart geschüttelt, daß kaum eln Apfel oder Birne hängen blieb, Das größte Unheil hat auch das Wetter im Nassau⸗ ischen angerichtet.
d. Friedberg. Da die beiden ersten Sonderzügz zur Ausstellung nach Bremen sehr stark benutzt worden N sind, hat die Eisenbahndirektton Hannover sich veranlaßt 0 gesehen, am 11. und 18 September abermals zwel Sonder,
der zu Hof Leustadt bet seinem Enkel, dem Pachter Holz
mann, lebende Großvater desselben, Georg Holtzmann, 1 1 60 sein 100. Lebensjahr ein. Umgeben von den Seinsgen, 1 70 unter denen sich auch ein 5 Monate alter Urenkel befindet, 1 feiert der Greis seinen Geburtstag bei voller geistigen und körperlicher Gesundheit. Er wurde im Jahre 179ʃ zu Petterweil geboren, wo er auch später Bürgermelster war,
Allerlei.
Rudolstadt. Die Influenza ist wieder aufgetreten
und in zunehmender Verbreitung begriffen. 4 Berlin. Eine interessante Nachricht giebt der Ob⸗
mann des„Allgemeinen Vereins für vereinfachte Recht⸗ schreibung,“ Dr. Fricke Wiesbaden, den Mitgliedern dieses
Vereins. Ermuthigt durch die Aeußerungen des Kassers über die Mängel der jetzt üblichen Orthographie und seine Bestimmung, daß alles Ueberflüssige und Unwesent⸗ 1 liche aus dem Schulunterrichte entfernt werden solle, hat 9 der! der engere Ausschuß ein Schreiben mit der Bitte um eine Regelung der Orthographie nach den Grundsätzen J Deaf der Lauttreue an Kaiser Wilhelm gerichtet und infolge] ite dessen die Antwort erhalten, daß derselbe das Unterrichts: Donn ministerium beauftragt habe, den Gegenstand in weitere] Feng Erwägung zu ziehen. ee Glogau. Fünfzig Mann vom hiesigen Pionler⸗ Samf
batalllon sind an influenzaähnlichen Erscheinungen erkrankt. Sonn Neidenburg, 30. Aug. Das Dorf Neuborawen ist gänzlich niedergebrannt.
Wien, 29. Aug. Im Allgemeinen Krankenhause 1. wurde heute ein aus Oldenburg zugerelster Mann als Milt choleraverdächtig aufgenommen und in einer Isolierzelle Donn streng beobachtet. 9
Ragatz, 30. Aug. Infolge langer Regengüsse ist 1 die Gotthardbahn zwischen Maroggia Capolago unter⸗ Fiel brochen. Die Rutschungen dauern fort. Aus dem Rhein⸗ Sar thal, aus St. Gallen und Graubünden werden ernste Verkehrsstörungen gemeldet. Die Postverbindungen über den Julter und den Splügen sind unterbrochen, sowie die Sor
Bahn bei Buchs. Die Brücke bei Malix ist weggerissen. Der Rhein erreichte bet Reichenau die seit 1872 nicht mehr dagewesene Höhe von 26 Fuß. Die im letzten Winter neu erbaute Brücke zwischen Mastrils und Land⸗ quart wurde gestern Abend fortgerissen; eine Frau und ein Knabe sind hierbei umgekommen. Bei Churwalden wurde ebenfalls eine Brücke fortgeschwemmt. An der österreichisch-schweizerischen Grenze hat ein Ausbruch des
Rheins stattgefunden. Die Ortschaften Höchst, Montlingen, 70 Au, Wivnau und Lustnau stehen unter Wasser.
Paris Hter tritt die Influenza wieder mehrfach auf.
Chamounix, 30. Aug. Bei Besteigung des Mont⸗ Bur blane verunglückte Graf Villanova und seine beiden Führer, 9 dieselben sind in einer Gletscherspalte oberhalb Blonassay 2 todt aufgefunden worden. B
London, 29 Aug. In Milngavie, einer Station 90 der nordbritischen Eisenbahn, fuhr ein Personenzug gegen br einen rangterenden Güterzug. Dreißig Personen wurden i
verwundet. 5
London. Zwischen England und Amerika schweben f Verhandlungen wegen Einführung des Penny Briefportos N28 im gegenseitigen Verkehr.*
Madrid. Die hiesigen Zeitungen veröffentlichen die Liste der bisherigen Cholera Opfer, derzufolge selt Auf⸗ treten der Seuche in Spanien gegen 7000 Personen er⸗. krankten und gegen 4000 starben.
Softa, 28. Aug. Der Wald bei Bellova wird seit und zwei Tagen durch eine Feuersbrunst verheert, zur Loca- zur listrung des Brandes ist ein Infanterie Regiment abgeschickt. verg
Belgrad. Die Haidukenbende des Josavae ent; Auf führte vier angesehene Bürger von Schabatz in die Ge- birgswälder. Die Banditen fordern ein hohes Lösegeld.“ auf!
Warschau, 30. Aug. Die Kreisstadt Bala im die!
Gouvernement Siedlee ist größtentheils abgebrannt. Ueher 0 4000 Einwohner, meist Israeliten, sind dadurch obdach leb. Petersburg, 29. Aug. Das Städtchen Kropossß im Gouvernemant Mohilew ist vollständig niedergebrannt, 15
Kiew, 29. Aug. Im Mühlen- und Holzhofviertel!( 6 am Dnieper sind in der vergangenen Nacht zweit Dampf?
sägemühlen und eine Dampfkornmühle mit Vorräthen das durch Feuer zerstört wurden. Wo Algter. In der Nähe von Böne wurde der Leichnam wer eines Europäers, der 3000 Fres. bei sich hatte, sowie der⸗ 5 jenige seines Dieners aufgefunden. Den Beiden waren dle 55 Köpfe abgeschnitten worden. Das Verbrechen wurde in 937 jener Gegend verübt, wo vor einigen Tagen der Courier e von Phllippeville nach Böne angegriffen worden war. ö Handel und Verkehr. f f Friedberg, 30. August. Buttermarkt. Butter kostet el per Pfd. M. 1.20— 1.30, Eter 1 St. 7 Pf., 2 St. 13 Pf.. öfer Gießen, 30. August. Auf dem heutigen Wochenmarkt a kostete: Butter per Pfd. M. 1.08 1.12, Eier 1 St. 6 Pf, 2 St. 13 Pfg., Käse per St. 4—7 Pfg., Tauben er 88457


