Ausgabe 
2.1.1890
 
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Staatsrathes entstanden sind und deren Aus⸗ tragung ursprünglich gestern haͤtte erfolgen sollen, aber bis nach den Weibnachtsferten vertagt wurde.

Bulgarien. Sofia, 30 Dec. Von der bulgarischen Regierung und dem diplomattschen Vertreter Englands ist soeben ein zwischen Eng: land und Bulgarten auf zwei Jahre abgeschlossenes provisorisches Handelsübereinkommen unterzeichnet worden. Dasselbe soll am 1. Januar 1890 in Kraft treten.

Rußland. Petersburg. Mehrere Pariser Journale veröffentlichen heute angebliche Peters durger Nachrichten, wonach der Zar ernstlich erkrankt sei und zwar infolge einer Vergiftung.

Griechenland. Athen. Infolge der fort gesetzten Interpellationen in der Kammer wird das Budget nicht vor 12. Januar votirt werden. Der Reglerung sind zwei provisorische Zwoͤlftel bewilligt.

Amerika. Washington, 31. Dez. Der Congreß der Seeufer ⸗Staaten hat heute die Arbeiten beendigt und sich auf unbestimmte Zeit vertagt.

Afrika. Sansibar, 30. Dec. Nach einer Meldung des Reuter'schen Bureaus hat das Befinden Emin Paschas sich wieder gebessert. Nach einer Meldung aus London geht hier das Gerücht, die deutsche und die englische Flotte würden unverzüglich nach der Küste von Sansibar zurückkehren. Der deutschfeindliche Aw aberchef Bemana Heri rücke mit 6000 Streitern vor, um die Deutschen in der Nähe von Pangant anzugreifen.

30. Dec. Ein Telegramm von hier be sagt, daß die Peters'sche Expedition nicht nieder- gemetzelt wurde; dieselbe befinde sich vielmehr nach soeben hier eingelaufenen Meldungen auf dem Marsche zwischen dem Keniagebirge und dem

Baringosee. In Wttu ist alles ruhig. Allerlei. Betzdorf. Der hier stationirte Locomotivführer

Biermann, ein bejahrter Maan mit 25 Dienstjahren, ge rieth am 28. Dezember beim Durchfahren des Tunnels zwischen Betzdorf und Herdorf unter den Zug, wobei ihm der Kopf abgefahren wurde

Duls burg, 28. Dec. Hier ereignete sich am Dienstag Abend ein Eisenbahnunfall mit beträchtlichem materiellen Schaden. Zwei Güterzüge fuhren auf offener Linie zu sammen, eine ganze Menge Wagen blieben zertrümmert auf der Stelle. Das Personal sah die Gefahr rechtzeitig genug, um sich durch Abspringen retten zu können. Der Zusamenprall muß ein ganz gewaltiger gewesen sein. Die Ursache liegt in falscher Signalstellung

Hamburg 28. Dee. Ein bedeutendes Feuer brach heute Nachmittag in der in Hammerbrock belegenen Piano fabrik Eckermann und Cite. aus; dasselbe eigriff auch die Kaffeerösterei von Buchthal, und die Chwatal'sche Ma schinenfabrik, die völlig eingeäschert wurden.

Danzig, 30. Dec. Heute früh ist die hiesige Ge wehrfabrik niedergebrannt.

Guben, 1. Jan. In der vergangenen Nacht ist das große Mittelgebäude und das Kesselhaus der Aettengesell schaft für Hutfabrikation niedergebrannt, der Betrieb ist theilwelse geßört.

Wien, 31. Dec. Die Influenza wächst stetig. Der Landessanitälsrath beschloß den Unterricht in den Schulen Niederösterreichs bis 7. Januar zu sistiren und ersuchte den Bürgermeister Vorsorge für Eröffnung eines Epide miespitals zu treffen.

London. Ein unbekannter Woblthäter überwies 5 9 9* 5 hiesigen Hospitals 100,000 Pfund zur

rundlegung eines Sanatoriums für genes der n Hospttäler. ig

Florenz, 30. Dee. Im TheaterRe Umberto brach gestern Abend vor der Vorstellung Feuer aus Das Gebäude ist vollständig zerstört. Die Feuersbrunst dauerte die ganze Nacht. Gasausströmung soll die Ursache des Feuers sein.

