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Deutsches Reich.
Darmstadt. Postpersonalnachrichten. Angestellt ist der Post⸗ Praktikant Kretzmähr in Darmstadt als Post⸗ Sekretär. Versitzt sind die Post-Sekretäre Berger von Mainz nach Magdeburg, Elsner von Worms nach Bingen, Mühlpforth von Mainz nach Darmstadt, Reimann von Mainz nach Friedberg, der Oberpostassistent Klöppinger von Mainz nach Worms, der Postverwalter Langenfeld von Groß Gerau nach Worms, unier Ernennung zum Post— Assistenten, und der Post Verwalter Weiß von Heldenbergen nach Altenstadt.
Berlin. Prinz Carl von Schweden kommt, der„Voss Ztg.“ zufolge, Mitte Februar behufs eingehender cavalleristischer Studien nach Deutsch— land. Er wird sich einem vom Kaiser noch zu bestimmenden Cavallerie-Regiment anschließen, allen Uebungen desselben beiwohnen, aber per— sönlich nicht an denselben theilnehmen. Sein Aufenthalt in Deutschland wird bis zur Been— digung der großen Herbstmanöver dauern, mit nur kurzer Unterbrechung im Juli, wo er einen Besuch in Stockholm zu machen gedenkt.
— 5. Febr. Der Reichstag genehmigte ohne Debatte die Convention mit dem Freistaat Sal— vador. Bei der dritten Lesung des Etats be— tont Kardorff die Nothwendigkeit der Getreide— zölle. Liebknecht spricht sehr abfällig über die Steigerung der Ausgaben, die Maßnahmen der Regierung in Elsaß Lothringen und die Colonial— politik. Nur eine gründliche Reform im Sinne der Socialisten könne helfen. Nach weiteren Ausführungen von Rickert und Hartmann schließt die allgemeine Besprechung. Beim Etat des Reichskanzleramts bringt Munkel den Fall Geffcken zur Sprache. Durch die Veröffent— lichung der Anklageschrift habe sich der Reichs— kanzler über das Reichsgericht zu Gericht gesetzt. Die Veröffentlichung sei mit der ganzen Rechts— ordnung unverträglich.
— Die„Nordd. Allgem. Ztg“ meldet im schroffsten Gegensatze zu den vom Präsidenten Cleveland dem Congresse vorgelegten Schrift— stücken, daß der hiesige Gesandte der Vereinig— ten Staaten von Nordamerika der diesseitigen Regierung Eröffnungen in Sachen Samoas bis— her nicht gemacht hat. Mr. Pendleton habe das Auswärtige Amt seit mehreren Monaten nicht be— sucht und demselben seit der vor einigen Wochen erfolgten Wiederübernahme seines Postens amt— liche Mittheilungen seiner Regierung über Samoa überhaupt nicht gemacht.
— Der Verfasser des Artikels, die„Dynastie Bismarck“, ist der Redacteur der„Pall Mall Gazette“, Stead, wenigstens wird dieser als solcher genannt.
Ausland.
Oesterreich Ungarn. Wien, 4. Febr. Nach dem festgesetzten Ceremoniell fand gestern Abend 9½ Uhr die Uebertragung der Leiche des Kronprinzen aus dessen Gemächern in die Hof burg⸗Pfarrkirche behufs Ausstellung statt. Die Leiche wurde vorher durch den Hofburgpfarrer eingesegnet. Im Burghofe harrte unkerdessen eine tiefbewegte Menschenmenge. In den Kirchen fand heute Vormittag unter außerordentlichem Andrang feierlicher Trauergottesdienst statt; in der evangelischen Kirche waren u. A. anwesend: der deutsche Botschafter Prinz Reuß mit Ge— mahlin und dem Botschaftspersonale, die Ge— sandten Württembergs, Dänemarks, Schwedens, der Schweiz, Prinz Gustav von Sachsen Weimar, der Erbprinz von Lippe-Schaumburg, das Her— zogspaar von Cumberland, die Prinzessin Marie von Hannover, der Herzog Elimar von Olden— burg. Sämmtliche Kirchen waren schwarz aus— geschlagen.— 5. Febr. Der Menschenandrang zur Besichtigung der Leiche des Kronprinzen war so ungeheuer, daß das militärische Spalier einigemale durchbrochen wurde, wobei mehrfache Verletzungen und Obnmachtsanfälle vorkamen. — Als Grund des Selbstmordes wird nunmehr angegeben, der Kronprinz habe mit seiner Frau unglücklich gelebt, sei aber lediglich allein hieran schuld. Als charakteristisch für das Verhältniß des verstorbenen Kronprinzen Rudolph zu seiner Gemahlin, der Kronprinzessin, wird dem„Fr. J.“ von zuverlässiger Seite der Umstand mit—
