Terni, ferner einen außerordentlichen Credit von 10,600,000 Lire auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1885 über die Landesvertheidigung fordert. Der Marineminister legte einen Gesetzentwurf vor, wodurch er ermächtigt wird, das Ausgabe— budget pro 1889/90 um 3½ Million Lire zum Ankauf von Steinkohlen und um 1½ Mill. Lire zur Beschaffung von Munition neuen Musters zu überschreiten. Die Gesetzentwürfe wurden der Budget⸗Commission überwiesen.
— Einem Telegramm aus Massauah zufolge griffen Ras Alula und Ras Mangascha am 26. November Adua an. Ras Alula wollte seinen Bruder rächen, welchen Segum an der Spitze der Garnison in Adua zurückgelassen hatte und der bei der Vertheidigung der Stadt gegen die Italiener fiel. Die Garnison flüchtete nach einem neunstündigen Widerstand. Die Truppen Ras Alula's plünderten die Stadt und machten selbst bie Verwundeten des Feindes nieder. Segum, welcher mit 2000 Mann Verstärkungen von Makale kam, erfuhr die Niederlage unterwegs.
Palermo, 2. Dec. Kaiserin Friedrich ist mit ihren Töchtern heute hier eingetroffen.
Amerika. Washington, 3. Dec. Der Con— greß wurde heute eröffnet. Der Marinesecretär empfiehlt in seinem Jahresbericht den Bau von zwei Flotten-Kriegsschiffen und zwanzig Panzer— schiffen für die Küstenvertheidigung, ferner den Bau von drei Kanonenbooten erster Klasse. Von den Kriegsschiffen sollen acht für den Stillen, zwölf für den Atlantischen Ocean bestimmt wer— den. Für die Bedürfnisse der Marine im Finanz jahr 1890 sind 25,599,253 Doll. ausgeworfen.
Afrika. Sansibar. Nach einer Depesche von hier sollen Stanley und Emin Pascha am 5. Dec. an der ostafrikanischen Küste eintreffen. Neuere hier eingegangene Meldungen machen den Tod Peters' wieder glaublicher. Ruß ist krank in Lamu zurückgeblieben.
Aus Stadt und Land.
Friedberg, 2. Dezember. Das gestrige Conzert des hlesigen Musikvereins nahm, wie wir mit Freuden constatiren dürfen, einen glänzenden Verlauf. Ist es in einer Großstadt schon ein musikalisches Ereigniß, wenn ein Oratorlum wie„Paulus“ von Mendelssohn zur Auf— führung kommt, so darf sich unsere Stadt um so mehr freuen, dies Werk mit meist einhelmischen Kräften aufge— führt zu sehen. Die Solisten allerdings mußten von auswärts gewonnen werden; für die Sopranpartie war dies Frl. E. Wilkens vom Stadttheater in Frankfurt. Dieselbe bat eine vorzügliche musikalische Ausbildung genossen, wie besonders ihre klare Textaussprache bewies, wenn schon ihre Stimme in den tieferen Lagen nament- lich weniger ausgiebig erschten. Sehr sympathisch berührte uns die Stimme von Frl. Weiffenbach aus Gießen, welche besonders bel der Wiedergabe des Artoso„Doch der Herr vergißt der Seinen nicht“ zur Geltung kam. Die Tenorpartie war H. Hormann nach Kräften durchzu— führen bemüht; doch litt derselbe sichtlich an einer Indis— position, die ihn wohl auch nöthigte die schöne Cavatine „Sei getreu bis in den Tod“ auszulassen. A. Müller von Frankfurt, ein lieber und gern gesehener Freund, sang mit gewohnter Meisterschaft die Partie des Paulus, für die er wie geschaffen schten. Sein sonores Organ kam namentlich bet den Arien„Vertilge sie, Herr Zebaoth“ und„Ich danke dir Herr mein Gott“ zur Geltung. Das höchste Lob verdienen jedoch die Leistungen des Chores; schwere Anforderungen stellt das Oratorium an denselben, aber alle Chöre, vom ersten„Herr der du bist der Gott“ bis zu der Schlußfuge„Lobe den Herrn meine Seele“ wurden mit bewundernswerther Präzision durchgeführt. Sollten wir einiges besonders hervorheben, so wäre es die feine Wiedergabe des„Wir preisen selig, die erduldet“ und der kräftige Schluß des ersten Theiles„O welch' eine Tiefe“ in welchem unstreitig der Chor den Höhepunkt seiner Leistungsfählgkeit erreichte. Von geradezu ergreifen der Wirkung waren die Choräle. Unterstützt wurde die Aufführung durch ein noch in letzter Stunde aus hiesigen und auswärtigen Kräften gebildetes Streichorchester. Sehr wirksam erwies sich auch die Verwendung eines Harmo niums. Zum Schluß sprechen wir noch unsere höchste Anerkennung dem bewährten Dirigenten des Musikvereins, Seminarlehrer Schmidt aus, für seinen unermüdlichen Fleiß bei der Einstudirung und seine tbatkräftige Leitung bei der Aufführung des Oratoriums. Ihm vor allem, wie auch allen Mitwirkenden der herzlichste Dank für den uns gebotenen Genuß Erwähnen wollen wir noch, daß auch nach dem Concert noch die Damen Weiffenbach und Wilkens, sowie Cellist Renk von Frankfurt die An wesenden durch Lieder und Vorträge erfreuten.