Barcelona, 31. Dec. Die Zahl der In. erkrankungen hat zugenommen, 55 beträgt 8 9 darunter zahlreiche Todesfälle. 1

eters burg, 24. Dee. n einzelnen i Gouvernements Orel haben 15 mit e e wetters Wölfe und Bären in solcher Menge eingefunden daß die Bevölkerung außerordentliche Maßregeln ergreifen mußte, um ihre Haus thiere vor den Unholden zu schützen Im Laufe dieses Jahrhunderts waren im Gouvernement 5 0 Wölfe sehr selten, Bären fast gar nicht bemerkt

rden.

Die Statistik des Todes. Von Heinrich Lagler. auf die Sterblichken ha Auf die Sterblichkeit haben auch Einfluß di politischen und sittlichen Verhältnisse eines 9 9 55 Von unehelichen Kindern sterben bedeutend mehr

als von ehelichen. In vielen Findelhaͤusern sterben 60 bis 80 Prozent der Geborenen; im Findelhause zu Irkutsk bleibt überhaupt selten ein Kind am Leben. In geordneten Staatswesen sind die Sterblichkeitsverhaltuisse besser als in Staaten, wo fortwährend ezperimentiit und über oft kleinlichen Fragen des Volkes Unbehagen übersehen wird. Nach diesen allgemeinen An⸗ gaben wollen wir auch nachsehen, wie es mit der Lebensdauer im deutschen Reiche und in den großen Staͤdten aussteht. Da müssen wir denn zunächst feststellen, daß Deutschland hinter dem nordischen und hinter dem Juselreiche zurücksteht. Die geringste Sterblichkeit weist Norwegen auf, wohl wegen der dort hrerschenden guten sittlichen und materiellen Zustände. Unter den europäischen Großstädten zeigt London die kleinste Sserblich keitsziffer(in der Zeit vom 29. Sept. bis 5. Okt von je 1000 Bewohnern, auf den Jahresdurchschnitt gerechnet,(16,6) dann folgen Berlin(17,8), Wien 19,9), Hamburg(21,6), St. Petersburg(22.0), Paris(23,3), Pest(24,0). Die geringste Sterblich keit unter den großen und großeren Städten des deutschen Reiches finden wir in Frankfurt a. M., Wiesbaden, Barmen, Kassel, Duisburg, wo sich die Sterblichkeitsziffer meist unter 15 von je 1000 Bewobnern bewegt, sehr selten aber auf 20 und darüber steigt. Gering ist auch die Sterblichkeit(bis 20 pro Mille) in Danzig, Düsseldorf, Elberfeld, Dresden, Stuttgart, Kails, ruhe, Chemnitz, Straßburg, Mainz, Augsburg. Die hoͤchsten Sterblichkeitsziffern(über 30 von tausend Menschen) hatten biber aufzuweisen: Kiel, Münster, Dortmund, Bochum, Posen und Frankfurt a d. O Die Sterblichkeit hat in den großen, volkreichen Städten Deutschlands seit neuerer Zeit in nicht unbedeutender Weise ab genommeu. Die einst so furchtbar wüthenden Epidemien sind tbeils ganz verschwundegn, theils daben sie an ibrer Heftigkeit viel verloren. Diese erfreulichen Erscheinungen finden ihre Elklaͤrung in der Thatsache, daß die städtischen Verwal ungen sich die Fortschritte der Wissenschaft zu Nutzen gemacht und Einrichtungen geschaffen haben, welche den Forderungen der modernen Higieine Rechnung tragen. Dusch die Versorgung mit gutem Trinkwasser, durch rationelle Abfuhr der Abfallstoffe, strenge Handbabung der Lebens mittelpolizei, Erbauung großer, vortreff ich ein: gerichteter Schulhäuser mu Schulbädern, durch Niederlegung licht und luftarmer, enger Häuser reihen, Anpflanzung öffentucher Anlaßen und Gärten, Errichtuug von Volksbädern, haben die großen Städte Deutschlands in Beziehung auf Sanität und Salubrität ganz außero dentlich ge wonnen. Die großen Opfer an Geld, welche die Gemeinden für alle diese vortrefflichen Ein richtungen bisher gebracht haben und noch immer bringen, tragen die berrlichsten F üchte. Und wenn auch der Tod nicht aus der Welt geschafft werden kann, so ist es doch, wie die Erfahrung lehrt, möglich, durch zweckmäßige sanäre Vor kehrungen und Ein richtungen die menschliche Lebens dauer zu verlängern uud den Prozentsatz der Sterblichkeit zu veringern. Im deutschen Reiche nimmt die Geburtsziffer von Jahr zu Jahr zu, die Sterblichkeit dagegen vermindert sich. Auf 10,000 Einwohner kommen, nach den mir vor⸗ liegenden stauist schen Ausweisen, 374 Geburten und nur 261 Sterbefälle. Die Volkszunahme betrug in Deutschland auf 10,000 Einwohner 82, während sie z. B. in Frankreich nur 21 aufweist. Die Lebensdauer ist im deutschen Reiche eine längere als in Oesterreich und Rußland. Was ist wohl die Ursache dieser Erscheinung? Die Lebensdauer eines Volkes nimmt in dem Maße zu, als es höher in der Kultur steigt. Das deutsche Volk, das in seiner geistigen Eutwickel ung unaufhaltsam fortschreitet und andere Völker weit überflügelt hat, ist auf einer hohen Kultur stufe angelangt und dieselbe findet nicht nur in den glänzenden Erfolgen des deutschen Gewerbe fleißes und des Handels, der Industrie, Kunst und Wissenschaft, sondern auch in den sprechen