getheilt, daß der Kronprinz sich im Laufe des
vorigen Monats mit Umgehung des Kaisers und der diplomatischen Vertretung Oesterreich-Ungarns beim Vatikan direkt an Papst Leo gewandt habe, um eine Scheidung seiner Ehe und die Ermäch— tigung zu einer eventuellen Wiederverehelichung zu erlangen. Der Papst ließ das betreffende Schriftstück an den Kaiser gelangen und es kam zwischen diesem und dem Kronprinzen ob dieses unbegreiflichen Schrittes des letzteren zu einer ernsten Auseinandersetzung. Seitdem war eine tiegehende Verstimmung beim Kronprinzen be— merkbar. Eben dieser Schritt beim Papst be— weist aber gerade die Unzurechnungsfähigkeit des Kronprinzen.— Der Kaiser und die Kai— serin, die sehr erholungsbedürftig sind, sollen beabsichtigen, Samstag zu einem sechswöchent— lichen Aufenthalt nach Gödöllö zu reisen.— Von dem angeblichen Verzicht des Erzherzogs Karl Ludwig auf die Erbfolgefrage ist in un⸗ terrichteten Kreisen nichts bekannt.
Frankreich. Paris, 5. Febr. Präsident Carnot nahm die Demission des Justizministers Ferrouillat und des Unterstaatssecretärs der Colonien, Delaporte, an und ernannte den Deputirten Guyort Dessaigne(radikal) zum Justizminister.
Portugal. Lissabon, 5 Febr. In der Kammer verlas der Präsident einen königlichen Erlaß, welcher in Folge lärmender Zwischenfälle, wodurch die Adreßdebatte unterbrochen werden mußte, die Sitzungen auf den 5. April vertagt.
Amerika. Washington, 5. Febr. Der deutsche Reichskanzler, Fürst Bismarck, schlug der Unionsregierung vor, daß die im Jahre 1887 in Washington stattgefundene Conferenz in Berlin erneuert werde.
Afrika. Sansibar. Einer Reutermeldung von hier zufolge trafen hier Briefe des Missio— närs Mackay, welcher jüngst aus Uganda ver— trieben wurde, ein. Dieselben sind aus Usam— biron vom 26. Nov. datirt und enthalten die Mittheilung, das Mackay keine direkten Berichte über Stanley und Emin Pascha erhalten, daß neue Umwälzungen in Uganda stattgefunden, Kiwiwa von Arabern abgesetzt und durch einen jüngeren Bruder ersetzt worden sei. Vor der Absetzung habe Kiwiwa eigenhändig zwei Araber, die Haupturheber der Vertreibung der englischen Missionäre, getödtet. Der Buͤrgerkrieg wüthe in Uganda, mehrere Deutsche seien nach Lamu abgereist.
Aus Stadt und Land.
C. T. Friedberg. Gemeinderaths- Sitzungen vom 28. Januar und 4. Februar.— Die Versammlung nahm Kenntniß von den ihr durch den Vorsitzenden gemachten Mittheilungen betr. Beschwerde einer Anzahl von Gewerb treibenden über die beschlossene Einführung einer Getränk steuer und theilte dem Vertrags-Entwurfe zwischen den Loosholz Berechtigten der Burgvorstadt und der Stadt ihre Zustimmung— Die Stelle eines Stadtbaumelsters soll in der„Deutschen Bauzeitung“ ausgeschrieben werden. — Für die durch Tod erledigte Stelle elner Todten Aus⸗ kleiderin wurde Ausschreiben im Oberhessischen Anzeiger beschlossen.— Sitzung vom 4. Februar. Der Vorsitzende berichtete über die letzte Sitzung in Reichelsheim, welche das Comité zur Erbauung der Nebenbahn Hungen— Fried; berg abgehalten hat. Im Laufe dieser Woche soll sich zur Betreibung der Angelegenheit eine Deputation nach Darmstadt begeben. Auf Ersuchen Ph. Werner's soll die Wasserleitung bis zu dessen Bauplatz in der Sandgasse gelegt werden, unter der Voraussetzung, daß Gesuchsteller die Hälfte der Kosten übernimmt. Bezüglich Ausdehnung der Canalisirung durch die Sandgasse bis zur Kalser— straße bleibt Beschlußfassung vorbehalten. Telepbonleitung nach Ober⸗Rosbach—hier Genehmigung zur Aufstellung der nöhigen Stangen in der Kaiserstraße— wird nicht be— anstandet.— Es wird dem Vorsitzenden infolge Aus⸗ schreibens Großherzoglichen Kreisamts bezüglich Verthei— lung des Strafdritttheils unter die Poltzeibediensteten an— heimgestellt, geeignete Vorschläge zu machen.