Gießen. Die Zahl der immatrikulirten Studirenden im Wintersemester 18890 beträgt 566, gegen 616 im letzten Sommer, hierzu kommen noch 27 nicht einge— schriebene Hörer. Es studtren: Theologie 104, Rechts wissenschaft 88, Medizin 105, Thierheilkunde 28, Zahn— heilkunde 8, Kameralwissenschaft 45, Forstwissenschaft 31,
Mathematik 16, klassischen Philologie 40, neuere Phllo⸗ logte 18, Naturwissenschaft 19, Geschichte 5, Pharmazie 17, Chemie 42. Es sind: 438 Hessen, 96 Preußen, 7 Bayern, 6 Braunschweiger, 4 Sachsen, 4 Badenser, 2 Weimaraner, 1 Württemberger, 1 Oldenburger,! Elsaß Lothringer, Anhalter, 1 Sondershausner, 1 Hamburger, 1 Schweizer, 1 Engländer, 1 Australier.
R. Darmstadt. Am 30. October hielt der Verein zur Unterstützung und Besserung der aus den Straf— anstalten Entlassenen seine 25. Generalversammlung. Es wurde zunächst der Rechenschaftsbericht für die Periode 1886/87 vorgelegt und entnehmen wir demselben: Die Zahl der Mitglieder ist von 1563 auf 1786 gestiegen, darunter befinden sich 338 Gemeinden. Die Einnahmen betrugen 1886/87 rund 14,000 M., die Ausgaben 10,600 M Aus den Strafanstalten des Großherzogthums entlassen wurden während der beiden Jahre 1334 Perfonen, von welchen 336 in die Vereinspflege aufgenommen werden konnten und zwar aus Starkenburg 168, Oberhessen 120, Rheinhessen 48; darunter sind 305 männliche, 28 weib liche ehemalige Sträflinge. Von diesen sind 16 unter 20 Jahren, 96 zwischen 20—30, 81 zwischen 3040, 82 zwischen 4050, 44 zwischen 50-60, 17 über 60 Jahre. An Unterstützungen wurden in Oberhessen be— willigt an 10 Pfleglinge im Bezirk Alsfeld 220 M., 8 Büdingen 181 M., 7 Friedberg 197 M., 8 Gießen 305 M., 8 Lauterbach 202 M., 5 Schotten 94 Mark. Die Unterstützungen wurden verwendet zur Ermöglichung des Betriebs eines Handwerks oder sonstiger Handarbeiten, durch Beschaffung von Arbeitskleidern, Werkzeug, Roh— material, Entrichtung von Lehrgeld u. s. w.; zur Er möglichung des Betriebs eines Kleinhandels; zur An⸗ schaffung von Hausgeräthe, Bettwerk; zur Einlösung verpfändeter Gegenstände; zur Bestreitung von Erztehungs kosten; zur Bestreitung von Auswanderungskosten; zum Unterhalte der Familien von Strafgefangenen, während der Stafverbüßung. Verwendet wurden die in den Verein aufgenommenen als Handwerker, Meister, Gesellen, Lehr— linge, Fabrikarbeiter u. s. w., Taglöhner, Knechte, Mägde, Hirten u. s. w., Krämer, Händler, Makler, Strickerinnen, Näherinnen oder in sonstigen weiblichen Arbeiten, Soldaten. Anmeldungen zum Beitritte als zahlende oder doch als Vertrauenspersonen mitwirkende Mitglieder können bei den Großherzoglichen Bürgermeistern, zur Beförderung an die Bezirksvereins-Commissionen, jederzeit abgegeben werden.
Alzey, 1. Dee. Der Güterzug, welcher in der ver⸗ flossenen Nacht von Worms kommend, hier eintreffen sollte, ist gestern Abend bei Gundesheim theilweise entgleist, wobei vier Wagen stark beschädigt worden sind, von dem Personal wurde Niemand verletzt. Die Räumungsarbeiten dauerten die ganze Nacht.