den trockenen Zahlen des Statistikers ihr Ausdruck. stike hren

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Handel und Verkehr. Friedberg, 31. Dez. Fruchtyr. Walzen M. 20.50

bis 00.00, Korn M. 18.50 00.00, Gerste M. 20.50 bis

00,00, Hafer M. 15.50 00,00. Alle Prelse verstehen ich auf 100 Kilo gleich 200 Zollpfund.

Gleßen, 31. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt tostete: Butter per Pfund M. 0.80 1.00, Eler 1 St. 8 bis 0 Pf., Käse per St. 17 Pf., Tauben per Paar M. 0.50 0.60, Hühner per St. M. 0.85 1.00, Hahnen per St. M. 0.60 1.20, Enten per St. M. 1.70 2.00, Gänse per Pfd. M. 0.60.70, Ochsenfleisch per Pfd. 6672 Pf., Kuh und Rindfleisch 5660 Pf., Schweine fleisch 60 70 Pf., Hammelfleisch 50 66 Pf. Kalb⸗ fleisch 56 60 Pf., Kartoffeln pro 100 Kilo M. 4.00

bis 4.50, Zwiebeln per Ctr. M. 8.00 9.00 Weißkraut

per. St. 68 Pf.

8 Welzenmehl Nr. 0 bis 32.75, Nr. 2 M. 27.50

M. 33.50 34.00, Nr. 1 M. 31.25 28.500, Nr. 3 M. 25.75

rankfurt, 30. Dezember. Fruchtbericht. Hlesiges

bis 27.25, Nr. 4 M. 22 50 53.50, Nr. 5 M. 18.00. 19,

Mlichbrod und Brodmehl im Verband M. 57.0060 Nord- deutsche und westfälische Weizenmehle Nr. 00 M. 28.50 bis 29.50, Roggenmehl loco bier Nr. 0 M. 29.00 bis

30 00, Nr./ M. 28.00, Nr. 1 M. 26 50, Weizen

ab unserer Umgegend M. 20.50 20 75, frei hler N. 20.75 bis 210% fremder nach Qualität M. 20.00 22.75, Roggen hiesiger M. 18.25 18.50, russischer M. 18.40 18 50, Gerste, Franken(Ochenfurter Gau) Ried und Wetter- auer M. 20.00 23.00, Hafer prima M. 16.00 16.50, mittel M. 15.25 15.75, Mats(mized) M 13.00 00.00 Roggenklete N. 99.50., Welzenklese N. 88.25., Spelz spreu M. 2.80, Malzkelme M. 9.000.00, Cbilisalpeter pet Februar⸗März 1890 M. 19.50, Parität Frankfurt a. M. Raps per October M. 00.00-00.00, Räböl im Detall M. 76 00, Torfstreu M. 1.20. Die Preise verstehen sich pro 100 Kile ab hier, häufig jedoch auch looo auswärtiger Statlonen.