Allerlei.
Stettin, 4. Febr. Der dänische Dampfer„Uffo“ wurde durch Treibeis im Haff unweit der Kalserfahrt in zwei Theile geschnitten und ist gesunken. Der Stettiner Dapfer„Holsatia“ wurde durch Treibeis leck und sank in der Swine. Die Mannschaft und die Passagiere sind geretett.
Danzig, 4. Febr. Das hiesige Barkschiff„Theodor Behrend“ ist an der holländischen Küste gescheitert. 13 Per⸗ sonen, darunter der Kapitän mit Frau und Kindern, sind ertrunken.
Wien, 4. Februar. Gestern Nacht wurden hinter Niepolomice in Galtzien durch eine ungeheure Erder— schütterung die 5 Meter hohen Weichseldamme durch⸗
e Brüf fel,
glück ereignete sich nach dem„Fr. J“ gestern bei Grs⸗ nendael an der Linie Brüfsel-Namur. Als der nach 9 Uhr von hier abgegangene Personenzug bei Grönendael unter einer Brücke fuhr, stürzte diese ein. Das Unglück ist viel schrecklicher, als ursprünglich angenommen wurde. Von 217 Reisenden blieben nur 50 unversehrt, 14 sind todt. Wie verlautet steht die Verhaftung zweler Eisen⸗ bahnbeamten bevor.
London. Das Aerzte⸗Collegium in London(College
haltenen Sitzung eine Resolution an, welche Mackenzie wegen Veröffentlichung seines Buches„Friedrich der Edle“ in strengen Aus drücken tadelt.
Die neue Dienst-Anweisung für die Hebammen im Großherzogthum Hessen.
Vor wenigen Tagen ist eine neue Dienst-Anweisung für die Hebammen erschienen, welche an die Stelle der Instruktion vom Jahre 1842 tritt und auf deren Befol⸗ gung die Hebammen von nun an eidlich verpflichtet wer⸗ den. Die Nothwendigkelt dieses Erlasses hat sich nicht allein als Folge gewisser Veränderungen auf dem Geblete der Gesetzgebung, z. B. bezüglich der Beurkundung des Personenstandes, sondern ganz besonders auch im Hin⸗ blick auf die neuesten Fortschritte in der Geburtshllfe, vor allem in der Erkenntniß der Ursachen und in der durch diese ermöglichten Verhütung des Wochenbettfiebers, als dringend nothwendig erwiesen. Während eine Reihe von Bestimmungen, die sich auf das Benehmen der Heb— ammen gegen die ihnen vorgesetzten Behörden, gegen die Aerzte und gegen ihre Berufsgenossinnen, sowie auf das allgemeine Verhalten gegen die ihrer Fürsorge anvertrauten Personen beziehen, gegen früher keine wesentlichen Verände— rungen erfahren haben, sind auf der anderen Seite mehrere Vorschrlften neu aufgenommen worden, welche in ihrer weiten Bedeutung den in den letzten Jahren unterrichteten Hebammen Schülerinnen zwar bereits von ihren Lehrern eingeschärft worden, welche jedoch für die Verhütung zewisser Krankheiten so überaus wichtig sind, daß es angezeigt erschien, sie der Dienstanwelsung ein⸗ zuverleiben und sie auf diese Weise den Hebammen noch ganz besonders zur Nachachtung zu empfehlen.