Allerlei.
Landau, 30. Nov. Von 7 Maurern, die in einem ca. 10 M. tiefen Schachtbau beschäftigt waren, wurden gestern 3 von dem einstürzenden Schacht getödtet, die 4 anderen wurden mehr oder weniger schwer verletzt.
München, 2. Dec. Aus allen Theilen Bayerns kommen Meldungen über starken Schneefall und drohende Verkehrstörungen. An manchen Orten liegt der Schnee mehrere Fuß hoch. Der Winter hat auch bereits ein Opfer gefordert, ein Mann ist erfroren.
Weimar, 2. Dee. In dem Prozesse gegen den Rechtsanwalt Dr. Harmening wegen Beleidigung des Herzogs von Coburg Gotha durch die Druckschrift„Wer da?“ wurde Dr. Harmening zu einer sechs monatlichen Festungshaft und die Kosten verurtheilt, auch die Ver— nichtung der Druckschrift ausgesprochen.
Berlin, 2. Dee. Heute fand die Eröffnung des Museums für Naturkunde in Gegenwart des Kaisers und der Katserin, des Erbprinzen von Meiningen nebst Ge— mahlin, der Prinzessin Friedrich Karl, der Prinzen des Königshauses, sämmtlicher Minister, des Generalfeld— marschalls v. Blumenthal, des Grafen Waldersee und zahlreicher wissenschaftlicher Notabilitäten statt.
Berlin, 2. Dee. Im Hause Grünauerstraße 5 im Südosten Berlins ist gestern Abend oder Nacht an der Wittwe eines Eisenbahnbeamten Stehl ein Raubmord verübt worden. Der Thaäter ist noch nicht entdeckt.
Hirschberg, 3. Dee. Die Bahnstrecke Dittersbach— Glatz ist wegen Schneeverwehungen gesperrt.
Wien, 2. Dee. Infolge eines seit gestern früh ein⸗ getretenen, bisher ununterbrochen fortdauernden beispiellos heftigen Schneesturms sind sowohl die Local-Communi— cationen, als auch der Eisenbahnverkehr theilweise empfind⸗ lich gestört. Beil Moedling blieb auf der Localstrecke der Südbahn ein Lastzug stecken, so daß ein Hauptgeleise unfahrbar wurde. Auf den Locallinien der Südbahn ist der Verkehr eingestellt. Viele Eisenbahnzüge mit wichtigen Posten sind ausgeblieben.— 3. Dee. Nach sechsund— fünfzigstündiger Dauer hörte Nachmittags der Schneesturm auf. Durch die Unmöglichkeit der Lebens mittelzufuhren vom Lande und die beisptellosen Verkehrshindernisse zwischen der inneren Stadt und den Vorstädten entstanden große Calamitäten. Der Verkehr war vollständig lahmgelegt, selbst Omnibusse konnten nur vierspännig auf Schlitten auf den einzelnen Strecken verkehren. Die angehäuften Schneemassen waren in der Stadt mehrere Meter hoch.
Belgrad, 2. Dee. Gestern Nachmittag fanden in Kragujewatz, Jagodina und Kuprta heftige Erdstöße, von starkem Getöse begleitet, statt. Die Richtung war von Osten nach Westen, theils von Norden nach Osten. In mehreren Ortschaften fielen zahlreiche Meteorsteine mit starken Detonationen nieder.
Petersburg, 2. Dee
Der Schluß der Schifffahrt
ist unmittelbar bevorstehend, da das Eis aus dem Lado gasee in die Newa treibt
NewYork. Aus Clayton, 8. Nov. wird geschrieben Selt einer Woche wüthet im Territorium ein verheerende Schneesturm. Viele tausend Stück Vieh, 5 00 Rinde; und 20 000 Schafe, sind durch ihn zu Grunde gegangen und ihre Kadaver bedecken die alte Landstraße nach Sant Fé. So weit ermittelt, sind fünf Cowboys und zwe mexikanische Schafhirten während des Blizzard erfroren In Texline, neun Meilen südlich von hier, wurden zwe Personenzüge eingeschneit. Die Reisenden sind aus Mange an Lebens bedürfnissen gezwungen, sich in den Schneesturn hinauszuwagen und umherirrendes Vieh zu erlegen. Mar wird von hier aus versuchen, mittelst ines Schneepfluges die beiden Eisenbahnzüge zu erreichen.
New⸗ Vork, 2. Dec. In Minneapolis(Minnesota ist Samstag Abend das Gebäude der Zeitung„Tribune“ niedergebrannt. Gegen zwanzig Personen sind umg kommen.