Frankfurt, 31. Dee. Engros⸗Markt. Heu pro 100 Kilo W. 6.30 7.00, Stroh pro 100 Kilo M. 6.00 6.40, Butter 50 Kils M. 80-83, Weißkraut 50 Kilo M. 8 bis

4.00. Wusing 810 Pf. Rothkraut 15 25 Pf. Erbsen pro

100 Kilo M. 18 24, do. geschalte M. 2232, Linsen N. 1942, Grünekern M. 14 16, Kartoffetu per Malter M. 33.50, Zwiebel per Ctr. M. 89, Rüböl(raff.) 50 Kilo M. 30.

Schiffs Bewegung der Postdampfschiffe der Hamburg Amertkantschen Packetfahrt Aetten Gesellschaft.Rhaetla, von Newyork, am 24. December in Hamburg angek.; Martha, am 25 December von Hamburg nach New⸗ vork abgeg.;Gellert, am 26. December von Newpork nach Hamburg abgeg.;Suevia, am 28. Deeember von Newyork nach Hamburg abgegangen;Oellert, von Ham⸗ burg, am 23. Dee. in Newyork angekommen;Suevia, von Hamburg, am 24. December in Newyork angekommen.

Reujahrs⸗Gratulations⸗Enthebungskarten haben weiter genommen: C. Trapp, Major Winter, Kreisrath Dr. Braden und Frau, Director Dr. Windhaus, Assessor Dr. Fuchs und Frau, Archi⸗ tekt Hartig, Premier-Lieutenant Becker.

Feierabend.

Für die Welbnachtsbescheerung erhielten wir von Geh. Kirchenrath Dr. Diegel M 2; von den Candidaten des Pred. Seminars M. 2; Schreiner Frank 1 Körbchen Gebäck und Aepfel; Rechner Heldt und Schreiner Falk

1 Körbchen Gebäck und Aepfel; Frau Engel 1 Körbchen Atpfel; Frau Bäcker Reuß Lebkuchen; Carl Hllbrecht 21 Bͤchsen Pomade; G. Hanau 3 Paar Manschetten⸗ knöpfe. Wir bungen für diese Gaben unseren herzlichen Dank und glauben sagen zu dürfen, daß den Lehrlingen mit dieser Bescheerung eine Freude bereitet wurde, weßhalb es erwünscht wäre, wenn diese auch welter fortbestehen

könnte. Dem Vorstand der Kleinkinderschule, dem Stadt⸗

vorstande sowie Herrn G Groß sprechen wir noch für Ueberlassung des Christbaumes, des Saales und der Teller unseren verbindlichsten Dank aus.

Frlebberg den 2. Dezember 1889.

Der Vorsitzende des evang. Vereins: Dr. Wilh. Weiffenbach, Professor.

Brodpreise vom 1. bis 15. Januar. Nach eigener Angabe der Bäcker. Berichtigung. Für Butzbach: Erste Sorte 2 Kilo 56 Pf., zweite Sorte 2 Kilo 46 Pf. e e 2 Eingesandt.

Am verflossenen Sonntag, den 29. 12. 89., hatten wir Gelegenbelt im landwirthschaftl. Casino einer kleinen Posse,Der moderne Barbar belzuwohnen, und veranlaßt uns die meisterhafte Aufführung des Stückes zu einer kleinen Remiseenz. In vollendeter Virtuosität zeigt sich uns Frau von Horst,(Fräul. W), die reiche junge Gutsbesitzerswittwe, die ihre ganze Wirthschaft den be⸗ währten Händen ihres Oberverwalters Walter(Heir C. B.), welcher seine Rolle mit viel Muße einstudirt und mit Geschick zur Geltung gebracht hatte, überläßt Die junge, schöne, relche Wittwe ist natürlich von Freiern umschwärmt und ist namentlich der Vetter Alfred v. Horst(Herr A. H.), welcher durch seine ungeheure, feln accentuirte Schneidigkeit die Hand seiner Cousine zu erringen hofft, welch' letztere aber nichts davon wissen

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auf oder