Wenn man auch zugestehen muß, daß das Wochen⸗ bettfieber seit den letzten 2—3 Jahrzehnten— Dank dem Tief blick und Forschungselfer einsichtsvoller Aerzte— vor⸗ nehmlich in den Entbindungs⸗Anstalten ganz bedeutend ab⸗ genommen hat, so darf man sich doch nicht verhehlen, daß die Zahl der Todesfälle, welche durch diese Krankheit ver— anlaßt werden, immer noch eine recht bedeutende ist. Wie viele junge Mütter ihr noch zum Opfer fallen, wie viel Familienglück noch durch sie zerstört wird, das ist den Aerzten erst recht zum Bewußtsein gekommen, als die im Jahre 1877 in Preußen zusammengetretene sog. Wochen⸗ bettfieber Commission den ziffernmäßigen Nachweis dafür erbrachte, daß das Wochenbett-Fleber in Preußen mehr Todesfälle veranlaßt, als Pocken und Cholera zusammen⸗ genommen, jene Krankheiten, welche, wo sie auftreten, Schrecken und Furcht erregen. Wird ferner in Erwägung gezogen, daß nur ein Theil der vom Wochenbettfieber be— fallenen Frauen an dieser Krankheit stirbt, ein weit größerer zwar mit dem Leben davon kommt, aber für den Rest des Lebens siech und elend und zur Arbeit und zu freu— digem Lebensgenuß unfähig bleibt, dann wird erst die Tiefe des Elends ermessen, welches die Krankheit über die Frauenwelt und mittelbar über die Famtlien zu ver— hängen vermag.
Und doch gehört das Wochenbett-Fieber zu den ver— meidbaren Krankheiten! So niederdrückend diese Thatsache im Hinblick auf die große Zahl derjenigen Frauen, welche bätten gerettet werden können, erscheinen muß, um so größer ist die Verantwortung derjenigen, welche mit der Kenntniß von der Vermeidbarkeit des Wochenbettfiebers an das Lager hilfsbedürftiger Frauen herantreten. Der größte Theil der Verantwortung fällt den Hebammen zu, welche ja unter den heutigen Verhältnissen den bei weitem größten Theil der vorkommenden Geburten zu leiten haben.
So lange man über die Entstehung des Wochenbett— fiebers noch wenig Sicheres wußte und bei der Aufsuchung der Ursachen desselben noch völlig im Finstern tappte, be⸗ schuldigte man bald Gemüthseindrücke, bald Diätfehler, bald gewisse Boden und Witterungs⸗Einfluͤsse als Ursachen, wie sie ja für so viele Krankheiten bald mit Recht, häu⸗ figer mit Unrecht herhalten müssen. Erst om Schlusse des 6. Jahrzehnts unseres Jahrhunderts begann es auch auf diesem Gebiete zu tagen und es war ein österreichi⸗ scher Arzt, der zuerst mit Erfolg seine Forschungen auf den Gegenstand richtete und zu neuen Studien anregte. Ihm verdanken wir die Erkenntniß, daß das Wochenbett⸗ fieber nichts anderes ist als die Folge einer Wund- Ver⸗ giftung d h. eine Erkrankung, welche durch Uebertragung eines Giftes auf die bei der Kreissenden entstandenen inneren Wunden in derselben Weise hervorgebracht wird, wie sich zu einer äußeren, z. B. einer Kopfwunde Rose, fortschreitende Eiterung oder Brand gesellen kann. Der Ursprung des Giftes ist verschteden: das eine Mal ent⸗ stammt es einer kranken Wöchnerin, das andere Mal einer eiternden Fingerwunde, in einem dritten Falle wird es einer Leiche entnommen oder es hat wohl auch ein Kopf⸗ rosekranker den Ansteckungsstoff geltefert— lauter einzelne Möglichkeiten, mit deren Aufzählung ihre Zahl noch lange nicht erschöpft erscheint.(Fortsetzung folgt.)
Berloosung. Meiningen, 1. Februar. Gewinn ⸗Zlehung der Meininger 7 fl. Loose. S. 684 Nr. 2 4000 fl. S. 8881
brochen. Die ganze Gegend ist überschwemmt.
Nr. 49 2000 fl. Serie 553 Nr. 46, S. 2148 Nr. 34, S. 3275 Nr. 32 300 fl.
Ein entsetzliches Eisenbahnun⸗
of Physicians) nahm in einer am Dienstag Abend abge⸗
Fr b f Joer
Dezinn
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