Die Maßregeln gegen die Verbreitung der Maul⸗ und Klauenscuche.
Nach Bekanntmachung in den Kreisblättern hat Groß, Ministerium des Innern und der Justiz bis auf Weiteres angeordnet, daß allgemein Viehhändler, welche Rindvieh, Schafe, Schweine oder Ziegen aus einer Gemarkung in eine andere verbringen lassen, mit thierärztlichen Zeug nissen versehen sein müssen. Diese Anordnung, so wohl meinend sie auch sein mag, hat eine schwere Schädigung der Landwirthe zur Folge; sie trifft, sehr wenige Fälle ausgenommen, nicht die Viehhändler, sonderg die Viehbesttzer und verfehlt doch ihren Zweck. Ein thterärztliches Zeugniß kostet nach der Medielnaltaze 69 Pf. bis 1 M. 37 Pf., bei auswärtigen Geschäften betragen die Wegvergütungen oder Taggelder der Thierärzte vos 69 Pf. bis 7 M. 71 Pf., Kosten, welche den Vieh haltern zur Last fallen; denn entweder bedingt sich den Käufer aus, daß der Verkäufer ein thlterärztliches Zeugniß beschafft, oder er kauft das Vieh mindestens um den Betrag der Kosten billiger. In unserer Gegend ist der Handel und Verkehr mit Rindvieh, Schafen, Schweinen und Ziegen fast vollständig in den Händen der Händler und diese suchen mitunter aus dieser Anordnung noch Nutzen zu ziehen. So ist angeblich eine Ziege im Werthe von 8 M. um 3 M. billiger verkauft wordenz
auf Saugkälber, die zum Schlachten kommen, werden
5 M., auch noch mehr, weniger geboten als vorher, ja für jetzt, die erste Zeit, ist der Handel ganz lahm gelegtz
denn der Handel mit Kleinvieh kann die durch die ges
troffenen Maßregeln entstehenden Kosten nicht vertragen. Bei der Menge der in den verschiedenen Orten zum Trans port gelangenden Thiere werden auch die Thierärzte kaum im Stande sein, den an sie gestellt werdenden Anforder⸗ ungen rechtzeitig zu genügen. Diese wenigen Andeutungeg werden genügend darthun, welchen bedeutenden Schadeg die Viehbesitzer durch die getroffenen Maßregeln erleidet müssen. Dann erreschen aber auch die in unserem Lande getroffenen Maßregeln ihren Zweck nicht oder doch nuß unvollständig. Die Provinz Oberhessen wird ringsum von Preußen umschlossen; in den benachbarten preuß, Landestheilen bestehen, soviel mir bekannt ist, diese Vor kehrungen nicht; es wird nicht zu verhindern sein, daß Vieh heimlich über die Grenze gebracht wird. Unter Um, ständen kann die getroffene Anordnung noch nachtheillg wirken, weil unser Land mehr der Seuche verdächtig er scheinen kann, als es wirklich ist. Seuchenfreie Ort oder ganze Landestheile mit diesen Maßregeln zu be schweren, halte ich nicht für angemessen. Es wird voll⸗ ständig genügen, wenn das Verlangen der Belbringung eines thlerärztlichen Zeugnisses auf Thiere beschränkt wird, welche aus Gemarkungen stammen, in denen Geböfte vor, kommen, wo die Seuche herrscht oder noch nicht langt erloschen ist. Will man durchaus nicht von einem Be— gleitschein absehen, so könnten die Großh. Bürgermeisterelen, wie früher, Viehgesundheitsscheine ausstellen mit der Be scheinigung, daß die Gemarkung, aus welcher die Thien stammen, vollständig seuchenfret ist. Von hier aus it eine Petition um Rücknahme oder Abänderung der ge troffenen Anordnung an Großh. Ministerum des Inner und der Justiz gerichtet worden. Ich bitte die Landwirtht des Kreises, insbesondere meine Herrn Collegen, sich uns anzuschließen und von allen Orten mit zahlreichen Unter schriften versehene Petitionen an Großh. Ministerlum des Innern und der Justtz gelangen zu lassen. Abdruck in anderen Zeitungen ist erwünscht. Salz, 30. Nov. 1889. Muth, Bürgermeister.
Jsraelitischer Gottesdienst in Friedberg.
Sabbathfeier vom 7. Dezember. Beginn: Freitag Abend 3 Uhr 45 Min. Samstag Morgen 8 Uhr 30 Min. Samstag Nachmittag 3 Uhr 15 Min. Sabbathausgang 4 Uhr 50 Min. Wochengottes dienst von Sonntag den 8. Dezember an Morgens 7 Ubr, Nachmittags 3 Uhr 45 Min.
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